Als der
NS-Kultusminister
Rust als
Kurator der
Preußischen
Akademie der
Künste im
Frühjahr
1933 Stefan
George für
einen
repräsentativen
Posten in
der Sektion
für
Dichtkunst
zu gewinnen
versuchte,
erhielt er
eine
selbstbewußt-stolze
Absage. Sie
war von
einem
Bevollmächtigten
des Dichters
abgefaßt,
von einem
seiner
engsten
Vertrauten,
von dem
angesehenen,
seiner
jüdischen
Herkunft
wegen bald
zwangspensionierten
Berliner
Kammergerichtsrat
und
Senatspräsidenten
Ernst
Morwitz.
Der am 13.
September
1887 in
Danzig
geborene
Kaufmannssohn
kam im Zuge
der
Übersiedlung
der Familie
in jungen
Jahren in
die einstige
Reichshauptstadt.
Dort legte
er Ostern
1906 das
Abitur ab.
Nach dem
Jura-Studium
in Freiburg,
Heidelberg
und Berlin
bestand er
1909 das
Referendarexamen,
promovierte
im Jahr
darauf in
Heidelberg
zum Dr. jur.
Liebe zur
Dichtung,
zur Kunst
hatte
Morwitz, der
ursprünglich
Germanistik
studieren
wollte,
schon als
Primaner den
Weg zu
Stefan
George
gewiesen.
Seinem
ersten an
diesen
gerichteten
Brief
(August
1905) legte
er ein
eigenes
Gedicht bei;
George
antwortete
mit dem
Vierzeiler
„Einem
Dichter“,
der sich
unter den 70
„Tafeln“
seines
Gedichtbandes
„Der
Siebente
Ring“ (1907)
findet. Seit
der 8. Folge
der „Blätter
für die
Kunst“
(1908/09)
gehörte
Ernst
Morwitz zu
den Beiträgern
dieser von
George
begründeten
exklusiven
Zeitschrift
seines
Kreises; in
ihrem
letzten Band
(l l ./12.
Folge, 1919)
ist der
Jünger aus
Danzig mit
„Der Abend
in Meudon“
vertreten,
einem in
Verse
gefaßten
Zwiegespräch
zwischen
Rodin und
George,
Erinnerung
an den
Besuch bei
dem
französischen
Bildhauer
während
einer als
Begleiter
Georges
unternommenen
Paris-Reise
im März
1908. Von
diesem
wiederum
wurde in dem
Morwitz
gewidmeten
Gedicht
„Burg
Falkenstein“
ein Gespräch
festgehalten,
las er mit
dem 19 Jahre
Jüngeren
während
einer
Wanderung
von
Königstein
zur
Burgruine
Falkenstein
führte bei
einem
gemeinsamen
Taunus-Aufenthalt
im Sommer
1922. Dieses
Gedicht
steht in
Georges
letztem
Lyrikband
„Das Neue
Reich“
(1928),
ebenso die
Frühjahr
1913 in
Italien
entstandene
Ode „An die
Kinder des
Meeres“ mit
ihrem im
Jahr darauf
von Morwitz
gedichteten,
als Echo
gedachten
„Nachklang“;
dieser
„endet mit
einer
Voraussage
des ersten
Weltkrieges
...“ (so
Morwitz
Jahrzehnte
später in
seinem
George-Kommentar).
Schon früher
waren Verse
von Morwitz,
der 1911 ein
Bändchen
Gedichte
veröffentlicht
hatte, dem
Werk Georges
einverleibt
worden: als
dieser von
ihm ein
Gedicht für
den
Schlußteil
von „Der
Stern des
Bundes“
(1913)
wünschte.
(Es ist im
dritten Buch
des Bandes
das 28.
Gedicht.)
Von seinen
zehn Versen
hat George
die ersten
sechs
umgearbeitet.
In den vier
unverändert
gebliebenen
hat Morwitz,
an den die
ersten zehn
Gedichte im
zweiten Buch
des Bandes
gerichtet
sind,
versichert,
„daß sein
Leben dem
Werk des
Dichters
gewidmet
sein wird“
(George-Kommentar).
