Aus der
Staatlichen
Akademie für
Kunst und
Kunstgewerbe
in Breslau,
die Opfer
der
Brüningschen
Sparmaßnahmen
wurde und
mit
Jahresende
1931
schließen
musste, ist
eine Reihe
namhafter
Künstler
oberschlesischer
Provenienz
hervorgegangen,
zu denen
auch Gerhard
Neumann
gehört.
Als Sohn
eines
Berufsoffiziers
kam Gerhard
Neumann am
15. August
1907 in
Oppeln, der
damals mehr
als 30.000
Einwohner
zählenden
Stadt an der
Oder, zur
Welt. An der
dortigen
Oberrealschule
legte er
1925 die
Reifeprüfung
ab. Lange
vor dem
Abitur
entschied
sich der
Gymnasiast
für den
Beruf des
Bildhauers,
doch der
Direktor der
Holzschnitzschule
in Bad
Warmbrunn,
Prof.
Cirillo
dell’Antonio,
der die
spezifische
Begabung des
Bewerbers
sogleich
erkannte,
riet ihm vom
Studium der
Bildhauerei
ab und
empfahl ihm
das der
Malerei.
Aufgrund von
Arbeitsproben,
die der
18-Jährige
dem Direktor
der
Breslauer
Kunstakademie,
dem
Jugendstilkünstler
August
Endell,
vorgelegt
hatte,
konnte er
ohne
weiteres
1925 mit dem
Studium
beginnen,
das er 1927
abschloss.
Seine Lehrer
waren der
Expressionist
Otto Mueller
und der
Impressionist
Oskar Moll,
dessen
Assistent
Neumann 1931
wurde. 1928
ging er nach
Paris, wo er
im Atelier
von Fernand
Léger
arbeitete
und im
Louvre
Kompositionsstudien
betrieb.
Während des
Aufenthalts
in der
französischen
Hauptstadt
kam es zur
Begegnung
mit so
bekannten
Künstlern
wie Georges
Braque,
André Lhote
und André
Lurçat.
Dem Rat
seines
Lehrers Otto
Mueller
folgend,
entschied
sich der
angehende
Künstler
zusätzlich
für den
Beruf des
Kunsterziehers,
weil ihm der
Beamtenstatus
finanzielle
Sicherheit
zu bieten
und
Unabhängigkeit
zu
ermöglichen
schien. Mit
besonderer
Genehmigung
des
preußischen
Kultusministers
Carl
Heinrich
Becker
durfte er
vorzeitig
1927 in
Breslau das
wissenschaftliche
und 1928 das
pädagogische
Staatsexamen
für das
künstlerische
Lehramt an
höheren
Schulen
ablegen.
Zwischen
1929 und
1943
unterrichtete
er mit
kurzen
Unterbrechungen
das Fach
Kunsterziehung
an folgenden
Gymnasien:
zunächst in
Cosel, 1932
am Jüdischen
Reformrealgymnasium
in Breslau –
hier wurde
er 1933 aus
dem Dienst
entlassen –,
danach in
Liebenthal,
Habelschwerdt,
Hindenburg
und Oppeln,
wo er von
1940 an als
Fachleiter
am
Studienseminar
wirkte.
Nachdem er
1942 als
„Kriegsmaler“
in Russland,
danach in
Griechenland
und auf
Kreta
gearbeitet
hatte, wurde
er 1943 zum
Wehrdienst
einberufen
und geriet
1945 in
sowjetische
Kriegsgefangenschaft,
aus der er
Ende des
Jahres
entlassen
wurde. Von
1946 an
lebte
Neumann als
Flüchtling
mit seiner
Familie im
thüringischen
Kirchheim,
wo er als
freier Maler
arbeitete,
bis ihm 1950
die Flucht
aus der sog.
DDR nach
West-Berlin
gelang. Hier
kehrte
Normalität
in sein
Leben
zurück. Er
fand wieder
eine
Anstellung
im
Schuldienst,
bildete
Referendare
und Lehrer
für den
Werk- und
Kunstunterricht
aus, gehörte
zu den
Gründern der
Bauhütte für
christliche
Künste in
Berlin-Dahlem
und konnte
1953 auf der
Internationalen
Kunsterziehertagung
in Hannover
mit einer
pädagogischen
Reihe
hervortreten,
die als
Einzelbeitrag
des Landes
Berlin
gezeigt
wurde. 1954
erhielt er
einen Ruf an
das
Staatliche
Nicolaus-Cusanus-Gymnasium
in Bad
Godesberg
mit dem
Auftrag, den
Kunstunterricht
aufzubauen.
Hier konnte
der geborene
Pädagoge
fast zwei
Jahrzehnte
bis zum
Eintritt in
den
Ruhestand
(1973)
erfolgreich
wirken.
