Im Alter von 81 Jahren
starb am 12.
März
1835 in Riga
der
Landespolitiker,
Schriftsteller
und
Kartograph
Ludwig
August Graf
Mellin, ein
Mann, den
der
baltische
Publizist
Julius von
Eckardt zu
den
würdigsten
und
anziehendsten
Gestalten
aus dem
Zeitalter
der
Aufklärung
in Livland
gerechnet
hat. Geboren
auf dem
väterlichen
Rittergute
Toal in
Estland,
wurde er zum
Militärdienst
bestimmt.
Zunächst
empfing er
eine
sorgfältige
wissenschaftliche
Bildung. Mit
13 Jahren
kam er nach
Deutschland
und in die
Schweiz,
wurde mit
den Prinzen
Wilhelm
August und
Peter
Friedrich
Ludwig von
Holstein-Gottorp
in Bern und
in Bologna
erzogen.
Reisen
führten ihn
durch die
Schweiz,
Frankreich
und Italien.
Höhepunkte
seiner
Studienjahre
bildeten
seine
Begegnung
mit
Friedrich
dem Großen,
ein
dreitägiger
Besuch bei
Voltaire und
eine Audienz
bei Papst
Clemens XIV.
Im Jahre
1773 trat
Mellin in
die
kaiserlich-russische
Armee ein,
nahm am
Türkenkrieg
teil (1774),
wobei er
erste
geographische
Arbeiten
anfertigte
und
kartographisches
Talent
(Zeichnung
der
Donaumündung)
bewies. Seit
1775
arbeitete er
im
Zeichenkontor
des
Generalfeldzeugmeisters
Bauer, 1777
wurde er
Direktor des
Zeichenkontors
und
Kommandeur
des
Kolonnenführer-Korps,
1781
Quartiermeister
bei der
Livländischen
Division. Er
heiratete
im gleichen
Jahr Helena
Auguste
Freiin von
Mengden-Altenwoga,
Erbin des
Gutes Kolzen
in Livland,
und wurde
1783 ab
Major
verabschiedet.
Nach einer längeren
Auslandsreise
begann er
1782 auf
Befehl des
Großfürsten
und späteren
Kaisers Paul
I. mit der
Anfertigung
genauer
Karten von
Estland und
Livland.
Vierzehn
Jahre seines
Lebens
widmete er
dieser
Aufgabe.
Sein „Atlas
von Liefland
und Ehstland
und der
Provinz
Oesel“
(entworfen
nach
geometrischen
Vermessungen,
den neuesten
astronomischen
Beobachtungen
und nach
sorgfältiger
Untersuchung
und Kenntnis
der
Gegenden),
wurde zur
Grundlage
aller
späteren
kartographischen
Arbeiten in
den
Baltischen
Landen.
Während
der
Entstehung
dieses
seines
Lebenswerkes
widmete sich
Mellin der
Landwirtschaft
auf seinem
Gute Kolzen,
sowie dem
Landesdienst.
Er war
1783-1786
Kreishauptmann
von Riga und
1786-1795
Kreisrichter
des Kreises
Riga; 1795
wurde er
Assessor des
Livländischen
Gewissensgerichts,
1796-1831
war er
Präsident
des
livländischen
Oberkonsistoriums,
1797-1818
Livländischer
Landrat,
1804-1807
Kirchspielsrichter
mehrerer
Kirchspiele
und 1813
Livländischer
Hofgerichtsrat.
1814 ernannte Kaiser
Alexander I.
den Grafen
Mellin zum
Mitglied der
Rigaer
Abteilung
des livländischen
Komitees für
Bauernangelegenheiten.
Seine
Bemühungen
um eine
Besserung
der
materiellen
Lage des
Bauernstandes
führten
indessen zu
einem
Konflikt mit
dem Landtag,
wobei Graf
Mellin
(1818) sein
Landratsamt
und seine
Stellung als
Mitglied des
„Bauern-Komitees“
freiwillig
niederlegte.
Er
verbrachte
seine
letzten
Lebensjahre
in Kolzen,
bevor er am
12. März
1835 in Riga
starb,
„beweint von
seinen
Bauern,
denen er ein
liebevoller,
gütiger
Vater
gewesen war,
betrauert
von allen,
die ihm
nahestanden,
geachtet von
dem ganzen
Lande, zu
dessen Segen
er ein
halbes
Jahrhundert
lang gewirkt
hatte“. Graf
Mellin war
Mitglied
eines
Dutzend in-
und
ausländischer
gelehrter
oder
gemeinnütziger
Gesellschaften
und
Verfasser
zahlreicher
historischer,
geographischer,
landwirtschaftlicher
Aufsätze und
Abhandlungen.
Für seine
Arbeiten auf
kartographischem
Gebiet wurde
Graf Mellin
durch die
Verleihung
des St.
Annen-Ordens
ausgezeichnet.
Eine erstmalige
Faksimile-Ausgabe
des gesamten
„Atlas von
Livland“,
herausgegeben
von Eckhard
Jäger, in
Zusammenarbeit
mit Otto
Bong,
erschien im
Jahre 1972
im Verlag
des
Nordostdeutschen
Kulturwerks
in Lüneburg
(mit einer
Einführung
in Leben und
Werk).
Lit.:
Deutsch-baltisches
biographisches
Lexikon
1710-1960
(Köln/Wien
1970); Graf
August
Ludwig
Mellin (In:
Baltische
Rundschau,
5. Jg./1954,
Nr. 1).
Abb.:
Ölgemälde,
Galerie
Lappier
Erik Thomson