Zwei Dinge
sind es, die
ein Gedenken
an Johannes
Mathesius
vor allem
rechtfertigen:
Er war der
erste
„Lutherbiograph“,
und er steht
als
Musterbeispiel
für das
humanistisch-reformatorische
Bildungswesen
– das
Prinzip, das
für
Nachhaltigkeit
der
Reformation
sorgte. Wie
kaum einem
anderen
gelang es
ihm, an
seiner
Wirkungsstätte
die
Reformation
durchzusetzen
durch die
Verbindung
von
katechetischer
Unterweisung
und
allgemeiner
Bildung.
Johannes
Mathesius
wurde am 24.
Juni 1504
als dritter
Sohn des
angesehenen
Ratsherrn
Wolfgang
Mathesius
und dessen
Ehefrau
Christine,
geb.
Scheuerfuß,
in der
sächsischen
Kleinstadt
Rochlitz
geboren.
Nach dem
Besuch der
Schulen in
Rochlitz und
dem nahe
gelegenen
Mittweida
begab er
sich kurz
nach dem
Tode seines
Vaters 1521
nach
Nürnberg;
zwei Jahre
später
finden wir
ihn als
Student an
der
Ingolstädter
Universität.
Die Jahre
dort fallen
genau in die
Zeit, in der
sich diese
Hochschule
zu einem
Gegenpol zum
reformatorischen
Wittenberg
entwickelte.
Einer sehr
kurzen
Anstellung
in München
folgte dann
eine
Hauslehrerstelle
bei der
Familie von
Auer in
Odelzhausen
bei
Augsburg.
Als 1529 die
wegen der
Pest aus
Wittenberg
nach Jena
evakuierte
Universität
wieder
zurückzog,
ging auch
Mathesius
nach
Wittenberg.
Die Lektüre
von Luthers
„Sermon von
den guten
Werken“
hatte u.a.
dazu
geführt, daß
er sich
selbst bei
Luther
(1483-1546),
Philipp
Melanchthon
(1497-1560),
Johannes
Bugenhagen
(1485-1558)
und Justus
Jonas
(1493-1555)
ein Bild der
Reformation
machen
wollte. Aus
Kostengründen
blieb er
allerdings
nur ein Jahr
und folgte
dem Angebot,
in Altenburg
als
Baccalaureus
Gehilfe des
städtischen
Schulrektors
zu werden.
Hier war
spätestens
seit der
1538 von
Georg
Spalatin
(1484-1545),
dem dortigen
Pfarrer,
durchgeführten
Visitation
die
Reformation
eingeführt.
1532 wurde
er direkt
nach dem
1516 durch
die Grafen
von Schlick
wegen des
Bergbaus
gegründeten
St.
Joachimsthal
in Böhmen
berufen.
Fortan
sollte
dieser Ort
eng mit
seinem Namen
verbunden
sein.
Mathesius
war hier der
siebente
Lehrer und
sollte für
acht Jahre
prägend als
Rektor
wirken. Er
sorgte für
eine
Umgestaltung
der
Lateinschule
in eine
evangelische
Bildungsanstalt,
in der sich
Humanismus
und
Reformation
gegenseitig
befruchteten.
Neben dem
Katechismusunterricht
war es vor
allem der
Unterricht
in Latein
sowie den
Sprachen der
Bibel
(Griechisch
und
Hebräisch),
der dies zum
Ausdruck
brachte.
1540 begab
sich
Mathesius
noch einmal
für zwei
Jahre nach
Wittenberg,
nun nicht
mehr nur als
zahlender
Student,
sondern als
Tischgenosse
Luthers. Aus
dieser Zeit
stammen auch
seine
Aufzeichnungen,
die eine der
Vorlagen für
die
Tischreden
Luthers
wurden.
Ordiniert
kehrte er
1542 zurück
und wurde
Prediger in
seiner
Stadt. Im
gleichen
Jahr
heiratete er
Sibylle, die
Tochter des
Bergbaubeamten
Paul
Richter.
Vier Jungen
und drei
Mädchen
wurden in
der Ehe
geboren, die
als Prototyp
eines
„evangelischen
Pfarrhauses“
gilt.
Als infolge
des
Besitzwechels
von St.
Joachimsthal
– der
böhmische
König
Ferdinand I.
(1503-1564)
zog das
Lehen der
Familie
Schlick ein,
und das so
einträgliche
St.
Joachimsthal
stand ab
sofort unter
königlichem
Patronat –
der Pfarrer
aus Furcht
vor
Verfolgung
durch den
altgläubigen
König floh,
wurde
Mathesius
1545 Pfarrer
der Stadt.