Das war es
denn auch,
bis zu
seinem Ende.
Bis dahin
vergingen
nach Georges
Tod (1933)
noch fast 40
Jahre, die
Morwitz, von
dem
verehrten
Dichter in
der zuvor
erwähnten
Ode als der
ihm „Nächste
Liebste“
bezeichnet,
unermüdlich
für die
tatkräftige
Erfüllung
seines
Versprechens
genutzt hat.
Bereits 1934
erschien
sein erstes,
schon 1923
geplantes
George-Interpretationsbuch:
„Die
Dichtung
Stefan
Georges“,
noch in
Deutschland,
in Berlin
(Neudruck
Bad
Godesberg
1948). Auch
in der
Emigration,
die Morwitz
schließlich
auf sich
nehmen mußte
(1938),
blieb er,
als
Professor an
der
University
of North
Carolina In
Chapel Hill
(USA), dem
Werk Georges
verpflichtet.
1943 kam
eine
Sammlung von
99 von ihm,
zusammen mit
Olga Marx,
ins
Englische
übertragenen
George-Gedichten
heraus, im
neugegründeten
New Yorker
Verlag des
emigrierten
deutschen
Verlegers
KurtWolff.
Thomas Mann
nannte sie
„ein schönes
Geschenk ...
des
ausgewanderten
deutschen
Geistes an
eine Welt,
die von
diesem sehr
hohen Stück
Deutschtums
bisher wenig
wußte ...“
1949
erschien
dann, wieder
als
Gemeinschaftsleistung
mit Olga
Marx, in
Chapel Hill
die
englische
Übertragung
von Georges
gesamtem
lyrischen
Werk, 1960,
als Krönung
von Morwitz'
lebenslangem
Dienst an
diesem Werk,
sein
umfangreicher
„Kommentar
zu dem Werk
Stefan
Georges“
(München und
Düsseldorf),
dem 1962 als
Ergänzung
der
„Kommentar
zu den
Prosa-,
Drama- und
Jugend-Dichtungen
Stefan
Georges“
folgte.
Am 29.9.1971
ist Ernst
Morwitz
gestorben,
in Muralto/Locarno
(Schweiz),
in derselben
Klinik wie
einst Stefan
George. Im
Nachbarstadtteil
Minusio
hatte er vor
38 Jahren in
der
Friedhofskapelle,
zusammen mit
19 weiteren
Anhängern
des
Dichters,
für diesen
die im
Tessin
übliche
Totenwache
gehalten.
Eine postume
Auswahl aus
seinem
eigenen
lyrischen
Werk legte
1974 die
Amsterdamer
Castrum
Peregrini
Presse vor.
Weitere
Werke:
Sappho,
Dichtung,
Griechisch
und Deutsch
(anonym
hrsg.,
Übersetzung
von E. M.),
Berlin 1936
(21938);
Poems of
Alcman,
Sappho,
Ibycus
(Übers, aus
dem Griech.
zus. mit
Olga Marx),
New York
1945;
Mitübers.
von Gustav
Schwabs
„Sagen des
klass.
Altertums“,
ebd. 1946;
Die
Erinnerungen
von Dr.
Felix
Kersten
(Übers, ins
Engl.),
Garden City,
N.Y. 1947;
Bernh.
Victor Gf.
Uxkull-Gyllenband,
Gedichte (Hrsg.),
Dü'dorf u.
M'chen 1964;
The Works of
Stefan
George.
Rendered
into English
by Olga Marx
and Ernst
Morwitz (2.,
rev. u. erw.
Ausg.),
Chapel Hill
1974.
Lit.: Lothar Helbing, Stefan George und Ernst Morwitz. Die Dichtung und der
Kommentar,
Amsterdam
1967.
– Des
weiteren
finden sich
Nachrichten
und
Würdigungen
über bzw.
von E. M. in
der gesamten
George-Erinnerungs-
und
George-Sekundärliteratur.
Harald Kohtz
)