Der Maler,
Bildhauer,
Zeichner und
Radierer
Adam
Friedrich
Oeser wurde
am Tage nach
seiner
Geburt in
der
Pfarrkirche
der
evangelischen
Gemeinde zu
Preßburg auf
die gleichen
Namen wie
sein Vater
getauft.
Dieser war
ein aus
Berlin
eingewanderter
Riemergeselle,
die Mutter,
Rosine
Schwartzöhrl,
entstammte
einer
Preßburger
Handwerkerfamilie.
Nach dem
Besuch des
Lyzeums 1722
bis 1724,
den Oeser
wohl
aufgrund
finanzieller
Probleme der
Mutter, die
seit dem
1718
erfolgten
Tod des
Vaters
zunächst
alleine für
die Familie
zu sorgen
hatte,
abbrechen
mußte,
absolvierte
er eine
vierjährige
Konditor-Lehre,
bevor er,
nachdem
seine
künstlerischen
Neigungen
immer
stärker
hervorgetreten
waren, als
Schüler zum
Preßburger
Maler Ernst
Friedrich
Kamauf
gelangte.
Hier erhielt
er seine
künstlerische
Grundausbildung,
die sich
freilich
fast
ausschließlich
auf die
Vermittlung
bloß
handwerksmäßiger
Techniken
beschränkte
und den
Knaben, der
sich zudem
von der
Pedanterie
und
menschlichen
Härte seines
Meisters
abgestoßen
fühlte,
nicht
befriedigte.
Er begab
sich daher
1730 nach
Wien, um
seine
Ausbildung
an der
dortigen
Kunstakademie
fortzusetzen.
Mit einer
zweijährigen
Unterbrechung,
wohl 1731
bis 1733,
hielt sich
Oeser bis
1739 in der
Stadt an der
Donau auf,
verzichtete
aber darauf,
formal um
Aufnahme in
die Akademie
nachzusuchen,
sondern
begnügte
sich mit
Privatunterricht
bei
ausgewählten
akademischen
und
nichtakademischen
Künstlern.
Im Bereich
der Malerei
wurde Oeser
vom
Akademie-Direktor
Jacob van
Schüppen,
einem
Anhänger des
französischen
Stils, und
von Daniel
Gran, einem
Repräsentanten
der
italienischen
Richtung,
unterwiesen,
empfing also
schon früh
direkte
Impulse aus
den beiden
damals
vorherrschenden
Schulen des
spätbarocken
Kunstlebens,
die später
in seiner
Person
verschmelzen
sollten. Bei
Peter Martin
von Meytens
vervollkommnete
Oeser seine
handwerklichen
Fähigkeiten
und übte
sich in
Miniatur-
und
Emaille-Malerei,
während ihn
Guiseppe
Galli da
Bibiena die
Regeln
perspektivischen
Zeichnens
näherbrachte.
Das
zweijährige
Intermezzo
schließlich,
das Oeser
erneut in
seiner
Vaterstadt
Preßburg
sah, führte
zur
Begegnung
mit dem
Bildhauer
Georg
Raphael
Donner, bei
dem Oeser
nicht nur
die
Grundzüge
plastischen
Gestaltens
erlernte,
sondern,
bedingt
durch
Donners
eklektizistische
Einstellung,
erstmals
intensiver
mit Gedanken
in Berührung
kam, die
entscheidenden
Einfluß auf
seine
eigene,
später
ausgeprägte,
sich an der
klassischen
Antike
orientierenden
Kunstanschauung
hatten.
Insbesondere
die dem
Zeitgeschmack
zuwiderlaufende
Abneigung
gegen das
üppig-wuchernde
barocke
Ornament
wurde in
Donners
Schule
begründet.
In Wien
stellten
sich auch
erste
Erfolge für
Oeser ein,
besonders
die
Zuerkennung
des ersten
Preises der
Akademie für
Malerei im
Jahre 1735
für das
Ölgemälde
“Die
Opferung
Isaaks”.
Insgesamt
gesehen
blieben die
Jahre dort
aber im
wesentlichen
rezeptiv
geprägte
Lehrzeit.
Oesers
eigentliches
Betätigungsfeld
sollte das
Kurfürstentum
Sachsen
werden, in
dessen
Haupt- und
Residenzstadt
Dresden er,
angezogen
vom Ruf der
Stadt als
Kulturmetropole
Deutschlands,
1739 kam. Er
ließ sich
dort als
freier
Künstler
nieder, der
sich
freilich
durch seine
1745
erfolgte
Heirat mit
der einer
Beamtenfamilie
entstammenden
Dresdnerin
Rosine
Elisabeth
Hohburg wohl
auch einen
gewissen
sozialen und
ökonomischen
Rückhalt
schaffen
wollte.
