Von den
Studenten
der
Kunstakademie
Breslau in
der letzten
großen
Phase unter
Oskar Moll
war Gerhard
Neumann, der
zuvor in
seiner
Heimatstadt
die
Oberrealschule
besucht
hatte, einer
der
eigenwilligsten.
Seine
künstlerische
Handschrift
formte er zu
eigenem
Ausdruck aus
den
Anregungen,
die er vor
allem von
seinen
schlesischen
Professoren
Oskar Moll
und Otto
Mueller und
von Fernand
Leger in
Paris
bekommen
hatte.
Sein
Temperament,
seine
Intelligenz,
seine
Standfestigkeit
trugen ihn
durch die
Jahre
politischer
Einengung
der Kunst,
durch Krieg
und
russische
Kriegsgefangenschaft,
Heimatverlust
und
über die
Hürden des
neuen
Anfangs zu
einem
gefestigten
künstlerischen
Werk. Seine
Welterfahrung,
solide
Schulung und
Experimentierfreudigkeit
machten ihn
auch zu
einem
anregenden
und
ansprechenden
Kunsterzieher
(zuletzt
Studiendirektor
in Bad
Godesberg)
und zu einem
streitbaren,
aber mit
sicherer
Argumentation
auftretenden
Kollegen und
Kunstbetrachter,
der mit
hintergründigem
Humor Leben
und Farbe in
jedes
Gespräch und
jede
Diskussion
bringt.
Gerhard
Neumanns
Werk hat
sich vor
allem in der
Malerei, der
Graphik, der
Illustration,
der Kunst am
Bau im
profanen wie
im
kirchlichen
Bereich
(Glasfenster,
Mosaiken,
Wandbilder)
entfaltet.
An
Anerkennungen
und
Auszeichnungen
hat es nicht
gefehlt.
Schon der
Neunzehnjährige
hatte seine
erste
Einzelausstellung
in einer
Galerie in
Oppeln. Die
umfangreichste
Überschau
mit
gewichtigem
Katalog
wurde 1982
in Bonn
veranstaltet.
Von der
Akademie
Breslau
hatte er
bereits den
Kunstpreis
erhalten. Es
folgten u.a.
der
Schlesische
Kunstpreis,
der
Oberschlesische
Kulturpreis
1976, die
Ehrengabe
des
Lovis-Corinth-Preises
der
Künstlergilde
1983.
Frühestes,
kürzlich
wieder
aufgetauchtes
und vom
Künstler mit
Rührung
aufgenommenes
Zeugnis des
Lebenswerks
ist eine
kleine
Arbeit des
Zehnjährigen,
„Park des
Freiherrn
von
Rothschild“,
entstanden
während
eines
Aufenthalts
bei
Verwandten
in
Schillersdorf
im
Hultschiner
Ländchen.
Wie sehr
sich Neumann
auch in der
Welt umtat,
wie sehr er
sich in der
Welt der
Kunst
umschaute,
hat er doch
vieles von
seiner
Herkunft in
individualisierter
und
sublimierter
Weise
verarbeitet.
So ist nicht
von ungefähr
eines seiner
monumentalsten
Bilder, als
Dauerumschlag
für die nun
schon sechs
Bände der
Almanache
„Oder“
verwendet,
zu einem
Sinn-Bild in
tiefster
Bedeutung
geraten. Der
Kölner
Museumsdirektor
Professor
Hugo Borger
bescheinigte
ihm 1970:
„Auch als er
durch den
Zwang der
Verhältnisse
die Umgebung
wechseln
mußte und
als neue
Lebensbühne
das
Rheinland
gewann, hat
er die Welt
seines
Herkommens
nicht
vergessen.
Aus dieser
Spannung:
Hier zu
Hause zu
sein und
eigentlich
ganz
woanders
wieder zu
Hause sein
zu müssen,
haben immer
Künstler
gelebt. Für
Neumann kann
man diese
Spannung
geradezu
charakteristisch
nennen, denn
er hat sie
gesucht, wie
seine
zahllosen
Reisen in
die Weite
der Welt
zeigen. Es
hat ihn
immer wieder
gedrängt,
die Prägung,
die er durch
seinen
Geburtsort
erhalten
hatte, um
die Facetten
des Erlebens
an anderen
Orten, in
anderen
Teilen der
Welt
anzureichern.
Er hat dabei
von Beginn
an die
Auseinandersetzung
mit der
Erscheinungswelt
der Formen
gesucht und
auf sein
Panier
geschrieben,
die Vielfalt
des
Gesehenen,
die sich in
seinen Augen
spiegelte,
in eine
eigene
Ordnung zu
bringen.“
Ohne je ganz
in der
Abstraktion
aufzugehen,
hat Gerhard
Neumann in
seinen
Bildern
Natur,
Elemente,
Grundstimmungen
symbolkräftig
in eine
malerische
Sprache von
Farben und
Formen
gesetzt, die
Elementares
aussagt. Das
Konstruktive,
die zunächst
scheinbar
ganz grobe
Teilung von
Feldern und
Farbklängen,
gewinnt
durch die
Subtilität
der
Übergänge
eine
Qualität von
besonderer
Spannung. Da
schwingt
Romantisches
mit, ohne
eine
Zeitflucht
anzudeuten.
Neumann hat
sich der
Gegenwart
gestellt,
sie aber
zugleich mit
malerischen
Mitteln als
eine
Durchgangsepoche
erkennen
lassen.
Neumann hat
eine ganz
einfache
Bildsprache
gefunden.
Seine
Malerei ist
ihm ein
Mittel, ganz
ungeschwätzig,
großzügig
auszusagen,
was ihm
Landschaft
und Welt
bedeuten.
Lit. (Auswahl): Gerhard Neumann in: La Revue Moderne, Paris 1930; Bildende
Künstler
im Lande
Nordrhein-Westfalen,
Recklinghausen
1967; Hugo
Borger:
Abstraktion
nach
Seherfahrungen,
in: Oder
1970,
Höhr-Grenzhausen
1970;
Margarethe
Jochimsen,
Dierk
Stemmler,
Günter
Krüger, in:
Katalog G.
N., Bilder
1967 bis
1977, Stadt.
Kunstmuseum
Bonn, Bonner
Kunstverein
1978;
Günther Ott:
Künstlerprofile,
Bonn 1981;
Nino Erné:
Laudatio zum
Lovis-Corinth-Preis
1983, in:
Die
Künstlergilde
1984.
Ernst
Schremmer
(1987)