Drangsalierungen
und
Verhaftungen
musste er
mehrfach
erdulden.
Dennoch
setzte sich
Ludolf
Müller immer
für seinen
Glauben und
seine
Überzeugung
ein. Sei es
im
Kirchenkampf
zunächst
gegen die
Nationalsozialisten
und dann
gegen die
DDR-Staatsführung,
oder sei es
im Kampf um
das
Deutschtum
gegen
polnische
Behörden in
Westpreußen.
Er ging
mutig und
unbeirrbar
seinen Weg
und wurde
zuletzt eine
„väterliche
Führerpersönlichkeit“
(Altbischof
D. Ludolf
Müller zum
Gedächtnis,
s. Lit.) in
der
Kirchenprovinz
Sachsen.
Nach seinem
1901
bestandenen
Abitur im
Pädagogium
des Klosters
Unserer
Lieben
Frauen zu
Magdeburg,
nahm Müller
sein Studium
der
evangelischen
Theologie
zum SS 1901
in Tübingen
auf. Dort
trat er dem
Verein
Deutscher
Studenten (VDSt)
bei. Diesem
verdankte er
nach eigenem
Bekunden
große
Einblicke in
die
nationalen
und sozialen
Fragen der
Zeit.
Außerdem
erhielt er
beim VDSt
das
volksdeutsche
Verständnis,
das er
später in
Westpreußen
praktizieren
sollte. Zum
WS 1901/02
wechselte
er nach
Leipzig und
zum WS
1902/03 nach
Halle. Dort
bestand er
im Sommer
1905 das
erste
theologische
Examen. Es
folgte eine
Tätigkeit
als
Lehrvikar in
Gollme und
vom Oktober
1906 bis zum
1. April
1908 eine
Hauslehrertätigkeit
in Lauban.
Kurz darauf
bestand er
auch das
zweite
theologische
Examen.
Anschließend
trat
Müller am 1.
Mai 1908
sein erstes
Pfarramt in
Dambeck an.
Dort
betätigte er
sich 1909
bis 1914 im
Kampf gegen
den
Deutschen
Bauernbund
und dessen
Bündnis mit
dem
Liberalismus.
Da er
sich in
Dambeck zu
Beginn des
Ersten
Weltkriegs
unterfordert
fühlte und
dies nicht
mit seinen
Pflichten
gegen Kirche
und
Vaterland
vereinbaren
zu können
glaubte,
wandte er
sich an den
Ausschuss
zur
Errichtung
von
Soldatenheimen.
Als
freiwilliger
Feldgeistlicher
in Polen
leitete
Müller
daraufhin
ab November
1915 das
Soldatenheim
der Garnison
von Plock.
Von dieser
für ihn
letztlich
unbefriedigenden
Arbeit wurde
er durch
seine
Versetzung
zum
Warschauer
Evangelisch-Augsburgischen
Konsistorium
entbunden.
Unter
Beibehaltung
des Ranges
eines
Feldgeistlichen
übernahm er
im Januar
1916 die
Verwaltung
des
Pfarramtes
der
Kreisstadt
Sierpc. Zum
1. April
wurde er aus
dem
Heeresdienst
entlassen.
Seine zweite
Pfarrstelle
nahm er
Anfang April
1917 in
Schönsee in
Westpreußen
an. Dort
wurde im
gleichen
Jahr sein
Sohn, der
spätere
Professor
für
Slawistik
Ludolf
Müller,
geboren. In
Schönsee
setzte sich
das
DNVP-Mitglied
Müller nach
dem Ersten
Weltkrieg im
Deutschen
Volksrat für
die
volksdeutschen
Belange
und gegen
Polonisierungsbestrebungen
ein. Nach
der
Angliederung
an Polen
1920 ließen
ihn
polnische
Behörden
nach
verschiedenen
Drangsalierungen
als
vermeintlichen
Aufrührer
verhaften
und im
November
1921 als
„lästigen
Ausländer“
wegen
„antipolnischer
Tätigkeit“
ausweisen.
