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Kulturstiftung
der deutschen
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Malinowski,

Lew

Schriftsteller und Historiker                                   

* 23.08.1925                                            Moskau
 

 

In der sowjetischen Publizistik – nicht gerade bekannt wegen kritischer Fehden zwischen Autoren – trat 1987 ein Kandidat der Geschichtswissenschaften, Lew Malinowski, dem bekanntesten lebenden sowjetdeutschen Literaturwissenschaftler, Woldemar Ekkert, entgegen. Scharf kritisierte er dessen zusammenfassende Darstellung des Wirkens der deutschen bzw. deutschsprachigen Autoren des Russischen Reiches und der Sowjetunion, die angesichts der unterschiedlichen Entwicklungen in den voneinander abgeschiedenen Siedlungsgebieten auf jegliche Periodisierung verzichtete. Es entzündete sich hieran eine noch jahrelang andauernde Debatte, an der sich auch namhafte russlanddeutsche Autoren, wie etwa Alexander Hasselbach, beteiligten.

Malinowski indes argumentierte vom Standpunkt des Historikers aus, der damals seit mehr als 25 Jahren kontinuierlich an einer Geschichte der Russlanddeutschen bis zur Oktoberrevolution arbeitete. 1925 in Moskau geboren, erlernte Malinowski Deutsch als Mitarbeiter der sowjetischen Militäradministration in Schwerin in Mecklenburg, studierte dann Germanistik und entschloß sich schließlich, über die Geschichte der „Sowjetdeutschen“ zu arbeiten – was fast unmöglich erschien, da der Übergang von einer Fakultät der Philologischen zu einer anderen Fakultät, der Historischen, im sowjetischen Studiensystem nicht vorgesehen war. So wurde sein Thema in Moskau abgelehnt, und lediglich in Tomsk angenommen, wo es Malinowski schließlich gelang, eine Aspirantur für Geschichte der Rußlanddeutschen zu erhalten. Es fehlten jedoch weitgehend die wissenschaftlichen Betreuer, da seinem Thema bislang keine Aufmerksamkeit geschenkt worden war.

Neben seiner Arbeit an der Pädagogischen Hochschule in Barnaul im Altai leitete Malinowski regelmäßig Kurse in rußlanddeutscher Geschichte. Seine „Streiflichter aus der Geschichte der Sowjetdeutschen“ erschienen bereits 1971 in der Zeitschrift „Neues Leben“. Die Hochschulen Omsk, Koktschetow und Nowosibirsk lehnten seinen Vorschlag ab, entsprechende Kurse an den dortigen germanistischen Lehrstühlen anzubieten, obgleich dies dem Wunsch vieler Lehrer und Studenten entsprochen hätte – verfügten doch selbst die meisten angehenden Muttersprachlehrer kaum über die bescheidene Kenntnisse der Geschichte ihrer Vorfahren.

Immerhin gelang Malinowski 1989 die erfolgreiche Verteidigung seiner Dissertation „Das soziale und wirtschaftliche Leben der deutschen Kolonisten in Südrußland (1762-1917), aus der Einzelergebnisse bereits 1981-1983 und 1988 in der Zeitschrift „Heimatlichen Weiten“ veröffentlicht worden waren. Das „Neue Leben“ hob in seiner Beglückwünschung der Verteidigung hervor, daß dies seit Jahrzehnten die erste Doktorarbeit zur Geschichte der Russlanddeutschen sei.

Malinowski wirkt auch heute noch – trotz seiner 80 Jahre – unentwegt weiter im Altai-Gebiet hinter dem Ural, wo im neu gegründeten deutschen Rayon Halbstadt viele aus Zentralasien zugewanderte Russlanddeutsche – mit tatkräftiger Hilfe der Bundesrepublik Deutschland – eine neue Heimat suchen. Lew Malinowskis identitätsfördernde Geschichtsforschung erhält in diesem Zusammenhang einen ganz neuen Stellenwert.

Ingmar Brantsch


 

 

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