Die
Geschichte
der
Bundesrepublik,
so wie sie
1949
gegründet
worden ist,
kann ohne
den Namen
und das
politische
Wirken von
Erich Mende
nicht
geschrieben
werden. Er
gehörte
bereits dem
Ersten
Deutschen
Bundestag
an, damals
als
Abgeordneter
der Freien
Demokratischen
Partei, der
FDP, und
schied 1980
als Mitglied
der
Christlich-Demokratischen
Union, der
CDU, aus.
Vor dieser
Zeit liegen
neun Jahre
des
Berufssoldatentums,
nach 1980
folgten die
Jahre der
Zeitzeugenschaft,
und dies
nicht nur,
weil Erich
Mende seine
Erinnerungen
in drei
Bänden
Das
verdammte
Gewissen.
Zeuge der
Zeit
1921-1945,
Die neue
Freiheit.
1945-1961
und Von
Wende zu
Wende.
1962-1972
niedergelegt
hat, sondern
weil er
seitdem
immer wieder
in der
Öffentlichkeit
als
Zeitzeuge
befragt wird
und Auskunft
erteilt. Man
könnte sein
Leben
dreifach
gliedern, in
die neun
Jahre des
Soldatseins,
die über
drei
Jahrzehnte
des
politisch,
wiederholt
an
vorderster
Stelle
Handelnden
und die seit
1980
folgenden
Jahre des
Zeitgeschichte
schreibenden
und
mitteilenden
Historikers.
"Meine
Jugendzeit",
so
beschreibt
Erich Mende
sein
Herkommen
aus
Oberschlesien,
"verlebte
ich in der
Kreisstadt
Groß
Strehlitz,
wo ich am
28. Oktober
1916 als
drittes Kind
des
Volksschullehrers
Max Mende
geboren
wurde. Groß
Strehlitz
war die
typische
oberschlesische
Kreisstadt
mit
vorwiegend
bäuerlicher
Bevölkerung.
Landratsamt
und
Amtsgericht,
Finanzamt
und Rathaus,
insbesondere
aber das
Staatliche
humanistische
Gymnasium 'Johanneum'
mit seinen
rund 500
Gymnasiasten
von Sexta
bis
Oberprima
und eine
höhere
Mädchenschule
waren die
Mittelpunkte
dieser am
Fuße des
Chelmgebirges
gelegenen
Stadt von
etwa 15.000
Einwohnern.
In den
Abstimmungskämpfen
nach dem
Ersten
Weltkrieg
erlebten
Stadt und
Kreis Groß
Strehlitz
französische,
italienische
und
englische
Besatzung.
Die Kämpfe
um den
Annaberg und
schließlich
die
Befreiung
der Stadt
und des
Kreises
durch den
oberschlesischen
Selbstschutz
waren 1921
meine ersten
Jugenderlebnisse."
Diese frühen
Erlebnisse,
so darf man
formulieren,
haben
zweieinhalb
Jahrzehnte
später den
Weg in die
Politik
mitbestimmt.
Aber zuvor
war Erich
Mende
Berufssoldat,
hat den
Zweiten
Weltkrieg
von der
ersten
Stunde bis
zum bitteren
Ende in
(gottlob)
britischer
Kriegsgefangenschaft
mitgemacht.
Im letzten
Augenblick
hatte er die
4.000 Mann
des von ihm
als Major
geführten
Regiments
vor der
russischen
Kriegsgefangenschaft
in
Mecklenburg
retten
können,
nachdem er
noch im
Januar 1945
für seine
Tapferkeit
an der
Ostfront mit
dem
Ritterkreuz
ausgezeichnet
worden war.
Er war gern
und ganz
bewußt
Soldat und
Offizier,
weshalb er
auch, sich
damit
zugleich zu
seinem
soldatischen
Herkommen
bekennend,
als Mann der
Politik und
des
Parlaments
seine
höchste ihm
verliehene
Auszeichnung
zum
festlichen
Anzug
getragen
hat. Das
vielzitierte
Wort von der
"verdammten
Pflicht und
Schuldigkeit",
die man zu
erfüllen
habe, kehrt
zurecht im
Titel des
ersten
Erinnerungsbandes
als "Das
verdammte
Gewissen"
wieder und
ist auch so
ohne jeden
Abstrich auf
das
gleichsam
erste Leben
gemünzt und
anwendbar.
Ein Soldat
wollte
tapfer
seinen Mann
stehen.
Verbindungen
aus der
Soldatenzeit
verhalfen
Mende, der
nicht mehr
in die
Heimat
zurückkehren
konnte, denn
aus
Oberschlesien
wie aus ganz
Ostdeutschland
wurden jetzt
die
Deutschen in
unmenschlicher
Weise
vertrieben,
im Rheinland
zu einer
neuen
Bleibe.
Zielstrebig
begann er
das Studium
der
Jurisprudenz,
stieß (ob
eher aus
Überzeugung
denn aus
Zufall
bleibe
dahingestellt)
zur FDP und
wurde deren
rheinländischer
Geschäftsführer.
Schon mit
dem
juristischen
Referendar
in der
Tasche zog
der
32jährige
1949 als
einer der
jüngsten
Abgeordneten
in den
Bundestag,
wo er,
nachdem er
1950 auch
bereits zum
Doktor juris
promoviert
worden war,
für die FDP
im Verlauf
der Jahre
zum
Fraktionsgeschäftsführer
und zum
Fraktionsvorsitzenden
aufstieg.
