Die
1848er
Revolution
führte
in
Österreich
auch zu
Migrationen
in die
oder aus
den
Randgebiete(n)
der
späteren
Doppelmonarchie.
Die
Verunsicherung
der
Akademiker,
ob sie
nun an
den
Ereignissen
beteiligt
waren
oder
nicht,
wuchs
und
hatte
Abwanderungen
in die
umliegenden
Länder
zur
Folge.
Aus
Galizien
und aus
der
Bukowina
gab es
eine
Aussiedlung
deutscher
Akademiker
in
Richtung
Moldau.
In der
Hauptstadt
des
rumänischen
Fürstentums
wurde
die dort
vorhandene
deutsche
Minderheitengruppe
nach
1848
durch
Neuzugänge
erheblich
gestärkt.
Zu den
Neusiedlern
gehörte
auch das
Ehepaar
Josef
und Anna
Magdalena
Meissner,
die
beide –
nach
Studien
in
Lemberg
und
Czernowitz
– eine
Privatschule
in
Czernowitz
betrieben
hatten
und es
1851
vorzogen,
in Jassy
(Iaşi)
ihre
Tätigkeit
fortzusetzen.
Das
„Meissner-Institut“,
in dem
in
französischer
und
deutscher
Sprache
unterrichtet
wurde,
bestand
bis 1891
und
wurde
von den
Sprößlingen
angesehener
rumänischer
Familien
besucht.
Weil
Josef
Meissner
auch an
staatlichen
Schulen
Deutschunterricht
erteilte
und sich
gesellschaftlich
engagierte,
fanden
seine
Söhne
günstige
Entwicklungsmöglichkeiten
vor.
Sein
jüngster
Sohn
Constantin
besuchte
ausschließlich
private
Schuleinrichtungen
in Jassy,
bestand
dort
1870 das
Abitur
und
studierte
in Iaşi
(1870-1871),
Wien
(1871-1874,
wo er
sein
Jurastudium
mit dem
rechtshistorischen
Staatsexamen
abschloß)
und
Berlin
bis
1876,
als er –
nach dem
plötzlichen
Tod des
Vaters –
die
Jura-
und
Wirtschaftsstudien
abbrechen
und sich
in Jassy
um seine
Familie
kümmern
mußte.
Er
übernahm
die
Unterrichtsverpflichtungen
des
Vaters
am
Nationallyzeum
und an
der
Schule
für
Söhne
von
Militärangehörigen
und
unterrichtete
Deutsch,
obwohl
er als
Schüler
von
Moritz
Lazarus,
Theodor
Mommsen,
Lorenz
von
Stein
eigentlich
einen
anderen
Beruf
bevorzugt
hätte.
Wie der
Vater
und
andere
Zeitgenossen
mußte er
an drei
bis vier
Schulen
gleichzeitig
unterrichten,
weil das
jeweilige
Einkommen
bescheiden
war. Zum
Dreh-
und
Angelpunkt
seiner
Lehrtätigkeit
wurde ab
1879 die
Lehrerbildungsanstalt,
deren
Direktor
er seit
1886
war. Im
gleichen
Jahr
beauftragte
ihn das
rumänische
Unterrichtsministerium
damit,
Vorschläge
für eine
Reform
des
Volksschulwesens
vorzulegen.
Meissner
suchte
seine
Modelle
in
Thüringen
und
besuchte
in Jena,
Weimar
und
Weißenfels
verschiedene
Schuleinrichtungen,
trat mit
bekannten
Persönlichkeiten
(Schleichert,
Öhlwein,
Ernst
Häckel)
in
Verbindung
und
konnte
1889,
als er
zum
Vorsitzenden
der
Kommission
für die
Aufstellung
von
Lehrplänen
für die
Volksschulen
Rumäniens
ernannt
wurde,
seine
Erkenntnisse
in
Rumänien
anwenden.
Von 1895
war
Meissner
bis 1900
Generaldirektor
des
Unterrichtsministeriums
für
Fragen
des
Volksschulwesens;
er
überlebte
drei
Minister
und
konnte
seine
Erfahrungen
– trotz
der
häufigen
Regierungswechsel
–
kontinuierlich
verwerten.
Nach
1900
widmete
er sich
vorwiegend
den
Sonderschulen
und den
Anliegen
von
Schülern,
die als
Problemfälle
galten.
Nach
1905 tat
Meissner
dies
gemeinsam
mit
seiner
Frau
Elena,
geb.
Buznea,
die von
1901-1911
Direktorin
der
renommierten
deutschen
Humpel-Schule
in Iaşi
und eine
Vorkämpferin
der
rumänischen
Frauenbewegung
war. Mit
einer
Fragebogenaktion
wurden
die
gesamten
rumänischen
Schulen
nach
schwer
erziehbaren
Schülern
befragt,
die
Ergebnisse
der
Auswertung
dieser
Umfrage
sind in
der
Schrift
„Schwer
erziehbare
Kinder
und
Umschulungsmöglichkeiten“
(1909)
festgehalten.
