Als Sohn
eines
Tischlermeisters
geboren,
besuchte er
die
Volksschule
und dann das
Gymnasium in
Neustadt, an
dem er 1898
die
Reifeprüfung
ablegte. Es
folgten das
Studium der
Philosophie,
Theologie
und
Staatswissenschaften
an der
Universität
Breslau,
1902 die
Priesterweihe
und 1903 die
Promotion
zum Dr.
theol.
aufgrund
einer
historischen
Arbeit. Von
1907 bis
1917 wirkte
er als
Pfarrer in
Greiffenberg,
Kr.
Löwenberg,
wo er 1910
die
Zentrumszeitung
„Der Greif“
gründete und
deren
Schriftleitung
übernahm.
Der Priester
wurde nun
auch
Journalist
und
Publizist,
zeigte seine
organisatorischen
Talente und
übernahm
1917 die
seit dem
Vorjahr
nebenbei
ausgeübte
Funktion des
schlesischen
Landessekretärs
des
Volksvereins
für das
katholische
Deutschland
hauptamtlich.
1918
übernahm
Otte für
einige
Monate die
Schriftleitung
des
„Katholischen
Sonntagsblattes
für die
Diöcese
Breslau“,
was den
Bekanntheitsgrad
des
Breslauer
Dombenefiziaten
vergrößerte
und seiner
Kandidatur
bei der am
19. Januar
1919
durchgeführten
Wahl der
verfassunggebenden
Deutschen
Nationalversammlung
nützte. Das
vom Zentrum
kaum
Erhoffte
gelang: Mit
dem als
beliebter
Redner von
Ort zu Ort
eilenden
Otte konnte
erstmals ein
Mitglied der
Partei im
Wahlkreis
Liegnitz in
die
parlamentarische
Vertretung
des
Deutschen
Reiches
einziehen,
in der er
allerdings
nicht
hervortrat.
Als
Lebensziel
gab der
damals
Neununddreißigjährige
an:
„Christliche
Wahrheit,
wahre
Freiheit,
freies Recht
im
demokratischen
Deutschland,
heute und
immerdar.“
In
Übereinstimmung
mit dem von
ihm als
politisches
Arbeitsgebiet
genannten
Bereich
Presse und
Organisation
schrieb er
Broschüren,
Aufsätze und
Artikel über
die
politische
Lage und die
Entwicklung
in der Zeit
des
Umbruches
und des
Neuanfanges,
die aus dem
Boden seiner
christ-katholischen
und
nationalen
Einstellung
erwuchsen
und dem
Akzeptieren
des Weimarer
Staates
dienen
sollten.
Bemerkenswert
für Ottes
Haltung zu
nationalen
Fragen ist,
daß er im
Mai 1919 in
der
Breslauer
Protestversammlung
eine Rede
gegen die
Abtrennung
Oberschlesiens
von
Deutschland
hielt, in
der er die
prophetischen
Worte
sprach: „Ein
Friede aber,
wie ihn
heute unsere
Feinde
planen,
trägt den
Keim neuer
Kriege
offensichtlich
in sich.“
Otte war
beides:
katholischer
Christ und
deutscher
Patriot. Im
Jahre 1919
wurde Otte
Direktor und
Hauptschriftleiter
der „Neisser
Zeitung“,
1921
übernahm er
die Leitung
der
Berglandgesellschaft
für
Volksbildung
in
Schweidnitz
und das Amt
des
Hauptschriftleiters
der von ihr
herausgegebenen
„Mittelschlesischen
Zeitung“,
1924
übertrug ihm
Kardinal
Adolf
Bertram die
Pfarrei
Liegnitz,
und 1928
ernannte er
ihn zum
Ehrendomherrn
der
Breslauer
Kathedralkirche.
Im selben
Jahre
übernahm der
Vielbeschäftigte
die Leitung
der
Monatsschrift
„Die
Seelsorge“,
eines auf
die
Seelsorgspraxis
hin
ausgerichteten
schätzenswerten
Organs, 1930
wurde er
Erzpriester.
Otte gehörte
zur
Führungselite
des
Breslauer
Bistumsklerus,
besaß das
Vertrauen
seines
Bischofs und
wurde 1931
als
residierender
Domherr in
das
Metropolitankapitel
zu Breslau
berufen,
dann auch um
Domprediger
ernannt und
als
General-Vikariats-Rat
angestellt.
