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Gute Verleger und Buchhändler sollten bekanntlich sowohl Sinn für
Literatur und Kunst als auch kaufmännisches Gespür besitzen. Beide
Begabungen wurden Hans Meschendörfer gewissermaßen in die Wiege gelegt:
Sein Vater Arnold war zwar Eisenwarenhändler, nur sein Soldatentod im
November 1914 verhinderte aber den Berufswechsel zum Buchhandel. Unter
den zahlreichen Nachkommen des Urgroßvaters von Hans Meschendörfer, des
Lehrers und Theologen Josef M. (1801-1873), finden sich nicht wenige
Künstler und Literaten, zum Beispiel der Onkel Adolf Meschendörfer
(1877-1963; Verfasser der Siebenbürgischen Elegie und der
Stadt im Osten), der Großonkel Josef Traugott M. (1832-1919;
Schulbuchautor und Geologe), von den Vettern der früh verstorbene
Graphiker Wolfgang M. (1910-1934), der Maler und Graphiker Harald M.
(1909-1984), der Forstmeister und Schriftsteller Richard Jacobi
(1901-1972) sowie der Geologe und Direktor des Burzenländer Sächsischen
Museums zu Kronstadt, Dr. Erich Jekelius (1889-1970). - In der Familie
der Mutter Friederike, geb. Ganzert wiederum überwiegen neben Pfarrern
die Unternehmer: Der aus dem Württembergischen zugewanderte Fabrikant
Karl Rudolf Ganzert (1859-1955) und die aus der bekannten
Unternehmerfamilie stammende Großmutter Elisabeth, geb. Schiel
(1855-1937).
Hans Meschendörfer legte 1929 als Schüler des Honterusgymnasiums zu
Kronstadt die Reifeprüfung ab. Für ihn stand fest, den vom Vater
ersehnten Beruf zu ergreifen: Je ein Jahr lang besuchte er die
Buchhändler-Lehranstalt Leipzig und praktizierte im renommierten Verlag
Firmin-Didot in Paris sowie in der Buchhandlung Gräfe & Unzer im
preußischen Königsberg. – Im Jahre 1935 eröffnete Hans Meschendörfer in
Kronstadt seine „Bücherstube“. Sie stellte etwas Neues dar: Abgesehen
davon, daß er auf die damals übliche Koppelung mit Papierwaren und
Büroartikeln verzichtete, schuf er statt Ladentischen gemütliche
Leseecken, in denen man ruhig schmökern konnte, und versandte auf
Bestellung deutsche Literatur bis ins entlegenste Dorf Rumäniens. Bald
veranstaltete er auch Ausstellungen von Kunstdrucken. Ein Jahr nach
Gründung der „Bücherstube“ erschien in seinem Verlag das erste Bändchen,
1938 eine Kunstdruckmappe mit Zeichnungen von Fritz Kimm.
In Kronstadt, später auch in München, war Liesel, geb. Goldschmidt – sie
heirateten 1929 – seine zuverlässigste Mitarbeiterin. Sie vertrat ihn
seit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion (22. Juni 1941), weil Hans
Meschendörfer in rumänischen und deutschen Verbänden diente. 1943 schloß
er bis auf weiteres seine Bücherstube – in Kronstadt für immer. – Bei
Kriegsende geriet Meschendörfer in amerikanische Kriegsgefangenschaft,
aus der er 1947 entlassen wurde. Seine Frau war im Januar 1945 zur
Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert worden, und Meschendörfer sah
sie erst 1950 in München wieder, wo er zunächst als Verlagsangestellter,
dann als Geschäftsführer des akademischen Gemeinschaftsverlages München
sein Auskommen
gefunden hatte.
1954 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit, indem er die „Versand-
und Verlagsbuchhandlung Hans Meschendörfer, München“ gründete. In deren
Kundenkartei fanden sich bald die Namen der geistig interessierten
Siebenbürger Sachsen und vieler Südostdeutscher aus aller Welt. Nach
Lockerung der Bestimmungen baute er auch einen Geschenkdienst nach
Rumänien auf. Wegen der schmalen Finanzierungsbasis verband sich
Meschendörfer 1969 mit der Verlagsgruppe Walter Richter, die jedoch 1975
liquidierte. Bis zur Erreichung seines 70. Lebensjahres arbeitete er
dann in einem Münchner Landkartenverlag. – In Meschendörfers Kronstädter
Verlag erschienen wegen der schwierigen Zeitverhältnisse nur vier, in
München 21 Titel, die durch geschmackvolle, gediegene Ausstattung
auffielen und teilweise mehrfach aufgelegt wurden. Bildbände und
Bildmappen machten ein Drittel der Verlagsproduktion aus. Das verrät,
daß Hans Meschendörfer ein zielgerichteter Sammler alter, teilweise
seltener siebenbürgischer Drucke und überhaupt ein Bibliophile war.
Abgesehen von mehr als vierzig Zeitschriften-Aufsätzen war Hans
Meschendörfer Autor eines Kompendiums über Das Verlagswesen der
Siebenbürger Sachsen, das 1979 im Verlag des Südostdeutschen
Kulturwerks erschien. Seine Einführung zum Neudruck von Charles Boners
Siebenbürgen, Land und Leute (Leipzig 1868, Köln-Wien 1987)
vermittelt neue Erkenntnisse über den Engländer Boner. Meschendörfers
Stärke war jedoch der zurückhaltende, kluge Rat des „gänzlich uneitlen
Menschen ... Ich kann mir nicht vorstellen, daß er je einen Feind hatte“
(Heinrich Zillich). Nicht nur den Einrichtungen der Südostdeutschen in
München war er ein Helfer; über bald zwanzig Jahren fuhr er jährlich an
mehreren Wochenenden, seitdem er mehr Zeit hatte, auch für Wochen, von
München an den Neckar und half ohne Entgelt im Siebenbürgischen Museum
und in der Bibliothek auf Schloß Horneck in Gundelsheim. So hat niemand
den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 1984 eher verdient als er.
Lit.:
Heinrich Zillich: Der Buchhändler und Verleger Hans Meschendörfer, in:
Südostdeutsche Vierteljahresblätter 30 (1981) S. 291-294 (mit Liste der
Verlagsveröffentlichungen). – Hans Bergel: Laudatio für Hans
Meschendörfer. Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreis 1984, ebenda 33
(1984), S. 234-237.
Bild:
Privatbesitz.
Ernst Wagner
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