Paul Merker
studierte in
Leipzig
Klassische
Philologie
und
Sanskrit,
Deutsche
Philologie
und
Literaturgeschichte
sowie die
Rechte.
Seine Lehrer
waren nach
der
altgermanischen
Seite hin
Eduard
Sievers und
E. Mogk und
nach der
neugermanischen
Albert
Köster und
G. Witkowski.
In der von
Köster
herausgegebenen
Reihe
Probefahrten,
die der
Publikation
von
Erstlingsarbeiten
aus dem
Deutschen
Seminar in
Leipzig
diente,
erschien die
germanistische
Dissertation
Merkers
Studien zur
neuhochdeutschen
Legendendichtung.
Ein Beitrag
zur
Geschichte
des
deutschen
Geisteslebens.
(Leipzig
1906). Als
Jura-Doktorand
verband er
die
Behandlung
rechtswissenschaftlicher
Probleme mit
Fragen der
altnordischen
Philologie.
Das Thema
seiner
juristischen
Dissertation
lautete:
Strafrecht
altisländischen
Gragas.
Seit 1917
war er
Extraordinarius
in Leipzig,
1921 erhielt
er eine
ordentliche
Professur an
der
Greifswalder
Universität.
Dort bot er
in einem
Kollegturnus,
der drei
Jahre
dauerte,
einen
Überblick
über die
gesamte
deutsche
Literatur ab
1500. Merker
interessierte
sich auch
sehr stark
für die
neueren und
neuesten
Autoren,
insbesondere
im Bereich
der
nordischen
Literaturen,
die er in
1-2stündigen
Vorlesungen
behandelte.
Er baute in
Greifswald
das
Nordische
Institut
auf, pflegte
in
zahlreichen
Vortragsreisen
Kontakte zu
den
nordischen
Ländern,
begründete
eine
Zeitschrift
und eine
Publikationsreihe
des
Nordischen
Instituts.
Auch als
Breslauer
Ordinarius
betonte er
stets die
Wichtigkeit
der
nordischen
Studien, was
in seinen
Bemühungen
um das
schwedische
Lektorat an
der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität
sichtbar
wurde.
In
Greifswald
festigte
Merker seine
Freundschaft
mit dem
Germanisten
Wolfgang
Stammler,
den er 1912
im Goethe-
und
Schiller-Archiv
in Weimar
kennengelernt
hatte. Mit
ihm hat er
bis zum Ende
seines
Lebens an
verschiedenen
Projekten
gearbeitet:
am
Reallexikon
der
deutschen
Literaturgeschichte.
4. Bd.
1925/6-1931;
(2. Ausgabe
1958 ff:
Hrsg. von
Werner
Kohlschmidt
und Wolfgang
Mohr) und
(von 1926
bis 1945 mit
Stammler als
Mitherausgeber)
an der
bedeutenden
Zeitschrift
für deutsche
Philologie.
Dort führte
er ein
Verzeichnis
aller in
Deutschland
erschienenen
Dissertationen
ein und
schuf damit
eine der
Grundlagen
für die
künftige
Wissenschaftsgeschichte,
an der er
selbst
zunehmendes
Interesse
gewann. 1924
erschien im
Breslauer
Verlag
Ferdinand
Hirt ein
populärer
Abriß der
Deutschen
Literatur
vom
Naturalismus
bis zur
Gegenwart
von Wolfgang
Stammler in
der Reihe
Jedermanns
Bücherei;
Paul Merker
gab die
Abteilung
"Literaturgeschichte"
heraus. Enge
Freundschaft
verband ihn
auch mit
Gustav
Ehrismann,
in dessen
Greifswalder
Hause er
eine
zeitlang
wohnte. Mit
Stammler gab
er die
Ehrismann-Festgabe
Vom
Werden des
deutschen
Geistes
(Berlin und
Leipzig,
1925)
heraus.
Die Zeit bis
zur
Breslauer
Berufung hat
Merkers
wissenschaftliches
Profil
geprägt. Er
verlangte
eine
konsequente
Erforschung
der
deutschen
neulateinischen
Dichtung des
Humanismus,
eine
stärkere
Zuwendung zu
den
nordistischen
Studien,
eine
sozio-genetische
Methode der
Literaturforschung,
die sowohl
den
Rezipienten
als auch die
modernen
geistigen
Strömungen
in bezug auf
die
Erschließung
der
literarischen
Traditionen
berücksichtigte.
Er stand auf
dem
Standpunkt
einer
strikten
Wissenschaftlichkeit,
was seine
Murner-Edition
(1918) unter
Beweis
stellte.
