Gertrud
Meißner
besuchte
nach der
Vorschule in
Stettin die
Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule,
Lyzeum,
Oberlyzeum
und
Studienanstalt
und legte
dort 1915
mit nur
wenigen
Klassenkameradinnen
das Abitur
ab. Damit
war sie eine
der ältesten
Abiturientinnen
dieser
traditionsreichen
Lehranstalt.
Sie
studierte
Medizin,
zunächst in
Berlin, dann
in Jena, wo
sie Ostern
1918 das
Physikum
ablegte. Die
klinischen
Semester
absolvierte
sie ab
Sommersemester
1918 in
Greifswald,
wo sie 1920
auch das
Staatsexamen
ablegte und
1922 mit
einer Arbeit
über das
Thema
Beitrag zur
Frage der
Blasenmole
im
praeklimakterischen
Alter
promoviert
wurde. 1926
verließ sie
das
Hygiene-Institut
in
Greifswald,
an dem sie
tätig
gewesen war,
um an der
Universität
Breslau auf
dem Gebiet
der
medizinisch-chemischen
Forschung zu
arbeiten,
dem auch das
Thema ihrer
Habilitation
entstammte.
Gertrud
Meißner
blieb bis
zum
Kriegsende
in Breslau.
Nach dem
Zweiten
Weltkrieg
war
besonders in
Deutschland
die
Tuberkulose
zu einer
Volksseuche
geworden,
schon
aufgrund der
Unterernährung
der
Bevölkerung
und der zum
großen Teil
unhygienischen
Wohnungsverhältnisse
nach der
Zerstörung
durch Bomben
und
Kampfhandlungen.
Als 1948 das
Tuberkulose-Forschungsinstitut
Borstel bei
Hamburg
gegründet
wurde, wurde
Gertrud
Meißner
dorthin
berufen.
Trotz der in
jener Zeit
ungenügenden
Ausstattung
von
wissenschaftlichen
Einrichtungen
tat sie
unbeirrt
ihre Arbeit.
Zur
Behandlung
der
Tuberkulose
stand damals
nur ein
einziges
Mittel zur
Verfügung,
außerdem
fehlten auf
dem Gebiet
der
Mykobakteriologie
Grundlagenkenntnisse
und
Forschungsergebnisse,
die auch im
Ausland noch
nicht
vorlagen.
Hier
leistete
Gertrud
Meißner
Pionierarbeit:
Sie
erforschte
auf
künstlichen
Nährböden
die
Wachstumsbedingungen
für das
Mykobakterium
tuberculosis,
den Erreger
der
Tuberkulose,
und schuf
damit die
Grundlage
für
experimentelle
und
weiterführende
klinische
Forschung.
Dadurch
wurde eine
kontrollierte
Behandlung
der Kranken
erst
ermöglicht.
In
Verbindung
mit der von
ihr
eingeführten
Methode der
"Absoluten
Konzentration"
konnte eine
gezielte
Therapie
aufgebaut
werden.
Durch die
Entwicklung
weiterer
Chemotherapeutika
wurde die
Resistenzbestimmung
ein
unentbehrliches
Hilfsmittel
für eine
erfolgreiche
Behandlung
vieler an
Tuberkulose
Erkrankter,
besonders
auch der aus
Kriegsgefangenschaft
Heimgekehrten.
Aus
diesen mit
zunächst
primitiven
Hilfsmitteln
erarbeiteten
Anfängen
einer
besonderen
medizinischen
Forschungsrichtung
entwickelte
sich eine
rege
wissenschaftliche
Zusammenarbeit
auch
mit
ausländischen
Kollegen.
Damit trug
Gertrud
Meißner zu
ihrem Teile
dazu bei,
daß sich
nach dem
Krieg für
Deutschland
wieder der
Zugang zur
internationalen
Forschung
öffnete.
Gertrud
Meißners
wissenschaftliches
Werk, das in
weit über
100
Publikationen
dokumentiert
ist, wurde
durch
zahlreiche
Ehrungen
ausgezeichnet:
Sie wurde
zum
Ehrenmitglied
der
Internationalen
Union gegen
die
Tuberkulose
(IUAT) sowie
anderer
ausländischer
wissenschaftlicher
Gesellschaften
berufen. In
der
Bundesrepublik
bekam
Gertrud
Meißner 1965
als bisher
einzige Frau
die
Robert-Koch-Medaille
der seit
1935
erneuerten
Robert-Koch-Stiftung
verliehen,
die es sich
zur Aufgabe
gemacht hat,
wissenschaftliche
Arbeiten,
die der
Bekämpfung
von
Infektionskrankheiten
(insbesondere
der
Tuberkulose
und der
sogenannten
Volkskrankheiten)
dienen, zu
fördern. Die
Universität
Kiel
zeichnete
Gertrud
Meißner mit
der
Ehrendoktorwürde
der
Naturwissenschaftlichen
Fakultät
aus. Die
Universität
Hamburg
ernannte sie
zum
Honorarprofessor.
Der
Bundespräsident
verlieh ihr
das Große
Bundesverdienstkreuz.
Während des
Ruhestandes
führte sie
nicht nur
ihre
Forschungsarbeit
weiter,
sondern
widmete sich
auch der
umfangreichen
Aufgabe, den
neunbändigen
Teil über
Mykobakterien
und
mykobakterielle
Erkrankungen
im Handbuch
der
Infektionskrankheiten
zu
bearbeiten.
Während
ihrer
gesamten
beruflichen
Tätigkeit
und auch bei
den Arbeiten
im Ruhestand
konnte sich
Gertrud
Meißner
immer auf
die
unermüdliche
und
engagierte
Mitarbeit
ihrer
jüngeren
Schwester
Irmgard
Meißner
stützen,
einer
medizinisch-technischen
Assistentin,
die
ebenfalls an
der zuvor
erwähnten
Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule
ihr Abitur
abgelegt
hatte. Ihre
privaten
Neigungen
galten der
Archäologie,
die sie
ebenfalls
mit ihrer
Schwester
und anderen
interessierten
Kollegen
während
ihrer
Urlaubszeit
betrieb.
Gertrud
Meißner war
eine
bescheidene
Persönlichkeit,
eine
charmante
und
geistreiche
Gesprächspartnerin,
aufgeschlossen
für die Nöte
der
nachfolgenden
akademischen
Generation,
mit der sie
sich
besonders
auf den
Zusammenkünften
der
Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule
befaßte, wie
die
Verfasserin
im Jahre
1984 auf
einem
solchen
Schultreffen
in Hannover
erfahren
konnte.
Prof. Dr.
med. habil.
Dr. rer.
nat. h.c.
Gertrud
Meißner
verstarb im
Alter von 90
Jahren. Sie
ist auf dem
Friedhof in
Sülfeld,
westlich von
Bad
Oldesloe,
beigesetzt
worden.
Quellen:
Archiv der
Ernst-Moritz-Arndt
Universität
Greifswald.
-
Forschungsinstitut
Borstel,
Institut für
experimentelle
Biologie und
Medizin,
23845
Borstel, Dr.
Thumim:
Nachruf auf
Gertrud
Meißner,
Jahrbuch
1985.
Ilse Gudden