In Dresden
konnte Oeser
sein
künstlerisches
Können,
insbesondere
im Umgang
mit dem
Künstlerkreis
um Christian
Wilhelm
Ernst
Dietrich,
Louis
Silvestre
und Steffano
Torelli,
vertiefen,
zeigte sich
aber auch
Anregungen
und Ideen
des jungen
Raphael
Anton Mengs
offen und
trat mit
eigenen
Werken,
meist
Auftragsarbeiten,
hervor. Ein
Porträt des
Grafen
Bestuscheff,
eines in
Dresden
weilenden
Gesandten,
führte auf
dessen
Vermittlung
hin 1740 gar
zur Berufung
als Hofmaler
nach St.
Petersburg.
Die Pläne
zerschlugen
sich dann
aber durch
den bald
darauf
erfolgten
Tod der
Regentin
Anna
Karlowna. So
widmete sich
Oeser weiter
in Dresden
seinen
Aufgaben, es
entstanden,
besonders in
der
Anfangszeit,
diverse
Porträts in
Öl und
Miniatur,
mehr und
mehr kamen
aber auch
größere
Auftragsarbeiten
für den Hof
hinzu,
beispielsweise
Kutschenschilder
oder
Bühnenbilder
für die
Oper. 1749
war Oeser an
der
dekorativen
Ausgestaltung
des
Jagdschlosses
Hubertusburg,
1751 der
Dresdner
Hofkirche
beteiligt
und schuf
möglicherweise
auch das
Interimsbild
für den
Hochaltar,
an dem 1767
die
Himmelfahrt
von Mengs
Aufstellung
fand.
Daneben
befaßte er
sich auch
mit
teilweise
großformatigen
Ölgemälden
im
akademischen
Stil der
Historienmalerei,
zu nennen
wären etwa
“Semiramis”
und “Dido”
als Pendants
sowie das
wohl
bekannteste
Werk aus
dieser Zeit,
“Saul vor
der Hexe von
Endor” aus
dem Jahre
1750.
Wichtiger
aber noch
als das
künstlerische
Schaffen war
Oesers
Begegnung
mit Johann
Joachim
Winckelmann,
mit dem er
erstmals
1752 im
Kreis des
kunstinteressierten
Grafen
Heinrich von
Bünau
zusammenkam,
zu dem sich
ein engeres
Verhältnis
aber erst
von Dezember
1754 bis
September
1755
entspann,
als
Winckelmann
im Hause
Oesers
logierte.
Ihren
literarischen
Niederschlag
fand diese
Zeit in
Winckelmanns
bahnbrechender
Schrift
Gedanken
über die
Nachahmung
der
griechischen
Werke in der
Malerei und
Bildhauerkunst,
die 1755 in
Winckelmanns
Wohnung bei
Oeser
entstand und
in weiten
Teilen als
geistiges
Eigentum
Oesers zu
werten ist.
Insbesondere
der vierte
Abschnitt,
der die
Vorreiterrolle
der
Allegorie
als Mittel
zur
Reinigung
der Kunst
von barocker
Überwölbung
thematisiert,
ist “Oeser
nach dem
Munde
geschrieben”,
was sich im
übrigen auch
in der
hervorragenden
Rolle des
Allegorischen
in Oesers
eigenem
künstlerischen
Oeuvre
zeigt.
Oeser ist
also, wenn
schon nicht
als Urheber,
so doch als
Impulsgeber
des
klassizistischen
Gedankens in
Deutschland
anzusehen,
der “edle
Einfalt und
stille
Größe” als
das in der
klassischen
Antike sich
manifestierende
Ideal der
Kunst als
erster
erkannt hat
und, nachdem
er die Idee,
die
ihrerseits
wieder auf
Anregungen
von Mengs in
Dresden und
vielleicht
auch bereits
auf Donner
in Preßburg
zurückgeht,
in eigener
Reflexion
weiterentwickelt
hatte, nicht
nur selbst
umzusetzen,
sondern auch
und gerade
in Form
künstlerischen
und
kunsttheoretischen
Unterrichts
weiter zu
verbreiten
bestrebt
war.