1960 wurde
Mende
Bundesvorsitzender
seiner
Partei,
welchen
Posten er
1968 aufgab,
besser
gesagt,
aufgeben
mußte, weil
sich
inzwischen
in der FDP
mit
Unterstützung
bestimmter
machtvoller
Medien eine
Wende vom
Nationalliberalen,
dessen
Exponent
Erich Mende
war, zum
Linksliberalismus
ergeben
hatte. Jetzt
koalierte
die FDP
unter Walter
Scheel mit
den
Sozialdemokraten,
zuerst bei
der Wahl des
Bundespräsidenten
Gustav
Heinemann
und dann in
den
Bundesregierungen
zwischen
1969 und
1982. 1963,
als Ludwig
Erhard den
87jährigen
Konrad
Adenauer als
Bundeskanzler
abgelöst
hatte, wurde
Erich Mende
Bundesminister
für
Gesamtdeutsche
Fragen und
Vizekanzler,
Höhepunkte
seiner
politischen
Laufbahn.
Beim
Wahlgang
zwei Jahre
zuvor war
der FDP
unter der
Führung
Mendes, der
gegen eine
erneute
Kanzlerschaft
Adenauers
gestritten
hatte, mit
12,8 Prozent
der
abgegebenen
Stimmen der
größte
Erfolg
zugefallen,
den sie je
bei einer
Bundestagswahl
errang. Mit
der Bildung
der großen
Koalition
von SPD und
CDU/CSU im
Herbst 1966
trat Mende,
noch bevor
er sein Amt
als
Parteivorsitzender
aufgeben
mußte, von
der Bühne
der
politisch
Handelnden
ab.
Als Mende
einmal nach
seiner
"Sternstunde"
als
Politiker
gefragt
wurde,
nannte er
das Jahr
1950, da er
im Bundestag
Berichterstatter
beim
Bundesversorgungsgesetz
für die
Kriegsopfer
war und
sogar bis
hin zu den
Kommunisten
die
Zustimmung
des Hohen
Hauses
erreichte.
Zwei
Jahrzehnte
später
versagte
sich der
stets
heimattreue
Oberschlesier,
der als
Demokrat in
Übereinstimmung
mit der
Präambel des
Grundgesetzes
um die
Vollendung
Deutschlands
in freier
Selbstbestimmung
besorgt war,
der von
Bundeskanzler
Willy Brandt
und
Außenminister
Walter
Scheel
konzipierten
Ostpolitik,
trat 1970
zusammen mit
zwei
Kollegen aus
der FDP aus,
wurde
Mitglied der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion
und stimmte
zusammen mit
16
Angehörigen
dieser
Fraktion am
17. Mai 1972
gegen den
Warschauer
Vertrag. Für
die CDU in
Hessen zog
er dann noch
zweimal in
den
Bundestag
ein.
In einem
Geburtstagsartikel
zum 70.
Geburtstag
schrieb ein
Journalist
über Erich
Mende: "Er
hatte
Grundsätze
und war
nicht
bereit, sie
zu
verleugnen.
Liberal in
persönlicher
Verhaltensweise,
bürgerlich
in der
Abwehr jeden
Kollektivismus,
den Staat
als eine
freiheitssichernde
Ordnung
anerkennend
und nicht
bereit, die
Idee des
Nationalstaates
aufzugeben."
Vielerorts,
wiederholt
auch und
gerade vor
den
Vertriebenen
als deren
Schicksalsgefährte
bekannte er
sich
entgegen
mancher
Zeitströmung
zu Heimat
und
Vaterland
und forderte
einen
"geläuterten
Patriotismus":
"Das
Deutsche
Vaterland
ist das
ganze
Deutschland.
Europa wird
entstehen in
der Vielfalt
seiner
Landschaften,
seiner
geschichtlichen
Werke,
seiner
Lebensart."
Als es im
Herbst 1989
zur ersten
Begegnung
zwischen
Bundeskanzler
Helmut Kohl
und dem
polnischen
Ministerpräsidenten
Tadeusz
Mazowiecki
kommen
sollte,
plädierte
Erich Mende
ganz bewußt
für die
Begegnung
auf dem
oberschlesischen
Annaberg und
zeigte sich
zutiefst
enttäuscht,
als aufgrund
polnischen
Widerspruchs
das Treffen
nach Kreisau
verlegt
wurde,
obwohl auch
damit ein
geschichtsträchtiger
Ort auf dem
Programm
stand, denn
ihm war es
um die
Wahrung der
nationalen
Würde und
Selbstbehauptung
gegenüber
allen
nationalistischen
Reminiszenzen
und
Ressentiments
gegangen.
Treue zu
seiner
oberschlesischen
Heimat und
vaterländischen
Gesinnung,
Tapferkeit
als Soldat
und im
politischen
Alltag,
Gerechtigkeitssinn
und
Standpunktfestigkeit
haben den
oberschlesischen
Landsmann,
kämpferischen
Demokraten
und
Patrioten
ausgezeichnet.
Lit.:
FDP-Bundesvorstand:
Die
Liberalen
unter dem
Vorsitz von
Erich Mende.
Sitzungsprotokolle
1960 bis
1967.
Bearbeitet
von Reinhard
Schiffers
(=Quellen
zur
Geschichte
des
Parlamentarismus
und der
politischen
Parteien,
Vierte
Reihe, Band
7/III.),
Düsseldorf
1993.
Bild:
Süddeutscher
Verlag
München.
Herbert
Hupka