Als
Zeitgenosse
von Georg
Wenzeslaus
von
Knobelsdorff,
Hofbaumeister
Friedrichs
des Großen,
Johann
Michael
Fischer,
Münchner
Stadt- und
gleichzeitig
kurkölnischer
Hofbaumeister,
Dominikus
Zimmermann
aus
Wessobrunn
oder Kilian
Ignaz
Dientzenhofer
ist
Balthasar
Neumann
zweifellos
einer der
bedeutendsten
und
eigenartigsten
Vertreter
dieser
zweiten
Generation
großer
deutscher
Barockarchitekten.
Schon zu
Lebzeiten
galt er als
einer der
größten
Baumeister,
nicht
weniger
erfolgreich
war seine
Tätigkeit
als
praxisorientierter
Stadtplaner,
fürstbischöflicher
Bauberater,
Unternehmer
und
akademischer
Lehrer.
Entsprechend
umfangreich
ist sein
Lebenswerk:
Neben
Schlössern,
Kirchen,
Klosteranlagen
und Altären
finden sich
Festungsbauten
und
Kasernen
ebenso wie Bürgerhäuser,
Straßen,
Brücken,
Wasserwerke
und
Heilbrunnen.
Ende Januar
1687 als
siebentes
von acht
Kindern des
alteingesessenen
Tuchmachers
Hans
Christoph
Neumann und
seiner
Gemahlin
Rosine
Grassold in
der
Schiffgasse
12 in Eger
geboren,
wurde
Balthasar
Neumann am
30. Januar
in der nahen
St.
Niklaskirche
getauft.
Kindheit und
Jugend
verbrachte
er in seiner
Heimatstadt,
der er zeit
seines
Lebens
verbunden
bleiben
sollte. Hier
machte er ab
1700 eine
Lehre als
Geschütz-
und
Glockengießer
bei seinem
Paten
Balthasar
Blatzer, dem
er 1709, wie
urkundlich
verbürgt,
bei den
Reparaturarbeiten
an den
Wasserkünsten
der Stadt
Eger
geholfen
hat. Seit
1711 auf der
Wanderschaft
in Würzburg,
bedurfte es
der
mehrfachen
finanziellen
Unterstützung
durch die
Egerer
Stadtväter,
um das
Studium der
Geometrie,
Geodäsie,
Zivil- und
Militärarchitektur
bei dem
würzburgischen
Ingenieurhauptmann
Andreas
Müller
aufnehmen zu
können, der
Neumanns
Talent
erkannt
hatte und
ihn
förderte.
Als er 1713
zur
Beerdigung
seines
Vaters nach
Eger kam,
hatte er
bereits
einen
neuartigen
Proportionszirkel
konstruiert,
der die
Ablesung der
Maß
Verhältnisse
von
Säulendurchmessern
bei gleicher
Höhe
gestattet.
Noch zweimal
ist Neumann
in Eger
gewesen,
1729 mit
anschließendem
Studienaufenthalt
in Wien und
1747, als er
beim
Wiederaufbau
der beiden
Türme von
St. Niklas
beratend
mitwirkte.
Die Baukunst
seiner
böhmischen
Heimat
wiederum war
es, die ihn
zu seinem
Wölbsystem
inspiriert
hat, das er
zur höchsten
Meisterschaft
entwickeln
sollte.
1714
beschritt
Neumann als
Fähnrich
in der
Schloß-Leibkompanie
die Laufbahn
eines
Militäringenieurs,
fertigte
1715 als
Probestück
für seine
praktischen
Kenntnisse
einen
Stadtplan
von Würzburg
und
begleitete
fortan
Müller und
den damals
führenden
Baumeister
Joseph
Greising auf
sämtliche
Baustellen
des
Hochstifts.
1716 wirkte
er bei
Wasserbaumaßnahmen
an der
Zisterzienserabtei
Ebrach mit,
nahm im Jahr
darauf an
der
Eroberung
Belgrads
unter Prinz
Eugen teil
und sah
erstmals
Wien. 1718
gehörte er
zum Stabe
des
kaiserlichen
Generalgouverneurs
von Mailand,
wo er die
oberitalienische
Barockarchitektur
kennenlernte.
Diese
erstaunlich
rege
Reisetätigkeit
sollte sich
zeit seines
Lebens
fortsetzen
und Neumann
mit vielen
der
führenden
Geister im
öffentlichen
Kulturleben,
mit
Baumeistern,
Künstlern
und deren
fürstlichen
Bauherren
zusammenführen.
Kurz nach
seiner Rückkehr
aus Mailand
wurde
Neumann 1719
zum fürstlich-würzburgischen
Ingenieur-Hauptmann
ernannt. Im
gleichen
Jahr
gelangte
Johann
Philipp
Franz von
Schönborn
auf den
Würzburger
Bischofsthron.