Ziemlich
kritisch
beurteilte
er die
feuilletonistische
Germanistik
ideengeschichtlicher
Provenienz
und
verlangte
zugleich die
Bewahrung
einer
zeitllichen
Distanz bei
den Studien
zur neueren
Literatur.
In den
Anfängen des
Breslauer
Ordinariats
wandte er
sich jedoch
in
zunehmendem
Maße der
modernen
Literatur
zu, indem er
sich als
Germanist im
Geiste der
"Neuen
Sachlichkeit"
verstand.
Am 1. April
1928 wurde
Merker auf
den
Lehrstuhl
für neue
deutsche
Sprache und
Literatur an
das
Germanistische
Seminar der
Universität
Breslau
berufen. Er
mußte in der
Entstehungsphase
des
Deutschen
Instituts
(offiziell
gegründet
1929) vor
einem großen
Kreis von
300
Studenten
tätig
wirken. Sein
Kollege und
zweiter
Direktor des
Deutschen
Instituts
war der 1929
aus
Königsberg
berufene
Vertreter
der alten
Germanistik
Friedrich
Ranke.
Zusammen mit
ihm (sowie
mit anderen
Kollegen,
vor allem
dem zwar zum
1. Oktover
1929
emeritierten,
aber
weiterhin
aktiven
Theodor
Siebs)
konnte er
ein modernes
germanistisches
Institut
aufbauen,
das zu den
wichtigsten
und
angesehensten
in
Deutschland
gehörte.
Besonders
wichtig in
der ersten
Phase seiner
Breslauer
Tätigkeit
waren
Vortragsreisen
und
Gastprofessuren
an den
amerikanischen
Universitäten
(1931
Columbia-Universität
in New York,
Vortragsreisen
in Amerika,
unter
anderem nach
Chicago); in
den nächsten
zwei Jahren
hielt Merker
Vorträge in
Oxford und
Cambridge,
fuhr er nach
Abo und
Helsinki und
wurde
Mitglied der
Ungarischen
Akademie der
Wissenschaften
in Budapest.
Merker trug
vor allem
über die
neuere
Literatur
(Neue
Sachlichkeit,
Expressionismus)
vor und
knüpfte
zahlreiche
Bekanntschaften
an;
amerikanische
Studenten
arbeiteten
nicht nur
als
Humboldt-Stipendiaten
in Breslau;
sie waren
mit der
Familie
Merker eng
befreundet.
Eine
wesentliche
Unterstützung
fand Merker
in seiner
Frau Erna,
(geboren
1887), die
auch
promovierte
Germanistin
war (in der
Reclam-Reihe
Dichter-Biographien
gab sie 1918
eine
inhaltsreiche
Kleinmonographie
über
Christoph
Martin
Wieland
heraus) und
seine
wissenschaftlichen
Projekte mit
warmer
Anteilnahme
begleitete.
Hatte sich
Merker in
Greifswald
intensiv den
Problemen
der
Nordistik
zugewandt,
so trat er
in seiner
Breslauer
Zeit mit den
Strömungen
der
Geisteskultur
Schlesiens
in
Verbindung.
Besonders
nachhaltig
war sein
Interesse
für die
sogenannte
lebensbejahende
Dichtung der
Zeit um die
Jahrhundertwende;
in diesem
Bereich
konnte er
einige bis
heute
grundlegende
Arbeiten
anregen.
Daraus (und
aus den
"liberalen"
Sympathien)
entstand die
Bekanntschaft
und dann
hochachtungsvolle
Freundschaft
mit Gerhart
Hauptmann.
Merker
betreute die
Hauptmann-Studien
Felix A.
Vogts,
äußerte sich
zum Schaffen
Hauptmanns
sowohl 1932
in den
Schlesischen
Monatsheften
als auch
1942 in dem
Festakt und
in der
Festgabe des
Deutschen
Instituts
zum 80.
Geburtstag
des
Dichters.
Sein
Interesse an
der
schlesischen
Dichtung
äußerte sich
auch in den
Kontakten
mit den
Autoren, die
er nach
Breslau
einlud (er
veranstaltete
Abende im
Hotel
"Monopol"
mit Hans
Carossa,
Bruno Brehm
und E.G.
Kolbenheyer)
oder als
angehende
Germanisten
betreute
(Hanns
Gottschalk
und Wolfgang
Schwarz);
enge
Freundschaft
verband die
Familie
Merker auch
mit Werner
Steinberg.
