Für die aus
ihrer Heimat
vertriebenen
Schlesier
war
Professor
Dr. Wilhelm
Menzel oder
der
„Menzel-Willem“,
wie sie ihn
gerne
nannten, so
etwas wie
die
Verkörperung
Schlesiens
schlechthin.
Wer seinen
Namen hörte,
dachte
Schlesien
mit und
umgekehrt.
Sein Leben
war ein
Leben aus
dem Geiste
Schlesiens.
Wilhelm
Menzels
Geburtsort
liegt acht
Kilometer
südsüdwestlich
von Lauban
und knapp
drei
Kilometer
nordnordöstlich
von
Marklissa am
Queis.
Menzels
Vater war
Schmiedemeister.
Nach dem
Besuch des
Lehrerseminars
war Sohn
Wilhelm von
1919 bis
1926 als
Volksschullehrer
tätig und
nahm
schließlich
an den
Universitäten
Leipzig und
Breslau ein
Studium der
Philosophie,
der
Germanistik,
der
Geschichte
und der
Volkskunde
auf, um es
1933 mit dem
Staatsexamen
abzuschließen.
Die
Promotion
erfolgte im
Jahre 1937.
Aus der 1934
geschlossenen
Ehe mit
Klara Heuer
gingen fünf
Kinder
hervor. Im
selben Jahr
begann
Wilhelm
Menzel an
der
Hochschule
für
Lehrerbildung
in
Hirschberg
im
Riesengebirge
eine
Lehrtätigkeit,
die er nach
der
Vertreibung
im Jahre
1947 an der
Pädagogischen
Akademie in
Dortmund
fortsetzte.
1954 wurde
er
Professor.
Auf
wissenschaftlichem
Gebiet legte
Professor
Menzel
hervorragende
Werke zur
Philologie,
Literatur
und
Volkskunde
Schlesiens
vor. Kaum
einer hat
über
Jahrzehnte
hinweg,
landauf und
landab
fahrend, das
weite
Spektrum
schlesischer
Geistigkeit
und
schlesischen
Wesens so
wie er zu
vergegenwärtigen
verstanden.
Er breitete,
und das
nicht nur
vor
Schlesiern,
so etwas wie
das
„Schlesische
Himmelreich“
aus, das ein
Universum
für sich
ist. Das
bezeugen
schlesische
Geistesgrößen,
allen voran
Jakob Böhme,
den man auch
den „Philosophus
teutonicus“
nannte und
dessen
Erkenntnisse
von
bedeutenden
Philosophen
wie Leibniz,
Hegel und
Schopenhauer
aufgegriffen
wurden.
Danach waren
es die
schlesischen
Dichter des
Barock, vor
allem Martin
Opitz,
Andreas
Gryphius,
Friedrich
von Logau
und Angelus
Silesius,
die dazu
beitrugen,
daß man das
17.
Jahrhundert
als das
schlesische
in der
deutschen
Literatur
bezeichnete.
In dieser
Zeit war
Christian
Wolff ein
Philosoph
von
europäischer
Geltung. Es
folgten die
Dichter
Joseph von
Eichendorff,
Gerhart
Hauptmann
und Hermann
Stehr, um
nur diese zu
nennen, die
mitunter
weltweite
Beachtung
fanden und
nicht
zuletzt zur
Unsterblichkeit
des
deutschen
Schlesien
beigetragen
haben.
Von Menzels
Veröffentlichungen
sei zuerst
seine
Dissertation
Mutter
und Kind im
schlesischen
Volksglauben
und Brauch
genannt, die
1938
herauskam.
Es folgten
das
Holtei-Buch
(1950),
Joseph von
Eichendorff
(1957),
Carl
Hauptmann
(1958),
Gerhart
Hauptmann
(1962),
Paul
Keller
(1961), A
Packsla
schiene
schläs’sche
Sacha
(1950),
Hausbacken
Brut
(1963),
Schlesischer
Guckkasten
und
Ostdeutsche
Weihnachten
(1964),
Schlesische
Originale
(1968)
sowie
Mundart und
Mundartdichtung
in Schlesien
(1972),
dieses ein
Buch,
welches für
alle, die
sich mit
schlesischer
Mundart
befassen,
als
grundlegendes
Werk ein
unentbehrlicher
Leitfaden
geworden
ist. Eine
Handreichung
für die in
der
Kulturarbeit
stehenden
Schlesier
ist das von
ihm im Jahre
1977
herausgegebene
umfassende
Werk Die
Reise ins
Schlesierland,
welches
man als die
bedeutendste
Veröffentlichung
von
Professor
Menzel
ansehen
kann. Nicht
zuletzt muß
hier aber
auch die
Betreuung
des Werkes
des
bekanntesten
der
schlesischen
Mundartdichter,
Ernst
Schenke,
durch ihn
hervorgehoben
werden, so
wie er sich
überhaupt
auch aller
anderen
Mundartdichter
angenommen
hat.
Wilhelm
Menzel war
der Meinung:
„So gut die
Hochsprache
aus den
Wurzeln der
Mundarten
immer wieder
Kräfte
ziehen und
sich
erneuern muß,
so gehen von
der
Hochsprache
ununterbrochen
Wirkungen
auf die
Mundarten
aus.“ Er sah
in der
Mundart eine
mitgestaltende
Größe im
geistigen
Aufbau der
Heimat, Noch
viel
stärker, als
man das von
den
Sprachmitteln
ganz
allgemein
sagen kann,
gilt vom
lebendigen
Mundartgut,
daß es den
Lebensraum
zur
geistigen
Heimat
gestaltet.
An
Auszeichnungen
fehlte es
Wilhelm
Menzel, der
auch viele
Jahre
Bundeskulturreferent
der
Landsmannschaft
Schlesiens –
Nieder- und
Oberschlesien
war, gewiß
nicht. So
erhielt er
1963 die
„Agnes-Miegel-Medaille“,
1964 die
„Holtei-Medaille“,
1966 die
„Gerhart-Hauptmann-Medaille“
und 1968 den
„Schlesischen
Kulturpreis“.
Wilhelm
Menzel
glaubte an
die
Unzerstörbarkeit
dessen, was
das deutsche
Schlesien
bedeutet
hat, wobei
er freilich
voraussetzte,
daß dem
deutschen
Volke der
Beitrag
dieses
Landes zu
seiner
eigenen
Geschichte
teuer
bleiben
werde. Er
sagte
einmal: „Das
geistige
Erbe unserer
Heimat wird
leben und
neues Leben
zeugen
helfen, wo
noch ein
Mensch in
Liebe sich
müht, es zu
bewahren und
zu
erneuern.“
Lit.:
Otto Klöden:
Professor
Dr. Wilhelm
Menzel zum
8. Januar
1978; in:
Schlesien
I/1978. -
Karl
Schodrok:
Unserem
„Menzel-Willem“
zum 75.
Geburtstag;
in:
Schlesien
II/1973.
Konrad
Werner