Franz Anton
Maulbertsch
(Maulpertsch),
meistens nur
mit dem
Vornamen
Anton
zitiert, ist
wohl der
genialste
Barockmaler
im
österreichisch-ungarischen
Raum des 18.
Jahrhunderts.
Gleichwohl
ist sein
Name
vergessen.
Das trifft
vor allem
für
Österreich
und weniger
für Ungarn
zu. Die
Angabe
seines
Geburts- und
seines
Todestages
war lange
Zeit nicht
zweifelsfrei.
Klärung
brachten die
Forschungen
der
ungarischen
Kunsthistorikerin
Klara Garas,
der
Direktorin
des Museums
der Schönen
Künste in
Budapest
(Ofenpest).
Die
150jährige
Türkenherrschaft
hat nach der
Befreiung
durch die
Habsburger
in Ungarn
eine
Trümmerlandschaft
hinterlassen
oder hat
dasselbe
nach einem
herkömmlichen
"bonmot" in
eine
Pusztalandschaft
verwandelt.
Der Hochadel
und der
Klerus
riefen aus
dem
süddeutschen
und
österreichischen
Raum auch
viele
Künstler
herbei, um
Ungarn
wiederum auf
das Niveau
eines
westeuropäischen
Landes zu
heben. Vor
allem die
donauschwäbisch
besiedelten
katholischen
Städte West-
und
Südungarns
wurden zu
einem
Eldorado
deutscher
Künstler
aller
Sparten und
Klassen.
Kein
Geringerer
als der
größte
ungarische
Historiker,
Julius
Szekfü
(1883-1955),
hat in
diesem
Zusammenhang
das
Kunstschaffen
von
Maulbertsch
in seiner
Bedeutung
hoch
veranschlagt.
Von
Langenargen
am Bodensee
bis in die
Habsburger
Lande an der
mittleren
Donau war es
ein weiter
Weg. Anton
Maulbertsch
sen. war
nach der
Eintragung
in die
Geburtsmatrikel
ebenfalls
ein "pictor".
Als Frau
hatte sich
dieser Anna
Maria
Strodler aus
Enns in
Oberösterreich
erwählt. Das
Leben des
Sohnes läßt
sich auf
Grund seiner
Anstellungen
fast von
Jahr zu Jahr
rekonstruieren.
Seit 1739 -
also bereits
mit 15
Jahren -
stand er im
Dienste
eines Wiener
Malers.
Nebenbei
besuchte er
die
Abendkurse
der Wiener
Kunstakademie,
um sich
weiterzubilden.
Sechs Jahre
verbrachte
er dort.
1745 machte
er sich
selbständig
und begab
sich auf die
Wanderschaft.
1752 malte
er die
Deckenfresken
der Wiener
Piaristenkirche
aus, die
noch heute
zu bewundern
sind. 1779
kaufte er
sich in der
Neuen
Schottengasse
ein Haus,
worin er
auch sterben
sollte. Seit
1770 finden
wir
Maulbertsch
fast ständig
in Ungarn.
Seine
Honorare,
wovon er
auch seine
Gehilfen, in
der Regel
drei bis
vier,
bezahlen
mußte, waren
nicht
besonders
hoch.
Durchschnittlich
erhielt er
für einen
Auftrag 2000
bis 3000
Rheinische
Gulden. So
ist es nicht
verwunderlich,
daß er nur
ein Vermögen
von 4846
Gulden und
30 Groschen
hinterließ.
Seine zweite
Frau, die
vom Ruhme
ihres Mannes
nicht viel
begriffen zu
haben
scheint, hat
ein Jahr
nach dessen
Tode die
ganze
Hinterlassenschaft
verschleudert.
Über das
Begräbnis
von
Maulbertsch
liegen keine
Berichte
vor. So ist
auch sein
Grab
unbekannt.
Im 19.
Jahrhundert
war
Maulbertsch
vergessen.
Vielleicht
liegt das
daran, daß
er im
Schatten der
Maler
Munkácsy-Lieb,
Lotz und
Benczur ("Benzur")
stand. Erst
Klara Garas
hob
Maulbertsch
auf den
hohen
Sockel, auf
den er
gehört
(Künstlerisches
Lexikon.
Ofenpest
1967, Band
3).
Für das
künstlerische
Schaffen von
Maulbertsch
war vor
allem die
Tatsache
entscheidend,
daß viele
madjarische
Magnaten
auch in Wien
einen Palast
hatten und
sie somit
mit dem
Stande der
Barockarchitektur
und der ihr
dienenden
Künste
vertraut
waren. Die
Grafen
Esterházy,
Pálffy oder
Erdödy
wollten aber
keinesfalls
hinter der
Kaiserstadt
zurückstehen,
ebensowenig
die Bischöfe
und
Prälaten.
