Arthur
Milchhöfer
stammte aus
einer nach
1732 nach
Ostpreußen
eingewanderten
Familie von
evangelischen
Salzburgern.
Sein Vater
war Arzt.
Nach dem
Abitur am
Gymnasium in
Tilsit
begann er
1870 in
Berlin mit
dem Studium
der
Germanistik
und
Philosophie,
nahm aber
kurz darauf
am Krieg von
1870/71 als
Freiwilliger
in der
Verwundetenfürsorge
teil. Von
einer
anschließenden
Italienreise
war er so
sehr
beeindruckt,
daß er sich
dem Studium
der
Archäologie
und der
griechischen
Altertümer
zuwandte.
Seit dem
Wintersemester
1872/73
setzte er
sein Studium
an der
Universität
München
fort, wo er
schon am 5.
August 1873
unter
Vorlage der
Arbeit „Über
den
attischen
Apollon“ zum
Dr. phil.
promoviert
wurde. Er
ging dann
nach
Königsberg
zurück, um
sich auf das
Staatsexamen
vorzubereiten,
das er am
29. Mai 1875
ablegte. Ab
Michaelis
1875 begann
er seine
praktische
Lehrerausbildung
an zwei
Gymnasien in
Berlin.
Schon im
Herbst 1876
ging Arthur
Milchhöfer
als
Stipendiat
des
Deutschen
Archäologischen
Instituts
nach
Griechenland,
wo er die
Bekanntschaft
Heinrich
Schliemanns
(1822–1890)
machte, mit
dem er bis
zu dessen
Tod
freundschaftlich
verbunden
blieb, und
an dessen
Ausgrabungen
in Mykene er
vorübergehend
teilnahm.
Damals hatte
das Deutsche
Reich auf
Veranlassung
von Ernst
Curtius
(1814–1896),
der
Milchhöfers
Doktorvater
gewesen war,
in Olympia
mit
Ausgrabungen
begonnen, so
daß
Milchhöfer
an der
Entdeckung
wichtiger
Skulpturen
und
Tempelteile
beteiligt
war. Bei den
Ausgrabungen
jener Jahre,
besonders in
Troja und
Mykene,
wurden
Spuren von
Kulturepochen
entdeckt,
die älter
als die
bisher
bekannten
waren.
Milchhöfer
selbst
widmete sich
besonders
der
Landschaft
Attika, wo
er auf
seinen
zahlreichen
Wanderungen
u.a.
nördlich von
Athen das
Kuppelgrab
von Menidi
entdeckte.
Nach kurzer
Tätigkeit in
Neapel und
Rom kehrte
er wieder
nach Athen
zurück, um
auf seinen
Wanderungen
weitere
Spuren von
Bauten und
Siedlungen
zu suchen.
1880 wurde
Milchhöfer
in Berlin
Assistent
von Ernst
Curtius und
ordnete
zusammen mit
Schliemann
die Funde
aus Troja,
die im
Berliner
Gewerbemuseum
ausgestellt
wurden. Er
ging für die
Habilitation
im Fach
Archäologie
vorübergehend
nach
Göttingen
und
veröffentlichte
1883 seine
Schrift „Die
Anfänge der
Kunst in
Griechenland“.
Schon im
gleichen
Jahr erhielt
er einen Ruf
als
außerordentlicher
Professor an
die
Universität
Münster, wo
er eine
archäologische
Bibliothek
aufbaute und
eine
Sammlung von
Gipsabgüssen
griechischer
Plastiken
anlegte, für
die später
ein eigenes
Gebäude
errichtet
wurde. Von
Münster ging
er 1895 als
ordentlicher
Professor an
die
Universität
Kiel, wo er
gleich die
Universitätssammlung
von
Gipsabgüssen
neu ordnete
und schon
1896 einen
Führer durch
diese
Sammlung
herausgab.
In diesem
Führer
verwandte
Milchhöfer
die noch
heute bei
der
Betrachtung
und
Einordnung
von
Kunstschätzen
des
Altertums
vertretenen
Prinzipien
der
Stilanalyse
und des
Stilvergleichs.
Schon in
einem von
ihm im Jahre
1881
herausgegebenen
Katalog der
Museen
Athens hatte
er sich
dieser
Ordnungsprinzipien
bedient,
konnte sie
jetzt aber
mit besseren
Argumenten
vertreten.
Neben seinen
Verdiensten
um die
Topographie
Athens und
Attikas war
von
besonderer
Bedeutung
seine in der
Habilitationsschrift
„Die Anfänge
der Kunst in
Griechenland“
nachgewiesene
Tatsache,
daß in der
mykenischen
Kultur des
2.
vorchristlichen
Jahrtausends
neben
östlichen
Einflüssen
auch
bodenständige
Kunst
festzustellen
ist. Auch
wies er
darauf hin,
daß auf
Kreta, dem
Kreuzungspunkt
der Seewege
im östlichen
Mittelmeer,
ein
Mittelpunkt,
wenn nicht
sogar der
Ursprung der
mykenischen
Kultur zu
suchen sei.
Diese
Vermutung
wurde durch
spätere
Forschungsergebnisse
bestätigt.
Bei einem
späteren
Aufenthalt
in Athen in
den Jahren
1886–1887
wurde
Milchhöfer
endgültig
zum
anerkannten
Topographen
Attikas,
wofür er
in seiner
Publikation
„Die
Schriftquellen
zur
Topographie
von Athen“
(1891) die
schriftlichen
Nachweise im
Rahmen einer
von Ernst
Curtius
geplanten
Stadtgeschichte
Athens
vorlegte.
Über die
Universität
hinaus war
Milchhöfer
als Experte
der
Topographie,
der frühen
Kunst und
Religion
Griechenlands
anerkannt.
Schon seit
seiner Zeit
in Münster
hat er durch
die
jährliche
Abhaltung
von Feiern
und
Vorträgen am
Geburtstag
von Johann
Joachim
Winckelmann
(1717–1768),
dem
Begründer
der neueren
archäologischen
Wissenschaft
und der
vergleichenden
Kunstgeschichte,
für seine
Wissenschaft
geworben.
Lit.:
Klaus
Bürger:
A.A.J.
Milchhöfer,
in:
Altpreußische
Biographie,
Bd. IV, 2.
Lieferung,
Marburg/Lahn
1989, S.
1259–1260
(dort
Nachweise).
– Reinhard
Stupperich:
A.M., in:
Reinhard
Lullies,
Wolfgang
Schiering
(Hg.):
Archäologenbildnisse,
Porträts und
Kurzbiographien
von
klassischen
Archäologen
deutscher
Sprache,
Mainz 1988,
S. 103–105.
Bild:
Bildersammlung
der
Universitätsbibliothek
Kiel.
Klaus Bürger