Als Sproß
einer
mitteldeutschen
Kantorenfamilie
und Sohn des
Wasunger
Kantors
Johann
Erhard Meder
wuchs Johann
Valentin in
die
musikalische
Tradition
seiner
Familie
hinein. So
sind vier
seiner
Brüder als
Kantoren
nachzuweisen.
Anscheinend
war Valentin
zunächst
nicht für
die Musik,
sondern für
das Studium
der
Theologie
bestimmt,
welchem er
1669 in
Leipzig und
dann in Jena
nachging. Er
hielt sich
dann
vorwiegend
als Sänger
an
verschiedenen
Höfen auf,
in Gotha und
Meiningen
(1671),
Eisenach und
Kassel
(1672).
Anschließend
war er in
Bremen und
Hamburg
(1672/73)
sowie in
Kopenhagen,
wo sein
Bruder David
Bernhard als
ein
angesehener
Organist an
der
Frauenkirche
tätig war.
In Lübeck
suchte er
1674
Dietrich
Buxtehude
auf, welcher
sich in sein
Stammbuch
eintrug.
Noch 1674
kam er als
Kantor an
das Revaler
Gustav-Adolf-Gymnasium.
Als
bedeutsam
für die
deutsche
Operngeschichte
erwies sich
die
Aufführung
seines
Singspiels
Die
beständige
Argenia
1680 in
Reval, das
als eine
Leistung
singulärer
Art in
Hinsicht auf
den Ort und
die Zeit
seiner
Entstehung
zu
betrachten
ist. Es ist
die älteste
deutsche
Oper, die in
Text und
Musik
vollständig
erhalten
ist. Vom
Anlaß her
reiht sie
sich in die
seit 1600 in
Italien
belegten
Hochzeitsopern
ein. Sie
entstand zur
Hochzeit der
dänischen
Prinzessin
Ulrica
Eleonora mit
dem
schwedischen
König Karl
XII. Die
Widmungsträger
nahmen
jedoch von
der
Mederschen
Oper nicht
viel Notiz,
und eine
wohl
erhoffte
Anstellung
am
schwedischen
Hof wurde
dem
Komponisten
nicht
zuteil.
1684/85/86
ist Meder in
Riga
nachzuweisen,
wo er sich
auch bereits
von Reval
aus 1682
aufgehalten
hatte. Zu
seiner
Lucas-Passion
sind
Berichte von
1685 gegen
die
vorgesehene
Aufführung
in Riga
überliefert,
in welchen
gesagt wird,
daß ihre
Länge, die
anspruchsvolle
Kompositionsweise
und der hohe
Unbekanntheitsgrad
die Gemeinde
von ihrer
Andacht
ablenken
würden. Es
ist
anzunehmen,
daß Meder in
Riga kein
Amt hatte.
1686 wurde
Meder als
Nachfolger
von
Balthasar
Erben an die
Danziger
Marienkirche
berufen.
Meders
Opernversuche
brachten ihn
bei dem
Danziger Rat
in
Schwierigkeiten,
so daß er
Danzig
verließ und
nach
Königsberg
ging, wo er
1695/96
Domkantor
war.
Wahrscheinlich
kam Meder
nach seiner
Anstellung
in
Königsberg
nochmals
nach Danzig
zurück, da
Maximilian
Freißlich,
der in
jungen
Jahren auf
Empfehlung
eines
Mederschen
Bruders als
Singeknabe
zu Meder
nach Danzig
gekommen
war, erst
1699 als
sein
Nachfolger
im Amt
genannt
wird. 1699
kam Meder
wieder nach
Riga, wo er
1700 zum
Musikdirector
bzw. Kantor
berufen
wurde. Seit
1701 bis zu
seinem Tod
war er
Domorganist.
Dem Kantorat
am Rigaer
Dom stand er
nur als “ad
interim
constituirter
Director”
bis zur
Ernennung
von Johann
Georg
Andreae im
September
1701 vor.
Allerdings
sollte sein
Rigaer Amt
durch den
Nordischen
Krieg, der
schwer auf
dem Land und
der Stadt
lag, stark
beeinträchtigt
werden. Dazu
kam im Jahre
1710 noch
die
verheerende
Pestseuche,
der zwei
Drittel der
Bevölkerung
zum Opfer
fielen.
Bereits 1707
klagte Meder
in einem
Brief, daß
durch den
Krieg
“bereits ins
achte Jahr
Handel und
Wandel,
Künste und
Wissenschaften
darniederlägen,
eine sehr
harte Zeit
sei, und
seiner Orts
auch die
Musik in
grossen
Verfall
käme,
wodurch sein
Unterhalt
aufs
Äußerste
geschwächt
sey”. Durch
die
Niederlage
der Schweden
bei Poltawa
kamen die
baltischen
Lande an
Rußland.
Peter der
Große
bestätigte
in
Kapitulationen
von 1710 die
Rechte der
Ritterschaft
und der
Städte, aber
es sollte
noch weit in
das
Jahrhundert
hinein
dauern, bis
sich das
Land erholt
hatte. So
war auch in
Riga die
Stelle des
Kantors
sieben
Jahre, bis
1717
unbesetzt,
und Meder
hatte wohl
als Organist
das
Kantorenamt
mitversehen.
Meder wurde
der “Rigaer
Buxtehude”
genannt.
Seine Werke
zeichnen
sich durch
Schwung und
Dynamik aus
und zeigen
oft eine
Gegenüberstellung
von
Gegensätzlichem.
Auch in den
geistlichen
Werken ist
der
operngeschulte
Komponist zu
erkennen, so
auch in der
glücklicherweise
erhaltenen
Matthäus-Passion.