In über
sechs
Jahrzehnten
hat Neumann
ein
umfangreiches
Œuvre
geschaffen.
Allerdings
büßte er
davon mit
dem Verlust
der Heimat
auch sein
gesamtes
Frühwerk
ein,
ausgenommen
neun
Arbeiten des
erst
19-Jährigen.
Weitere etwa
30 Bilder
aus den
Jahren 1927
bis 1938
blieben
wenigstens
in
fotografischer
Wiedergabe
erhalten und
belegen
seine frühe
Eigenständigkeit.
Nach dem
künstlerischen
Neubeginn
entstanden
neben
grafischen
Blättern,
Glasfenstern
und Mosaiken
vor allem
Ölbilder,
die den
Schwerpunkt
seines
Werkes
bilden.
Neumann, der
ein inniges
Verhältnis
zu Natur in
ihren
verschiedenartigen
Erscheinungsformen
hatte,
wandte sich
thematisch
der
Landschaftsmalerei
zu, wobei er
als
Bildträger
ausschließlich
großformatige
Pressholztafeln
verwendete.
Als
abstrakter
Maler
strebte er
danach, die
Landschaft
stark zu
vereinfachen,
gewissermaßen
ihre
Struktur
sichtbar zu
machen.
Stets hat er
entschieden
widersprochen,
wenn
flüchtige
Betrachter
seiner Landschaftsbilder diese als gegenstandsfrei bezeichneten. Er
selbst
pflegte sie
„Abstraktionen
nach
Seherfahrungen“
zu nennen.
Es will
scheinen,
dass die
knappen
Bildtitel
den einfach
aufgefassten
Landschaften
entsprechen.
Meist nur
aus einem
einzigen
Substantiv
bestehend,
werden sie
gelegentlich
um ein
Adjektiv
erweitert.
Bei den mit
Eis(schollen)
auf der Oder
bezeichneten
Bildern –
Reminiszenzen
an das
Herkunftsland
– erscheint
der
Eindeutigkeit
wegen die
Ortsbestimmung
als Zusatz.
Nur viermal
kommt in den
späteren
Jahren der
Mensch auf
der
Bildfläche
vor,
gipfelnd in
Neumanns
Selbstbildnis
von
1976. Seine
monumentalen,
menschenleeren
Landschaftsbilder
haben nichts
Bedrohliches,
vielmehr
strömen sie
durch die
Harmonie der
Formen und
Farben
wohltuende
Ruhe aus und
laden zum
Verweilen
und
Meditieren
ein.
Ein weiter
Bogen spannt
sich von der
ersten
Ausstellung
des
19-jährigen
Studenten,
die 1926 in
der Galerie
Max Glauer
in Oppeln zu
sehen war,
bis zu
seiner
letzten, die
anlässlich
der
Vollendung
seines 95.
Lebensjahres
2002 im Haus
an der
Redoute in
Bad
Godesberg
gezeigt
wurde.
Dazwischen
liegen über
70 Einzel-
und rund 250
Gruppenausstellungen
im In- und
Ausland.
Mehrfach
wurde
Neumanns
künstlerische
Leistung
öffentlich
anerkannt:
1927 erhielt
er den
Kunstpreis
der Akademie
Breslau,
1976 wurde
ihm der
Oberschlesische
Kulturpreis
des Landes
Nordrhein-Westfalen
(Hauptpreis)
verliehen,
1983 die
Ehrengabe
des
Lovis-Corinth-Preises
überreicht
und 1987 der
Kulturpreis
Schlesien
des Landes
Niedersachsen
(Sonderpreis)
zuerkannt.
Der Maler
und
Studiendirektor
a.D. Gerhard
Neumann
starb in
biblischem
Alter am 13.
November
2004 in Bad
Godesberg.
Seine Werke
waren in der
NS-Zeit als
„entartet“
verpönt und
durften 1933
bis 1937
nicht
ausgestellt
werden. Des
ungeachtet
blieb der
Künstler
seiner
Überzeugung
durch die
Jahrzehnte
treu, ohne
Zugeständnisse
an den
jeweiligen
Zeitgeist zu
machen.
Lit.:
Vommer,
Bd. 3. –
Hannes
Schmidt,
Gerhard
Neumann –
ein Maler
des
Monumentalen,
in:
Schlesien XX
(1977), H.
3. – Günther
Ott,
Künstlerprofile
1,
Düsseldorf
1980. –
Ausstellungskatalog:
gerhard
neumann,
Köln 1982. –
Hugo Borger,
Laudatio auf
Gerhard
Neumann, in:
Erbe und
Auftrag.
Oberschlesischer
Kulturpreis
1965-1985,
Düsseldorf
1988.
Bild:
Landsmannschaft
der
Oberschlesier,
Bundesverband,
Ratingen.
Waldemar
Zylla