Zweifellos
war es ein
Verdienst
gewesen, zum
75.
Geburtstage
Wilhelm
Meridies’
eine
Sammlung von
seinen
Texten zu
veranstalten,
und sie in
der
verdienstvollen
Schriftenreihe
„Silesia“,
die von
Alfons
Hayduck
begründet
worden war,
herauszubringen
(Delp’sche
Verlagsbuchhandlung
KG, München
1974).
Inneres
Alphabet
lautete der
Titel dieser
Publikation,
die
literarische
Porträts aus
vier
Jahrhunderten
vorstellte
(versehen
mit einem
Vorwort von
Eberhard G.
Schulz) und
damit
wesentliche
Arbeiten des
schlesischen
Literaturkritikers
erneut
zugänglich
machte. Es
sind
Arbeiten zu
Rilke,
Charles de
Coster und
Ernst
Barlach
sowie Arno
Holz und
Hermann
Bahr.
Wilhelm von
Scholz und
O. Julius
Bierbaum
beschließen
diese
Ausgabe. Es
sind Texte,
die Spuren
einer längst
versunkenen
Welt
freilegen.
Doch
vielleicht
findet die
heutige
Generation
keinen
Zugang mehr
zu jener
gänzlich
entrückten
Zeit. Aber
Meridies
ermuntert
uns mit
einer der in
dem
genannten
Buch
abgedruckten
Arbeiten,
nämlich
Zwiesprache
über den
Zeiten.
Walter
Rathenau und
Hermann
Stehr
(entstanden
1950), zu
einem Dialog
mit dem
Gestern.
Dieser
erweist sich
um so
lohnender,
als Eberhard
G. Schulz
mit Recht
vom
„philosophischen
und
literarischen
Niveau der
Essays“
Meridies’
spricht,
darin ihren
„bleibenden
Wert als
Beiträge zu
einer
Diskussion
ihrer
Gegenstände
jenseits
aller
Modeströmungen“
liegen
sieht.
Wilhelm
Meridies war
Sohn eines
Arztes. Er
besuchte das
Gymnasium in
Oppeln und
die
Katholische
Ritterakademie
zu Bedburg (Erft).
Im Ersten
Weltkrieg
wurde er
schwer
verwundet.
Ein Studium
der
Germanistik,
Geschichte
und
Philosophie
an der
Universität
Breslau
folgte. Er
schloß es
mit der
Dissertation
Die
Eulenspiegelgestalt
in der
deutschen
und
flämischen
Dichtung bis
auf die
Gegenwart
1923 ab.
Nachdem er
während des
Studiums
Beiträge zu
kulturellen
und
literaturkritischen
Themen für
die Presse
geschrieben
hatte,
begann er
1924 eine
längere
Tätigkeit
als Lektor
und
Redakteur in
Buch- und
Zeitschriftenverlagen
in
Hildesheim
und
Frankfurt
a.M. sowie
beim
Rundfunk und
als
Theaterkritiker.
1930 folgte
ein
volksbibliothekarisches
Studium in
Leipzig, das
1932
abgeschlossen
wurde. Für
zehn Jahre
(1933-1943)
wurde in
Leipzig und
später in
Frankfurt am
Main der
Rundfunk
sein
Betätigungsfeld
für die
Bereiche
Literatur,
Hörspiel und
Musik. Er
begründete
die Hörfolge
Das
deutsche
Schatzkästlein.
Im März 1943
wurde seine
Wohnung in
Frankfurt
a.M. mit
seiner
wertvollen
Bibliothek,
wichtigen
Arbeitsmaterialien
und
wertvollen
Autographen
vollständig
vernichtet.
Im Februar
1945
flüchtete
Meridies,
inzwischen
nach
Schlesien
zurückgekehrt,
zusammen mit
seiner Frau
Ursula
(einer
Tochter
Hermann
Stehrs, die
er 1924
geheiratet
hatte), von
dort nach
Süddeutschland,
wobei
wesentliche
Teile des
dichterischen
Nachlasses
von Hermann
Stehr
mitgeführt
werden
konnten. In
Wangen im
Allgäu, wo
er und seine
Frau sich
niederließen,
baute er das
Hermann-Stehr-Archiv
auf, auch
als eine
Gedenk-
und
Forschungsstätte.
Die
Hermann-Stehr-Gesellschaft
war
schon 1948
gegründet
worden. Von
1950 bis
1963 leitete
der
engagierte
Literaturkritiker
die
Wochenzeitung
Schlesische
Rundschau
und stritt
darüber
hinaus in
einer Fülle
von
Beiträgen
für die
Bewahrung
des
schlesischen
Kulturerbes,
wobei viele
Beiträge
Hermann
Stehr
galten.
Meridies’
weitgehend
vergessenes
Werk stellt
sich als
eine
Fundgrube
von seltenem
Reichtum,
Wissen und
Ethos dar
und gehört
in solchen
Bekundungen
zum reichen
Erbe der
schlesischen
Literatur-
und
Kulturgeschichte.
Lit.:
Bibliographische
Hinweise zum
Werk von
Wilhelm
Meridies in
dem Band
„Inneres
Alphabet“
(1974).
Günter
Gerstmann