Im
literarischen
Leben der
Weimarer
Republik
konnte
"nahezu in
jedem Jahr
ein wirklich
bedeutendes
Werk, ein
neu
auftauchendes,
wahrhaft
bedeutendes
Talent
ausgezeichnet
werden."
(Hans Mayer)
Zu diesen
Begabungen
zählte der
Romancier,
Dramatiker,
Lyriker und
Übersetzer
Alfred
Neumann, der
für seinen
Roman Der
Teufel
1926 den
renommierten
Kleist-Preis
erhielt.
Heute indes
ist Neumanns
Ruhm
verblaßt,
sein Oeuvre
wird nur
noch von
Literaturhistorikern
rezipiert,
und Neumanns
Name taucht
lediglich in
summarischen
Aufzählungen
oder als
Fußnote zu
den
Biographien
anderer
Schriftsteller
auf, deren
Werk bis
heute
überdauert
hat.
Geboren
wurde Alfred
Neumann in
Lautenburg,
einem auf
halber
Strecke
zwischen
Graudenz und
Soldau
gelegenen
westpreußischen
Städtchen.
Der
Industriellensohn
wuchs in
Berlin,
Rostock und
in der
französischen
Schweiz auf.
Das 1913 in
München
begonnene
geisteswissenschaftliche
Studium
schloß er
mit dem
akademischen
Grad "Dr.
phil." ab.
Nach dem
Wehrdienst
im Ersten
Weltkrieg
wurde er
Dramaturg an
den
Münchener
Kammerspielen.
Anschließend
ließ er sich
als
freischaffender
Schriftsteller
in München
und im
italienischen
Fiesole
nieder. Der
literarische
Durchbruch
gelang ihm
1925 mit der
Erzählung
Der Patriot,
die eine
Offiziersverschwörung
gegen den
Zaren Paul
I. zu Beginn
des 19.
Jahrhunderts
zum Inhalt
hat.
Das Jahr
1933
bedeutete
für Neumann,
der
jüdischer
Herkunft
war, eine
tiefe Zäsur.
Die
Ereignisse
in
Deutschland,
schrieb er
im März
seinem
Kollegen
Renè
Schickele,
verschlügen
ihm den
Atem. Er
weigerte
sich, die
Formulare
für die
Reichsschrifttumskammer
auszufüllen.
Gemeinsam
mit seiner
Frau, mit
der er seit
1924
verheiratet
war, verließ
er im
Dezember
seine Villa
in
Brannenburg
bei München
in Richtung
Italien.
Sein Haus,
das Auto und
die
Bibliothek
wurden
beschlagnahmt.
Immerhin
gelang es
ihm, einige
Bücherkisten
und einen
kleinen
Devisenvorrat
außer Landes
zu retten.
Im
Unterschied
zu vielen
anderen
Emigranten
konnte
Neumann auf
seiner
internationalen
Reputation
und
verlegerischen
Verbindungen
aufbauen.
Während
seines
italienischen
Exils
erlebte er
23
Buchausgaben
in 8
Sprachen,
wobei die
Auflagenzahl
noch höher
lag. So
blieben ihm
unmittelbare
materielle
Gefährdungen
zunächst
erspart; er
konnte sogar
in Fiesole
eine Villa
anmieten.
Klaus Mann,
Herausgeber
der
Exil-Zeitschrift
Die
Sammlung,
lud ihn zur
Mitarbeit
ein. Im
September
1934
erschien
hier unter
dem Titel
Letizia
Bonaparte
ein
Vorabdruck
aus dem
Roman
Neuer Caesar
(1934). Die
Unterstützung
eines
dezidiert
antinazistischen
Journals
mußte die
Abneigung
der Berliner
Machthaber
gegenüber
Neumann
steigern.
Bereits zu
Beginn des
"Dritten
Reiches"
hatten sie
den Roman
Der Held
(1930), ein
Buch über
den
Rathenau-Mord,
verboten.
Als
Mussolini
und Hitler
sich im
Verlaufe des
Jahres 1938
rasch
einander
annäherten
und Rom eine
eigene
Rassegesetzgebung
einführte,
wurde die
Situation
für einen
deutsch-jüdischen
Emigranten
in Italien
unhaltbar.
Neumann wich
nach
Frankreich,
nach Nizza,
aus. Nach
Beginn des
Zweiten
Weltkriegs
wurde er,
wie viele
andere
politische
und
rassische
Flüchtlinge
aus
Deutschland,
als
"unerwünschte
Person" im
berüchtigten
Lager Le
Vernet
interniert.
Durch die
Vermittlung
amerikanischer
Hilfsorganisationen
und der
rührigen
Journalistin
Dorothy
Thompson
erhielt er
ein Visum
für die USA.
Über
Barcelona,
Madrid und
Lissabon
erreichten
er und seine
Frau 1941
New York. In
seinem
Tagebuch
notierte er
erleichtert:
"Jedem
strahlte
Glück aus
dem Gesicht,
das schöne
Gefühl,
gerettet zu
sein."
Bei seiner
Ankunft war
Neumann kein
Unbekannter.
Die
Bühnenbearbeitung
und die
Verfilmung
des
Patrioten
hatten in
den USA
bereits ein
Publikum
gefunden.
Außerdem
hatte er in
Europa schon
Erfahrungen
mit dem
Verfassen
von
Filmscripts
gesammelt,
so daß er
die
Anstellung
als
Drehbuchautor
in
Hollywood,
die vielen
emigrierten
Schriftstellern
ein
Auskommen
sicherte,
nicht nur
als Fron
empfand, wie
das bei
seinen
Kollegen
Döblin,
Brecht,
Polgar und
Heinrich
Mann der
Fall
war.
