Der Vater, Stephan von
Milenkovich,
war
slawischer
Herkunft und
entstammte
einer im
Banat
eingedeutschten
Grenzerfamilie.
Die Mutter,
Maria von
Pauß,
gehörte dem
deutschen
Kleinadel
an. Milows
Vater war
Major und
Kordonskommandant
im
Deutsch-banater
Grenzregiment.
Als der
spätere
Dichter 1836
in der
Grenz- und
Garnisonsstadt
Orschowa,
hoch über
der
mächtigen
Donau am
Eisernen
Tor, zur
Welt kam,
hatte die
Banater
Militärgrenze,
als Teil der
1300 km
langen
österreichischen
Militärgrenze,
noch
ihre volle
Funktion als
Grenzsicherungs-
und
Verteidigungsgürtel
gegenüber
dem
türkischen
Großreich
und als
sanitärer
Kordon zum
Schutz des
Reiches und
Europas vor
Seuchen.
(Der Banater
Teil dieser
Militärgrenze
wurde 1873
aufgelöst,
das
Territorium
Ungarn
einverleibt.)
So war es
fast
selbstverständlich,
daß der
junge Milow
eine
Ausbildung
als
Grenzoffizier
erfuhr. Zu
diesem
Zwecke kam
er, im Alter
von 13
Jahren, 1849
in die
Olmützer
Kadettenkompanie
und wurde,
erst
16jährig,
dem Wiener
37.
Linien-Infanterie-Regiment
als Leutnant
zugeteilt.
In Wien
machte er
die
Bekanntschaft
eines
Offizierskollegen,
des Dichters
Ferdinand
von Saar,
und fand
auch durch
den häufigen
Besuch des
Burgtheaters
Anregung für
sein
literarisches
Schaffen.
Nachdem er
aus
Gesundheitsgründen
als
Hauptmann
aus der
Armee
ausscheiden
mußte, zog
er mit
seiner
Familie nach
Ehrenhausen
bei Graz und
widmete sich
hinfort ganz
der
Schriftstellerei.
Seit 1900
lebte er in
Mödling bei
Wien, wo
sein
literarisches
Schaffen
bald weite
Anerkennung
fand und wo
ihm 1902 der
Bauernfeld-Preis
und 1909 die
Ehrengabe
der Weimarer
Schillerstiftung
verliehen
wurden.
Milow
versuchte
sich, neben
der Lyrik
und Epik,
auch als
Dramatiker,
jedoch ohne
durchschlagenden
Erfolg.
Dagegen
wurden sein
Roman
„Lebensmächte“
und seine
zahlreichen
Novellen und
Erzählungen
von der
damaligen
Kritik recht
positiv
aufgenommen.
Seine
ausgesprochene
Stärke lag
ganz
eindeutig
auf dem
Gebiet der
Lyrik, worin
er häufig
mit Lenau
verglichen
wurde. Aber
wenn auch
ein
beachtlicher
Abstand
seines
Werkes zu
dem großen
Dichter des
Weltschmerzes
unverkennbar
bleibt, so
zählt er,
nicht nur
nach dem
Urteil
seiner
Zeitgenossen,
doch zu den
bedeutendsten
Lyrikern
seiner Zeit.
Nach anfänglichen
Konzessionen
an eine
etwas
verschnörkelte
biedermeierliche
Sprachmode
findet er
bald zu
selbständiger
Aussage und
seiner
reinen und
klaren
Sprache.
Milows
Gedankenlyrik
über Leben,
Liebe, Glück
und Tod
neigt zu
tiefem
Pessimismus,
was des
öfteren mit
seiner
langen
Krankheit
und seinen
frühen
Todesprognosen
in
Zusammenhang
gebracht
wurde. Von
seiner
geistig
verinnerlichten,
zarten und
zeitlosen
Liebeslyrik
zeigten sich
viele seiner
Zeitgenossen,
unter ihnen
auch Peter
Rosegger,
begeistert.
Viele von
Milows
Gedichten
erschienen
in der 1909
begründeten
Banater
Monatsschrift
„Von der
Heide“ und
später, bis
auf den
heutigen
Tag, in
zahlreichen
Kulturzeitschriften
und
Anthologien,
wo sie gerne
gelesen
werden. Eine
erschöpfende
Würdigung
des
Schaffens von
Stephan
Milow durch
Robert
Reinhard
findet sich
in
„Von der
Heide“, Heft
4, 1915,
nach dem
Tode des
Schriftstellers.
Wie sehr der Dichter seine
Banater
Heimat auch
nach
Jahrzehnten
noch im
Herzen
bewahrte, mögen
folgende
Zeilen aus
dem späten
Gedicht „Die
Heimat“
verdeutlichen:
Früh war die
Heimat mir
entschwunden,
/ Als kaum
ein Aug‘ ich
aufgetan; /
Doch blieb
ich immer
ihr
verbunden /
Auf meiner
langen
Lebensbahn
... Ob mich
von meiner
Heimat
Stätten /
Getrennt ein
noch so
großer Raum,
/ ich wußt‘
im Geist sie
mir zu
retten, /
Ich hielt
sie fest in
meinem
Traum...
Allmächtig
zieht‘s mich
heimwärts, /
Wie vor dem
End ein
letztes
Sehnen, /
Ihr noch zu
sinken an
das Herz.
Werke
(Auswahl):
Gedichte.
Heidelberg,
1864;
Verlorenes
Glück:
Elegien,
Heidelberg,
1867;
Gedichte:
Neu
durchgesehene
und
beträchtlich
vermehrte
Gesamtausgabe.
Stuttgart,
1882; Arnold
Frank und
andere
Novellen.
Deutschbanater
Volksbücherei
Nr. 16,
Temeswar;
Lebensmächte
(Roman),
1890;
Abendbrot:
Neue
Gedichte,
1912.
Lit.:
Martha
Petri,
„Donauschwäbisches
Dichterbuch“,
Wien-Leipzig,
1939; dies.,
„Das
Schrifttum
der
Südostschwaben
in seiner
Entwicklung
von den
Anfängen bis
zur
Gegenwart,
Berlin,
1940; Robert
Reinhard,
„Stephan
Milow“ in:
„Von der
Heide“,
4/1915;
Franz Wettel,
„Stephan
Milow“, in:
„Banater
Monatshefte“,
7, L, 1934;
Walter
Engel,
„Deutsche
Literatur im
Banat
(1840-1939)“,
Heidelberg,
1982.
Heinrich
Freihoffer