In J. Ludwig
Neugeboren
gedenken wir
eines
bedeutenden
siebenbürgischen
Paläontologen
des
vergangenen
Jahrhunderts.
Durch die
jahrzehntelange
Erforschung
der
Tertiärfauna
Siebenbürgens
und die
Veröffentlichung
seiner
Untersuchungen
in in- und
ausländischen
Fachzeitschriften
sowie durch
seine
wissenschaftlichen
Beziehungen
zu
österreichischen
und
deutschen
Paläontologen
wurde sein
Name bald
über die
Grenzen
seiner
engeren
Heimat
bekannt.
Seine große
Sammlung
fossiler
Lebewesen
Siebenbürgens,
mit den
Typen der
von ihm
beschriebenen
fossilen
Arten,
bildet heute
einen
wertvollen
Teil der
Sammlungen
des
Naturwissenschaftlichen
Museums in
Hermannstadt.
J.L.
Neugeboren
wurde am
2.8.1806 in
Mühlbach
(Siebenbürgen)
geboren. Er
war der
jüngste Sohn
des
damaligen
Stadtpfarrers
und späteren
Bischofs der
evangelischen
Landeskirche
Siebenbürgens
Daniel Georg
Neugeboren.
Nach
Abschluß des
Gymnasiums
in
Hermannstadt
studierte er
in Wien
Theologie
(1828-1831)
und im
vierten Jahr
seines
dortigen
Aufenthaltes
auch
Naturwissenschaften.
Nach Hause
zurückgekehrt,
wurde er
1834 Lektor
am
Hermannstädter
Gymnasium,
übernahm
1835 die
Stelle des
Bibliothekars
und Kustos
am
Brukenthalmuseum
in
Hermannstadt
und lehrte
ab 1836 auch
Geschichte
des
Altertums am
Gymnasium.
1840 erhielt
er die
Stelle des
Klosterpredigers
und wurde
1848 zum
Hermannstädter
Stadtprediger
befördert.
Nach mehr
als
20jähriger
erfolgreicher
Tätigkeit in
diesen
Funktionen
wurde er
1862 von der
Gemeinde
Freck zum
Pfarrer
gewählt. Als
Seelsorger
dieser
Gemeinde hat
er mehr als
22 Jahre
segensreich
gewirkt und
war hier bis
in sein
hohes Alter
auch
wissenschaftlich
tätig. Nach
Vollendung
seines 80.
Lebensjahres
zog er sich
aus dem
Berufsleben
zurück,
übersiedelte
1885 nach
Hermannstadt,
wo er am 20.
September
1887 im
Alter von 82
Jahren
starb. Als
Gymnasiallehrer
ging
Neugeboren
zunächst
mineralogisch-geologischen
Fragen nach.
1839
erschien der
erste Teil
von seinem
„Lehrbuch
der
Naturgeschichte
als
Leitfaden
bei
Vorlesungen
an
Gymnasien,
mit
besonderer
Berücksichtigung
Siebenbürgens“
(Mineralogie),
das 1840 von
Michael Fuß
durch die
Teile
Botanik und
Zoologie
ergänzt
wurde.
Als Kustos
der
Brukenthalschen
Sammlungen
widmete sich
Neugeboren
zunächst
der
Vermehrung
und
Neuaufstellung
der
Mineraliensammlung,
von der er
auch einen
dreibändigen
Katalog
aufstellte.
1844
erschien das
erste
gedruckte
Verzeichnis
eines Teiles
der
Sammlungen
unter dem
Titel „Die
Gemäldegalerie
des
freiherrlichen
v.
Brukenthalschen
Museums in
Hermannstadt“,
welches in
der
Einleitung
auch Angaben
zur
Bibliothek
und der
Mineraliensammlung
dieses
Museums
enthält. Als
Besorger und
Betreuer
dieser
Sammlungen
veröffentlichte
er ab 1842
zunächst
mineralogisch-geologische
Arbeiten wie
„Goldstufen
des
Brukenthalschen
Museums in
Hermannstadt“
und danach
Beiträge
über die
Geschichte
siebenbürgischer
Bergwerke
bzw. der
mineralogischgeologischen
Forschungen
in
Siebenbürgen.
Ab 1846
wandte sich
Neugeboren
hauptsächlich
paläontologischen
Untersuchungen
zu, die er
über
Jahrzehnte
mit viel
Eifer und
Erfolg
betrieben
hat. Im Zuge
dieser
Arbeiten hat
er an
verschiedenen
Lagerstätten
Siebenbürgens
und des
Banates die
fossilen
Reste von
tertiären
Fischarten,
Weichtieren
und
Foraminiferen
(einzellige
Wassertiere
mit
Kalkschale),
aber auch
von fossilen
Säugetieren,
Korallen und
Pflanzenarten
zu Tage
gefördert
und in
zahlreichen
Abhandlungen
beschrieben.
Von seinen
insgesamt 50
Veröffentlichungen,
von denen
der Großteil
in
siebenbürgischen
Zeitschriften
erschienen
ist,
befassen
sich 40 –
z. T. in
einer Reihe
von
Fortsetzungen
– mit den
fossilen
Arten der
Tertiärfauna
und -flora
Siebenbürgens.
Mehrere
Beiträge
sind aber
auch in den
Wiener
Zeitschriften
„Haidingers
Berichte
...“, dem
„Jahrbuch
für
Mineralogie“,
dem
„Jahrbuch
der k.k.
geologischen
Reichsanstalt“
und der
„Zeitschrift
der
deutschen
geologischen
Gesellschaft
in Berlin“
erschienen.
Mit
zahlreichen
ausländischen
Fachkollegen
stand
Neugeboren
in reger
Beziehung
und erhielt
wiederholt
von ihnen
wertvolle
Unterstützung
in der
Auswertung
seiner
Untersuchungen.
Zu diesen
gehören
Wilhelm
Haidinger,
Josef Ritter
v. Hauer und
Paul Partsch
in Wien,
August E.
Reuss in
Prag, K. J.
Andrae in
Bonn, Ernst
van der
Broeck in
Brüssel u.a.
Dem Siebenbürgischen
Verein für
Naturwissenschaften
in
Hermannstadt
gehörte er
seit dessen
Gründung als
aktives
Mitglied an
und war
längere Zeit
in der
Leitung als
Vorstands-Stellvertreter
tätig. In
ausländischen
Vereinen war
er u.a.
korrespondierendes
Mitglied der
k. k.
geologischen
Reichsanstalt
in Wien und
Ehrenmitglied
der
belgischen
Akademie für
Archäologie
in
Antwerpen.
Als
Paläontologe
hat er
wertvolle
Bausteine
zur
siebenbürgischen
Paläontologie
zusammengetragen
und sich
somit vor
allem um die
Erforschung
der
jungtertiären
Tierwelt
Siebenbürgens
große
Verdienste
erwerben.
Heinz
Heltmann