Damit war
Neumanns Weg
zum Erfolg
geebnet,
denn in den
Schönborns
sollte er
seine
größten
Bauherren
und Gönner
finden. Der
Beschluß des
Fürstbischofs,
in der Stadt
ein
repräsentatives
Residenzschloß
zu bauen,
gab Neumann
die
Gelegenheit,
in
Gesprächen
mit dessen
Oheim Lothar
Franz von
Schönborn,
Kurfürst-Erzbischof
von Mainz
und
Fürstbischof
von Bamberg,
oder mit dem
in Wien
residierenden
Reichsvizekanzler
Friedrich
Carl von
Schönborn,
dem Freund
und Gönner
Johann Lukas
von
Hildebrandts,
die
Architekturauffassung
dieses 1701
in den
Reichsgrafenstand
erhobenen
rheinischen
Uradelsgeschlechts
kennenzulernen
und
wertvolle
Einblicke in
die damals
gültige
Herrschaftsarchitektur
und ihre
Stilbildung
zu gewinnen.
Der Neubau
der Residenz
sollte trotz
typisch
barocker
Kollektivplanung
– am Konzept
waren u. a.
Maximilian
von Welsch,
Johann
Dientzenhofer,
Hildebrandt
und drei
Kavalierarchitekten
beteiligt –
das Schaffen
Neumanns
über zwei
Jahrzehnte
bestimmen
und seinen
Ruhm und
sein Ansehen
begründen.
Auf
Veranlassung
seines
Bauherren
weilte er
1723 in
Paris, wo
die
Begegnung
mit den
beiden
Premierarchitekten
Robert de
Cotte und
Gabriel
Germain
Boffrand
nicht ohne
Wirkung auf
die spätere
Treppenhausdisposition
und die
Anlage der
Hofkirche
innerhalb
der Residenz
bleiben
sollte.
Boffrand
weilte im
Jahr darauf
in Würzburg
und Franken.
1724-1729
ruhte die
Bautätigkeit,
weil nach
dem Tode des
Fürstbischofs
sein
Nachfolger
Christoph
Franz von
Hütten den
Residenzbau
als
Manifestation
des Hauses
Schönborn
ansah.
Dadurch
rückte
Neumanns
sakrale
Bautätigkeit
in den
Vordergrund,
und es
entstand
1727 die
Benediktinerabteikirche
zu
Münsterschwarzach
(1821
abgebrochen),
die eine
Vorstufe für
die späteren
doppelschaligen
Raumbildungen
darstellt.
1729 trat
Friedrich
Carl von Schönborn
die
Nachfolge
auf dem
Würzburger
und auf dem
Bamberger
Bischofsthron
an und
ernannte
Balthasar
Neumann,
nunmehr
Obristleutnant
der
fränkischen
Kreisartillerie,
zum
Baudirektor
für das
gesamte
militärische,
kirchliche
und zivile
Bauwesen
beider
Hochstifte
und auch für
seine
Privatschlösser.
Damit war
Neumann auf
dem
Höhepunkt
seiner
Laufbahn,
hatte neben
einer
Vielzahl
kleiner und
größerer
Bauaufgaben
ständige
Inspektionsreisen
durch beide
Bereiche
durchzuführen
und war bis
zum Tode des
Fürstbischofs
Bauberater
und
Baudirektor
sämtlicher
Schönbornscher
Gebiete. Die
Weiterführung
des
Residenzbaues
blieb jedoch
Neumanns
zentrale
Bauaufgabe,
die ihn bis
zur
Fertigstellung
des Rohbaues
zur
Jahreswende
1744
mehrmals zu
Hildebrandt
nach Wien
führte.
Hildebrandts
Mitwirkung
war seitens
des
ehemaligen
Reichsvizekanzlers
erwünscht,
und auch an
der
Gestaltung
der
fürstbischöflichen
Sommerresidenz
war er neben
Neumann
maßgeblich
beteiligt.
1730
entstand
Neumanns
endgültige
Planung des
Treppenhauses
der
Residenz,
dessen
Einwölbung
ein
technisches
Wunderwerk
darstellt
und mit dem
Deckengemälde
von G. B.
Tiepolo
(1752 bis
53) zu den
bedeutendsten
Werken des
deutschen
Spätbarock
zählt. Über
das
gräfliche
Haus
Schönborn
hat Neumann
in diesen
Jahren auch
jenseits der
beiden
Hochstifte
vielfältige
Aufgaben
wahrgenommen:
Seit 1733
war er auch
Berater für
das Militär-
und
Zivilbauwesen
in Kurtrier,
wirkte u.a.
beim Ausbau
der Festung
Ehrenbreitstein
in Koblenz
oder dem Bau
von St.
Paulin in
Trier und
hatte später
seinen
Schüler
Johannes
Seitz zum
Mitarbeiter
und
Nachfolger.
Zu seiner
Entlastung
stand ihm
übrigens
seit 1736 in
Bamberg
Jacob
Michael
Küchel als
Vertreter
und
Mitarbeiter
für das
Hochstift
zur Seite.
