Wer hatte
nicht in der
Jugend den
Wunsch,
einmal etwas
Großes zu
werden? –
Auch dem
jungen Baron
war es ein
Traum
gewesen,
einmal an
führender
Stelle in
seiner
Heimat
Pommern zu
stehen, und
der kluge,
vielseitig
interessierte
und
umgängliche
Mann hat es
geschafft!
Als
Oberpräsident
stand er 11
Jahre lang
an der
Spitze der
Provinz, bis
er mit 71
Jahren aus
dem
Staatsdienst
schied.
Seinen
Werdegang in
einer
bewegten
Zeit zu
verfolgen
ist
gleichbedeutend,
auch ein
Stück
preußisch-deutscher
Geschichte
nachzuerleben.
Am 6.1.1840
kam Helmuth
Frhr. von
Maltzahn auf
dem
väterlichen
Gut Gültz im
früheren
Kreis
Treptow/Vorpommern
zur Welt;
sein Vater
war Landrat
im
Nachbarkreis
Demmin,
während
seine Mutter
eine Tochter
des
Mecklenburg-Schwerinschen
Staatsministers
Louis von
Lützow war.
Schon nach
einem Jahr
starb sein
Vater; nach
eigenem
Bekenntnis
verdankt er
als einziges
Kind seiner
Mutter und
ihrem Vater
aber
unendlich
viel in
seiner
Entwicklung.
Vom
Hauslehrer
streng
lutherisch,
doch nicht
frömmelnd
erzogen,
hatte er
täglich nie
mehr als 4
Unterrichtsstunden,
die dem
aufgeweckten
und
lernbegierigen
Jungen
genügten.
Nach Besuch
des
humanistischen
Gymnasiums
in
Wittenberg
(stets als
Klassenjüngster)
konnte er
bereits mit
16 Jahren
für 2
Semester auf
die Erlanger
Universität
gehen.
Später galt
er in der
Familie als
wandelndes
Lexikon,
seine
Bildung darf
klassisch
genannt
werden und
war
umfassend,
alte wie
neue
Sprachen
blieben ihm
stets
geläufig.
Dabei dachte
er
gradlinig,
unkompliziert,
war kein
Grübler.
Nach 3
Semestern in
Heidelberg,
wo er einer
Verbindung
beitritt,
den Wert
eines
Freundeskreises
und, bei
aller
Freiheit,
Disziplin
schätzen
lernt, kommt
er zum
Abschluß
nach Berlin.
Dort bieten
sich ihm
interessanteste
Begegnungen,
die sein
Weltbild
erweitern
und Toleranz
erfordern (u.a.
sein
Landsmann
Karl
Rodbertus,
der als ein
Begründer
des
wissenschaftlichen
Sozialismus
gilt). In
den Ferien
macht er
Studienreisen
ins Ausland
und
praktiziert
als
Regierungsreferendar
in Koblenz,
Wetzlar und
dann drei
Monate beim
Landratsamt
Anklam, um
die
Einführung
der
Grundsteuer
kritisch zu
beobachten;
in Stettin
erhält er
Einblick in
die staatl.
Domänenverwaltung.
Nach
Ableistung
seiner
Dienstpflicht
erlebt er
den Krieg
1866 bei den
Pasewalker
Kürassieren
und heiratet
1867 – nach
Ausscheiden
aus dem
Staatsdient
als
Regierungsassessor,
wieder
Landwirt –
Anna von
Rohrscheidt,
Tochter
eines
Oberst, mit
der er eine
glückliche
Ehe führte.
1869 ist er
in der
Provinzial-Synode,
nimmt als
Reserve-Offizier
am Krieg
gegen
Frankreich
1870/71 teil
und kommt
nach
Verwundung
mit einer
ihm
bleibenden
Armversteifung
zurück. Als
Mitglied des
Demminer
Kreistages
zieht
Maltzahn im
März 1871
mit 31
Jahren für
den
Wahlkreis
Anklam-Demmin
in den
ersten dt.
Reichstag
und hat dort
als
Konservativer
18 Jahre
deutsche
Politik
mitgetragen.
