Gerhard
Moschner
wurde in
Breslau
geboren,
gehörte aber
väterlicherseits
zu einer
Grafschaft
Glatzer
Familie.
Sein Vater
war
Bürgermeister
des
beliebten
Wallfahrtsortes
Wartha und
verzog im
Jahre 1909
nach Ablauf
seiner
Amtszeit
nach Glatz,
wo Gerhard
zuerst die
katholische
Volksschule
und dann das
traditionsreiche,
1597 von
Jesuiten
gegründete
humanistische
Gymnasium
besuchte, an
dem er 1926
das Abitur
ablegte.
Formender
Einfluss
ging auf ihn
vom
Quickborn
aus, einer
damals sehr
aktiven
katholischen
Gemeinschaft,
die zur
Jugendbewegung
gehörte,
viel Neues
erprobte und
Jungen und
Mädchen
umfasste.
Nach der
Reifeprüfung
studierte
Moschner
Philosophie
und vor
allem
Theologie,
hauptsächlich
in Breslau
und zwei
Semester in
München. Am
1. Februar
1931 empfing
er aus den
Händen des
Erzbischofs
der
Erzdiözese
Breslau,
Adolf
Kardinal
Bertram, die
Priesterweihe
und wurde
Breslauer
Diözesanpriester,
obwohl Glatz,
wo er
aufgewachsen
war,
ungeachtet
der
politischen
Grenzen
kirchlich
zum
Erzbistum
Prag
gehörte. Die
erste
Anstellung
erhielt der
junge Kaplan
in
Friedland,
Kreis
Waldenburg,
einem nicht
nur wegen
der
Diaspora,
sondern auch
wegen der
wirtschaftlichen
Probleme in
Bergbau und
Tuchindustrie
schwierigen
Gebiet, in
dem er
jedoch seine
Fähigkeiten
im Umgang
mit jungen
Menschen und
als
Organisator
entfalten
konnte. 1932
wurde er zum
Bezirkspräses
des
Katholischen
Jungmännerverbandes
im Bezirk
Waldenburg
gewählt und
vom
Breslauer
Erzbischof
bestätigt,
und 1934
erfolgten
seine
Ernennung
zum
Diözesanpräses
der
Katholischen
Jugend- und
Jungmännervereine,
zum
Kreispräses
der
Deutschen
Jugendkraft,
Kreis
Schlesien,
und zum
Domvikar,
als welcher
er auch 2.
Vizekantor,
Zeremoniar
und
Domprediger
war. Weil
Moschner
sich sehr
für die
Jugend
engagierte
und sie im
Glauben und
in der
Bindung an
die Kirche
stärken
wollte und
Mut besaß,
geriet er
als einer
der ersten
Priester des
Erzbistums
Breslau auf
eine
Anklagebank
des
nationalsozialistischen
Regimes, das
zunehmend
die Jugend
für seine
Ideologie zu
gewinnen und
dem
Christentum
zu
entfremden
suchte. Nach
einer am 5.
Juni 1935
vor
geladenen
Präsides,
Eltern und
Jugendlichen
unter dem
Titel Um
das
Gottesreich
in deutscher
Jugend
im Pfarrheim
St.
Nikolaus in
Ratibor(-Altendorf),
der Pfarrei
des ehem.
oberschlesischen
Zentrumsvorsitzenden
und
Reichstagsabgeordneten
Prälat Carl
Ulitzka,
gehaltenen
Ansprache
wurde
Anklage
gegen
Moschner
beim
Sondergericht
in Breslau
erhoben:
wegen
Verstoßes
gegen das
Gesetz gegen
heimtückische
Angriffe auf
Staat und
Partei und
zum Schutz
der
Parteiuniformen
vom
20.12.1934.
Der
Angeklagte
erhielt
anstelle
einer
verwirkten
Gefängnisstrafe
von einem
Monat eine
Geldstrafe
von 600 RM
und musste
die Kosten
des
Verfahrens
tragen.
Nicht nur
inländische
Zeitungen
informierten
über das
Urteil,
sondern auch
L’Osservatore
Romano.
