In der
siebenbürgisch-sächsischen
Kunstgeschichte
des 20.
Jahrhunderts
nimmt der
Name Morres
einen festen
Platz ein.
Die Vettern
Eduard
(1884-1980)
und Hermann
Morres
(1885-1971)
bereicherten
die deutsche
Malerei in
Siebenbürgen
nicht nur
mit
heimatlichen
Motiven und
Themen, in
ihren
knappen
Biografien
spiegelt
sich
weitgehend
auch die
kulturelle
Situation
dieses
kleinen
Völkchens.
Beide Maler
wurden in
Kronstadt
geboren,
verließen
Siebenbürgen
selten und
schlossen
sich dem
Auswanderungsstrom,
der mit der
kommunistischen
Wende nach
1944
einsetzt,
nicht an;
beide
starben
hochbetagt
in ihrer
Heimat. Ihre
Ausstellungstätigkeit
beschränkte
sich auf die
nähere
Umgebung.
Hermann
Morres
stellte als
Student im
Budapester „Nemzeti
Szalon“
(1906) aus
und
anderthalb
Jahrzehnte
nach dem
Anschluß
Siebenbürgens
an Rumänien
auch im
Offiziellen
Salon in
Bukarest;
während des
Krieges
beteiligte
er sich an
der
Wanderausstellung
„Deutsche
Künstler aus
Rumänien“.
Seine
Einzelausstellungen
fanden
vornehmlich
in seiner
Geburtsstadt
sowie in
Hermannstadt
statt. Für
beide
Vettern war
der
Naturalismus
Ausgangspunkt
ihres
Schaffens.
Während
Eduard
diesem Stil
bis zu
seinem Tode
verpflichtet
blieb, löste
sich Hermann
vom
Realismus
und wandte
sich dem
Impressionismus
und – als
Bewunderer
Ferdinand
Hodlers –
dem
Expressionismus
zu. Unter
der
stalinistischen
Diktatur
fand er zum
Realismus,
allerdings
sozialistischer
Prägung,
zurück.
Resigniert
bekennt der
Künstler zu
diesen
letzten
Phase über
seinen
Altersstil:
„Ob meine
notwendige
Rückkehr zum
Realismus
als eine
Bereicherung
meiner Kunst
betrachtet
werden kann,
überlasse
ich der
Beurteilung
da Kritiker
... Ich habe
mein
Möglichstes
getan, um
zwischen
Scylla und
Charybdis
gut
durchzusteuern
... Dazu kam
allerdings
noch der
Graue Star,
so daß ich
das Malen
ganz
aufgeben
mußte ...“
Auf der
Budapester
Kunstakademie
(1904-08)
wurde der
junge Maler
von Bertalan
Székely
(1835-1910),
dem
Vertreter
der
ungarischen
romantischen
Malerei, der
als Pädagoge
freilich in
akademisch-historisierender
Richtung
wirkte,
geformt und
vom
berühmten
Pál Szinyei
Merse
(1845-1910),
der als
eigenwilliger
Freilichtmaler
den
Studenten
wichtige
Impulse
verlieh. Von
seinem
Kronstädter
Freund und
Kollegen
Hans
Mattis-Teutsch
(1884-1960)
auf die
ungarische
Künstlerkolonie
in Nagybánya
(Baia Mare)
aufmerksam
ge macht,
verbrachte
Morres
einige
Sommer
(1926-1929)
in der
nordsiebenbürgischen
Landschaft;
später kamen
Aufenthalte
in Balcic am
Schwarzen
Meer hinzu,
wurde seine
siebenbürgische
Palette
aufgehellt
und
erweitert.
Neben den
Landschaften
in Öl und
Aquarell
nehmen seine
figuralen
Kompositionen
einen
wichtigen
Platz in
seinem
Oeuvre ein.
Mit der
üblichen
west-östlichen
zeitlichen
Verzögerung
hatten auch
Jugendstil
und
Expressionismus
im Südosten
Einzug
gehalten.
Und da die
Musik im
Leben des
Malers
Morres eine
nicht
geringe
Rolle
einnahm – er
spielte
mehrere
Instrumente
und
komponierte
Lieder für
Einzelstimmen
und Chöre –,
wohnen
besonders
seinen
Gemälden
biblischen
und
mythologischen
Inhalts
Rhythmus und
Klang inne.
Bis zur
sogenannten
abstrakten
(gegenstandslosen)
Malerei ist
er nie
vorgedrungen.
Als
„Hauptereignis“
seiner
expressionistischen
Phase
betrachtete
er seine
symbolischen
„Vier
Kompositionen
der
Jahreszeiten“:
„Der
Frühling“
sei die
Verkörperung
der Liebe in
der Natur,
„Der Sommer“
sei ihm
„Symbol der
Mühe und der
Arbeit“. Im
„Der Herbst“
spiegelten
sich der
beginnende
Lebensabend
und die
Resignation
wider, und
sein Gemälde
„Der Winter“
sei die
Landschaft,
da die
Naturkräfte
schliefen.
Ein Bild des
Malers
Hermann
Morres wäre
– wie das
der meisten
siebenbürgischen
bildenden
Künstler –
unvollständig,
würde man
nicht seiner
Haupttätigkeit
als
Zeichenlehrer
gedenken,
gewährleistete
dieser
pädagogische
Beruf dem
Künstler
eines zu 80
%
Bauernvolkes
doch die
finanzielle
Unabhängigkeit.
Andererseits
liegt darin
auch die
Hemmnis für
eine allzu
freie
künstlerische
Entfaltung.
Morres,
selbst Sohn
eines
Lehrers, der
sich auch
schriftstellerisch
betätigte,
übte 40
Jahre lang
den
Lehrerberuf
an deutschen
evangelischen
Mädchenschulen
in Kronstadt
aus.
Lit.:
„Aus
Kronstädter
Gärten –
Selbstzeugnisse
Kronstädter
Maler,
Bildhauer,
Komponisten
und
Architekten“,
Kronstadt
1930;
Günther Egon
Ott:
„Deutsche
Maler in
Rumänien:
Hermann
Morres“, in:
Bukarester
Post,
30/1937;
„Vom
Rhythmus der
menschlichen
Gestalt“,
Gespräch
Claus
Werners mit
Prof.
Hermann
Morres, in:
Volk und
Kultur,
Bukarest,
1970;
Friedrich
Schuller:
„Heimatliche
Landschaft.
Zum 85.
Geburtstag
von Hermann
Morres“, in:
Neuer Weg,
Bukarest,
1970;
Heidemarie
Gusbeth:
„Hermann
Morres 85“,
in
Karpatenrundschau,
Kronstadt,
1970;
„Hermann
Morres“ in „Cărturari
braşoveni,
sec. XV-XX“
(Kronstädter
Gelehrte im
15.-20.
Jahrhundert),
Kronstadt,
1972.
Günther Ott