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Kulturstiftung
der deutschen
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Müller

Friedrich d.J.

Theologe

* 28.10.1884, Langenthal (Siebebürgen)

† 1.2.1969, Hermannstadt (Siebenbürgen)

 

 

Friedrich Müller wuchs als Bauernsohn in dem ehemals untertänigen mittelsiebenbürgischen Dorf Langenthal auf. Er wurde am Hermannstädter Gymnasium ausgebildet und studierte von 1903 bis 1909 in Leipzig, Klausenburg und Berlin. In Klausenburg hatte er in der deutsch-sächsischen Akademikerschaft, die sich entschieden den Magyarisierungsbestrebungen entgegenstellte, eine führende Stellung inne. In Berlin erlernte er, unter Anleitung des Historikers Dietrich Schäfer, die Methode der wissenschaftlichen Forschung und wurde zu eigenen Arbeiten angeregt. Nach Ablegung der Lehramtsprüfung erhielt er 1911 eine Anstellung am Kronstädter Gymnasium, an dem er bis 1917 tätig war. 1912 veröffentlichte er seine erste ausführliche Schrift: „Die Siebenbürger Sachsen und ihr Land.“ In ihrem Mittelpunkt steht die Kulturbedeutung des siebenbürgisch-sächsischen Volkes und die Anleitung zur Bewältigung der aktuellen volkspolitischen Aufgaben. In der „Kronstädter Zeitung“, deren Schriftleiter er war, nahm er zu den Tagesereignissen Stellung. Sein Berufsweg führte ihn 1917 nach Schäßburg, wo er die Direktorstelle an der landeskirchlichen Lehrerinnenbildungsanstalt versah. Bei seinem „Lehrbuch der Geschichte Rumäniens“, das er 1921 abschloß, kamen ihm seine Kenntnisse der Universalgeschichte und des südosteuropäischen Raumes zugute. Die Abfassung des Lehrbuches war notwendig geworden, weil Siebenbürgen inzwischen mit Rumänien vereinigt worden war. Fr. Müller wurde 1922 „Schulrat“ beim Landeskonsistorium der ev. Kirche in Hermannstadt. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, das Schulwesen der Kirche in Angleichung an die staatlichen Bestimmungen auf die Grundlage der Gesetzlichkeit zu stellen. Seine Sorge galt vor allem dem Ausbau des Volksschulwesens. Sein neues Buch: „Die Geschichte unseres Volkes“ (1926) bezog die Deutschen aller Landesteile Rumäniens in die Betrachtung ein. Es hat somit das Verdienst, die erste Darstellung des gesamten Deutschtums in Rumänien zu bieten. Zu Beginn des Jahres 1928 wurde Müller zum Stadtpfarrer von Hermannstadt gewählt. Damit traten neben die Sorge für das weitverzweigte Schulwesen und den Ausbau des Gemeindelebens durch die Übernahme des unmittelbaren kirchlichen Dienstes die Fragen der Theologie und der Verkündigung in den Vordergrund. Müller schloß sich der Theologie des entschiedenen Luthertums an und verband sie in eigenartiger Weise mit einer Geschichtsschau, die die volksbildende und volksbewahrende Kraft des christlichen Glaubens betonte. Seit 1932 auch Bischofsvikar, mußte Müller zu dem innervölkischen Streit Stellung beziehen, in dessen Mittelpunkt die rechte Ausrichtung des volkspolitischen Handelns nach 1933 stand. Er warnt vor verkrampftem Nachäffen auswärtiger Bewegungen und Strömungen, das Zersetzung und nicht Erneuerung der vorhandenen Gemeinschaftskräfte mit sich bringe. Von hier aus ist es auch verständlich, daß sich Müller aufgrund seiner geschichtstheologischen Anschauungen dem Bestreben, die christliche Verkündigung gänzlich aus dem Leben des Volkes auszuschalten, entschieden entgegenstellte, so daß es zu scharfen Auseinandersetzungen mit der Volksgruppenführung der Deutschen in Rumänien kam. Im April des Jahres 1945 wurde Müller zum Bischof der evangelischen Landeskirche in Rumänien gewählt. Die Kirche, die er nun zu führen hatte, war vor ganz neue Aufgaben gestellt. Die Kirchenordnung (Kirchenverfassung) mußte umgearbeitet und den neuen Verhältnissen angepaßt werden. Es gelang Müller, ihre überlieferten Grundsätze aufrecht zu erhalten, obwohl die neue Kirchenordnung von 1948 gegenüber der bisherigen deutliche Einschränkungen des gesetzlich geregelten kirchlichen Lebens zeigte. Das Gemeindeleben und die wirtschaftliche Sicherstellung der kirchlichen Arbeit mußte hinfort auf die Grundlage der Freiwilligkeit gestellt werden. Dies gelang durch die Vertiefung des religiös-kirchlichen Lebens, wozu Müller selbst einen wesentlichen Beitrag lieferte. Es gelang auch, eine eigene Ausbildungsstätte für den akademischen Pfarrernachwuchs zu errichten, die zunächst in Klausenburg und seit 1955 in Hermannstadt ihre Tätigkeit entfaltete. Müller pflegte als Bischof die Beziehungen zu den anderen Kirchen des Landes und zu den Weltverbänden, wie zum Lutherischen Weltbund und zum Ökumenischen Rat der Kirchen. So kann festgestellt werden, daß Fr. Müller über 60 Jahre der Volks- und Kirchengeschichte, vorwiegend der Siebenbürger Sachsen, bewußt miterlebt und mit Anteilnahme begleitet hat. Er versuchte auch stets, gestaltend einzugreifen. Sein Leben spiegelt die großen Veränderungen wider, die durch das Zeitgeschehen und die weltanschaulich-religiöse Entwicklung verursacht wurden. Die Stellungnahmen, zu denen er gedrängt wurde, und die Wandlungen seiner Ansichten, die sich abzeichneten, waren durch die Aufgaben bedingt, die in den verschiedenen Perioden seines Lebens auf ihn warteten.

Werke (in Auswahl, zusätzlich zu den im Text genannten Werken):  Vom Werden und Wesen des siebenbürgisch-sächsischen Bauerntums. In: Klingsor 1927; Leitlinien der geschichtlichen Ausprägung von Gemeinde und Kirche sowie deren Auswirkung bei uns. In: Festschrift für Friedrich Teutsch 1931; Was ist Offenbarung? Anruf auf den wahren Lebensgrund an Menschen unserer Zeit. Hermannstadt 1931; Johannes Honterus, Diktat eines Vertrages. Schule und Leben 1933; Völkerentwicklung unter dem Christentum. In: Deutsche Theologie 1935; Bewegung und Vorbildwirkung im Neuaufbau der Gemeinschaftsordnungen. In: Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt 1936, Nr. 19110. SA Hermannstadt, 1937; Geschichtswirklichkeit des Evangeliums in seinem lutherischen Verständnis. Stuttgart 1956.

Ludwig Binder

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