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Konrad Möckel, Sohn eines evangelischen Pfarrers, war in der Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der
Siebenbürger Sachsen. Sein Vater starb früh. Nach dem Besuch des
Gymnasiums in Hermannstadt studierte er Naturwissenschaften in
Klausenburg, Wien und Berlin. Er schloß mit der Promotion im Fach
Geologie ab. Sein Berufsziel war die Laufbahn eines Gymnasiallehrers an
einem der seit der Reformationszeit bestehenden deutschsprachigen
Gymnasien seiner Heimat. Das deutschsprachige Schulwesen der
Siebenbürger Sachsen stand unter der Leitung der Evangelischen Kirche
Augsburgischen Bekenntnisses. Möckel folgte der Tradition, mit den
Lehramtsstudien Philosophie und Theologie zu verbinden. Nachdem er
einige Jahre in Hermannstadt (Sibiu) an höheren Schulen unterrichtet
hatte, nahm er im Jahre 1925 die Wahl zum Pfarrer der Gemeinde Großpold
(Apoldul de sus) bei Hermannstadt an. Als er in den Pfarrdienst trat,
waren die Siebenbürger Sachsen durch den staatlichen Übergang des Landes
von Ungarn nach Rumänien (1918), durch eine die deutschsprachige
Minderheit benachteiligende Agrarreform und durch Wirtschaftskrisen
erschüttert und befanden sich politisch in einer unruhigen und
gefährlichen Phase ihrer Geschichte. Möckel meldete sich in der
Diskussion um den einzuschlagenden Weg der Evangelischen Landeskirche
mit Aufsätzen und Gelegenheitsschriften zu Wort und vertrat den Weg
einer, wie man heute sagen würde, wertekonservativen Reform. Er war in
den zwanziger Jahren Mitglied des Wandervogels, betätigte sich später
jedoch nicht wie manche andere leitende Mitglieder der Jugendbewegung
parteipolitisch. Die Bedeutung der Evangelischen Kirche für die
Orientierung der Siebenbürger Sachsen nicht nur in religiösen, sondern
auch in Fragen der Ethnie war seit der Zeit von Georg Daniel Teutsch
(Bischof von 1867-1893) lange nahezu unumstritten. Nach dem Ersten
Weltkrieg kamen jedoch verstärkt auch antikirchliche Strömungen wie die
„Unzufriedenenbewegung" auf. Möckel gelang es verhältnismäßig früh, die
schwierige volkskirchliche Tradition, gleichzeitig Erbe und Last,
wegweisend zu analysieren.
Im Jahre 1933 wählte die evangelische Gemeinde in Kronstadt (Brasov)
Möckel zum Stadtpfarrer. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Einkerkerung
durch das kommunistische Regime im Jahre 1957 inne. Die Aufgabe einer
Reform der Volkskirche stellte sich der „Frecker Kreis", eine
Vereinigung jüngerer Pfarrer, die Möckel ins Lebebti gerufen hatte. Der
siebenbürgische Konvent der Evangelischen Michaelsbruderschft, den
Möckel während des Krieges gründete, ging aus dem Frecker Kreis hervor.
Nach 1933 wuchs wie in Deutschland auch bei den Siebenbürger Sachsen die
Kirchenfeindlichkeit. Möckel vertrat die Evangelische Landeskirche 1937
auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford. Diese verurteilte in einem ihrer
Arbeitskreise die Verfolgung der Kirchen in Deutschland. Nach seiner
Rückkehr wurde Möckel von rumäniendeutschen Nazis der Deutschen
Volkspartei Rumäniens (DVR) öffentlich angegriffen, weil er sich von
dieser Verurteilung nicht distanziert hatte. Mit Dr. Friedrich Müller,
Stadtpfarrer von Hermannstadt, nach dem Zweiten Weltkrieg Bischof der
Kirche, rückte Möckel im Laufe der nächsten Jahre und während des
Krieges in die Mitte der geistigen Opposition, die sich dem Neuheidentum
der SS-hörigen rumäniendeutschen Volksgruppenführung entgegenstellte.
Hans-Bernd von Haeften, Legationssekretär in der deutschen Botschaft in
Bukarest, später Mitglied des Kreisauer Kreises, beriet die kirchliche
Opposition in ihrem Widerstand. Eine den Deutschen Christen zu
vergleichende innerkirchliche Gruppe hatte mit Hilfe des
nationalsozialistischen Machtapparates das Bischofsamt besetzt. Nach dem
Zweiten Weltkrieg gerieten die Siebenbürger Sachsen und mit ihnen die
Evangelische Kirche in Rumänien unter den Druck des kommunistischen
Regimes. Nach dem Volksaufstand im benachbarten Ungarn (1956)
verschlechterten sich in Rumänien die Lebensbedingungen der ungarischen
und deutschen Minderheit. Möckel wurde 1957 von der Securitate verhaftet
und in einem Abschreckungsprozeß zusammen mit etwa zwanzig anderen
Siebenbürger Sachsen zu 25 Jahren Kerker verurteilt. Mit dem jeder
Rechtstaatlichkeit hohnsprechenden Gerichtsverfahren sollte geistige
Selbständigkeit schon im Vorfeld politischer Opposition niedergehalten
werden. Nach zwei Jahren wurde das Urteil gemildert und Möckel in eine
Strafkolonie für Regimegegner in den Baragan verbannt und 1962 auf
Intervention des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in
Deutschland aus der Haft entlassen, mit der Auflage, aus Rumänien
auszureisen. Er zog mit seiner erkrankten Frau, Dr. med. Dora Möckel,
geborener Schullerus, nach Deutschland, wo seit dem Zweiten Weltkrieg
zwei Söhne lebten. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter fand er in Kloster
Kirchberg, einer Begegnungsstätte der Evangelischen Michaelsbruderschaft
(Konvent Württemberg), bis zu seinem Tode eine neue Aufgabe. Pfarrer
Walter Stökl, ein österreichischer Freund, nannte ihn in einem Nachruf
einen „genialen, temperamentvollen, hochintellektuellen geistigen Führer
der Siebenbürger Sachsen".
Schriften (Auswahl):
Volkstum und Glaube. Dresden und Leipzig 1930. – Idealismus und
Wirklichkeit. Schäßburg 1933. – Der Kampf um die Macht und unsere
evangelische Kirche. Hermannstadt 1936.
Lit.:
Ludwig Binder: Zwischen Irrtum und Wahrheit. Konrad Möckel (1892-1965)
und die Siebenbürger Sachsen. Stuttgart o. J. (1989). – Gerhard
Langmaack und Ingeborg Becher (Hrsg.): In Memoriam Konrad Möckel.
Hamburg o. J. (1965).
Bild:
Photo von 1942; Archiv des Verfassers
Andreas Möckel
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