|
Der Sohn einer alteingesessenen westpreußischen Gutsbesitzersfamilie
bestand 1911 das Abitur in Danzig und trat als Fahnenjunker in das
Deutsch-Ordens-Infanterie-Rgt. 152 in Marienburg/Westpreußen ein. 1914
zog er als Leutnant in den Krieg und nahm an den Kämpfen zunächst im
Osten, dann im Westen, zuletzt als Hauptmann und Bataillonsführer, teil.
Mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet, dreimal verwundet, kehrte er
heim. Der Gefährdung seiner Heimat versuchte er 1918/19 durch Teilnahme
an den Grenzschutzkämpfen mit den Polen zu begegnen. Nach Übernahme
durch die Reichswehr war Rastenburg/Ostpreußen sein erster Standort.
Dort heiratete er die westpreußische Gutsbesitzerstochter Annemarie
Rohrbeck aus dem Kreis Stuhm, mit der er eine Tochter und zwei Söhne
hat. 1923 bis 1926 folgte die Generalstabsausbildung, zunächst als Hörer
des Studiums generale an der Universität in Königsberg und dann beim
Lehrgang in Berlin. Daran schlossen sich eine Verwendung in der
Operationsabteilung des Truppenamtes im Reichswehrministerium und danach
ein Truppenkommando in Münster i. W. an. 1932 bis 1936 war Nehring als
Major und Oberstleutnant im Reichswehrministerium erster Mitarbeiter
Guderians beim Aufbau der Panzertruppe, einer neuen Waffengattung, für
die er mit Vier Buchveröffentlichungen und mehreren Fachaufsätzen warb.
Nach dem Besuch der Wehrmachtsakademie in Berlin (1936) wurde Nehring
als Oberst Kommandeur des PzRgt 5 in Wünstorf bei Berlin. Noch vor
Ausbruch des Zweiten Weltkrieges berief ihn Guderian als Chef des
Generalstabes seines Panzerkorps (XIX. AK), mit dem er in den
Polenfeldzug zog (1939), und dann seiner PzGruppe (2. PzArmee), mit der
er im Frankreichfeldzug kämpfte (1940).
Bevorzugt zum Generalmajor befördert (1. August 1940), wurde Nehring
Kommandeur der 18. PzDiv., mit der er von 1941 bis 1942 am Feldzug gegen
die Sowjetunion teilnahm, wobei er mit dem Ritterkreuz des Eisernen
Kreuzes ausgezeichnet wurde (1941). Nach (seiner wiederum bevorzugten
Beförderung zum Generalleutnant (1. Februar 1942) avancierte Nehring zum
Kommandierenden General des Deutschen Afrikakorps. Der Eroberung von
Tobruk folgte die bevorzugte Beförderuung zum General der
Panzertruppen (1. Juli 1942). Bei El Alamein verwundet, wurde Nehring
dann 11. Befehlshaber in Tunesien. Das Jahr 1943 brachte für ihn einen
erneuten Einsatz an der Ostfront und die Verleihung des Eichenlaubes zum
Ritterkreuz (1944). Im Januar 1945 gelang ihm die Rückführung des
„Wandernden Kessels“, des von den Sowjets eingeschlossenen XXIV.
Panzerkorps und mehrerer Nachbarverbände. Hierfür erhielt er als 124.
Soldat der Wehrmacht die Schwerter zum Ritterkreuz. Danach stand er bis
zum Kriegsende als Befehlshaber der 1. Panzerarmee in schweren
Abwehrkämpfen in Schlesien und Mähren, wobei in den ersten Märztagen
kurzfristig Lauban (schlesische Oberlausitz) zurückerobert werden
konnte. Es gelang ihm, das Eindringen der Roten Armee nach Bayern zu
verhindern und Hunderttausende von Flüchtlingen zu retten. Nach
Kriegsende befand er sich bis zum Mai 1948 in US-Gefangenschaft. Die
Amerikaner verweigerten die beantragte Auslieferung an die Sowjets. Im
letzten Jahr der Gefangenschaft war er mit fast allen führenden
Generalen der Wehrmacht in einem offenen Lager auf kriegsgeschichtlichem
Gebiet für die Historical Division der UA-Army tätig.
Die Familie traf in Schleswig-Holstein wieder zusammen. Nach
einkommenslosen Monaten fand Nehring eine kaufmännische Tätigkeit bei
einer Firma in Düsseldorf. In den Nachkriegsjahren betätigte er sich in
vielen Ehrenämtern und als militärgeschichtlicher Schriftsteller. Seit
1960 war er ständiger Mitarbeiter am Deutschen Soldatenkalender. Es
erschienen als Buchveröffentlichung in mehreren Auflagen Die
Geschichte der deutschen Panzerwaffe 1916 bis 1945 (1969) und eine
Anzahl Aufsätze in den Westpreußen-Jahrbüchern. Außerdem verfaßte er die
Geschichte seiner Familie (deutsches Genealogisches Handbuch Bd. 140).
Seine ehrenamtlichen Aktivitäten bezogen sich hauptsächlich auf den
Verband der ehemaligen Soldaten des Deutschen Afrikakorps, den Deutschen
Jagdverband, den Rhein-Ruhr-Club, die Ordensgemeinschaft der
Ritterkreuzträger und die Ehemaligen der 18. Panzerdivision und des
Deutsch-Ordens-Regiments 152.
Aus Sorge um seine vertriebenen westpreußischen Landsleute zählte
Nehring zu den Mitbegründern der Kreisgruppe Düsseldorf der
Landsmannschaft Westpreußen, war Mitglied des Landesvorstandes und
Landeskulturreferent in Nordrhein-Westfalen. 1955 wurde er in den
Bundesvorstand und 1956 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden
gewählt. Dieses Amt übte er bis 1965 aus und war anschließend Mitglied
des Beirats der Landsmannschaft, die ihm seine Verdienste durch die
Verleihung der Westpreußen-Medaille (1972), der Ehrenspange in Gold
(1982) und der Ehrenmitgliedschaft dankte.
Weitere Ehrungen erfuhr er durch die Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes 1. Kl. (1973) und die Einweihung der „General-Nehring-Straße“
in Stadtallendorf/Hessen, dem Standort einer Panzerbrigade der
Bundeswehr. Nehring zählt neben Guderian zu den Schöpfern der deutschen
Panzerwaffe und -taktik. Beispielhaft waren seine militärischen
Leistungen und Verdienste im Kriege. Hohe Anerkennung erwarb er sich in
seinen vielen Ehrenämtern. Von wissenschaftlicher Bedeutung sind seine
militärfachlichen Publikationen. In allen Lebenslagen war er eine
honorige und geistvolle Persönlichkeit mit überzeugender Ausstrahlung.
Lit.:
Hubertus W. Nehring (Hrsg.): 90 Jahre Walther K. Nehring. Festschrift
zum 90. Geburtstag. Siek 1982 [daraus unser Bild]. – Wolfgang Paul:
Panzergeneral Walther K. Nehring. Eine Biographie. Stuttgart 1986.
Bild:
Nehring als Kommandierender General des XXIV. Panzerkorps im Jahre 1943
Hugo Rasmus
nach oben
|