|
In Grünberg als Sohn eines Akzise- und Zollrates geboren – mit 6 Jahren
vaterlos – wuchs Menzel vom 14. Lebensjahr an im Hause seines Oheims
Georg Gustav Fülleborn auf. Durch diesen bekannten Schulmann und
Literaten lernte Menzel die Atmosphäre eines Gelehrtenkreises kennen,
der vor der Gründung der Universität das geistige Leben Breslaus
mitbestimmte und seinem Lebensweg Ziel und Richtung gab. Zum Dank
gegenüber diesem Kreise veröffentlichte er später die Briefe des
berühmten Breslauer Philosophen Christian Garve an seine Mutter. Nach
dem Studium der Theologie in Halle und der Ablegung der evangelischen
theologischen Prüfung trat Menzel in den Schuldienst ein. 1809 verlieh
ihm der Magistrat eine Stelle am Elisabetan, jener altehrwürdigen Schule
der Landeshauptstadt Breslau, die er selbst besucht hatte. Sie gehörte
bis 1945 – als Pfarrschule 1293 gegründet, 1560 zum „Gymnasium zu St.
Elisabet“ erhoben – zu den ältesten deutschen Bildungsstätten. Dort
wurde Menzel bereits 1814 Prorektor und damit zugleich Bibliothekar der
Rhedigerschen Bibliothek. Rasch stieg er zum Mitglied der
wissenschaftlichen Prüfungskommission und 1824 zum Konsistorial- und
Schulrat auf. 1826 übernahm er beim Provinzialschulkollegium die Leitung
der Evangelischen Gymnasien. Sein Ansehen in der Bürgerschaft zeigt die
Wahl zum Vertreter Breslaus in der ersten Kammer des Preußischen
Landtages (1852). Einen Ruf über die Heimatprovinz hinaus erwarb Menzel
sich als volkstümlicher Historiker, der nicht für die Fachgelehrten,
sondern für die Gebildeten schrieb. Seine ersten Werke galten der
Geschichte der engeren und weiteren Heimat: „Topographische Chronik von
Breslau“ (1805-1807) und „Geschichte Schlesiens“ (1807-1810). Danach
wandte er sich zunächst in Aufsätzen allgemeinen geschichtlichen Fragen
zu. In „Die christliche Weltanschauung der deutschen Völker vor ihrer
Bekehrung“ (1813) geht er den Eigenheiten des Volkscharakters nach,
welche die Germanen befähigten, die Hauptträger der christlichen Kultur
und der christlichen Staaten weit des Abendlandes zu werden. Seine
„Geschichte der Deutschen“ – zunächst bis zum Tode Maximilians I.
geführt – setzte er fort mit dem Werk „Neuere Geschichte der Deutschen
von der Reformation bis zur Bundesakte“. Diese Arbeiten brachten ihm
nicht nur Anerkennung, sondern auch den Auftrag ein, „Beckers
Weltgeschichte“ fortzusetzen. Er selbst bearbeitete die Zeit von
1786-1837, später auch selbständig herausgegeben als „Geschichte unserer
Zeit seit dem Tode Friedrichs des Zweiten“. Hier und m einer späteren
Bearbeitung des gleichen Themas setzte er sich kritisch mit der damals
vorherrschenden Auffassung vom friderizianischen Staate auseinander und
war damit seinen Zeitgenossen weit voraus. Menzels Hauptwerk „Die
Geschichte der Deutschen“ ist mit 21 Bänden nicht nur eine gewaltige,
nebenberufliche Fleißarbeit, sie fand auch die Anerkennung der
Fachgelehrten, weil sie sich durch eine glückliche Auswahl des Stoffes
von der bisherigen Bearbeitung der Reichsgeschichte abhob. Es war im
wesentlichen nur eine Zusammenfassung und bedeutete keinen Fortschritt
in der Erforschung der Geschichte, doch beruhte der zweite Teil auf
gründlichem Quellenstudium. Die sehr eingehende Darstellung der
Reformation und der daraus folgenden Religionsspaltung erhob sich weit
über konfessionelle Einseitigkeit und fand daher bei katholischen
Kreisen weit mehr Zustimmung als bei Menzels Glaubensgenossen. In den
Konfessionen will Menzel nichts anderes sehen als „verschiedenartige,
nach dem Geist der Zeit abgestufte, ihre Mängel gegenseitig ergänzende
Ausdrucksformen der ewigen Ideen des Christentums“. Möglich, daß Menzel
in seiner verständnisvollen Würdigung der alten Kirche und ihrer
Beweggründe zu weit ging, so daß Ranke urteilen konnte, Menzel habe sich
durch sein übertriebenes Gerechtigkeitsgefühl zu Ungerechtigkeiten gegen
die Reformation verleiten lassen. Heute dürfen wir Menzel als einen
Wegbegleiter für eine objektive Sicht der Geschichte der
Religionsspaltung für Deutschlands politische und geistige Entwicklung
ansprechen. Sein Wirken als Historiker trug der vielgerühmten
„Schlesischen Toleranz“ Rechnung.
Abb.:
Gemälde im Besitz des Elisabeth-Gymnasiums Breslau
Lit.:
Otfried Schwarzer: „Karl Adolf Menzel“ in: „Schlesische
Lebensbilder“, herausgegeben von der Historischen Kommission für
Schlesien, II. Band, Breslau 1926, sowie die dort angegebenen Quellen.
Heinrich
Trierenberg
nach oben
|