Diese
Aufgabe
zwang ihn,
mit seiner
Familie
teilweise in
Berlin zu
leben, zumal
er als guter
Redner mit
besten
Fachkenntnissen
stets
sachbezogen
und ohne
Polemik
argumentierte
und von
seiner
Fraktion oft
eingesetzt
wurde. Der
Ton im
Parlament
war anfangs
hervorragend,
die Arbeit
aber bei
abgesunkener
Fraktionsstärke
während des
Kulturkampfes
äußerst
anstrengend.
Bismarcks
Übergang zur
Schutzzoll-Politik
folgte er
nur zögernd,
da er
Bevorzugung
der
Industrie-Zentren
und
Nachteile
für die
Landwirtschaft
fürchtete.
Immer wieder
zog man ihn
als Referent
zur
Mitarbeit
bei der
Sozial-Gesetzgebung
heran,
wählte ihn
in die
Budget-Kommission,
deren
Vorsitzender
er von
1884-88 war.
Dann wurde
er,
unabhängig
und
konservativ,
auf
Vorschlag
Bismarcks
Reichsschatzsekretär.
Immer hat er
zum
Reichskanzler
ein gutes
Verhältnis
gehabt, das
sich weit
über das
Dienstliche
ausdehnte.
Bismarcks
Entlassung
und die
Form, wie
sie geschah,
hatte ihn
sehr
getroffen.
Aber er
blieb und
beendete
seine
staatspolitische
Laufbahn
erst im
August 1893
nach
Differenzen
mit Caprivi,
dem er sonst
klare
Auffassungsgabe
bestätigte.
Er suchte
Abstand und
Ruhe in
seinem
Gutsbetrieb,
dem er durch
die lange
Berliner
Zeit doch
entfremdet
war. Sein
Garten wurde
zum
Steckenpferd,
der Umgang
mit seinen
Arbeitsleuten
machte ihm
Freude;
plattdeutsch
sprach er so
gut wie sie!
Seit 1872
Angehöriger
des
Johanniter-Ordens
wurde er
1893
Kommendator
der
pommerschen
Genossenschaft
und 1915
sogar
Kanzler des
Ordens mit
weit
angelegter
Tätigkeit,
die ihm
immer
besonders
lieb war.
1899
erfolgte
seine
Berufung zum
Oberpräsidenten
von Pommern.
Hatte er
bereits 1873
bei der
Entfestigung
Stettins dem
amtierenden
Oberbürgermeister
Haken helfen
können, so
galt nun
seine ganze
Kraft der
Entwicklung
des Landes.
Handel und
Reedereien,
der
landesweite
Eisenbahnbau,
die so
notwendige
Küstenbefestigung
wie das
Pommersche
Schulkollegium
und die
Gesellschaft
für
Pommersche
Geschichte,
deren
Vorsitz er
hatte,
konnten von
Wissen und
Tatkraft
dieses
Mannes
Nutzen
ziehen.
Repräsentation
gehörte
dazu, die
zweimal
jährlichen
Tanzgesellschaften
im alten
Herzogsschloß
erfreuten
sich größter
Beliebtheit.
– 1911 nahm
er seinen
Abschied und
zog sich
nach Gültz
zurück. 5
Kinder,
Enkel und
Urenkel
blieben ihm
Trost, als
1913 seine
Frau nach
46jähriger
Ehe stirbt.
Volle
geistige
Kraft, die
Fähigkeit
zur Freude
auch am
Geringsten
und seine
warme
Herzlichkeit
blieben dem
königstreuen
Mann bis zum
Tode
erhalten,
als er am
11. 2.1923
heimgerufen
wurde.
Lit.:
Pommersche
Lebensbilder,
Bd. 2,
Stettin
1936;
Lebenserinnerungen
des Frhr.
Helmuth von
Maltzahn-Gültz,
Handschrift
im Besitz
des
Verfassers;
noch nicht
veröffentlicht.
–
Erinnerungen
an Bismarck.
Aufzeichnungen
von
Mitarbeitern
und Freunden
des Fürsten.
Gesammelt
von E.
Marcks und
K. A. von
Müller.
Stuttgart
und Berlin
1915, S.
89-118.
Persönliche
Erinnerungen
des
Verfassers.
Friedrich
Birkholz