Als Kardinal
Bertram im
Jahre 1937
als erster
Bischof
Deutschlands
ein
Diözesanjugendseelsorgeamt
errichtete
und damit
einen Punkt
der vom
Episkopat
ausgearbeiteten
Richtlinien
für die
Jugendseelsorge
verwirklichte,
ernannte er
Moschner zum
Seelsorger
für die
männliche
Jugend und
Hubert
Thienel, der
1972 der
erste
Apostolische
Visitator
für die
(vertriebenen)
Priester und
Gläubigen
aus dem
Erzbistum
Breslau
werden
sollte, zum
Seelsorger
für die
weibliche
Jugend.
Zielbewusst,
zäh,
umsichtig
und
energisch –
immer wieder
von
„Besuchen“
durch die
Gestapo
beeinträchtigt
– wirkte
Moschner in
seinen
verschiedenen
Funktionen,
auch als
Geschäftsführer
der
Diözesanschriftenstelle
und als
Leiter der
Diözesanbildstelle,
gegen das
Zurückdrängen
der Kirche.
Hervorzuheben
sind die bis
1939 mit
Tausenden
Teilnehmern
durchgeführten
Jungmännerwallfahrten
nach Wartha.
Auch wenn
Moschner in
seiner
Eigenschaft
als
Bischöflicher
Zeremoniar
Weihbischof
Joseph
Ferche bei
dessen
zahlreichen
Reisen zu
Firmungen
und
Kirchenkonsekrationen
begleitete,
nahm er die
Gelegenheit
wahr,
Kontakt mit
Jugendlichen
aufzunehmen.
Nachdem im
Januar 1945
Breslau zur
Festung
erklärt
worden war
und auch die
meisten
Geistlichen
die Stadt
verlassen
mussten,
wohnte
Moschner in
Bad
Salzbrunn,
Kreis
Waldenburg,
und wirkte
im
benachbarten
Weißstein
und darüber
hinaus, bis
zur 1946
erfolgten
Ausweisung
durch die
(neuen)
polnischen
Machthaber.
Er fand ein
neues
Arbeitsfeld
– unter
Prälat
Ludwig
Wolker – in
der
Bischöflichen
Hauptstelle
für
katholische
Jugendseelsorge
und
Jugendorganisation
in den
deutschen
Diözesen zu
Altenberg
bei Köln, wo
man ihm die
Referate
Osthilfe
(Betreuung
der
Flüchtlingsjugend
und der
Jugend in
der Ostzone)
und
Landjugend
anvertraute.
1953 folgte
Moschner dem
Rufe Oskar
Golombeks
als Referent
in die
Katholische
Arbeitsstelle
(Nord) für
Heimatvertriebene
nach Köln,
deren
Geschäftsführung
er 1957
übernahm.
Wie einst in
Schlesien
zeigte er
auch hier
seine
hervorragende
Begabung zum
Organisieren,
so beim
Zusammenführen
der
schlesischen
Priester und
Laien. Er
aktivierte
die
Aktion
Junges
Schlesien,
veranlasste
die Gründung
des
Arbeitskreises
für
Schlesisches
Lied und
Schlesische
Musik
(1955) und
wurde dessen
Geschäftsführer.
Er war
Mitbegründer
des
Schlesischen
Priesterwerkes
und gab
in dessen
Auftrag die
ersten sechs
Bände des
hoch zu
schätzenden
Schlesischen
Priesterjahrbuches
heraus. Auf
seine
Anregung hin
und dank
seiner
Initiative
entstand im
Jahre 1960
als
Dachverband
der
vertriebenen
schlesischen
Katholiken
das
Heimatwerk
schlesischer
Katholiken,
und Moschner
wurde und
blieb bis zu
seinem Tode
dessen
Geschäftsführer.
Die
Vorbereitung
und Leitung
der
katholischen
Veranstaltungen
bei den
Deutschlandtreffen
der
Schlesier in
den Jahren
1961, 1963
und 1965 und
die
Organisation
und
Pilgerleitung
von
Romwallfahrten
des
Heimatwerks
schlesischer
Katholiken
1962 und
1964 lagen
in seinen
Händen.