Der
Einspruch
des Posener
Konsistoriums
und die
diplomatischen
Bemühungen
der
deutschen
Regierung
gegen diesen
Schritt
blieben
vergeblich.
Von November
1921 bis
März 1922
stand er auf
Vermittlung
seines
Bundesbruders
Bruno
Geißler
(1875-1961),
Generalsekretär
des
Gustav-Adolf-Vereins,
im
Reisedienst
des
Brandenburger
Hauptvereins
des
Gustav-Adolf-Vereins
und
war auf Wunsch des Konsistoriums Posen Mitglied der Verfassungsgebenden
Kirchenversammlung
der
Evangelischen
Kirche der
Altpreußischen
Union.
Im März 1922
übernahm er
eine Pfarrei
in
Dingelstedt/Huy
bei
Halberstadt.
1924
gründete er
auf Anregung
Geißlers die
Vereinigung
ehemaliger
Ostmarkpfarrer.
Am 1. April
1927
übernahm er
die
Pfarrei in
Heiligenstadt
und die
Superintendantur
des
Eichsfeldes.
Nach der
„Machtergreifung“
der
Nationalsozialisten
– deren
Aufstieg er
zunächst
abwartend
beobachtet
hatte – und
nach der
Gründung der
Glaubensbewegung
Deutsche
Christen
stellte er
sich in den
Dienst der
Bekennenden
Kirche.
Er nahm im
Oktober 1933
an der
konstituierenden
Sitzung des
Pfarrernotbundes
teil und
wurde als
Vertreter
der Provinz
Sachsen in
den
Bruderrat
gewählt.
Dieses
Engagement
hatte im
Februar 1934
seine
Zwangsbeurlaubung,
die
Eröffnung
eines
Disziplinarverfahrens
und zum 1.
April eine
Strafversetzung
nach Staats
(Altmark)
zur Folge.
Nach
Einstellung
des
Disziplinarverfahrens
erfocht
sich Müller
mit einem
Urteil des
Landgerichts
Nordhausen
seine
Rückkehr
nach
Heiligenstadt
zum 4.
Januar 1935.
Die im
Februar
1934
ausgesprochene
Beurlaubung
von der
Superintendantur
wurde am 30.
Oktober 1935
aufgehoben.
Vom 23.
Juni bis zum
1. Juli und
vom 13.
August bis
28.
September
1937 kam er
aufgrund
seiner
Tätigkeit
für die
Bekennende
Kirche in
Untersuchungshaft,
kurzzeitig
war er auch
am 7./8.
März 1938 in
Gestapo-Haft.
Das
Verfahren
gegen ihn
wurde
aufgrund des
Straffreiheitsgesetzes
vom 30.
April 1938
eingestellt.
Nach Ende
des Zweiten
Weltkriegs
nahm er
maßgeblich
am
kirchlichen
Wiederaufbau
in der
Kirchenprovinz
Sachsen
teil. Am 8.
August 1945
wurde Müller
auf
Vereinbarung
des
Bruderrates
und des
Einigungsausschusses
für die
Provinz
Sachsen
sowie vom
Evangelischen
Konsistorium
der
Kirchenprovinz
Sachsen
in die
vorläufige
geistliche
Leitung der
Kirchenprovinz
Sachsen
berufen.
Kurz darauf
stand er als
Präses und
Vorsitzender
an der
Spitze der
vorläufigen
geistlichen
Leitung der
Kirchenprovinz
Sachsen, zu
deren
Bischof er
am 20. Mai
1947 gewählt
wurde. Nicht
ohne Grund,
wie
Siegfried
Bräuer
urteilt.
Zwar habe er
innerhalb
der
Bekennenden
Kirche
keinen
radikalen
Kurs
verfolgt:
„Seine
konsequente
Bereitschaft
aber, für
seine
Glaubensüberzeugung
einzustehen
und seine
Fähigkeit,
die Kirche
in
schwieriger
Zeit zu
leiten,
waren alles
andere als
alltäglich.“
In sein
Amt
eingeführt
wurde er von
seinem
Bundesbruder
Bischof Otto
Dibelius
(1880–1967)
am 16. Juli
1947 im
Merseburger
Dom. Von der
Universität
Halle wurde
Müller 1947
der
Ehrendoktor
verliehen.
