Alexander
von
Meyendorff
entstammte
einem alten
deutschbaltischen
Adelsgeschlecht.
Sein Vater
Felix, ein
Diplomat in
russischem
Dienst, war
zuletzt in
Stuttgart
tätig. Nach
dessen
frühem Tod
zog die
Mutter Olga,
eine
geborene
Prinzessin
Gorčakova,
mit ihren
Kindern nach
Weimar, wo
Alexander
bis 1888 das
Gymnasium
besuchte und
russischen
Sprachunterricht
erhielt.
Anschließend
studierte er
in St.
Petersburg
Rechtswissenschaft.
Dies
ermöglichte
ihm den
Eintritt in
den
russischen
Staatsdienst,
in dem er
vor allem
mit
bäuerlichen
Angelegenheiten
zu tun
hatte, wobei
er sowohl im
Baltikum als
auch in St.
Petersburg
tätig war.
In letzterem
hielt er ab
1901
zugleich
Vorlesungen
über
Agrarrecht
an der
Universität.
Nachdem die
russische
Revolution
von 1905 den
Zaren zu
konstitutionellen
Zugeständnissen
gezwungen
hatte,
begann für
Meyendorff
eine Zeit
sehr
bedeutsamen
politischen
Wirkens. Als
Abgeordneter
für Livland,
wo er ein
Gut besaß,
war er
1907-1917
Mitglied der
parlamentsähnlichen
russischen
Reichsduma.
Wie fast
alle anderen
deutschen
Dumamitglieder
gehörte er
der Fraktion
der
Oktobristenpartei
an, die eine
politische
Kraft der
Mitte
darstellte.
Dank seiner
persönlichen
Ausstrahlung
und
rednerischen
Begabung
fiel ihm
nicht nur
oft die
Rolle eines
Sprechers
der
Oktobristen
zu, sondern
er war
zeitweilig
sogar
Vizepräsident
der Duma und
leitete als
solcher
manche ihrer
Sitzungen.
Bei seinen
Stellungnahmen
in der Duma
trat
Meyendorff
für
rechtsstaatliche
Grundsätze
und für
konfessionelle
Duldsamkeit
ein. Er wies
russische
Angriffe
gegen die
deutsche
Oberschicht
der
Ostseeprovinzen
zurück und
wirkte mit
der
Forderung
nach
Volksschulunterricht
in der
Muttersprache
gezielt
zugunsten
der Esten
und Letten.
Daneben
protestierte
er gegen die
Bedrohung
der
Autonomierechte
des
ebenfalls
zum
Zarenreich
gehörigen
Finnland.
Nach seiner
Auffassung
sollte die
Politik St.
Petersburgs
nicht an den
russischen
Nationalismus
gebunden
sein. Obwohl
die
Entscheidungskompetenz
der Duma
begrenzt
war, blieb
sein
Engagement
keineswegs
folgenlos.
Nach der
Revolution
von 1917 war
Meyendorff
vorübergehend
bei der
Schwedischen
Botschaft in
Petrograd
tätig, und
in dieser
Stellung
konnte er
wesentlich
an der
Rettung von
Deutschbalten
mitwirken,
die von den
Bolschewisten
aus Estland
und
Nordlivland
verschleppt
worden
waren.
Anfang 1919
mußte er
jedoch nach
England
emigrieren.
Bezeichnend
ist, daß er
jetzt von
deutschbaltischen
Vertretungskörperschaften
den
schwierigen
Auftrag
erhielt,
ihre Belange
auf der
Pariser
Friedenskonferenz
zu
vertreten.
Dabei teilte
er
keineswegs
alle
konservativen
Positionen
der
baltischen
Führungsschicht.
In der
Folgezeit
lehrte der
Emigrant in
London an
der
bekannten
School of
Economics.
Unter dem
Titel „The
Background
of the
Revolution"
erschienen
Vorlesungen
von ihm auch
in Buchform
(New York
1928 und
1931). Als
erwähnenswert
erscheint,
daß er sich
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
noch einmal
für
auswanderungswillige
Deutschbalten
einsetzte.
Im übrigen
gibt es
viele
Beweise
dafür, daß
dem
ausgewogen
urteilenden
und
hilfsbereiten
Edelmann
nicht nur
von
Deutschbalten,
sondern auch
von Russen,
Letten und
Finnen
Vertrauen
und
besondere
Hochachtung
entgegengebracht
wurden.
Lit.:
Deutschbaltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960,
hg. von
Wilhelm
Lenz,
Köln-Wien
1970, S.
511; Inge
Auerbach,
Alexander v.
Meyendorff
und das
Nationalitätenproblem
im Baltikum,
in: Rußland
und
Deutschland
[Festschrift
für Georg
von Rauch],
hg. von Uwe
Liszkowski,
Stuttgart
1974, S.
257-264;
Manfred
Hagen,
Zwischen
Nationalitäten
und
Fraktionen –
Alexander
Baron
Meyendorff
(1869-1964),
in:
Zeitschrift
für
Ostforschung
27 (1978),
S. 588-615;
Georg Baron
Manteuffel-Szoege,
Baron
Alexander
Meyendorff.
Betrachtungen
und
Erinnerungen,
in: Jahrbuch
des
baltischen
Deutschtums
1955, S.
72-79.
Norbert
Angermann