Zeitzeugen
erinnerten
sich an
einen
"schweigsamen
Mann,
der Tag für
Tag seine 12
Stunden
arbeiten
geht und
sich nur
selten einen
Sonntag
gönnt." Er
selbst
schrieb an
Hermann
Kesten: "Man
ist zwar -
aus
ursprünglich
mitfühlendem
Herzen - als
writer
angestellt
und wird
dafür
bezahlt:
aber das,
was man
beruflich
und
vertraglich
schreibt,
wird nicht
gelesen."
Im Laufe der
Zeit gelang
es ihm
jedoch, sich
mit
Hollywood zu
arrangieren.
Sein
wöchentliches
Honorar
stieg von
zunächst 100
Dollar auf
das Fünf-
und
schließlich
auf das
Zehnfache.
Andere
Projekte wie
die
gemeinsam
mit Erwin
Piscator
geplante
Aufführung
seines
Dramas
Krieg und
Frieden
am Broadway
scheiterten
dagegen.
Neumann und
seine Frau
verloren in
den
nationalsozialistischen
Vernichtungslagern
rund 80
Verwandte.
Er versuchte
erfolgreich,
in den USA
geistig und
emotional
Wurzeln zu
schlagen.
Sein Sketch
Segen der
Erde auch
für dich!
war der
Höhepunkt
des
deutschen
Beitrags zum
"I am an
American-Day"
1943 in Los
Angeles.
Nach einer
Bilanz
nazistischer
Untaten
werden hier
die
geretteten
Kinder der
Immigranten
zur
Verantwortung
für die
Zukunft
aufgerufen
und auf ein
Leben als
freie,
gleichberechtigte
Bürger in
der neuen
Heimat
vorbereitet.
1946 erwarb
Neumann die
amerikanische
Staatsbürgerschaft,
wobei der
zuständige
Beamte
erheitert
feststellte,
daß der
Neubürger in
der
amerikanischen
Geschichte
besser
bewandert
war als er
selbst.
Alfred
Neumann
hatte
freundschaftliche
Kontakte zu
Thomas Mann
erneuert,
den er seit
der
Münchener
Zeit kannte,
und erhielt
intimen
Einblick in
den
Entstehungsprozeß
des
Doktor
Faustus.
Daneben
pflegte er
den Umgang
mit Franz
Werfel und
dem
Dirigenten
Bruno
Walter. Wie
anomal die
Situation
für die aus
dem
deutschen
Bildungsbürgertum
stammenden
und
äußerlich
gutgestellten
Emigranten
dennoch war,
verrät ein
Brief Thomas
Manns aus
Pacific
Palisades:
"Wir leben
zwischen
unseren
Palmen und
lemon trees
so den
längst
gewohnten
Wartesaal-Tag,
in
geselligem
Reihum mit
Franks,
Werfels,
Dieterle,
Neumanns,
immer
dieselben
Gesichter."
Auch Neumann
war hin- und
hergerissen
zwischen
Neuem und
Altem
Kontinent.
Nach dem
Krieg
unternahm er
zwei
ausgedehnte
Europa-Reisen,
die ihn
unter
anderem nach
Italien,
Belgien, in
die Schweiz
führten. An
den
Universitäten
von Oslo und
Amsterdam
hielt er
Reden.
Besondere
Genugtuung
bereitete es
ihm, im
Februar 1951
im Hamburger
Thalia-Theater
erstmals
wieder vor
deutschen
Zuhörern zu
sprechen.
Bei all dem
reifte der
Plan, nach
Europa, nach
Italien, zu
übersiedeln,
wobei er
vermutlich
an einen
zweiten
Wohnsitz und
nicht an die
Aufgabe
seines
Hauses in
Beverly
Hills
dachte. Doch
dazu sollte
es nicht
mehr kommen.
Er starb
schon im
nächsten
Jahr knapp
57jährig in
der Schweiz.
Von seinen
Büchern
werden der
frühe
Erfolgsroman
Der
Teufel,
der die
Seelengeschichte
eines
Vertrauten
des
französischen
Königs
Ludwig XI.
erzählt,
sowie sein
Roman über
die
Widerstandsgruppe
"Die weiße
Rose" mit
dem Titel
Es waren
ihrer sechs
(1944)
wohl am
ehesten
überdauern.
Daß Neumann
heute
weitgehend
unbekannt
ist, hängt
zum Teil
damit
zusammen,
daß die
literarische
Emigration
nach dem
Krieg nur
sehr
halbherzig
nach
Deutschland
heimgeholt
wurde. Zum
anderen
verwandelten
die
Ereignisse
zwischen
1933 und
1945 jenes
alte
Deutschland,
dem Neumann
entstammte,
in eine
"Welt von
Vorgestern"
und machten
ein
Anknüpfen an
alte
Traditionen
und
Lesegewohnheiten
unmöglich.
So bleibt
vieles von
dem, was
Alfred
Neumann
schrieb, für
die
Nachgeborenen
genauso
verschlossen
und
unerreichbar
wie das
versunkene
westpreußische
Lautenburg,
in dem er
geboren
wurde.
Werke:
Gesammelte
Werke, 2
Bde.,
Stockholm
1949/50.
Lit.:
Guy Stern:
Alfred
Neumann, in:
Deutsche
Exilliteratur
seit 1933,
hrsg. v.
John Spabel
und Joseph
Strelka, Bd.
1,
Bern/München
1976, S.
542-570. -
Eike Middell
(Hrsg.):
"Exil in den
USA"",
Leipzig
1979. -
Klaus Voigt:
Zuflucht auf
Widerruf.
Exil in
Italien
1933-1945,
Bd. 1,
Stuttgart
1989.
Bild:
Photo von
Inge
Loeffler;
Bildarchiv
des
Süddeutschen
Verlages
München.
Thorsten
Hinz