Sein Amt
hatte er bis
zum Eintritt
in den
Ruhestand am
1. Oktober
1955 inne.
Die beim
Aufbau der
Kirchenprovinz
geführten
Verhandlungen
mit den
Landesregierungen
von
Sachsen-Anhalt
und
Thüringen
begannen
zunächst in
gegenseitigem
Respekt.
Durch den
wachsenden
Druck des
SED-Regimes
wurden die
Verhandlungen
aber immer
mehr
belastet, so
dass wieder
von einem
„Kirchenkampf“
gesprochen
wurde. Dabei
setzte sich
Müller
nachhaltig
für
demokratische
Wahlen, die
Eigenständigkeit
der
kirchlichen
Verkündigung
und gegen
die
wirtschaftliche
Belastung
des
Bauernstandes
ein. Während
des radikal
antikirchlichen
Kurses der
DDR 1952/53
musste
Müller
erleben,
dass die
Kirchen der
DDR
Gewaltmaßnahmen
nicht
verhindern
konnten.
Aufmerksam
verfolgte er
daher die
Einhaltung
der Zusagen,
die am 10.
Juni 1953
als Zeichen
des Neuen
Kurses
von der
Staatsführung
gemacht
worden
waren.
Bereits im
Ruhestand
übernahm er
noch 1957
den Vorsitz
der
Hauptgruppe
Halle des
Gustav-Adolf-Werkes.
Kurz vor
seinem Tod
schrieb er
seine
Lebenserinnerungen
nieder, die
seine
Tochter und
sein Enkel
1998/99
veröffentlichten.
Müller starb
am 14.
Februar 1959
in
Magdeburg.
Seine letzte
Ruhestätte
fand er in
Kalbe.
Werke:
Die
unierte
evangelische
Kirche in
Posen-Westpreußen
unter der
polnischen
Gewaltherrschaft,
Leipzig 1925
(Beihefte
der
Zeitschrift
„Die
evangelische
Diaspora“,
Bd. 10). –
Lebenserinnerungen,
4 Teile,
hrsg. von
Stephan
Lutze und
Hildegard
Dell,
Baden-Baden
und Erlangen
1998/99
(MS/vorhanden
in den
Universitätsbibliotheken
Halle und
Tübingen).
Lit.:
Nachlass
und
Dienstakten
im Archiv
der
Evangelischen
Kirche der
Kirchenprovinz
Sachsen,
Magdeburg. –
Altbischof
D. Ludolf
Müller zum
Gedächtnis,
in:
Akademische
Blätter 61
(1959), S.
45-46. –
Geißler,
Bruno
(Hrsg.),
Ludolf
Müller.
Bischof zu
Magdeburg.
Ein Diener
der Diaspora
und Kämpfer
für das
evangelische
Bekenntnis.
Ein
Gedächtnisblatt
von Freunden
und
Mitarbeitern,
o. O. 1962.
– Kieser,
Harro,
Ludolf
Müller, in:
Gedenktage
des
mitteldeutschen
Raumes, Bd.
1982, S.
116-117. –
Kramer,
Martin,
Ludolf
Müller, in:
Heinrich,
Guido und
Schandera,
Gunter,
Magdeburger
biographisches
Lexikon,
Magdeburg
2002, S.
489-490. –
Zirlewagen,
Marc, Ludolf
Müller, in:
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. 13,
Nordhausen
2004,
Spalten
984-990. –
Bräuer,
Siegfried,
Superintendent
Ludolf
Müller und
der
Kirchenkampf
nach 1933 in
Heiligenstadt,
in:
Eichsfeld-Jahrbuch
12 (2004),
S. 183-216.
Bild:
Ludolf
Müller
(Privatarchiv
RA Roland
John,
Berlin).
Marc
Zirlewagen