Bekanntlich
gab es im
Zwischenkriegspolen
(1918-1939)
eine
beachtliche
deutsche
Minderheit,
und zwar in
allen drei
ehemaligen
Teilbieten
des Landes.
Aus dem
Posener
Land, einem
ehemals
preußischen
Teilgebiet,
stammte
Eugen
Naumann, der
am 2.1.1874
auf dem
väterlichen
Pachtgut in
Mikuszewo
geboren
wurde. Er
studierte
Jura und
Staatswissenschaften
und wurde
schon 1909
Landrat des
Posener
Kreises Znin
(später
Dietfurt).
Da er aber
selbständig
dachte und
an der
damaligen
preußischen
Polenpolitik
Kritik zu
üben wagte,
wurde er
versetzt. Da
nahm er
seinen
Abschied und
widmete sich
nur der
Bewirtschaftung
des kurz
zuvor im
Kreis
Schubin
(später
Altburgund)
erworbenen
Gutes in
Suchorencz.
Als die
Provinz
Posen
1918/19
polnisch
wurde,
stellte sich
Naumann dem
in Posen
gegründeten
„Deutschen
Volksrat“
zur
Verfügung.
Bald darauf
wurde er mit
anderen
führenden
Deutschen
von der
polnischen
Polizei
interniert
und ins
Gefangenenlager
Szczypiorno
eingeliefert.
Nach seiner
Entlassung
wurde
Naumann
Vorsitzender
des
Deutschen
Volksrates.
Als solcher
wurde er
schon bei
den
Parlamentswahlen
des Jahres
1922 als
Abgeordneter
in den
polnischen
Sejm
gewählt, dem
er bis 1930
angehörte.
Hier konnte
er sich voll
entfalten.
Er wurde
bald
Vorsitzender
der Fraktion
der
deutschen
Sejmabgeordneten
und zugleich
Wortführer
des gesamten
Deutschtums
in Polen.
Er setzte
sich
entschieden
für die
Belange der
deutschen
Volksgruppe
ein. Das war
erforderlich,
denn das
Deutschtum
in Polen
wurde trotz
des
polnischerseits
1919
unterzeichneten
Minderheitenschutzvertrages
laufend
unterdrückt.
So hat
Naumann u.a.
auch die
erste
Minderheitenbeschwerde
bei dem
Völkerbund
in Genf
eingereicht.
Er führte
weiterhin
den
Deutschen
Volksrat,
der sich in
„Deutschtumsbund
zur Wahrung
der
Minderheitenrechte“
umbenannt
hatte. Doch
wurde dieser
schon 1923
polnischerseits
aufgelöst.
Die
politische
Arbeit wurde
nun in Posen
und
Pommerellen
deutscherseits
von dem 1925
gegründeten
Hauptwahlausschuß
und von der
Geschäftsstelle
der
deutschen
Sejmabgeordneten
und
Senatoren in
Bromberg
geleistet.
Als
Vorsitzender
des
genannten
Ausschusses
und als
Sejmabgeordneter
trat Naumann
als
kraftvolle
und lautere
Persönlichkeit
unentwegt
für die
Rechte der
deutschen
Minderheit,
aber
gleichzeitig
auch für ein
friedliches
Zusammenleben
mit dem
polnischen
Volk ein. In
Genf wurde
er auch
Mitbegründer
eines
Verbandes
der
deutschen
Minderheiten
in Europa.
Als sich die
nationalen
Gegensätze
zusehends
immer mehr
verschärften,
legte
Naumann im
Februar 1933
den Vorsitz
im
Hauptwahlausschuß
nieder und
zog sich von
der
politischen
Arbeit
zurück.
Trotzdem
wurde er bei
Kriegsausbruch
am 1.
September
1939 wie
andere
aktive
Deutsche von
Polen
verhaftet
und
verschleppt.
Dabei wurde
diese von
reinem
Idealismus
erfüllte
Persönlichkeit
immer wieder
zusammengeschlagen
und
schließlich
als Geisel
am 7.9.1939
von
polnischen
Soldaten
erschossen.
Nachdem 1956
die Stadt
Bergen im
Kreis Celle
die
Patenschaft
für Naumanns
Heimatkreis
Altburgund-Schubin
übernommen
hatte,
erhielt die
dortige
neuerbaute
Mittelpunktschule
am 17.4.1964
den Namen
„Eugen-Naumann-Schule“.
Theodor
Bierschenk