Merker regte
viele
Dissertationen
zu den
schlesischen
Themen an;
auch die von
ihm betreute
Habilitation
Wolfgang
Baumgarts
Die
Preußische
Wendung der
schlesischen
Literaturgeschichte
(1944) geht
auf dieses
Interesse
zurück. Er
war Autor
eines in den
Evakuierungswirren
verschollenen
Vortrages
über Hermann
Stehr und
eines
Überblickes
über die
schlesische
Dichtung,
den er in
der Reihe
Heimat
Schöpferischen
Geistes.
Schlesische
Monographien
1943
veröffentlichte.
In einem
noch nicht
publizierten
Brief an
Gerhart
Hauptmann
zum Neujahr
1944 schrieb
Merker über
diesen
Aufsatz:
"Wenn ich
mir erlaube,
in Ihr
winterstilles
Agnetendorfer
Tusculum
einzudringen,
wo noch
immer
beglückend
rege
poetische
Geisterchen
an der
Vollendung
Ihres großen
Lebenswerkes
tätig sind
und in diese
grosse Welt
lebensweiser
und von den
Ahnungen
mystischer
Daseinsgeheimnisse
umwitterten
Dichterphantsie
ein
nüchternes
Werkchen
wissenschaftlicher
Arbeit
hineinzureichen,
so tue ich
dies
keinesfalls,
weil ich
etwa diesen
knappen, auf
Anregung des
Herausgebers
dieser
Schlesischen
Monographien
geschriebenen
Überblick
über die
Entwicklung
der
schlesischen
Dichtungsgeschichte
für eine
besonders
wertvolle
Leistung
hielte. Das
Ganze ist
vielmehr ein
Parergon
[Nebenwerk]
ohne alle
Ansprüche
und von
vornherein
auf weitere
Kreise
berechnet.
Aber da ich
weiss, dass
Sie als
guter
Schlesier
für alle
schlesischen
Belange ein
reges
Interesse
bekunden,
darf diese
Darstellung
eines
Nichtschlesiers
vielleicht
kurz Ihre
Aufmerksamkeit
in Anspruch
nehmen. Es
liegt auf
der Hand,
dass im
Rahmen einer
ruhmreichen
zweitausendjährigen
Dichtungsgeschichte
Schlesiens
selbst Ihr
alles
überragendes
Gesamtwerk
nur eine
begrenzte
Raumspanne
einnehmen
kann. Ich
hoffe aber
trotz dieser
gebotenen
Kürze doch
die
entscheidenden
Grundlinien
richtig zur
Darstellung
gebracht zu
haben.
Wieweit mir
dieser
erster
Versuch
gelungen
ist, auch
die nach
Ihnen
kommende
allerjüngste
schlesische
Dichtung
wenigstens
in den
wichtigsten
Erscheinungen
und
Gruppierungen
richtig zu
erfassen,
muss ich
berufneren
Beurteilern
überlassen.
Wir sitzen
in Breslau
in banger
Erwartung
der Dinge,
die da
eventuell
vom Himmel
kommen
könnten, und
haben schon
öfter der
doch wohl
vor solchen
modernen
Dämonen
bewahrten
Stätte Ihres
Dichterheims
gedacht."
Als
Ordinarius
verstand es
Merker,
einen strikt
apolitischen
Kurs zu
steuern, was
dem
Deutschen
Institut ein
eigenes und
in
wissenschaftlicher
Hinsicht
unabhängiges
Profil
sichern
konnte.
Unermüdlich
baute er das
Institut
aus. Er
wirkte an
den
Nachrichten
aus dem
Deutschen
Institut
(1932-1938),
einer
Fachschaftszeitschrift,
mit,
erweiterte
die
Bibliothek,
legte ein
Presse-Archiv
an (wichtig
in diesem
Zusammenhang
waren seine
Kontakte zu
dem
Chefredakteur
der
Breslauer
Gerichts-Zeitung
Majunke-Lange),
sorgte für
den
Unterricht
zum Thema
Theater und
ging auf
Vortragsreisen
(1943 war er
noch in
Fribourg und
Basel). 1942
fiel sein
Sohn in
Rußland. Die
"Kriegsfurien"
erfüllten
ihn mit
Angst und
Resignation.
Von Merkers
hohen
menschlichen
Qualitäten
zeugen die
letzten Tage
seines
Lebens, an
denen er
sich auf der
Flucht
befand.
Während des
Bombenangriffs
auf Dresden
am 13./14.
Februar 1945
zog er sich
im Zentrum
der Stadt
eine schwere
Vergiftung
durch
Phosphorgase
zu; er hatte
in einem
Luftschutzkeller
eine Tür, an
der er
stand,
mehrere Male
geöffnet, um
den
eingepferchten
Menschen
frische Luft
zu
verschaffen.
Merker starb
bald darauf.