Sie ist eine
umfassende,
vielteilige
Komposition,
entwicklungsgeschichtlich
ein
Markstein
auf dem Weg
zu den
Bachschen
Passionen
mit ihren
zwei Chören
und
Orchestern
sowie
mehreren
Solisten, in
der Abfolge
von
Chorälen,
Arien,
Rezitativen
des
Evangelisten,
Einwürfen
der
Volkesstimme,
der
Hohepriester
usw. Das
Werk knüpfte
wohl auch an
die
Matthäus-Passion
eines
Amtsvorgängers
an der
Danziger
Marienkirche,
Thomas
Strutius
(bis 1678),
an, dessen
Werk zu den
frühen
Zeugnissen
der
oratorischen
Passion
gehörte. Man
kann davon
ausgehen,
daß Meder
noch weitere
drei
Passionen
komponiert
hat, die
aber
verloren
sind.
Meder stand
in seiner
Zeit in
hohem
Ansehen, wie
Matthesons
Ehrenpforte
zu entnehmen
ist: “Was
uns davon zu
Gesichte
kommt, ist
in Wahrheit
mit solcher
Gründlichkeit,
mit solchem
grossen
Fleiss, und
nicht
minderer
Anmuth
ausgearbeitet,
daß es nicht
ohne
sonderbares
Vergnügen
anzuhören”.
Neben der
Matthäus-Passion
gehört die
melancholische,
dreistimmige
Chaconne,
herausgeben
von dem
letzten
deutschen
Organisten
der Danziger
Marienkirche,
Dr. Franz
Keßler, zu
den häufiger
aufgeführten
Mederschen
Werken.
Ebenfalls
1979 von
Keßler
herausgegeben
wurde Der
Polnische
Pracher mit
seiner aus
einem alten
Babilonischen
Weidenstock
zugehauenen,
mit
verschiedenen
ausgedörrten
Aalshäuten
geflickten,
mit
dritthalb
Paar
verrosten
Eisrnen
Seitenbezogenen
u. mit einem
an einem
alten
Fingerhut
hengenden
Feder Kiel
gespielten
Pandur,
nebst seinem
erbärmlich
schön
singenden
Discantisten
Pachole in
einem
Musicalischen
Concentum v.
5 Instr.
formiret.
Es
handelt sich
sowohl um
eine
Scherzkomposition
auf die
polnische
Bettelmusik
aus dem
Danziger
Hinterland,
als auch um
ein
bemerkenswertes
Tondenkmal
der
Auseinandersetzung
zwischen dem
Geistigen
und dem
Trivialen.
Der Nachlaß
Meders, 37
Partituren
und 93
kirchenmusikalische
Werke wie
Messen,
Magnificats,
Passionen
und
geistliche
Konzerte,
übergab der
in Riga als
Notar tätige
Sohn Erhard
Nikolaus
Meder 1719
dem Rigaer
Rat. Er ist
verschollen.
Autographen
Meders
finden sich
heute
hauptsächlich
in Danzig,
Riga und
Uppsala.
Werke:
Kantaten,
Geistliche
Lieder,
kammermusikalische
Werke,
Oratorien,
Gelegenheitswerke,
Opern und
Singspiele:
Die
beständige
Argenia,
Nero, Die
wiederverehelichte
Coelia.
Lit.:
Div.
Musiklexika.
– Johannes
Bolte:
Johann
Valentin
Meder: Neue
Mitteilungen,
in:
Vierteljahresschrift
f.
Musikwissenschaft,
Jg. 7, 1891,
S. 43 ff. –
Ders.:
Nochmals
Johann
Valentin
Meder, in:
ebd., Jg. 7,
1891, S. 457
f. – Ders.:
Das
Stammbuch
Johann
Valentin
Meders, ebd.
Jg. 8, 1892,
S. 499 ff. –
Nikolaus
Busch: Über
Noten aus
dem
Stammbuch
Valentin
Meders, in:
Gesellschaft
für
Geschichte
u.
Altertumskunde
der
Ostseeprovinzen
Rußlands:
Sitzungsberichte
1910, Riga
1911, S.
254. – W.
Ernst
Gelderblom:
Die
Matthäuspassion
von Johann
Valentin
Meder,
Domorganist
in Riga
1701-1719,
In: Balt.
Monatsschrift
Riga 1927,
S. 485 ff. –
Hermann
Rauschning:
Geschichte
der Musik
und
Musikpflege
in Danzig,
hrsg. v.
Westpreußischen
Geschichtsverein,
Nr. 15,
Danzig 1931,
S. 283 ff,
295 ff u. a.
O. – B.
Smallmann: A
Forgotten
Oratorio
Passion, The
musical
times CXV
(1974) S.
118 f. –
Joachim
Braun:
Johann
Valentin
Meders
Opernexperiment
in Reval
1680, in:
Beiträge zur
Musikgeschichte
Nordeuropas,
Kurt
Gudewill z.
65.
Geburtstag,
hrsg. U.
Haensel,
Wolfenbüttel/Zürich
1978, S. 69
ff. – Franz
Kessler:
Danziger
Instrumentalmusik
des 17. und
18.
Jahrhunderts,
Neuhausen-Stuttgart,
Hänssler
Verlag 1979.
– Franz
Kessler:
Musikgeschichte
Westpreußens,
in: W.
Schwarz, F.
Kessler, H.
Scheunchen:
Musikgeschichte
Pommerns,
Westpreußens,
Ostpreußens
und der
baltischen
Lande,
Dülmen 1990,
S. 78 f. –
Helmut
Scheunchen:
Deutsches
Musikleben
in Riga im
Laufe der
Jahrhunderte,
in: Deutsche
Musik in
Ost- und
Südosteuropa,
hrsg.
Gabriel
Adriàny,
Köln/Weimar/Wien
1997, S. 122
f.
Helmut
Scheunchen