Der
„Erzschwabe“
Adam
Müller-Guttenbrunn
verdankt
dieses
Prädikat
seinem
literarisch-politischen
Einsatz für
die in der
ungarischen
Reichshälfte
der
Doppelmonarchie
den
ungarischen
Assimilationsbestrebungen
ausgesetzten
Donauschwaben.
Dem aus
ärmlichen
Verhältnissen
stammenden
unehelichen
Knaben
gelang es,
sich als
Autodidakt
zum
angesehenen
Journalisten,
gefeierten
Schriftsteller
und
Theaterdirektor
des
Raimundtheaters
(1893–1896)
und des
Kaiserjubiläums-Stadttheaters
(heute
Volksoper:
1898–1903)
emporzuarbeiten.
Sein
Ehrengrab
befindet
sich auf dem
Wiener
Zentralfriedhof
(Gr. 0,
Reihe 1, Nr.
98).
Obwohl
Müller-Guttenbrunn
in
zahlreichen
Novellen,
Erzählungen
und Romanen
Themen aus
der
Geschichte
des Banats,
der
Donauschwaben
und des
pannonischen
Raumes
behandelt
(„Die
Magyarin“,
„Götzendämmerung“,
„Der kleine
Schwab“,
„Die Glocken
der Heimat“,
„Schwaben im
Osten“, „Der
Große
Schwabenzug“,
„Meister
Jakob
und seine
Kinder“),
fußt die
Gesamtproblematik
seiner Werke
in ihrer
Themenvielfalt
auf
mitteleuropäischer
Ebene und
ist daher
berechtigterweise
als eine
gesamtösterreichische
anzusehen.
Werke wie
„Trost- und
Trutzbüchlein
der
Deutschen in
Österreich“,
„Im
Jahrhundert
Grillparzers“,
„Das
Raimundtheater“,
„Aus
Polenkreisen“,
„Die Dame in
Weiß“, „Arme
Komödianten“,
„Es war
einmal ein
Bischof“,
„Österreichs
Beschwerdebuch“,
„Altwiener
Wanderungen
und
Schilderungen“,
„Wiener
Historien“,
„Barmherziger
Kaiser“,
„Joseph der
Deutsche“,
„Von
Eugenius bis
Josephus“,
„Ein
deutsches
Jahrhundert
in
Österreich,
die
Lenau-Trilogie:
Sein
Vaterhaus;
Dämonische
Jahre; Auf
der Höhe“
veranschaulichen
die breit
gefächerte
Beschäftigung
Müller-Guttenbrunns
in seinem
schriftstellerischen
Schaffen.
Aus
Müller-Guttenbrunns
vielseitigem
sozialen
Engagement
ist seine
Anregung zur
Schaffung
des Wiener
Volksbildungsvereins
(der
heutigen
Volkshochschulen)
und der
Volksbüchereien
(1887)
erwähnenswert.
Er forderte
auch die
Gründung
eines
„Allgemeinen
österreichischen
Vereins“ der
Schriftsteller,
der im
Februar 1897
als „Deutsch-österreichische-Schriftsteller-Genossenschaft“
ins Leben
gerufen und
deren erster
Präsident
Müller-Guttenbrunn
wurde.
Auf
Betreiben
der
Ehrenmitglieder
der
„Vereinigung
deutscher
Hochschüler
aus den
Ländern der
ungarischen
Krone in
Wien“, Adam
Müller-Guttenbrunns,
Edmund
Steinackers
und des
Siebenbürgers
Rudolf
Brandsch,
wurde aus
dieser 1911
der
„Deutsch-ungarische
Kulturrat“
ins Leben
gerufen, aus
dem die
„Deutsch-ungarische
Kulturstiftung“
hervorging.
Diese
übernahm die
Kosten für
auf
siebenbürgisch-sächsische
Schulen
geschickte
schwäbische
Schüler und
Studenten
aus dem
Banat sowie
aus anderen
deutschen
Siedlungsgebieten.
Als
zweimaliger
kurzfristiger,
aus
pekuniärer
Sicht
erfolgloser
Theaterdirektor
versuchte
Müller-Guttenbrunn
die Anzahl
französischer
und
italienischer
Stücke
zugunsten
einer
deutschen
Volksbühne
mit
Klassikern
zu
reduzieren.
Um sich aus
der durch
die
Theateraffären
entstandenen
schweren
Schuldenlast
herauslavieren
zu können, „erschrieb“
sich
Müller-Guttenbrunn
1907
notgedrungen
den
Ausgleich
mit seinen
Gläubigern.
Dergestalt
entstanden
elf Romane,
einige
Novellen,
mehrere
Sammlungen
von
Erzählungen,
acht andere
Prosawerke
sowie
zahlreiche
Feuilletons:
ab 1. April
1904 als
Chefredakteur
der
humoristisch-satirischen
Zeitschrift
„Der Liebe
Augustin“,
ab Juni
1904
regelmäßig
im „Neuen
Wiener
Tagblatt“
unter dem
Pseudonym
Ignotius, im
„Pressburger
Grenzboten“,
ab Februar
1907 in der
„Wiener
Zeitung“.
