Der
Bundesvorsitzende
der
Karpatendeutschen
Landsmannschaft,
Herr Oskar Marczy,
steht auch im 80.
Lebensjahr noch
mitten in seinen
Pflichten und
Aufgaben, die er mit
dem ihm eigenen Elan
erfüllt, kann aber
fürwahr auf ein
rastloses und
erfolgreiches Leben
zurückblicken, das
stets von dem Ziel
geprägt war, für
andere Menschen zu
wirken.
Oskar Marczy wurde
am 6. März 1924 in
Forberg/Oberzips als
ältester Sohn des
Lehrers Erwin Marczy
und seiner Frau
Wilhelmine geboren.
Er hatte noch zwei
jüngere Brüder,
Artur, der im Kriege
fiel, und Otto, der
heute in seiner Nähe
im Stuttgarter Raum
wohnt. Er wuchs in
der ländlichen
Idylle eines Zipser
Dorfes auf und ging
bei seinem Vater in
die deutsche
Volksschule.
Anschließend
besuchte er das
Deutsche
Evangelische
Gymnasium in Kesmark,
anfangs von Forberg
aus und als seine
Vater nach
Michelsdorf bei
Poprad versetzt
wurde, von dort
täglich mit der
Bahn. Dabei nahm er
die Mühen als
Fahrschüler auf
sich, doch die
Freuden über die
Gemeinschaft der
Jugend überwogen in
dieser Zeit. Im
Frühjahr 1944 legte
er mit dem letzten
Jahrgang des
deutschen Gymnasiums
seine Maturaprüfung
ab.
Wie so viele wurde
er zum Militär
eingezogen und mußte
das Ende des Krieges
in Fichtenwalde bei
Berlin erleben. In
einer
abenteuerlichen
Flucht schlug er
sich mit einem
Fahrrad von Berlin
bis an die Donau
durch, weil er in
der Nähe von Melk
seine Eltern
vermutete. Doch
diese fand er erst
später in Bernried
am Starnberger See.
Nach Arbeiten in der
Landwirtschaft und
in einer
Speditionsfirma
wollte er sein
Studium aufnehmen.
Er entschied sich,
was seinem Wesen
entsprach, für den
Lehrerberuf und
bestand im Sommer
1946 die
Aufnahmeprüfung an
der Pädagogischen
Hochschule in
München.
Schon im Herbst 1947
konnte er in Roth
bei Nürnberg die
erste Schulklasse
unterrichten und
1950 übernahm er die
Schulleitung der
zweiklassigen
Volksschule in
Vestenberg bei
Ansbach. Hier war er
nicht nur Lehrer,
sondern auch
Jugendleiter, der
Erbauer einer
Freilichtbühne für
die Schuljugend und
der Förderer des
Sports, so daß er
seine pädagogischen
und
organisatorischen
Fähigkeiten ausleben
konnte. In
Vestenberg gründete
er auch eine Familie
mit seinen beiden
Söhnen Roland und
Rainald.
Weil aber Oskar
Marczy in der Nähe
seiner Eltern sein
wollte, zog er 1960
in den Kreis
Böblingen bei
Stuttgart; zuerst
war er drei Jahre
Konrektor in Weil im
Schönbuch und 1963
wurde er zum Rektor
der
Johann-Bruecker-Schule
in Schönaich
berufen. Hier konnte
er moderne
pädagogische Ideen
verwirklichen, indem
er eine neue
Grundschule
einrichtete, die
Hauptschule baulich
erweiterte und einen
Realschulzweig
anschloß. Seine
Schule galt über
Jahre als anerkannte
Reformschule, die
von vielen Lehrern
und Gemeinderäten
als mustergültiges
Beispiel besichtigt
wurde.
Daneben engagierte
sich Oskar Marczy
auch politisch,
zuerst in der
Kommunalpolitik,
seit 1965 war er im
Gemeinderat und seit
1970 auch im
Kreistag. Durch
seinen
Bekanntheitsgrad
wurde er 1968 als
F.D.P.-Abgeordneter
in den Landtag von
Baden-Württemberg
gewählt und wirkte
hier besonders als
schul- und
sportpolitischer
Sprecher seiner
Fraktion. In diesen
Bereichen ist er bis
heute noch Berater
seiner Partei in
Baden-Württemberg.
