Der bedeutende aus Böhmen
gebürtige
Erzähler
gilt als ein
Adalbert
Stifter
verwandter
Naturschilderer
in der
Hinwendung
zum
Einfachen
und Kleinen
und als
wirklichkeitsverbundener
Menschengestalter,
dessen
Realismus
wie
Dostojewski
unerbittlich
die Abgründe
der
menschlichen
Seele
entblößt und
ausleuchtet.
Seine
literarhistorische
Bedeutung
unterstreichen
neben der
Werkausgabe
von 1965 die
seit Beginn
der 20er
Jahre ihm
verliehenen
literarischen
Auszeichnungen:
Bauernfeld-Preis
1921;
Eckart-Ehrung
1936;
Mozartpreis
der
Hamburger
Goethe-Stiftung
1938;
Literaturpreis
der Stadt
Wien 1952;
Roseggerpreis
der
Steiermark
1953;
Kunstpreis
der Republik
Osterreich
1957;
Stiftermedaille
1963;
Ehrenpreis
der Stadt
Graz 1963;
Kulturpreis
der Stadt
Graz 1966.
Nabl wurde als Sohn eines
Land- und
Forstwirts,
der als Domänenrat
den
Fürstlich
Thurn- und
Taxis‘schen
Grundbesitz
verwaltete,
im
böhmischen
Lautschin
geboren. In
Wien, wo er
aufwuchs,
studierte er
Jura,
Philosophie
und
Germanistik,
lebte seit
1919 als
freier
Schriftsteller
in Baden bei
Wien,
arbeitete
1924-27 als
Redakteur in
Graz, wo er
sich 1934
endgültig
niederließ,
um sich nun
ausschließlich
seinem
literarischen
Schaffen zu
widmen. 1943
verlieh ihm
die
Universität
Graz den Dr.
h.c.
Nach Anfängen
in der
hofmannsthal-schnitzlerischen
Tradition
erwies Nabl
seine herbe
realistische
Begabung
erstmalig
mit dem
psychologischen
Roman „Hans
Jäckels
erstes
Liebesjahr“
(1908) und
den ihm
folgenden
bizarren
Novellen
„Narrentanz“
(1911) und
erreichte
noch im
gleichen
Jahr seine
künstlerische
Reife mit
dem
ursprünglich
zweibändigen
Romanwerk
„Ödhof“
(Bilder aus
den Kreisen
der Familie
Arlet, 1911
und 1954),
einem episch
dichten,
menschlich
erschütternden
Zeitbild des
alten
Österreich,
das zur
Weltliteratur
gezählt
werden darf.
Hauptgestalt
ist ein
Herrenmensch
und
Familientyrann,
der, auf
einem
Waldgut im
Voralpenland
lebend, alle
Gemeinschaft,
sogar das
Leben seines
Sohnes,
zerstört und
schließlich
das Opfer
seiner
eigenen
Überheblichkeit
wird. Die
extrem
männliche
Welt dieses
Romans fand
ihr
weibliches
Gegenbild in
dem Roman
„Das Grab
des
Lebendigen“
(Studien aus
dem
kleinbürgerlichen
Leben, 1917,
unter dem
Titel „Die
Ortliebschen
Frauen“,
1936 und
1949), dem
düsteren
Gemälde
einer
Beamtenfamilie,
die sich in
Menschenscheu,
Lebensangst
und
Selbstgerechtigkeit
von der
Gemeinschaft
ausschließt,
bis die
verwitwete
Mutter und
die
dämonische
Schwester
eine
tödliche
Katastrophe
herbeiführen.
Es folgten
zwei
Erzählungen
„Der Tag der
Erkenntnis“,
tragische
Begebenheiten
(von denen
eine u.d.T.
„Der
verzauberte
Tag“ 1943
verfilmt
wurde),
ferner der
Roman über
die Heilung
eines
eingebildeten
Kranken „Die
Galgenfrist“
(1921 und
1951), und
auch der
folgende
Roman „Ein
Mann von
gestern“
(1935,
später als
Hörspiel)
behandelt
eine
seelische
Wandlung.
Ein
Glanzstück
seiner
Erzählkunst
beleuchtet
den
moralischen
Verfall der
Nachkriegszeit
in der
Erzählung
„Der Fund“
(1937 und
1955, auch
als Hörspiel
und Film).
Den novellistischen Gipfel
aber bilden
die 1948
unter dem
Titel
„Johannes
Krantz“
veröffentlichten
Erzählungen,
die zusammen
mit der
Rahmengeschichte
einen
inneren
Lebensroman
des Dichters
ergeben und
die
Beziehung
zwischen
Kunstwerk
und Leben
seines
Schöpfers
behandeln.
Zu erwähnen
ist ferner
die
Autobiographie
„Steierische
Lebenswanderung“
(1938,
5/1950)
und das
autobiographische
Alterswerk
„Das
Rasenstück“
(1953) sowie
der
einzige
große
Bühnenerfolg
Nabls „Trieschübel“
(Eine
tragische
Begebenheit,
1925).
Werke:
Ausgewählte
Werke in 4
Bänden,
1965.
Lit.:
Erwin
Ackerknecht:
F. N., der
Weg eines
deutschen
Dichters
1938; J.
Rieder: Das
epische
Schaffen
F.N.'s,
Diss. Wien
1938, mit
Bibliographie;
Lennartz,
Deutsche
Dichter und
Schriftsteller
unserer
Zeit, 1968.
Ernst-Edmund
Keil