Im Februar
1911 erhielt
Müller-Guttenbrunn
für den
Roman „Die
Glocken der
Heimat“ den
„Bauernfeldpreis“
von der 1894
gegründeten,
nach dem
österreichischen
Lustspieldichter
Eduard von
Bauernfeld
(1802–1890)
benannten
Stiftung.
Nach dem
Zusammenbruch
der
Donaumonarchie
1918 setzte
sich
Müller-Guttenbrunn
für den
Anschluß
Deutsch-Westungarns
(heute etwa
das
Burgenland)
ein, und er
wurde im
Februar 1919
als Mitglied
der
„Großdeutschen
Volkspartei“
und Mandatar
für
Westungarn
in den
Nationalrat
(Parlament)
gewählt.
Nach dem
Rückzug aus
der Politik
begann
Müller-Guttenbrunn
im September
1921 seine
Erinnerungen
aufzuzeichnen
und verfaßte
das
21seitige,
als sein
politisches
Testament
geltende und
erst 1958
veröffentlichte
„Schwabentestament“.
Nachdem die
Stadt Wien
Müller-Guttenbrunn
bereits zum
60.
Geburtstag
im Jahre
1912 für die
historische
Sammlung der
Stadt durch
den Maler
Swoboda
porträtieren
ließ – das
Bild
befindet
sich im
Depot des
„Historischen
Museums“ –
wurde dem
Schriftsteller
am 6.
November
1922 „in
Anerkennung
seiner
hervorragenden
Verdienste
um das
deutsche
Schrifttum“
(Neues
Wiener
Tagblatt
vom
8.11.1922)
das
Ehrendoktorat
der
Philosophischen
Fakultät der
Universität
Wien
verliehen.
Der Wiener
Gemeinderat
beschloß,
Müller-Guttenbrunn
„in
Würdigung
seiner
Verdienste
um das
Wiener
Kunstleben“
zum
Ehrenbürger
der Stadt
Wien zu
ernennen.
Ebenso wurde
er
Ehrenbürger
seiner
Heimatgemeinde
und von
Weidling
(Klosterneuburg),
wo er mit
seiner
Familie in
der
„Marienburg“
sommerte und
viele seiner
großen
Romane
verfaßt
hatte.
Müller-Guttenbrunn
bleibt vor
allem durch
seine großen
Prosawerke
von
bedeutendem
Interesse;
der
Journalist
hingegen
zeichnet als
genauer und
kritischer
Beobachter
ein scharfes
sozial-kulturelles
Bild seiner
Zeit, einer
Zeit des
Umbruchs, in
die wir
durch seine
meisterhaften
Feuilletons
einen
tieferen
Einblick
gewinnen
können.
Lit.:
Nikolaus
Berwanger:
Adam
Müller-Guttenbrunn.
Sein Leben
und Werk im
Bild,
Bukarest
1976. –
Nikolaus
Britz: Adam
Müller-Guttenbrunn.
Ein
Lebensbild
aus fremden
und des
Dichters
eigenen
Schriften,
München
1966. – Hans
Dama: Adam
Müller-Guttenbrunn
aus
österreichischer
Sicht. Zum
75. Todestag
des
Dichters,
in: BANATICA.
Beiträge zur
deutschen
Kultur.
München, 1
(1998), S.
55–57. –
Ders.:
Aus
österreichischer
Sicht. Zum
75. Todestag
Adam
Müller-Guttenbrunns,
in: Der
Donauschwabe,
Jg. 48, Nr.
5 vom
1.2.1998,
Aalen. –
Ferdinand
Ernst
Gruber:
Adam
Müller-Guttenbrunn,
der
Erzschwab.
Eine Studie,
Leipzig
1921. –
Ders.:
„Das
Schwabentestament“,
in:
Südostdeutsche
Vierteljahresblätter,
Jg. 8, Heft
2 (1958),
S.126–137. –
Rudolf
Hollinger:
Adam
Müller-Guttenbrunn,
der Erwecker
des
Donaudeutschtums.
Ein Vortrag,
Temeschburg
1942. –
Bruno
Kremling:
Adam
Müller-Guttenbrunn,
der Mensch
und sein
Werk,
Novisad
1923. –
Felix
Milleker:
Adam
Müller-Guttenbrunn.
Sein Leben
und Dichten,
Groß-Becskerek
1921. –
Anton Peter
Petri: Adam
Müller-Guttenbrunn,
in:
Biographisches
Lexikon des
Banater
Deutschtums,
Marquartstein
1992, Sp.
1317–1321. –
Hans Weresch:
Adam
Müller-Guttenbrunn
und seine
Heimatromane,
Temeswar
(Diss.)
1927. – Ders.:
Adam
Müller-Guttenbrunn,
sein Leben,
Denken und
Schaffen, 2
Bde.,
Freiburg i.
Br. 1975.
Bild:
Porträt aus
dem Jahre
1901,
Künstlersammlung
des
Bezirksmuseums
Wien-Mariahilf.
Hans Dama