Carl Leopold
Nagel
erblickte
das Licht
der Welt als
Kind des
Mediziners
Carl Nagel,
der seine
ärztliche
Praxis in
Leobschütz
hatte. 1813,
während der
Freiheitskriege,
wurde er als
Gymnasialschüler
noch zum
Landsturm
berufen. Den
Gymnasialkursus
beendete er
im Jahre
1816 und
ging danach
an die
Universität
zu Breslau,
um Medizin
zu
studieren.
1817
unterbrach
er sein
Studium, um
als
Freiwilliger
in das 22.
Infanterie-Regiment
einzutreten.
Während
seines
einjährigen
Militärdienstes
in Karlsruhe
war er
Ordonnanz
des
Preußenkönigs
Friedrich
Wilhelm IV.
Nach einem
militärischen
Examen
erwarb er
die
Qualifikation
als
Landwehr-Offizier.
Das letzte
Semester
seines
Medizinstudiums
verbrachte
er an der
Universität
in Berlin,
wo er am 21.
November
1820 zum
Doktor der
Medizin
promoviert
wurde. Die
Staatsprüfung
legte er am
7. April
1821 ab und
wurde als
praktizierender
Arzt und
Geburtshelfer
vereidigt.
In demselben
Jahr
unternahm er
eine Reise
nach Wien,
um dort
seine
ärztlichen
Kenntnisse
im
Krankenhaus
zu
vervollständigen.
Danach
besuchte er
deutsche,
italienische
und
schweizerische
Universitäten,
um sein
Fachwissen
zu
erweitern.
Nach der
Rückkehr
nach Breslau
1822 trat
Nagel die
Stelle des
Stadtarztes
an. 1823
wurde er
Mitglied der
„Schlesischen
Gesellschaft
für
Vaterländische
Cultur“.
Zwei Jahre
später nahm
er sich der
unbemittelten
Schüler im
Gymnasium zu
St. Matthias
an und war
auch Arzt im
Hospital zu
Neustadt.
Seit 1826
wirkte Nagel
am
Königlichen
Impfinstitut,
wo er an der
durch die
Preußische
Regierung
angeordneten
Impfaktion
gegen Pocken
mitwirkte.
Vom Jahre
1830 ab war
er im Haus
des
Armen-Medizinal-Instituts
zu Breslau
tätig.
1831 ordnete
der
Oberpräsident
der Provinz
Schlesien,
Friedrich
Theodor von
Merckel, auf
die Kunde
hin, daß
sich in
Warschau die
Cholera
verbreitete,
mit Wirkung
vom 4. Mai
die
Absperrung
der Grenze
an. Die
Polizei und
der
Sanitätsdienst
bekamen den
Befehl,
jeden
Cholerakranken
zu
registrieren
und im Falle
einer
Epidemie
alle
möglichen
Sicherheitsmaßregeln
zu
unternehmen,
um die
Verbreitung
der Cholera
in Schlesien
zu
unterbinden.
Trotz der
strengen
prophylaktischen
Anordnungen
gelang es
nicht, die
Verbreitung
der
Krankheit in
Schlesien zu
verhindern.
In der
ersten
Hälfte des
Jahres 1831
traten
einzelne
Erkrankungen
auf, und im
August
verbreitete
sich die
Epidemie in
vielen
oberschlesischen
Kreisen. Zu
dieser Zeit,
1831 bis
1832, wurde
Nagel zum
Arzt des 4.
Polizeireviers
in Breslau
berufen. Zur
selben Zeit
war er auch
Vorsitzender
des
Cholera-Bezirks-Vereins.
Zwei Monate
lang
arbeitete er
als Arzt in
der
Cholera-Anstalt
im Haus „Zur
Hoffnung“.
Auch an der
Bekämpfung
der fünf
späteren
Cholera-Epidemien
in den
Jahren 1839,
1852 bis
1853, 1860,
1866 und
1867 war
Nagel
ärztlich
beteiligt.
Als im Jahre
1850 die
militärischen
Einberufungen
stattfanden,
wirkte Nagel
im
Provinzial-Militär-Lazarett.
Er war auch
Mitglied des
Ärzte-Vereins
und
Mitbegründer
des „Vereins
zur
Unterstützung
der Witwen
Breslauer
Ärzte und
Wundärzte“
(1827). Im
Jahre 1836
kaufte Nagel
in Breslau
ein Haus und
wurde auf
Grund der
damaligen
Städteordnung
als Bürger
der Stadt
vereidigt.
