In Martinis Erlebnisbüchern
wird sich
seine
Generation
der
kolonisatorischen
Großtat
erstmalig
auch in der
Literatur
bewußt, die
der Neustamm
der
Donauschwaben
zwischen
Plattensee
und Banater
Bergen in
den
vorangegangenen
hundert
Jahren
vollbracht
hat.
Das seinem Vater gewidmete
Vorwort zum
Roman
„Pflanzer
und Soldat,
Bilder und
Gestalten
aus dem
Banate“
(1854)
beweist, daß
dieses
Bewußtsein
schon eine
Generation
früher
vorhanden
war. Ja wir
erfahren,
daß der
„Schwabe“ –
die
Donauschwaben
sind
überwiegend
fränkischen
Stammes –
schon damals
ein
Idealbild
vom
Mutterlande
„im Herzen
trug“.
Dieses
bewahrten
sich auch
heute noch
Zehntausende,
die eine
Rückwanderung
nach
Deutschland
anstreben.
Wir stellen
in Martinis
Büchern aber
auch bereits
Ansätze zu
einem
donauschwäbischen
Stammesbewußtsein
fest.
Sein Vater
war Oberarzt
bei den
Kaiser-Husaren,
später
Regiments-
und Badearzt
in Mehadia
nördlich vom
jugoslawisch-rumänischen
Donauknie,
dem
„Eisernen
Tor“, bzw.
in
Herkulesbad
(heute: Baue
Herculane)
im Banater
Bergland.
Der
Studiengang
Martinis
führt über
das
Temeswarer
Piaristengymnasium
an die
Universität
Wien, doch
schon 1841
lehrt
Martini als
Professor
für
Mathematik
an der
Grenz-Kadettenschule
zu
Karansebesch
(Caransebeş).
1847 wird er
nach Pest
versetzt, wo
er bald dem
deutschbewußten
Kreis um
Eduard Glatz
und seiner
„Pesth-Ofener
Zeitung“
angehört,
dem
maßgebenden
Tagblatt der
Deutschen
Ungarns. Er
schließt
sich dem
ungarischen
Revolutionär
Lajos
Kossuth an,
wie viele
Deutsche,
gehört 1848
dem
ungarischen
Generalstab
an, kämpft
in den
Reihen der
ungarischen
Revolutionäre
gegen die
Serben in
der Batschka
und stellt
sich dem in
Pest 1849
einrückenden
Fürsten
Windischgrätz.
Nach
glimpflich
verlaufener
kriegsrechtlicher
Untersuchung
wird er
Reisekorrespondent
des
„Konstitutionellen
Blattes für
Böhmen“.
Seinen
„Reisebildern
aus Italien“
folgen
„Kroatische
Bilder“,
„Skizzen aus
der
Wojwodina“,
„Aus der
österreichischen
Walachei“.
1855
übersiedelt
er nach Prag
und verfaßt
dort seine
„Bilder aus
dem
Honvedleben“.
Über dieser
Niederschrift
seiner
Erinnerungen
an den
ungarischen
Freiheitskampf
wird er zum
Dichter. Es
sind
realistisch
erzählte
Erlebnisse
des
Generalstäblers,
seine
Begegnungen
mit
Generalissimus
Görgey,
einem Zipser,
Kossuth,
General
Klapka,
seinem
Banater
Landsmann,
Schicksale
in einem
bunten
Völkergemisch
eines
Landes, in
dem sich
Nationen
ausbilden,
in dem
Ungarn gegen
Habsburg,
Kroaten an
der Seite
der
Kaiserlichen,
Serben
allein gegen
Ungarn
kämpfen und
viele
„Schwaben“
in den
Reihen des
mit
freiheitlichen
Parolen
agierenden
Kossuth
stehen. Aus
Randbemerkungen
und
Schicksalen
kleiner
Leute wird
dem Leser
die Tragödie
des
Ungarndeutschtums
veranschaulicht,
das, vom
deutschen
Mutterlande
im Stich
gelassen,
zwischen
Vaterland
und
Mutterland
aufgerieben
wird.
1853
übernimmt
Martini die
Leitung der
amtlichen
„Grazer
Zeitung“
(1853-1866)
und macht
die dortige
„Tagespost“
zu einem
überregionalen
Organ. 1863
vertritt er
die liberale
Autonomistenpartei
im
Steiermärkischen
Landtag. Er
gründet die
namhafte
Zeitschrift
„Der
Aufmerksame“
und schreibt
in Graz das
„Stilleben
eines
Grenzoffiziers“.
Es sind
Schilderungen
vormärzlicher
Zustände in
der
Militärgrenze,
einer Welt,
die „noch
tief im
Mittelalter
zu stecken
scheint“.
Der erwähnte
Roman
„Pflanzer
und Soldat“
kann als
vorweggenommener
„Großer
Schwabenzug“
(Müller-Guttenbrunns)
aufgefaßt
werden, und
im Büchlein
„Vor hundert
Jahren“
(1864)
lernen wir
die
unerfreulichen
Zustände in
deutschen
Kleinstaaten
kennen,
unter denen
viele ihrer
Söhne
gezwungen
wurden, den
Knotenstecken
des
Auswanderers
zu
ergreifen.
1868 tritt Martini als
politischer
Redakteur in
das Büro
des Wiener
„Fremdenblattes“
ein, wo er
bis 1878
wirkt.
Schwer erkrankt, kann er seine letzten Werke
nur mehr
diktieren.
Ob die
letzten
Romanmanuskripte
„Der
Grenzhauptmann“
und
„Zwischen
Ost und
West“ in
Zeitschriften-
oder
Zeitungsfortsetzungen
erschienen
sind, konnte
nicht
festgestellt
werden.
Erwähnt
werden beide
Werke in
Briefen an
den aus dem
Banat
stammenden
österreichischen
Lvriker
Stefan Milow
(Millenkovich),
die (von
Anton
Scherer) im
Millenkovich-Nachlaß
gefunden
wurden. Eine
Briefstelle
führte zur
Entdeckung
eines bisher
unbekannten
Werkes („In
meinem
Garten, den
Aufzeichnungen
eines alten
Grenzoffiziers
nacherzählt“),
das in 40
Folgen in
der Prager „Bohemia“
1880
erschienen
ist. Martini
ist ein
Wegbereiter,
der
Beachtung
verdient.
Lit.:
F. Wettel:
Sechs
Lyriker.
Neue Beiträge
zur
deutschbanater
Kulturgeschichte,
1912; K.K.
Klein:
Literaturgeschichte
des
Deutschtums
im Ausland,
1939; A.
Scherer:
Einführung
in die
Geschichte
der
donauschwäbischen
Literatur,
I960.
Anton
Scherer