1910
gründeten
die
Meissners
den
Verein
für den
Schutz
von
Kindern
und
Jugendlichen,
der
durch
Spenden
namhafter
Persönlichkeiten
gefördert
wurde.
Als
Constantin
Meissner
1913 in
Rente
ging und
ihm eine
Festschrift
gewidmet
wurde,
hatte er
längst
auf dem
politischen
Parkett
Erfolge
erzielt.
1910
scheiterte
er zwar
bei
seinem
ersten
Versuch,
als
Vertreter
der
Konservativen
in den
Senat
einzuziehen
(man
warf ihm
seine
deutsche
Herkunft
als
Indiz
für
einen
vorgeblich
fehlenden
Patriotismus
vor),
aber von
1912 bis
1913 war
Meissner
Parlamentsabgeordneter,
und nach
dem
Ersten
Weltkrieg
erhielt
er in
den
kurzlebigen
konservativen
Regierungen
1918 und
1926-1927
Ministerposten
(1918
als
Minister
für
Industrie
und
Handel,
1926-1927
Minister
für
öffentliche
Arbeiten).
1918 war
er
Präsident
des
rumänischen
Abgeordnetenhauses.
Aus
dieser
Zeit
stammen
die
Beteiligungen
an
Industrieunternehmen
(1920 am
Baumaterialienunternehmen
„Titan“,
1921 an
der
Gesellschaft
„Grand
Hotel
Sinaia“,
1922-1923
an der
Gesellschaft
für
Saatgut).
Meissner
erwarb
1918 die
Buchdruckerei
„Iaşul“,
ebenso
Landbesitz
in
Vaslui
und bei
Iaşi,
und
diese
Wirtschaftsaktivitäten
erlaubten
es ihm,
1934
eine
„Stiftung
Meissner“
für
schwer
erziehbare
Jugendliche
ins
Leben zu
rufen.
Was dem
Schulreformer
nicht
vorenthalten
worden
war,
wurde
dem
Politiker
noch
reichlicher
gespendet:
öffentliche
Anerkennung.
Schon
1893
hatte
Meissner
die
Auszeichnung
„Stern
Rumäniens“
(Steaua
României)
erhalten,
1899
eine
Medaille
für
Verdienste
um das
Schulwesen,
1912
verlieh
man ihm
das
Komturkreuz
des
österreichischen
Franz-Joseph-Ordens,
1927
sogar
das
Großkreuz
des
Ordens
„Krone
Rumäniens“
(Coroana
României).
1934
erhielt
die
Lehrerbildungsanstalt
in Iaşi
den
Namen
Constantin
Meissner,
und bis
1945
stand
eine
Meissner-Porträtbüste
von Ion
Mateescu
vor
dieser
Schuleinrichtung.
Seit
1878 war
Meissner
Mitglied
der
angesehenen
Literaturvereinigung
„Junimea“,
in der
alle,
die in
Rumänien
Rang und
Namen
besaßen
– auch
die drei
„Klassiker“
der
rumänischen
Literatur,
Mihai
Eminescu,
Ion
Creangă,
Ion Luca
Caragiale
–
anzutreffen
waren
(die
meisten
von
ihnen
hatten
in
Österreich
oder
Deutschland
studiert).
1937
veranstaltete
der
83jährige
Meissner
die
70-Jahrfeier
der „Junimea“,
für die
er
selbst
bloß
einige
Gedichte
aus dem
Rumänischen
ins
Deutsche
übertragen
hatte.
Meissner,
der 1939
nach dem
Tod
seiner
Gattin
nach
Bukarest
übersiedelte
und dort
am 19.
September
1942
starb,
war der
letzte
Vertreter
der für
Rumänien
so
wichtigen
Literaturvereinigung.
Meissners
Tätigkeit
weist
zwei
Schwerpunkte
auf:
seine
Tätigkeit
als
Lehrer
und
Schulreformer
und
seine
politische
Karriere.
Sein
aktives
Berufsleben
war fast
ausschließlich
schulischen
Aktivitäten
gewidmet.
Als in
den
1890er
Jahren
Unterrichtsminister
wie
Petru
Poni
oder
Spiru
Haret
die
Modernisierung
des
rumänischen
Schulwesens
betrieben,
war
Meissner
einer
der
Mitgestalter
dieser
Veränderungen.
Bei der
Anwendung
der aus
Deutschland
stammenden
Modelle
auf
rumänische
Verhältnisse
erzielte
Meissner
Erfolge.
Vor
allem
die
Ausbildung
der
Pädagogen
in den
Grundschulen
wurde
verbessert.
Die
Rolle
der
Lehrerpersönlichkeit
beschäftigte
Meissner
auch in
seinen
theoretischen
Schriften.
Über
seine
eigene
Unterrichtstätigkeit
informieren
die 1913
in der
Festschrift
Meissner
publizierten
Berichte
seiner
Schüler,
die
später
in
Zivil-
und
Militärverwaltung
des
Landes
hohe
Ämter
bekleideten.
Daß er
auch in
den von
ihm
erarbeiteten
Schulwerken
die
Kreativität
betonte
und
dabei
auf
deutsche
Vorbilder
zurückgriff,
läßt
sein
zweibändiges
Deutschlehrbuch
(1899-1900)
erkennen,
das bis
1918
Verwendung
fand.