Er blieb in
St.
Joachimsthal
und sorgte
dafür – bis
hin zu einer
Vorladung
beim König
–, daß im
Schmalkaldischen
Krieg die
Joachimsthaler
nicht
gezwungen
wurden, auf
Seiten ihres
Königs gegen
ihre
evangelischen
Glaubensgenossen
in Sachsen
zu kämpfen.
Mathesius
blieb St.
Joachimsthal
bis an sein
Lebensende
treu. Nicht
wenige
Offerten gab
es, die er
aber alle
ablehnte:
Schon 1546
bemühten
sich
Melanchthon
und
Camerarius,
ihn für die
Leipziger
Universität
zu gewinnen.
Auch 1553
und 1555
waren
Versuche,
ihn dorthin
zu holen,
vergeblich.
Selbst
zeitweilig
wollte
Mathesius
seine
Gemeinde
nicht
verlassen.
Weder war er
bereit, am
Trienter
Konzil
teilzunehmen,
noch in
Nürnberg bei
der Klärung
der
osiandrischen
Streitigkeiten
vor Ort zu
sein. Trotz
allem war er
hier nicht
abgeschnitten
von den
Ereignissen,
sondern
unmittelbar
beteiligt.
Bedeutende
reformatorische
Persönlichkeiten
suchten ihn
in seinem
Domizil auf,
und er
führte eine
weite
Korrespondenz.
Der Tod
seiner Frau
im Jahre
1555 war für
ihn ein
schwerer
Schlag. In
den durch
Krankheit
gezeichneten
Jahren bis
zu seinem
friedlichen
Tod 1565
kann er die
Schriften,
die seine
bleibende
Bedeutung
begründen,
verfassen
bzw. zum
Druck
bringen.
Allen voran
sind die
1566 im
Druck
erschienene
St.
Joachimsthaler
Kirchen-,
Schul- und
Spitalordnung
von 1551,
die vor den
Bergleuten
gehaltenen „Sarepta-Predigten“
(1553-1562)
und die
siebzehn
Predigten
über Luthers
Leben – die
erste
Biographie
des
Wittenberger
Reformators
(erschienen
1566) – zu
nennen. In
den Sarepta
(Schmelzhütte)-Predigten
griff
Mathesius
nicht nur
die deutsche
Sprache auf,
sondern
predigte
ganz bewußt
für die
Bergleute,
indem er
ihren
Sprachgebrauch
und ihre
Lebenswelt
aufgriff.
Die
Gegenreformation
brachte
schließlich
auch in St.
Joachimsthal
die
reformatorische
Blüte zu
Fall. Schon
zwei
Generationen
später war
von dem
Wirken
Mathesius’
kaum noch
eine Spur
geblieben.
Geblieben
allerdings
sind seine
Predigten
über Luther,
die die
Grundlage
für die
biographische
Forschung zu
Luther
bilden
sollten,
sowie seine
Kirchen- und
Schulordnung,
die zum
Vorbild für
zahlreiche
andere Orte
wurde, wenn
das Kirchen-
und
Schulwesen
im Sinne der
Reformation
neu geordnet
werden
sollte.
Seine
Predigten
(über 1500
davon
gedruckt)
wurden zu
einem der
Fundamente
für die bis
heute
andauernde
große, auch
persönliche
Frömmigkeit
im
Erzgebirge.
Werke:
Historien
von Martin
Luthers
Anfang,
Lehr, Leben
und Sterben.
Nürnberg
1566 (Dr.
Martin
Luthers
Leben: in
siebzehn
Predigten
dargestellt/hrsg.
von Georg
Buchwald.
Leipzig
1887). –
Georg
Lösche:
Johannes
Mathesius:
ausgewählte
Werke. 4
Bde. Prag
1896-1904
(2. Aufl.
1908-1910).
Lit.:
Stefan
Beyerle:
Mathesius,
Johannes.
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. 5
(1993), Sp.
1000-1011
(Lit.). –
Georg
Lösche:
Johannes
Matheisus, 2
Bde, 1895,
Nachdruck
1971. –
Günther
Wartenberg:
Johannes
Mathesius
und die
Wittenberger
Reformation.
Johannes
Mathesius a
wittenbergská
reformace,
in:
Sächsisch-böhmische
Beziehungen
im 16.
Jahrhundert
(=
Sasko-české
vztahy v 16
století),
hrsg. von
Friedrich
Naumann,
Chemnitz
2001, S.
142-149,
286-293.
Bild:
Jean
Jacques
Boissard
(1528-1602),
Titelbild,
bei G.
Lösche,
Johannes
Mathesius.
Markus Hein