Obwohl er als Maler eine
vehemente
Handschrift
aufweist,
die
Ölfarbe in
breiten,
expressiven
Bahnen auf
die Leinwand
streicht,
gehört Hans
Nagl zu den
„Stillen im
Lande“. Seit
1947 lebt er
mit seiner
Frau in
deren
Geburtsort
Hagen in
Westfalen,
jener
einstigen
Kunstmetropole,
die durch
die
Förderung
der
Avantgarde
Anfang des
Jahrhunderts
namentlich
durch Karl
Ernst
Osthaus
berühmt
wurde. Hier
begann Nagl
seine
Laufbahn als
freier Maler
und wurde
bereits 1952
in den
örtlichen
Kunstverband
„Hagenring“
und in die
Künstlergilde
Esslingen
aufgenommen.
Jahr für
Jahr fanden
fortan seine
Einzelausstellungen
in Museen
und Galerien
und
Beteiligungen
an
Gruppenausstellungen
im In- und
Ausland (u.a.
Frankreich,
Belgien,
Niederlande,
Dänemark,
Finnland,
Sowjetunion,
Jordanien)
statt. 1980
erhielt er
„in
Anerkennung
seiner
Verdienste
um die
Förderung
des
heimatlichen
Kulturgutes
und in
Würdigung
seines
künstlerischen
Gesamtwerkes“
den
Schönhengster
Kulturpreis
(Göppingen).
Als Maler ist Hans Nagl
Autodidakt,
er hat nie
eine
Kunstakademie
besucht.
Doch noch
heute
schwingt die
Begeisterung
für
seinen
Zeichenlehrer
Paul Schmeer
an der
Realschule
in Zwittau
mit, der dem
Jungen das
Sehen
beigebracht
hat und den
Umgang mit
den
verschiedensten
künstlerischen
Mitteln;
nicht
zuletzt
begann in
der Schule
die Freude
am
Gestalten,
so daß er am
liebsten
gleich auf
die
Kunstakademie
gegangen
wäre. Aber
es fehlte
das Geld:
Sein Vater
war im
Ersten
Weltkrieg
gefallen,
die Mutter
kam allein
für den
Unterhalt
auf, dem
Deutschen
aus Mähren
wurde das
ersehnte
Stipendium
an der
Prager
Kunstakademie
versagt. So
erlernte er
das
Malerhandwerk,
legte die
Gesellenprüfung
ab – und
wurde danach
zum
Kriegsdienst
einberufen.
Es folgten
acht
verlorene
Jahre:
Krieg,
Gefangenschaft,
Vertreibung.
Seine frühen
Gemälde
weisen
vorkubistische
Spuren auf,
es gibt
sogar einige
gebaute
Architektur-
und
Wandbilder
von ihm,
doch mündet
sein Stil
bald in den
naturverbundenen
deutschen
Expressionismus.
Ein weiteres
Abstrahieren
führt von
der
Landschaft
fort zu
gegenstandsfreien
Kompositionen,
die freilich
von der
Natur
inspiriert
sein können,
von Tages-
und
Jahreszeiten,
dem Erlebnis
der
Mondlandung,
von wo der
Weg zu
Eifelkratern
und Maaren
und seinen
Felsenbildern
führt. Diese
Spannung
zwischen
Naturbild
und (tachistischem)
Duktus des
Pinsels und
der Spachtel
kennzeichnen
das Werk
Nagls.
Daß
seine
Palette sich
zu Anfang
der 70er
Jahre
zusehends
verdunkelte,
sich
„drohende
Schatten
über die
Ölgemälde
legten“ und
daß seine
düsteren,
monochromen
Monotypien
zerfurchte
und
deformierte
Formen
zeigten –
ganz im
Sinne von
‚Art
informel‘,
wo
Gemütsbewegungen
zu Farb- und
Formspuren
werden –,
hat der
Künstler
erst später
im
Krankenhaus
zu erklären
gewußt.
Kündete sich
bereits hier
die
mißglückte
Operation
an, die den
Maler lange
Zeit ans
Bett und
danach an
den Stuhl
fesselte?
Zwar ist
Nagls
Bewegungsfähigkeit
in
mannigfacher
Weise auch
heute noch
eingeschränkt,
doch die
psychische
Krise ist
überwunden.
In seinen
Bildern
tauchen
Lebensmut
und
Optimismus
in
kostbar-strahlender
Farbigkeit
auf.
Zunächst
fand diese
Wandlung
infolge der
liegenden
und
sitzenden
Tätigkeit in
kleinen
Formaten
ihren
Niederschlag,
später
kehrte Nagl
zu seinen
großen
Gemälden
zurück. In
einem seiner
Briefe
bekennt der
Jubilar: „
Gesundheitlich
geht es mir
einigermaßen
... Ich
arbeite,
wenn es
gesundheitlich
geht,
täglich zwei
bis drei
Stunden,
mehr ist
nicht drin.“
Lit.:
Dr. Zimprich
„Über das
Schaffen des
Malers H.
Nagl“ in:
Mährische
Heimat
(1961) –
„Bildende
Künstler in
Nordrhein-Westfalen“,
Verlag Aurel
Bongers,
Recklinghausen
(1968) –
Horst Kniese
„Der Maler
H. Nagl“ in:
Der
Wegweiser
(Hrsg.
Ministerium
für Arbeit,
Gesundheit
und
Soziales,
Düsseldorf,
(1976) –
Hans Komar
„H. Nagl,
ein Maler
aus dem
Schönhengstgau“
in:
Schönhengster
Heimat,
Göppingen
(1979), dto
1980
anläßlich
der
Verleihung
des
Kulturpreises
– Günther
Ott: „Hans
Nagl – ein
Maler des
konkreten
und
abstrakten
Expressionismus“,
Kulturpolitische
Korrespondenz,
Bonn (1980).
Günther Ott:
„Begegnungen
– Kunst und
Künstler aus
Ostmitteleuropa“,
Westkreuzverlag
Berlin/Bonn
(1985).
Günther Ott
(1986)