Meissner
übernimmt
dabei
nicht
die
lokalen
Ansätze
von
Lehrbuchautoren
wie
Zaharia
Kolumb
(1855)
oder J.
R. Aywas
(1860),
sondern
stützt
seine
Ausführungen
auf
Erkenntnisse
von
Wilke
und Ahn
und war
damit
ein
früher
Verfechter
der
audio-visuellen
Methode.
Die
Gründung
von
Sonderschulen
und die
Beachtung
der
Anliegen
von
schwer
erziehbaren
Kinder
ist ein
Verdienst
von
Meissner,
der
dafür
auch die
Mittel
zur
Verfügung
stellte,
die er
selbst
in einem
langen
Arbeitsleben
zusammen
getragen
hatte.
Der
Politiker
Meissner
stand im
Schatten
seiner
Parteifreunde
Alexandru
Marghiloman
und Ion
Averescu
und
anderer,
doch
führte
seine
Unermüdlichkeit
dazu,
daß er,
wie
seine
Zeitgenossen
festhielten,
als
,Mädchen
für
alles‘
eingesetzt
wurde.
Dies
hatte
auch zur
Folge,
daß
keine
großen
Entwürfe
von
Meissner
selbst
stammten,
daß er
aber bei
der
Bewahrung
kultureller
und
gesellschaftlicher
Traditionen
einiges
leistete.
Nach
1945
wurde
Constantin
Meissner
– trotz
der 1971
von
Nicolae
Enescu
herausgegebenen
Monographie
– fast
vergessen.
Seine
Porträtbüste
verschwand,
die
Lehrerbildungsanstalt
trug
nicht
mehr
seinen
Namen
und eine
Ausgabe
seiner
in
vielen
Zeitschriften
zerstreuten
Aufsätze
ist bis
heute
nicht
erschienen.
Auch der
Nachlaß,
der
Fonds
Elena
und
Constantin
Meissner
im
Bukarester
Generallandesarchiv,
ist
bislang
ungenügend
erschlossen,
obwohl
er viele
unbekannte
Erkenntnisse
über die
Entwicklung
des
Schulwesens
in
Rumänien
bereitstellt.
Lit.:
Nicolae
Iorga:
Un
profesor
(Ein
Lehrer),
in:
Neamul
românesc
1924,
Nr. 30.
– D. I.
Cucu:
Constantin
Meissner,
slujitor
al
culturii
româneşti
(C. M.
als
Diener
der
rumänischen
Kultur),
in:
Basarabia
literară,
Jg. 1,
21.9.1942,
S. 1, 4.
–
Alexandru
Vasiliu-Tătăraşi:
Amintiri
despre
pedagogul
şi
junimistul
C.
Meissner
(Erinnerungen
an den
Pädagogen
und
Junimisten
C.M.),
in:
Apostolul,
IX
(1943),
Nr.
10-12,
S. 7-20.
–
Nicolae
Constantin
Enescu:
Constantin
Meißner.
Pedagog
al
şcolii
poporului
(C. M.
Pädagoge
der
Schule
des
Volkes),
Bukarest
1971. –
Sorin
Chiţanu:
Ein
vergessener
Germanist,
in: Volk
und
Kultur
29
(1978),
Nr. 7. –
Horst
Fassel:
Ein
deutscher
Vertreter
der
Junimea.
Briefe
an
Constantin
Meissner,
in: Neue
Literatur
34
(1983),
Nr. 10.
–
Constantin
Meissner
(1854-1942)
– ein
rumänischer
Pädagoge
und
Politiker,
in:
Südostdeutsches
Archiv
1985-1986,
Bd.
XXVIII/XXIX,
S.
87-103.
Werke:
(mit
Victor
Dogaru):
Prima
carte
pentru
clasa
I-a
primară
(Erstes
Lesebuch
für die
erste
Volksschulklasse),
Ploieşti
1899,
I-II. –
(mit
Ioan
Paul):
Prima
carte
pentru
studiul
limbii
germane
(Erstes
Lehrbuch
für
Deutsch),
Bukarest
1899-1900,
I-II. –
(als
Mitherausgeber):
Cartea
ţeranului
român
(Das
Buch des
rumänischen
Bauern),
Bukarest
1901. –
Copii cu
rele
porniri
şi
şcoalele
de
îndreptare
(Kinder
mit
schlechten
Gewohnheiten
und die
Besserungsanstalten),
Iaşi
1909. –
Psihologia
(Psychologie),
Iaşi
1905. –
Rotary
şi
tineretul
(Rotary
und die
Jugend),
Bukarest
1935. –
Comemorarea
Junimii
la Iaşi
(Die
Junimea-Gedenkfeier
in Jassy),
Iaşi
1937. –
zahlreiche
Aufsätze
in
pädagogischen
Fachzeitschriften,
ebenso
politische
Aufsätze
in
rumänischen
Periodica.
Bild:
Archiv
des
Instituts
für
donauschwäbische
Geschichte
und
Landeskunde,
Tübingen
Horst
Fassel