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Arnold Müller ist ein bedeutender siebenbürgischer Zoologe, dessen Name
in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Fachkreisen weit über die
Grenzen seiner Heimat bekannt war. Sein wissenschaftliches Interesse
galt innerhalb der artenreichen Klasse der Insekten den
heuschreckenartigen und schabenartigen Geradflüglern (Orthopteren).
Ungewöhnliche Verdienste erwarb sich Müller durch seine außergewöhnlich
rege und vielfältige Tätigkeit innerhalb des „Siebenbürgischen Vereins
für Naturwissenschaften zu Hermannstadt“, dessen Leistungen in jener
Zeit ohne seine Einsatzbereitschaft undenkbar gewesen wären. Seine
wertvolle Sammlung einheimischer und fremder Geradflügler gehört auch
heute zu den Kostbarkeiten des Naturwissenschaftlichen Museums in
Hermannstadt.
Arnold Müller wurde am 22.6.1884 in Sächsisch Regen geboren. Hier
besuchte er Volksschule und Untergymnasium und absolvierte 1902 in
Bistritz mit Ablegung der Reifeprüfung das Gymnasium. Noch im Herbst
dieses Jahres begann er an der Klausenburger Universität das Studium der
Naturwissenschaften, das er in den folgenden Jahren in Berlin, Kiel und
Wien fortsetzte und 1907 in Jena abschloß. Nach einem Probejahr in
Sächsisch Regen und Ablegung der Diplomprüfung ging Müller 1908 als
Biologielehrer an die Realschule in Hermannstadt, wo er bis zu seinem
Tode (11.4.1934) erfolgreich gewirkt hat. Seine wissenschaftliche Arbeit
war seit seiner Übersiedlung nach Hermannstadt eng mit der Tätigkeit des
Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften verbunden. Noch 1908
trat Müller diesem Verein bei, bekleidete im Laufe der Jahre innerhalb
desselben mehrere Funktionen und prägte somit das Erscheinungsbild
dieses Vereins wesentlich mit. Zunächst betreute er als einer der
zoologischen Kustoden die umfangreichen Insektensammlungen, die er nicht
nur instand hielt, sondern auch durch von ihm gesammelte Exemplare
vermehrte. Als praktisch neue Sammlung stellte Müller auch die schon
eingangs erwähnte Orthopterensammlung auf.
1915 promovierte Müller mit einem zoologischen Thema an der
Klausenburger Universität zum Dr. phil. Ein Beweis dafür, daß Müller
schon zu jener Zeit in Fachkreisen Beachtung fand; ist seine 1917
erfolgte Wahl zum ordentlichen Mitglied der Königlich-ungarischen
Gesellschaft für Naturwissenschaften in Budapest.
Als Bibliothekar nahm er sich der Neuordnung der vorhandenen Bücher- und
Zeitschriftenbestände der Vereinsbibliothek an, und ab 1926 ging die
Herausgabe der Vereinszeitschrift „Verhandlungen und Mitteilungen“ ganz
an ihn über. Auf seinen Vorschlag wurden ab Oktober 1927 außer den
Vortragsabenden auch „Demonstrationsabende“ eingeführt, an denen die
Kustoden über ihre Sammlungen oder die Mitglieder über eigene
Forschungsergebnisse berichten konnten. Auch durch zahlreiche
wissenschaftliche Vorträge und Zusammenstellen von
naturwissenschaftlichen Lehrmittelsammlungen für Schulen, die an diese
unentgeltlich abgegeben wurden, hat sich Müller bleibende Verdienste
erworben.
Seine wissenschaftlichen Untersuchungen galten zunächst den
Geradflüglern Siebenbürgens. Nach 1919 unternahm er fast jährlich
Forschungs- und Sammelreisen auch in entferntere Gebiete (Dobrudscha,
Bessarabien, Bulgarien und Konstantinopel, Syrien, Ägypten und
Palästina). Auf seinen letzten Expeditionen durch Afrika und den
Vorderen Orient zog er sich schwere gesundheitliche Schäden zu, die
schließlich zu seinem frühen Tode führten.
Die Ergebnisse seiner Forschungsreisen hat er in einer Reihe von
Arbeiten mitgeteilt. Bemerkenswert ist hierbei, daß Müller in seinen
Untersuchungen auch ökologische und biographische Betrachtungen einbezog
und schon damals die enge Verbindung zwischen Insekt und Futterpflanze
beachtete. Ungewöhnlich für einen siebenbürgischen Zoologen sind nicht
nur die oben erwähnten Forschungsreisen außerhalb Siebenbürgens, sondern
auch seine wiederholte Teilnahme an internationalen Zoologenkongressen
(1927 Budapest, 1928 Klausenburg und 1932 Paris). Besondere Beachtung
fand sein Pariser Vortrag „Die nacheiszeitliche Tierbesiedlung
Siebenbürgens mit besonderer Berücksichtigung der Orthopteren“, mit der
Müller Neuland betrat. – Von seinen 25 wissenschaftlichen
Veröffentlichungen ist der Großteil in den Verhandlungen und
Mitteilungen in Hermannstadt erschienen. Einige seiner Arbeiten hat er
in ungarischen, österreichischen und deutschen Zeitschriften
veröffentlicht. Eine von ihm im Roten-Turm-Paß (Südkarpaten) 1924
entdeckte Heuschreckenart (Chortippus acroleucus Müller) gehört, als ein
Endemismus (hier: einheimische Tierart) Siebenbürgens, auch heute zu den
ganz großen Seltenheiten dieser Insektengruppe.
Lit.:
Gustav Haltrich, 1934: Prof. Dr. Arnold Müller. Verh. u. Mitt. 83/84,
II, S. 19, Hermannstadt; Maria A. Vasiliu u. Agapi, 1958: Katalog der
Orthopterensammlung „A. Müller“ des Brukenthalmuseums in Hermannstadt
(in rumän. Sprache). Studii şi comunicări, 10, S. 6-8, Hermannstadt;
Heinz Heltmann, 1971: Dr. Arnold Müller zum Gedenken (1884-1934). Neuer
Weg, 5. Jan. 1971, Bukarest; Hans Plattner, 1972: Dr. Arnold Müller,
Naturwissenschaftler mit Leib und Seele. Siebenbürgische Zeitung 22.
Jahrg. Nr. 17, 31.10.1972, S. 3, München
Heinz Heltmann
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