Johann von
Mikulicz-Radecki,
der Schüler
des
berühmten
Wiener
Chirurgen
Theodor
Billroth
(1829–1894)
[über diesen
siehe OGT
1994, S.
28-30],
gehört zu
den
bedeutendsten
Vertretern
seines
Faches im
letzten
Drittel
des 19.
Jahrhunderts.
Mikulicz
nahm im
Wintersemester
1869/70
das
Medizinstudium
in Wien auf,
das er im
März 1875
erfolgreich
mit dem
Staatsexamen
abschloß.
Gleichzeitig
wurde er zum
Doktor der
Medizin
promoviert.
Ebenfalls
1875 wurde
er unter
Billroth
Assistent an
der Wiener
Chirurgischen
Klinik. 1880
konnte er
sich dort
mit der
Arbeit
Über das
Genu varum
und valgum
für das Fach
Chirurgie
habilitieren.
1882 folgte
Mikulicz
einem Ruf an
die
Universität
Krakau, wo
er als
Ordinarius
die Leitung
der
Chirurgischen
Klinik
übernahm.
Nachdem
seine
Bemühungen
um den Bau
einer neuen
chirurgischen
Klinik in
Krakau
gescheitert
waren, ging
er 1887 nach
Königsberg.
1889 wurde
er zum
Geheimen
Medizinalrat
ernannt.
1890
übernahm er
in Breslau
den
Lehrstuhl
für
Chirurgie.
Dort wirkte
er bis zu
seinem Tod
1905.
Hervorzuheben
sind
Mikulicz’
bahnbrechende
Arbeiten
über die
Wundbehandlung.
Er
beschäftigte
sich mit der
Tamponade
der
Bauchhöhle
sowie mit
neuen
Methoden der
Desinfektion,
der Narkose
und
Lokalanästhesie.
Als erster
entwickelte
er
brauchbare
Verfahren
der
Ösophago-
und
Gastroskopie.
Des weiteren
widmete er
sich den
Problemen
bei der
Kropfoperation,
der Magen-
und
Fußresektion,
der
Pyloroplastik
sowie der
Darmvorlagerung.
Auch der
Orthopädie
brachte er
reges
Interesse
entgegen.
Erwähnt sei
ferner
Mikulicz’
wissenschaftliche
Beschäftigung
mit der
Hüftgelenkluxation,
dem
angeborenen
Schiefhals
und der
Skoliose.
Johannes von
Mikulicz-Radecki
verfaßte
zahlreiche
wissenschaftliche
Werke. Seine
bedeutendsten
sind:
Über die
Anwendung
der
Antisepsis
bei
Laparotomien
mit
besonderer
Rücksicht
auf die
Drainage der
Peritonealhöhle
(1881),
Beiträge zur
Wundbehandlung.
Zur
Bedeutung
des
Quecksilbersublimates
für die
Wundbehandlung
(1884),
Über die
Ausschaltung
todter Räume
aus der
Peritonealhöhle
mit
besonderer
Rücksicht
auf die
Exstirpation
der aus der
Beckenhöhle
ausgehenden
Geschwülste
(1886),
Zur
operativen
Behandlung
des
stenosierenden
Magengeschwüres
(1888).
Medizinische
Begriffe mit
Mikulicz’
Namen (Eponyme)
sind noch
heute in
Gebrauch: In
medizinischen
Lexika
finden sich
die Termini
„Mikulicz-Klemme“,
eine
Peritonealklemme
bzw. „Spornquetsche
zur
Durchtrennung
der
Trennwand
einer
axialen
Fistel“,
ferner die „Mikuliczsche
Krankheit“
(im
Jugendalter
auftretende
einkammerige,
solitäre
Zysten in
Epiphysennähe
in
Röhrenknochen
bzw.
Schwellungen
von
Mundspeichel-
und
Tränendrüsen),
dann die „Mikuliczschen
Aphthen“
(chronisch
rezidivierende
Schleimhautveränderungen),
die „Mikuliczsche
Magenresektion“,
die „Mikuliczsche
Naht“, eine
einstülpende
dreischichtige
Naht bei (Magen-)Darmanastomosierung,
sowie der „Mikulicz-Tampon“
zur
Tamponade
größerer und
freierer
Wundhöhlen,
zur
Sekretaufsaugung
und zum
Offenhalten
des
Wundbettes
für eine
Sekundärheilung.
Die
verhältnismäßig
große Zahl
der
Mikulicz-Eponyme
weist auf
die breite
Wirkung hin,
die die
wissenschaftliche
Arbeit des
Chirurgen
entfalten
konnte.
Johannes von
Mikulicz-Radecki
regte seinen
Schüler
Ferdinand
Sauerbruch
(1875–1951)
zu dessen
bahnbrechenden
Forschungen
über die
Unterdruckkammer
an, die eine
der
wichtigsten
Voraussetzungen
für die
Entwicklung
der modernen
Thoraxchirurgie
darstellen.
Aufgrund
seines
erfolgreichen
Schaffens
war Mikulicz
Mitglied
bzw.
Ehrenmitglied
in
zahlreichen
medizinischen
Gesellschaften
des In- und
Auslandes.
Ehrendoktorwürden
erhielt er
1898 in
Edinburgh,
1901 in
Glasgow und
1903 in
Philadelphia.
Lit.:
Werner E.
Gerabek und
Gundolf
Keil:
Mikulicz in
Krakau, in:
Würzburger
medizinhistorische
Mitteilungen
8 (1990), S.
295–306. –
Volker
Zimmermann:
Mikulicz-Radecki,
v. 1)
Johannes,
Chirurg, in:
Neue
Deutsche
Biographie,
hrsg. v. d.
Hist. Komm.
bei d.
Bayer. Akad.
d. Wiss.,
XVII, Berlin
1994, S.
498f.