Seit seiner Jugend
trieb Oskar Marczy
Sport, vor allem
spielte er Handball.
So traf es sich, daß
er in seinen
politischen Ämtern
auch viel für die
Sportförderung tun
konnte. Unter
anderem war er von
1969 bis 1989
Sportkreisvorsitzender
im Kreise Böblingen.
Im Jahre 1981 wurde
er zum Präsidenten
des
Handballverbandes
Württemberg gewählt;
dieses Amt konnte er
in zwölf Jahren mit
großer Tatkraft und
vielen neuen Ideen
ausfüllen. Ein
Projekt ist das
Handball-Teilinternat
Ostfildem, das bis
heute bundesweit
Handballtalente
fördert.
So wird es
verständlich, daß
ein so stark
engagierter Mann
erst in den älteren
Tagen aktiv in die
Arbeit der
Karpatendeutschen
Landsmannschaft
einbezogen werden
konnte. Als im Jahre
1987 der damalige 2.
Bundesvorsitzende
Ladislaus Guzsak
plötzlich verstorben
war, wurde Herr
Marczy gefragt, ob
er im Vorstand
mitarbeiten könnte.
Er ließ sich zum 2.
Bundesvorsitzenden
wählen und arbeitete
sechs Jahre mit dem
1.
Bundesvorsitzenden,
Herrn Isidor Lasslob
gut zusammen, so daß
es sich nach dem
Rücktritt von Herrn
Lasslob im Jahre
1993 ganz logisch
ergab, daß Herr
Marczy den
Bundesvorsitz
übernahm. Die Zeit
seiner Amtsführung
war von der Wende
und der „sanften
Revolution“; in der
Slowakei geprägt, so
daß sich für die
Landsmannschaft ganz
neue
Aufgabenstellungen
ergaben. Vor allem
bemühte sich Herr
Marczy um die
verbliebenen
Deutschen in der
Slowakei, die sich
im
„Karpatendeutschen
Verein“
zusammengeschlossen
hatten. Durch
Unterstützung der
Bundesministerien
konnte er an der
Schaffung von den
Begegnungshäusern
für die Deutschen in
den einzelnen
Regionen der
Slowakei mitwirken.
Ein besonderes
Anliegen war ihm die
Förderung des
Deutschunterrichts
in den Schulen der
Slowakei, die
deutschstämmige
Kinder besuchen - er
bemühte sich um den
Einsatz von
deutschen Lehrern
und um die Förderung
der deutschen
Sprache. Dieses
Anliegen bewegt ihn
bis heute und in die
Zukunft hinein.
Für seine großen
Verdienste wurde er
im Jahre 1997 von
seiner Heimatstadt
Kesmark in der
Oberzips/Slowakei
zum Ehrenbürger
ernannt. Seine
vielfältige und
erfolgreiche Arbeit
wurde mehrfach
gewürdigt, indem er
die
Landesverdienstmedaille
des Landes
Baden-Württemberg
erhielt und auch
Inhaber des
Bundesverdienstkreuzes
am Bande und seit
1994 der ersten
Klasse ist.
Die Arbeit der
Karpatendeutschen
Landsmannschaft und
der anderen
karpatendeutschen
Organisationen ist
in den letzten
Jahren
gekennzeichnet vom
Alterungsprozeß der
Frauen und Männer,
die der
Erlebnisgeneration
angehören und sich
über Jahre für die
Gemeinschaft der
Karpatendeutschen
eingesetzt haben.
Unter diesem Aspekt
hat der
Bundesvorsitzenden
Oskar Marczy ein
schweres Amt, weil
die Schar der
Getreuen immer
geringer wird.
Obwohl er selbst von
gesundheitlichen
Problemen nicht
verschont ist, führt
er sein Amt mit
einem imponierenden
Engagement und mit
einer
bemerkenswerten
Begeisterung, setzt
immer neue Impulse
und läßt sich von
guten Ideen
überzeugen. Sein
Ziel ist, die
landsmannschaftlichen
Aufgaben in guter
Zusammenarbeit mit
allen Organisationen
und beteiligten
Personen auf eine
Basis zu stellen,
die für die Zukunft
Bestand hat, denn es
geht uns um die
Erhaltung unseres
kulturellen Erbes.
Bild: Archiv
des Autors
Hans
Kobialka