Dreißig
Jahre lang
betreute er
die Jungfrau
Maria-Schwestern-Versammlung
zu Breslau
als Arzt.
Trotz seiner
aufreibenden
ärztlichen
Tätigkeit,
befaßte sich
Nagel auch
mit
wissenschaftlichen
Problemen.
Außer seiner
Doktordissertation
hat er
Abhandlungen
über
gallenartige
Magenerweichung
bei Kindern
(1830), über
Magenscirrhus
und Krebs
(1835), über
Noma (1844)
und über das
puerperale
Osteophyt
verfaßt.
Zwei
Abhandlungen
über den
Verlauf der
beiden
Cholera-Epidemien
zu Breslau
hat er am
16. August
1842 bei der
medizinischen
Sektion der
„Schlesischen
Gesellschaft“
vorgetragen.
Im März 1848
wurde Nagel
Arzt im 11.
Bürgerwehr-Bataillon
1. Kompanie
und dann
1850
Oberarzt der
ersten
Abteilung
des
Provinzial-Militär-Lazaretts
in Breslau,
die im
Siechenhause
mit 102
Betten
untergebracht
war, und
leitete
diese bis
zum 16.
Januar 1851.
Das
Domkapitel
betraute ihn
1853 mit der
ärztlichen
Krankenversorgung
der
Bürgerkinder
im
katholischen
Waisenhause
zur „Mater
Dolorosa“.
Im Jahre
1864 bekam
er das
Patent als
Seconde-Lieutenant
und später
das als
Hauptmann im
Kriegerveteranen-Verein.
1866
übernahm
Nagel als
Stationsoberarzt
die Kranken-
und
Verwundeten-Abteilung
des
Königlichen
Militär-Haupt-Lazaretts
in Breslau
und dann am
19. Juli das
Cholera-Lazarett
in der
Kaserne Nr.
7, das er
bis zum 23.
September
1866
verwaltete.
Seit 1827
war Dr.
Nagel mit
Pauline Wolf
verheiratet,
die ihm
sechs Kinder
schenkte.
Nagel war
ein kundiger
und auf
vielen
Gebieten des
ärztlichen
Wissens
gewandter
Arzt. Bei
der
Diagnosestellung
und der
nachfolgenden
Behandlung
zeichneten
ihn
Gewissenhaftigkeit,
Routine und
Mitempfinden
für die
Kranken aus.
Als
Vertreter
der „alten
Schule“
hatte er in
seinem
Verhalten
etwas
Originelles,
sehr
Persönliches,
Vertrauenerweckendes,
mitunter
auch
Schrulliges.
Am 18. Juli
1849 wurde
Doktor Nagel
mit dem
Roten
Adlerorden
4. Klasse
ausgezeichnet
und am 7.
April 1866
durch
Königliches
Patent zum
Sanitätsrat
ernannt.
Nagel ging
auch einem
Hobby nach.
Seit der
Studienzeit
sammelte er
altertümliche
Gegenstände
und
interessierte
sich für
Embleme, die
er
sorgfältig
aufbewahrte.
In seinen
Sammlungen
befanden
sich
merkwürdige
Trinkgefäße.
Lit.:
J. Jung:
Carl Nagel,
in:
Schlesische
Provinzialblätter,
Bd. VI,
1867,
S. 549; Bd.
VII, 1868,
S. 273, 367.
– Carl
Nagel, in:
Jahres-Bericht
der
Schlesischen
Gesellschaft
für
Vaterländische
Cultur, Bd.
46, 1868, S.
292-293. –
Von N-ch:
Carl Leopold
Nagel, in:
Schlesische
Provinzialblätter,
Bd. VIII,
1869, S.
97-99. – W.
Kaczorowski:
Zapobieganie
epidemii
cholery w
rejencji
opolskiej w
latach
1831-1832 w
swietle
przepisów
sanitarno-medycznych
[Vorbeugung
der
Cholera-Epidemie
1831-1832
durch
Verordnungen
des
Medizinalwesens
im
Regierungsbezirk
Oppeln],
Oppeln 1996,
S. 7-14.
Włodzimierz
Kaczorowski