Seine Frau
Erna wurde
Mitarbeiterin
am
Goethe-Wörterbuch
in der
Deutschen
Akademie der
Wissenschaften
in
Ost-Berlin;
sie betreute
die erste
Goethe-Ausgabe
in der DDR
(Berlin
1954) und
erarbeitete
das
Wörterbuch
zu Goethes
Werther
(Berlin
1966).
Werke:
Literaturgeschichtliche
Synthesen:
Neuere
deutsche
Literaturgeschichte
(1914-1920.
Mit
Bibliographie
der 1920/22
erschienenen
Werke)
Stuttgart-Gotha
1922
(Wissenschaftliche
Forschungsberichte.
Geisteswissenschaftliche
Reihe). -
Das
Zeitalter
des
Humanismus
und der
Reformation,
in: Aufriss
der
deutschen
Literaturgeschichte
nach neueren
Gesichtspunkten.
In
Verbindung
mit Emil
Ermatinger (u.a.),
Teil 4,
hrsg. von H.
A. Korff u.
W. Linden.
Berlin 1931
(2. Aufl.),
3. Aufl.
1932.
Zeitschriften:
Zeitschrift
für deutsche
Philologie.
Hrsg. von
Paul Merker
u. W.
Stammler.
Bd. 1 ff.
Halle
(zuletzt
Stuttgart)
1869 ff.
Seit dem Jg.
51 (1926)
werden hier
von H.
Ziegler
regelmäßig
neue
germanistische
Dissertationen
verzeichnet
sowie an
entlegenerer
Stelle
veröffentlichte
germanistische
Aufsätze aus
nichtgermanistischen
Zeitschriften
und
Sammelwerken.
Reihen:
Sprache und
Kultur der
germanisch-romanischen
Völker.
Hrsg. von W.
v. Horn, P.
Merker und
Fritz
Neubert. B.
Germanistische
Reihe. Bd.
1 ff.
Breslau
1929 ff.
Stoff- und
Motivgeschichte
der
deutschen
Literatur.
Hrsg. von P.
Merker und
Gerhard
Lüdtke.
1 ff. Berlin
und Leipzig
1929 ff.
Beiträge zur
Wissenschaftsgeschichte
und zu den
methodologischen
Fragen:Neue
Aufgaben der
deutschen
Literaturgeschichte,
Leipzig 1921
(Zeitschrift
für
Deutschkunde.
Ergänzungsheft
16).
Herausgebertätigkeit:
Otto Ludwig,
Sämtliche
Werke. Unter
Mitwirkung
des Goethe-
und
Schiller-Archivs
in
Verbindung
mit Hans
Heinrich
Borcherdt,
Conrad
Höfer,
Julius
Petersen,
Expeditius
Schmidt,
Oskar Walzel,
hrsg. von P.
Merker.
München-Leipzig
1912-1914. -
Deutsche
Lyrik des
17.
Jahrhunderts.
In Auswahl
von P.
Merker. Bonn
1913 - Von
Goethes
dramatischem
Schaffen.
Siebzig
Vorstufen,
Fragmente,
Pläne und
Zeugnisse,
gesammelt
und
herausgegeben
von P.
Merker.
Leipzig
1917. -
Thomas
Murners
Deutsche
Schriften
mit den
Holzschnitten
der
Erstdrucke.
Herausgegeben
unter
Mitarbeit
von G.
Bebemeyer,
E. Fuchs, P.
Merker, V.
Michels,
Pfeiffer-Belli,
M. Spanier
u.a. von
Franz
Schultz. Bd.
IX: Von dem
großen
Lutherischen
Narren.
Berlin 1918
- Deutsche
Idyllendichtung
1700-1840
nach
stilgeschichtlichen
Gesichtspunkten,
ausgewählt
von P.
Merker.
Berlin 1934.
Studien und
Aufsätze:
Simon
Lemnius: Ein
Humanistenleben.
In: Quellen
und
Forschungen
zur Sprach-
und
Culturgeschichte
der
Germanischen
Völker.
Herausgegeben
von A.
Brandl, E.
Martin, E.
Schmidt. 104
Heft.
Strassburg
1908. - Der
elsässische
Humanist
Johannes
Sapidus. In:
Schriftenreihe
des
Wissenschaftlichen
Instituts
der
Elsaß-Lothringer
im Reich an
der
Universität
Frankfurt.
Neue Folge
Nr. 18.
Beiträge zur
Geistes- und
Kulturgeschichte
der
Oberrheinlande.
Franz
Schultz zum
60.
Geburtstag
gewidmet.
Hrsg. von
Hermann
Gumbel.
Frankfurt am
Main 1938,
S. 79-111.
Wojciech
Kunicki