Theodor
Oberländer
nahm in der
deutschen
Nachkriegsgeschichte
eine
Sonderstellung
ein.
Einerseits
gehörte er –
zuerst als
bayerischer
Staatssekretär
und danach
als
Bundesminister
– zu den
Politikern
der ersten
Stunde mit
entscheidenden
Verdiensten
bei der
Bewältigung
der
Eingliederung
der
Vertriebenen,
andererseits
aber wurde
er, trotz
aller
gerichtlich
bestätigten
Gegenbeweise,
immer wieder
wegen
angeblicher
Beteiligung
an
Kriegsverbrechen
belastet.
Oberländer
war der
einzige
deutsche
Nachkriegspolitiker,
der während
der dreißig
Jahre lang
in mehr als
50
gewonnenen
Verfahren
einer
gezielten
Propaganda
gegen ihn
stand hielt.
Längst haben
Gerichte ihn
rehabilitiert,
die
öffentliche
Anerkennung
für eine
außerordentliche
Lebensleistung
aber läßt
nach wie vor
auf sich
warten.
Theodor
Oberländer
ist
geborener
Meininger.
Er studiert
Agrarwissenschaft
und
Volkswirtschaft,
promoviert
in beiden
Disziplinen
und geht
nach seiner
Habilitation
als
Professor
zuerst nach
Danzig,
danach nach
Königsberg,
später nach
Greifswald
und Prag.
Durch
längere
Aufenthalte
in Rußland,
China,
Japan, der
Türkei, aber
auch in den
USA, Kanada
und anderen
Ländern,
wird er im
Laufe der
Zeit einer
der
bedeutendsten
Spezialisten
für
wirtschaftliche
und
politische
Fragen
Osteuropas.
Im Krieg
nimmt
Oberländer
als Offizier
am
Rußland-Feldzug
teil. Wegen
seiner
Kenntnisse
der
osteuropäischen
Völker – er
spricht u.a.
russisch –
wird er mit
der
Aufstellung
einer Truppe
beauftragt,
die sich aus
freiwilligen
Angehörigen
russischer
Volksstämme
zusammensetzt.
Sechs
Denkschriften,
in denen er
sich
dezidiert
gegen
unwürdige
Behandlung
der
osteuropäischen
Bevölkerung
in besetzten
Gebieten
wendet,
veranlassen
Himmler, ein
Kriegsgerichtsverfahren
gegen
Oberländer
zu fordern.
Dank
nachdrücklicher
Unterstützung
maßgeblicher
Kreise
bleibt es
bei der
Entlassung
aus der
Wehrmacht.
Sofort nach
Kriegsende
stellt sich
Oberländer
einer fast
unlösbar
erscheinenden
Aufgabe. Als
Vorsitzender
der
Vertriebenenpartei,
als
Bundestagsabgeordneter
und als
Minister hat
er
maßgeblichen
Anteil an
der
historischen
Leistung der
Eingliederung
von 12
Millionen
die
Bundesrepublik
geflüchteten
Menschen.
Das
Bundesvertriebenengesetz,
der
Lastenausgleich,
die
Dokumentation
der
Vertreibung
der
Deutschen
aus ihrer
osteuropäischen
Heimat wie
der
Dokumentation
der
Kriegsgefangenen,
viele
Einzelinitiativen
u.a. auf dem
anders
schwierigen
Gebiet der
Eingliederung
ostdeutscher
Bauern, die
wirtschaftliche
Förderung
der
Vertriebenen
und vieles
mehr sind
nur einige
der Bereiche
dieser fast
gigantischen
Aufgabe,
deren Lösung
nicht
zuletzt
Voraussetzung
für den
Aufstieg der
Bundesrepublik
Deutschland
zu ihrer
heutigen
Bedeutung
war.
Noch eine
weitere
politische
Entscheidung
von Rang,
der
historische
Dimension
zukommt,
geht auf
Oberländer
zurück. Für
den Beitritt
zur NATO
hätte
Adenauer im
Bundestag
ohne die
Stimmen
Oberländers
und seiner
Partei keine
Mehrheit
erhalten.
Die Sowjets
wußten dies
und setzten
alles daran,
um die
entscheidenden
Stimmen zu
kaufen.
Oberländer
lehnte ab,
die
Bundesrepublik
wurde
NATO-Mitglied
und erhielt
damit ihre
Souveränität.
Dies hat die
damalige
sowjetische
Führung
Oberländer
nicht
verziehen.
Eben auf
diesen
Sachverhalt
– und auf
nichts
anderes –
ist seitdem
die gegen
ihn
gerichtete
internationale
Hetzkampagne
zurückzuführen,
von der sich
maßgebliche
Kreise
selbst in
Polen und
Israel
distanziert
haben.
Lit.:
Hermann
Raschhofer,
Political
Assassination,
Tübingen
1962; Hans
von
Herwarth,
Zwischen
Hitler und
Stalin,
Berlin 1985;
Theodor
Oberländer,
Der Osten
und die
deutsche
Wehrmacht,
Asendorf
1987.
Wolfram
Ruhenstroth-Bauer