Neumann
entwarf das
Treppenhaus
für das
Bruchsaler
Schloß,
baute die
dortige
Peterskirche,
entwarf
Residenzprojekte
für
Stuttgart
und
Karlsruhe
(1747 bzw.
1749). Seit
1741 plante
er den
Westflügel
im
kurkölnischen
Schloß
Augustusburg
zu Brühl, wo
er trotz
beschränkter
Raumverhältnisse
eine
repräsentative,
weiträumig
wirkende,
geniale
Treppenlösung
schuf
(1743-48).
Bereits seit
1722 hatte
sich Neumann
auch der
Stadtplanung
Würzburgs
gewidmet,
d.h. der
Stadterweiterung
über die
mittelalterliche
Mauerbegrenzung
hinweg bis
zur
Bastionärbefestigung.
Als Leiter
der neu
eingesetzten
fürstlichen
Stadtbaukommission
überwachte
er das
gesamte
bürgerliche
Bauwesen der
Stadt. Neben
kleineren
und größeren
städtebaulichen
Maßnahmen,
wie jene für
den
Marktplatz
und die
Theaterstraße
(ab 1737),
ist vor
allem die
1730 von
Neumann
geplante und
gebaute
Fließwasserversorgung
für Würzburg
erwähnenswert.
1731 galt
Balthasar
Neumann
bereits als
Autorität
auf dem
Gebiet der
Baukonstruktion,
so daß er an
der
Universität
Würzburg
einen
Lehrauftrag
für Militär-
und
Zivilarchitektur
erhielt. –
1733 baute
er in
Schleichach
im
Steigerwald
eine
Glashütte
auf (als
Privatmann),
wo er u. a.
die Spiegel
für die
Würzburger
Residenz
herstellen
ließ. Für
den
Residenzbau
hatte er vor
Ort eine
Zinngießerei
eingerichtet.
In Bad
Kissingen
entdeckte er
1737 neue
Heilquellen,
die er
fassen ließ
und wo er
1738 die
neue
Kurpromenade
entwarf.
In den
letzten
Jahren
seines
Schaffens
entstanden
die
bedeutenden
Kirchenbauten
des
Meisters. Am
Ende einer
Entwicklung,
deren
Stadien von
Münsterschwarzach
über die
Wallfahrtskirche
von
Gößweinstein
und die
Patronatskirchen
von Gaibach
und
Heusenstamm
markiert
werden,
steht die
großartige
Raumlösung
der
Wallfahrtskirche
von
Vierzehnheiligen
(ab 1744),
die den
Höhepunkt
spätbarocker
Wölbkunst
bei völliger
Entmaterialisierung
des
Raumgefüges
bedeutet.
Die
Ausführungspläne
für die
Benediktinerabteikirche
von
Neresheim
(1749)
schließlich
sind der
absolute
Endpunkt
seines
Wölbsystems
von sich
durchdringenden
Wölbschalen
mit
sphärischen
Gurtbogenpaaren.
– Der
Meister
sollte ihre
Vollendung
nicht mehr
erleben.
Sein Sohn
Franz Ignaz
Michael,
1733 als
sechstes von
acht Kindern
seiner
Gattin Eva
Maria
Schild,
Tochter des
geheimen
Hofrates Dr.
Schild,
geboren, hat
1755 mit
seinem
Konstruktionsriß
für die
Einwölbung
seine
technische
Begabung
unter Beweis
gestellt. –
Mit dem „Käppele“
auf dem
Würzburger
Nikolausberg
(1748-52)
ist
Balthasar
Neumann noch
einmal ein
Rückgriff
auf die
Gnadenkirchen
seiner
böhmischen
Heimat
gelungen.
Nach dem
Tode
Friedrich
Carl von Schönborns
1746 wurde
Balthasar
Neumann von
dessen
verständnislosem
Nachfolger
von
Ingelheim
entlassen
und erst
1749
rehabilitiert.
Tiepolo hat
den Meister
noch kurz
vor seinem
Tode voller
Kraft und
Energie, mit
der
Gelassenheit
des
geborenen
Baumeisters
auf seinem
Deckengemälde
im
Treppenhaus
der Residenz
gemalt. Am
19. August
1753 ist
Balthasar
Neumann in
Würzburg
gestorben.
Als Oberst
der
Fränkischen
Kreisartillerie
wurde er am
22. August
mit
militärischen
Ehren in der
Marienkapelle
am Markt zu
Grabe
getragen.
Lit.: Max H. von Freeden, Balthasar Neumann. Leben und Werk. Deutscher
Kunstverlag
München
Berlin o.
J.; zuletzt
Hans
Reuther,
Balthasar
Neumann. Der
mainfränkische
Barockbaumeister.
München 1983
mit
vollständigen
Literaturangaben.
Christoph
Machat