Als Sohn des
Bäckermeisters
und
Stadtverordnetenvorstehers
Friedrich
Wilhelm
wurde Paul
Nipkow im
pommerschen
Lauenburg
geboren. Vom
Progymnasium
Lauenburg
wechselte er
1880 zum
Gymnasium
nach
Neustadt. In
Berlin
studierte er
Mathematik
und
Naturwissenschaften
für das
höhere
Lehramt. Die
Beschäftigung
mit dem
Telefon am
Gymnasium
setzte er
als Student
mit
Überlegungen
zum
„Fernsehen“
fort.
Nipkow
heiratete
1884 eine
Lehrerin,
die aber
wenig
Verständnis
für seine
Erfindertätigkeit
zeigte.
„Erfinder
sollen nicht
heiraten –
sie sollen
sich nur mit
ihren
geistigen
Kindern
beschäftigen“,
meinte
Nipkow
einmal. Nach
dem Tod des
Vaters brach
er das
Studium ab
und wurde
Ingenieur.
Beschäftigung
fand Nipkow
bei der
Eisenbahn-Signalbau-Anstalt
in
Berlin-Borsigwalde.
Nachdem 1817
von
Berzelius
das Selen
entdeckt und
von May
dessen
Eigenschaft,
bei
Lichtbestrahlung
den
Widerstand
zu ändern,
erkannt
worden war,
gingen
mehrere
Pioniere
daran, in
der Art des
Sprechtelefons
auch
Bildübertragungen
zu erdenken.
Bain schlug
1842 vor,
mit einer
Kontaktfeder
die Vorlage
abzutasten,
die im Selen
aufgenommenen
Lichteffekte
als
Stromimpulse
zu
übertragen
und im
Empfänger
die Impulse
zu
Helldunkel-Zeichnungen
eines
Schreibstiftes
umzuformen.
Bakewell,
Caselli, de
Paiva,
Senlecq und
entwickelten
teils
theoretisch,
teils als
funktionierende
Apparate
diese Idee
weiter. Um
lebendige
Bilder zu
übertragen,
waren alle
diese
Verfahren
der
Bildzerlegung
zu langsam,
Casellis mit
synchronen
Pendeln gut
arbeitender
„Pantelegraph“
benötigte
für ein Bild
ca. zwei
Minuten.
Nipkow hatte
bei H. v.
Helmholtz
über das
Auge und
dessen
Trägheit
gehört,
Spielzeuge
wie die
Wunderscheibe,
an deren
Rand die
Phasen
einer
Bewegung
gezeichnet
sind und
beim Drehen
dem Auge als
kontinuierlicher
Vorgang
erscheinen,
waren im
Umlauf. Auch
optische
Täuschung
einer
kreisenden
Scheibe mit
darauf
gezeichneter
Spirale war
Nipkow
sicher
bekannt. Am
Heiligen
Abend 1883
fiel ihm in
seiner
Studentenbude
Philippstraße
13a jene
Vorrichtung
ein, die
nach eigenen
Worten die
„Generalidee
des
Fernsehens“
beinhaltete:
die
„Nipkowscheibe“.
Löcher in
Spiralform
auf einer
rotierenden
Scheibe
führen an
sämtlichen
Punkten
einer
Bildvorlage
vorüber. Die
über eine
Linse einer
Selenzelle
geführten
hell-dunkel-Lichtimpulse
werden als
Stromstöße
an einen
Empfänger
gesendet und
dort in
Lichtschwankungen
einer
Glimmlampe
geformt, die
durch die
Löcher einer
zweiten
Nipkovscheibe
auf eine
Bildfläche
fallen. Die
beiden
Scheiben
laufen
synchron.
Sorgen
breitete
Nipkow die
Glimmlampe,
die es in
der
gewünschten
Perfektion
noch nicht
gab. Nipkow
behalf sich
mit zwei
gekreuzten
Nicol-Prismen,
bei denen
dem
Faradayeffekt
zufolge das
Magnetfeld
der
Stromschwankungen
Aufhellungen
im sonst
dunklen
Zwischenraum
erzeugt. Das
Deutsche
Reichspatent
30105 für
sein
„Elektrisches
Teleskop“
erhielt
Nipkow am 6.
Januar 1884.
So manche
Verbesserung
und
Entdeckung
stammt noch
von Nipkow;
besonders
stolz war er
auf die
Erfindung
einer mit
Muskelkraft
angetriebenen
Flugmaschine,
die jedoch
selbst mit
modernster
Technologie
nicht zu
verwirklichen
ist.
Bald machten
sich andere
die
Erfindung
der Scheibe
zueigen,
nachdem
Nipkow die
Verlängerungen
des
Patentschutzes
nicht mehr
bezahlen
konnte. So
nutzte etwa
Liesegang,
der auch den
Namen
Fernsehen
schuf, die
Idee für
seinen
Apparat „Phototel“.
Karolus in
Leipzig
zeigte 1924,
daß Nipkows
Erfindung
betriebsfähig
ist. Noch
1927 baute
der
niederländische
Fernsehpionier
Kerkhof
einen
Fernsehempfänger
mit
Nipkowscheibe
und
Glimmlampe;
zum Abtasten
von Filmen
für das
Fernsehen
auf
Senderseite
hielten sich
Nipkowscheiben
bis 1943.
Ein halbes
Jahrhundert
war Nipkow
vergessen.
Doch als in
fast allen
Industrieländern
Fernseher
gebaut
wurden,
flossen die
Ehrungen und
Geldmittel
in reichem
Maß: 1935
bestellte
man Nipkow
zum
Ehrenpräsidenten
der
Fernsehgemeinschaft,
am 75.
Geburtstag
überreicht
man dem
„Vater des
Fernsehens“
ein
FE3-Fernsehgerät
mit
Bildröhre,
er wird
Ehrendoktor
der
Frankfurter
Universität
usw. Als
Nipkow zwei
Tage nach
seinem 80.
Geburtstag
stirbt,
ordnet die
NS-Führung
ein
Staatsbegräbnis
an
Lit.: W.
Bruch: Die
Fernseh-Story.
Stuttgart
1969; G.
Goebel: Paul
Julius
Gottlieb
Nipkow. In:
S. v. Weiher
(Hg.):
Männer der
Funktechnik.
Berlin und
Offenbach
1983; W.
Möbus:
Wegbereiter
der
Funktechnik.
München
1951; P.
Nipkow: Der
Telephotograph
und das
elektrische
Teleskop.
In:
Elektrotechnische
Zeitschrift
10 (1885),
419-425.
Karl Röttlel