Dazu hatte
Oeser dann
in Leipzig
Gelegenheit,
wohin er
1759 kam,
nachdem er
zuvor, vor
dem
Siebenjährigen
Krieg aus
der
sächsischen
Hauptstadt
geflohen,
beim Grafen
von Bünau
auf Schloß
Dahlen
Zuflucht
gefunden
hatte, und
daselbst
1764 zum
Direktor der
neu
gegründeten
Kunstakademie,
1765 sogar
noch zum
kurfürstlich
sächsischen
Hofmaler
ernannt
worden war.
In seiner
Lehrtätigkeit
wie auch den
eigenen
Werken
bemühte sich
Oeser, den
akademischen
Barockstil
zu
überwinden
und bei
Wegfall bloß
schmückender
Ornamente zu
einer
Einfachheit
der
Darstellung
und
Weichheit
der
Zeichnung zu
gelangen.
Entgegen der
auf Effekte
ausgerichteten,
gefälligen,
aber oft
oberflächlichen
zeitgenössischen
Dekorationsmalerei
vertrat
Oeser zudem
den Gedanken
der Dominanz
des
Bildinhaltes
vor der
bloßen Form,
der in den
gesamten
Bedeutungszusammenhang
zu
integrieren
sei. Zwar
entstanden
auch in der
Leipziger
Zeit
durchaus
noch
repräsentative
Werke der
ausschmückenden
Kunst, so
diverse
Bühnendekorationen
und der
Vorhang
sowie das
Deckengemälde
für das neue
Theater der
Stadt
(1766),
Plafondmalereien
im Haus des
Bürgermeisters
Müller
(1780) und
des
Gewandhauses
(1781) sowie
insbesondere
der
bildnerische
Schmuck der
Leipziger
Nicolaikirche,
an deren
über dreißig
Einzelstücken,
darunter das
Altargemälde
mit
Darstellung
der
Auferstehung
Christi und
sechs große
Bilder an
den
Seitenwänden
des Chores
mit Szenen
aus dem
Leben Jesu
der Künstler
1785 bis
1797
arbeitete
und die als
“Oesersche
Bibel”
bezeichnet
werden, doch
ist die
Tendenz zur
Allegorisierung
des Inhaltes
und der
Reduktion
und
Simplifikation
von
Komposition
und
Ausführung
deutlich zu
erkennen.
Stärker
tritt dieser
wohl am
besten mit
“Proto-Klassizismus”
zu
bezeichnende
Stil aber in
der
Historienmalerei
mit ihren
teils
mythologischen
Sujets wie
etwa
“Daphnis und
Chloe”
(1773),
einem
“Gigantensturz”
(1775) oder
dem “Raub
der Europa”
(1780),
teils
biblischen
Szenen wie
“Loth und
seine
Töchter”
(1771),
“Christus,
Kranke
heilend”
(1775) oder
der “Geburt
Christi” von
1780, aber
auch
zusehends in
den Porträts
zutage. Im
plastischen
Schaffen,
dessen
praktische
Ausführung
Oeser aber,
nach genauen
Entwürfen,
Schülern
oder
befreundeten
Künstlern
überließ,
ist die
Verbundenheit
mit dem
präklassizistischen
Zopfstil
dann
unverkennbar,
man
betrachte
etwa die
Denkmäler
für Gellert
und den
Kurfürsten
Friedrich
August III.
von Sachen
in Leipzig
oder die
Erinnerungsmale
für die
Königin
Mathilde von
Dänemark in
Celle oder
den Prinzen
Leopold von
Braunschweig
im Park von
Schloß
Tiefurt bei
Weimar.
Beim
Unterricht
an der
Akademie,
die er zu
einem
Zentrum des
klassizistischen
Gedankens in
Deutschland
machte,
führte Oeser
nicht nur
neue
Methoden der
Unterweisung
ein, etwa
die
Ersetzung
von
Kupferstichen
durch
Handzeichnungen
Alter
Meister als
Vorlage beim
Zeichenunterricht
oder eine
stärkere
Akzentuierung
der Studien
an Abgüssen
antiker
Plastik –
durch die
Verknüpfung
mit der
Universität
gelang ihm
auch eine
bedeutsame
Ausstrahlung
auf die
gebildeten
Kreise.
Beispielhaft
sei nur
Goethe
erwähnt, der
von 1766 bis
1768 Oesers
Zeichenschüler
war und
dessen
gesamte
Kunstanschauung
bis zu den
Eindrücken
des direkten
Erlebens
antiker
Kunst auf
der
Italienischen
Reise 1786
bis 1788
durch Oesers
Vorstellungen
geprägt war.