„Dieser
um Kirche
und Heimat
so
verdienstvolle
schlesische
Priester
wurde 1963
durch die
Ernennung
zum
Päpstlichen
Geheimkämmerer
und 1965 zum
Ehren- und
Conventual-Kaplan
des
Malteser-Ritter-Ordens
geehrt. Seit
den
Vorbereitungen
zum
Hedwigsjubiläum
1943 hat ihn
die Gestalt
der hl.
Hedwig nicht
mehr
losgelassen.
Die Krönung
seiner
Arbeit
sollte 1967
das Gedenken
an die
Heiligsprechung
Hedwigs vor
700 Jahren
bringen“
(Gottschalk);
aber
Moschner
starb am 12.
August 1966.
Am 17.
August hielt
Bischof
Heinrich
Maria
Janssen von
Hildesheim,
der
Beauftragte
der Fuldaer
Bischofskonferenz
für die
Vertriebenen-
und
Flüchtlingsseelsorge,
das
feierliche
Totenamt für
ihn, den
frommen
schlesischen
Priester,
der
Glaubens-
und
Heimattreue
vorbildlich
lebte. Die
Bedeutung
der
Amputation
ihres
schlesischen
Zweiges mit
seinen
Stärken und
Besonderheiten
scheint die
katholische
Kirche
Deutschlands
nie so recht
erkannt zu
haben.
Werke:
Ambrosius
Rose
(Hrsg.),
Kloster
Grüssau und
die
schlesische
Jugend, in:
Grüssauer
Gedenkbuch,
Stuttgart
1949, S.
164-169. –
Aber sein
Werk wird
weiter
leben. Zum
Tode von
Prälat
Ludwig
Wolker, in:
Der
Schlesische
Katholik 4
(1955), Nr.
9, S. 5-6. –
Hrsg.: Wir
vertrauen
auf Gott.
Hirtenworte
und
Hirtenbriefe.
Bischof Dr.
Ferdinand
Piontek.
Kapitelsvikar
der
Erzdiözese
Breslau,
Köln 1959. –
Hrsg.:
Schlesisches
Priesterjahrbuch
I-VI,
1960-1965. –
Hrsg.:
Nachrichten
des
Schlesischen
Priester-Werkes
1963-1965. –
Die
schlesischen
Priestertagungen,
in: Schles.
Priesterjahrb.
I, 1960, S.
103-116. –
Sankt Anna
voll der
Gnaden.
Andacht zu
Ehren der
hl. Mutter
Anna, Köln
(1964). –
Heilige
Hedwig,
bitte für
uns! Andacht
zu Ehren der
hl. Hedwig,
ebd. (1964).
Lit.:
Joseph
Gottschalk,
Gerhard
Moschner
(1907-1966),
in: Joseph
Gottschalk,
Schlesische
Priesterbilder
5, Aalen/Württ.
1967, S.
230-235. –
Trauer um
Gerhard
Moschner,
in:
Nachrichten
des
Schlesischen
Priesterwerkes,
4. August
1968, S.
47-51. – Um
das
Gottesreich
in deutscher
Jugend.
Diözesanpräses
Gerhard
Moschner vor
dem
Sondergericht
in Ratibor
1936.
Dokumente
und Akten,
hrsg. von
Joachim
Köhler, in:
Archiv für
schlesische
Kirchengeschichte
41 (1983),
S. 1-66. –
Joachim
Köhler,
Gerhard
Moschner,
in: Neue
Deutsche
Biographie
18 (1997),
S. 169-170.
–
Hans-Ludwig
Abmeier,
Kardinal
Bertrams
Domvikare,
in:
Oberschlesisches
Jahrbuch
16/17
(2000/2001),
S. 151-191,
hier v.a. S.
175-176. –
Matthias
Lempart, Der
Breslauer
Domvikar und
Jugendseelsorger
Gerhard
Moschner als
Organisator
der
vertriebenen
katholischen
Schlesier,
Ostfildern
2001
(Arbeiten
zur
schlesischen
Kirchengeschichte
12).
Bild:
Bistum
Regensburg,
Bischöfliche
Zentralbibliothek.
Hans-Ludwig
Abmeier