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Wer ihn kennt, weiß, daß er nicht sehr viel von Ehrungen hält. Mehr
Freude als Orden und Laudationes kann ihm eine kompetente Äußerung über
eines seiner Bücher bereiten, als unmittelbare Bestätigung einer
Gemeinschaft im Geistigen. Wer ihn kennt, weiß auch von seiner kreativen
Unrast, von seiner Fähigkeit, Ideen umzusetzen in Gegenständlichkeit.
Hier ließe sich eine lange Liste von Zeitschriften, Bild- und
Textbänden, von Hörspielen und Dokumentarsendungen vor allem in den
Programmen des Westdeutschen und des Süddeutschen Rundfunks sowie des
Senders Freies Berlin und von Veranstaltungen aufführen, die mit dem
Namen Peter Nasarski verbunden sind.
Am Anfang dieser Liste steht die bündische Monatsschrift „Zelte im
Osten“, am vorläufigen Ende die repräsentative dreibändige Ausgabe –
Wege und Wandlungen. „Die Deutschen in der Welt heute“ – eine
Gesamtschau über die gesellschaftliche und kulturelle Situation der
Auslandsdeutschen in der Gegenwart. Diese Titel lassen nicht nur die
Konsequenz eines Menschenlebens erkennen, sie machen deutlich, daß
weitgehendste soziale und räumliche Veränderungen nicht in der Lage
sind, dem Menschen seine Zugehörigkeit zu nehmen. Man hört heute so oft
das Wort von der Unbelehrbarkeit und meint damit die deutsche
Unfähigkeit zur Einsicht. Peter Nasarskis intakte östliche Zugehörigkeit
hat aber eben diese Einsicht zur Grundlage. Nicht als gängige Replik auf
gängige Floskeln, nicht als Anpassung an gegebene Verhältnisse, sondern
als selbstverständlicher Ausdruck einer erlebten Welt. Hier wird
deutlich, daß die erlittene Vertreibung aus einem gemeinsamen Heimatraum
mit anderssprachigen Nachbarn niemanden aus der Geschichte entläßt und
uns nicht der Notwendigkeit zur erneuten Begegnung entbindet. In diesem
Sinne ist auch Nasarskis Tätigkeit als Übersetzer aus dem Polnischen und
Russischen zu verstehen, wobei als wichtigste Werke der Roman von Roman
Orwid-Bulicz „Preis des Sieges“ und die Dokumentation von Michael Zeuger
„Gefangene sind wir alle“ zu erwähnen sind.
Für Peter Nasarski, aufgewachsen im östlichen Grenzland, zwanzigjährig
bereits Feuilleton-Redakteur im vielgesichtigen Lodz, nach dem Krieg u.
a. Redakteur der Zeitschriften „Westöstliche Begegnung“ und „Europäische
Begegnung“, Chefredakteur des Pressedienstes „Aktuelle Ostwoche“,
Hamburg, später beim Deutschlandfunk mit Aufbau und Leitung der
Polen-Redaktion betraut, war das Gespräch mit den Nachbarn nie ein
Auftrag von außen. Ausgangspunkt dafür war und ist allerdings der
deutsche Anteil am Dialog. Dazu gehört Sachkenntnis bis ins Detail,
ebenso aber auch das Gespür für die deutsche und die europäische
Wirklichkeit. Man kann in diesem Aufgabenbereich heute in Deutschland
nicht nur auf Zustimmung hoffen; es ist hingegen schon von großer
Bedeutung, wenn es gelingt, das Thema des deutschen Ostens in seiner
ganzen Weiträumigkeit im Gespräch zu halten. Wie das Peter Nasarski auf
das Ganze bezogen versteht und verständlich zu machen weiß, bezeugen –
um nur drei Titel zu nennen – der im Auftrag der Stiftung Ostdeutscher
Kulturrat erarbeitete großformatige Band „Nachbarn seit tausend
Jahren/Deutsche und Polen in Bildern und Dokumenten“, der beim Berliner
Westkreuz erschienene Bildband „Zwischen Ostsee und Waldkarpaten“ und
die 15 Bände der von Nasarski 1958 bis 1966 im Rautenberg-Verlag, Leer,
herausgegebenen, reich bebilderten Schriftenreihe „Nachbarn in
Ostmitteleuropa“. Durchweg Bücher, die unterrichten – aber nicht
belehren wollen, die aufdecken, ohne anzuprangern.
Vielfältige Verdienste hat sich Peter Nasarski als Chefredakteur der
„Kulturpolitischen Korrespondenz“ erworben. In zwölf Arbeitsjahren
(1968-1980) hat er diesem Pressedienst des Ostdeutschen Kulturrats Sinn
und Form verliehen und ihm zu einer über den deutschen Sprachraum
hinausreichenden Geltung verholfen. Ostdeutsches Kultur- und Gedankengut
findet, über die „KK“ Zugang zu einer breit gestreuten Öffentlichkeit;
Künstler und Autoren haben in ihr ein kaum zu ersetzendes Forum
gefunden. Dr. Karl-Heinz Gehrmann bezeichnete den Pressedienst als „den
bisher einzigen glaubwürdigen Versuch, ohne Leugnung des eigenen
nationalen Selbstverständnisses mit der Förderung eines wirklichen
geistigen Austausches zwischen benachbarten Völkern ernst zu machen“,
und Dr. Ernst Schremmer sieht in der KK „eine Drehscheibe für die
Registrierung von Substanz und Aktivität der Ostdeutschen, aber auch für
deren Begegnung und objektives Gespräch mit den östlichen und
südöstlichen, ihnen schicksalhaft verbundenen Nachbarn“.
Es war zu erwarten, daß auch auf den siebzigjährigen Peter Nasarski der
Begriff „Ruheständler“ nicht anwendbar ist. Er zeichnet auch heute noch
für die Herausgabe der Zeitschrift „Globus“ des VDA-Vereins für das
Deutschtum im Ausland und der Vierteljahreshefte „Der Gemeinsame Weg“
des Ostdeutschen Kulturrats und der Stiftung „Haus des Deutschen
Ostens“, Düsseldorf, verantwortlich und hat nach der bisherigen
Herausgabe von mehr als sechzig Büchern und Bildbänden auf Jahre hinaus
eine Reihe interessanter Buchprojekte vor. Freunde, die ihn seit vielen
Jahren kennen, sehen auch heute noch in ihm einen Mann der
Jugendbewegung, die ihn vor 1933 nachhaltig geprägt hat: nach allen
Seiten offen und im guten Sinn beständig.
Franz
Heinz (1983)
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