Bis zu
Oesers Tod
infolge
eines
Schlaganfalls
hielt der
Dichter
seinem
Lehrer,
dessen
Gedanken dem
reifen
Klassiker
dann
freilich als
noch
reichlich
unausgegoren
vorkommen
mußten,
sowohl
menschlich
als auch in
Ansehen
seiner
Verdienste
als
Impulsgeber
die Treue.
Adam
Friedrich
Oeser muß,
ähnlich wie
Johann
Gottfried
von Herder
auf dem
Felde der
Literatur,
als eine
Gestalt des
Umbruchs und
des
Übergangs
gesehen
werden. Als
Künstler
universal
begabt,
gelang ihm
in der
Aufbrechung
des
erstarrten
Formenkanons
des
Spätbarock
eine
glückliche
Symbiose
antikisierender
Bildkompositionen
und Formen
mit einer
weichen,
luftigen
Zeichnung.
Die Neigung
zu
Flüchtigkeit
und
Skizzenhaftigkeit
bei
Vernachlässigung
technisch-handwerklicher
Details
schmälerte
allerdings
seinen Ruhm
bereits zu
Lebzeiten
und brachte
ihm den Ruf
eines
“Nebulisten”
ein. Größere
Bedeutung
kommt daher
wohl dem
Kunstlehrer
und
–theoretiker
Oeser zu,
der die
Kunst der
klassischen
Antike als
anzustrebendes
Ideal
propagiert
und in
Sanftheit
und
Einfachheit
deren
konstituierende
Grundprinzipien
ausgemacht
hat. Durch
die
Aufwertung
des
Bildinhaltes
gegenüber
Form und
Kolorit und
des
Allegorischen
im
Bedeutungskontext
insgesamt
leistete er
einen
wesentlichen
Beitrag zur
Überwindung
rein
dekorativen
Schaffens
und zur
Vertiefung
des
Verstehens
eines
Kunstwerkes
vorrangig
als Produkt
menschlichen
Geistes und
menschlicher
Kreativität.
So kann
Oeser, weit
mehr als der
“Zeichenlehrer
Goethes”,
als
bedeutender
Anreger und
Initiator,
weniger
schon als
Repräsentant
eines neuen,
modernen
Kunstverständnisses
gelten.
Lit.:
Alphons
Dürr: Adam
Friedrich
Oeser. Ein
Beitrag zur
Kunstgeschichte
des 18.
Jahrhunderts,
Diss.
Leipzig
1879. – Max
Kunze (Hg.):
Adam
Friedrich
Oeser.
Freund und
Lehrer
Winckelmanns
und Goethes.
Ausstellung
des
Goethe-Nationalmuseums
Weimar im
Winckelmann-Museum
Stendal
Oktober 1976
bis Januar
1977 (=
Beiträge der
Winckelmann-Gesellschaft
Stendal,
Band 6)
[Ausstellungskatalog],
Stendal
1976. – Max
Kunze (Hg.):
Johann
Joachim
Winckelmann
und Adam
Friedrich
Oeser. Eine
Aufsatzsammlung
(= Beiträge
der
Winckelmann-Gesellschaft
Stendal,
Band 7),
Stendal
1977. –
Arthur
Rümann: Adam
Friedrich
Oeser.
Bibliographie
(= Berliner
Bibliographien,
Band 2),
Berlin 1931.
– Paul F.
Schmidt:
Oeser, Adam
Friedrich,
in: Vollmer,
Hans (Hg.):
Allgemeines
Lexikon der
Bildenden
Künstler von
der Antike
bis zur
Gegenwart,
begründet
von Ulrich
Thieme und
Felix
Becker, 25.
Band Leipzig
o.J. [=
1931], S.
571-573. –
Friedrich
Schulze:
Adam
Friedrich
Oeser. Der
Vorläufer
des
Klassizismus,
Leipzig o.J.
[=1940]. –
Joseph
Eduard
Wessely:
Adam
Friedrich
Oeser, in:
Historische
Commission
bei der
Königl.
Akademie der
Wissenschaften
(Hg.):
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
24. Band,
Leipzig
1887, S.
468-469.
Bild:
Alphons
Dürr: Adam
Friedrich
Oeser. Ein
Beitrag zur
Kunstgeschichte
des 18.
Jahrhunderts,
Diss.
Leipzig
1879,
Frontispiz.
Bernhard
Mundt