Zuerst malte
Maulbertsch
1766 im
Auftrage des
ungarischen
Hofkanzlers
Graf Franz
Esterházy
die
Siebenbürgische
und
Ungarische
Hofkanzlei
in der
Wiener
Bankgasse
aus, wo die
ungarische
Botschaft
heute noch
residiert.
Seit 1770
arbeitete er
ständig in
Ungarn.
Im alten
Ungarn
lassen sich
17
Wirkungsstätten
des
Künstlers
feststellen.
Hierzu
zählen
Halbturn (Féltorony)
im heutigen
Burgenland
mit einem
Landschloß
der Grafen
Harrach, das
er mit
allegorischen
Darstellungen
schmückte;
Kolotschau (Kalocsa),
wo
Erzbischof
Graf Adam
Patachich,
dessen
Jurisdiktion
sich auf den
größten Teil
des
Donau-Theiß-Zwischenlandes
bzw. auf das
ganze
sogenannte
Batscherland
erstreckte,
Maulbertsch
1783/84 den
erzbischöflichen
Palast mit
Deckenfresken
zieren ließ;
Ortenbach (Orlát)
bei
Hermannstadt
in
Siebenbürgen,
dessen
Garnisonkirche
aus dem
Jahre 1762
von Maria
Theresia
1776 sechs
Ölbilder
geschenkt
bekam, von
denen
Maulbertsch
vier gemalt
hatte (heute
alle im
Museum von
Karlsburg);
Poppa (Pápa),
eine kleine
Landstadt
der Grafen
Esterházy im
Komitat
Weißbrunn
oder im
Buchenwald,
auch das
"kalvinistische
Rom"
Transdanubiens
genannt, wo
Graf Karl
Esterházy
als Bischof
von
Weißbrunn
(ung.
Veszprém)
1782/83 die
Pfarrkirche
samt
Kapelle,
Sakristei
und
Oratorien
von
Maulbertsch
mit
Deckenfresken
schmücken
ließ; Raab (Györ),
wo
Maulbertsch
fast zehn
Jahre lang
im Auftrage
des Bischofs
Graf Zichy
an der
künstlerischen
Ausgestaltung
des Domes
arbeitete
und Bilder
mit Motiven
wie Christus
am Ölberg,
Mariä
Himmelfahrt
bzw. Mariä
Aufnahme und
Verklärung
Christi
schuf;
Schümeg (Sümeg)
im
Weißbrunner
Komitat, der
Sommersitz
der
Weißbrunner
Bischöfe, wo
das größte
malerische
Kunstwerk
Maulbertsch,
nämlich die
Decken- und
Wandfresken
der dortigen
Pfarrkirche,
entstand,
das ihm die
Aufnahme in
die Wiener
Akademie
1759
einbrachte,
nach Klara
Garas
beispiellos
in der
Kunstgeschichte
bzw. der
späten
Freskomalerei;
Stuhlweißenburg
(Székesfehérvár),
wo
Maulbertsch
in den
Jahren
1766/67 die
ehemalige
Karmeliterkirche
und
nunmehrige
Seminarkirche
mit den
Deckenfresken
Mariä
Himmelfahrt
und
Mysterium
der Erlösung
ausmalte
sowie
Waitzen (Vác)
am
Donauknie,
für dessen
Domkirche
Kardinal-Erzbischof
von Wien und
Bischof von
Waitzen,
Graf
Christoph
Migazzi,
1770/71 den
Meister das
Hauptaltarbild
Mariä
Heimsuchung
schaffen und
die
Domkuppel
mit Fresken
ausgestalten
ließ, wofür
er 4000
Gulden
erhielt.
Klara Garas
beziffert
die
nachweisbaren
Fresken auf
24 und die
Altarbilder
auf 90, eine
respektable
Zahl, wenn
man bedenkt,
mit welcher
körperlicher
Anstrengung
und unter
welchen
Umständen
(teilweise
auf dem
Rücken
liegend)
Maulbertsch
seine Werke
schuf. Aus
Überzeugung
schuf er nur
religiöse
Werke.
Lit.:
Klara Garas:
Franz Anton
Maulbertsch
(1724-1796).
Vorwort von
Oskar
Kokoschka,
Wien 1960
(in
Glanzdruck,
333 Seiten
in Großoktav
und 315
Abbildungen).
Bild:
Maulbertsch
nach einem
Gemälde
seines
Schwiegervaters
Jakob
Schmutzer.
Anton
Tafferner