Außer den
kirchlichen
Verpflichtungen
hatte er
sich auch
politischen
zu widmen,
war er doch
1930 zum
Bevollmächtigten
der Provinz
Niederschlesien
im Reichsrat
und im März
1931 als
Nachfolger
von
Geheimrat
Dr. Felix
Porsch zum
Vorsitzenden
der
Niederschlesischen
Zentrumspartei
gewählt
worden. Als
die
politische
Lage in
Deutschland
immer
unstabiler
wurde,
kandidierte
er im
Wahlkreis
Breslau als
Spitzenkandidat
des Zentrums
und zog 1932
in den
Preußischen
Landtag ein,
wo er den
Ausschüssen
für die
Verkehrsinteressen
und für
Verfassungsfragen
angehörte.
Er gehörte
auch dem im
März 1933
gewählten
Landtag an,
mußte dann
aber im
Zeichen der
unter
starkem
Druck
vollzogenen
Selbstauflösung
des Zentrums
und der von
den
Nationalsozialisten
erzwungenen
Gleichschaltung
aus der
Politik
ausscheiden,
in der er
sich noch
1933 als
mutig
gegenüber
den neuen
Machthabern
erwies. Ihm
war es auch
zu
verdanken,
daß die
Breslauer
Ursulinen
von ihrer
anfänglichen
positiven
Bewertung
des
Umbruches
abwichen. An
Ämtern und
Arbeit
fehlte es
auch jetzt
nicht. Im
Frühjahr
1938 war
Otte
residierender
Domherr,
General-Vikariats-Rat,
Domprediger,
Diözesan-Exerzitiendirektor,
Diözesanpräses
des
Verbandes
katholischer
kaufmännischer
Vereinigungen
(K.K.V.),
Vizekurator
der Grauen
Schwestern
von der hl.
Elisabeth,
Synodal-Examinator
und
Schriftleiter
des
„Schlesischen
Bonifatiusvereins-Blattes“.
Das war
anscheinend
auch für
einen so
begabten,
dynamischen
und
einsatzbereiten
Mann wie ihn
zu viel. Am
9. Juli 1940
beendete ein
Herzschlag
sein Leben.
Drei Tage
später
erfolgte
unter
überaus
großer
Beteiligung
von Klerus
und Laien
die
Beerdigung.
Domdechant
Dr. Piontek
zelebrierte
im Dom das
Requiem,
Kardinal-Erzbischof
Bertram
hielt die
Exequien.
Die
Beisetzung
fand nach
dem Wunsch
des
Verstorbenen
nicht in der
Domherrengruft,
sondern auf
dem
Laurentiusfriedhof
statt. In
einem kurzen
Nachruf—
Otte
wünschte
keine
Leichenrede
– hieß es:
„Nun ruht
der Mann des
Volkes
mitten unter
dem Volke“.
Dr. Waldemar
Otte war
Politiker,
Verleger,
Publizist,
Journalist,
Redner,
Vereinssekretär,
Organisator
und anderes
mehr. Vor
allem aber
blieb er
immer
Priester,
dem Dienst
Gottes und
der Menschen
geweiht.
Diesem
Berufe und
dieser
Berufung
waren alle
anderen von
ihm
übernommenen
Aufgaben
zugeordnet.
Werke: (u.a.):
Die
deutschen
Katholiken
und die neue
Zeit,
Breslau
1919. – Das
Zentrum in
der
deutschen
Nationalversammlung
in Weimar,
ebd., 1919.
Quellen:
Handbücher
der
verfassunggebenden
Deutschen
Nationalversammlung
und des
Preußischen
Landtages.
Lit.: Roman
Reiße,
Waldemar
Otte zum
Gedächtnis,
in: Die
Seelsorge,
18, 1940, S.
91-93;
weitgehend
nachgedruckt
u. mit
Zusätzen von
J.
Gottschalk
versehen in:
Schlesische
Priesterbilder,
Bd. 5, hg.
v. Joseph
Gottschalk,
Aalen 1967,
S. 140-143;
Hans-Ludwig
Abmeier:
Domkapitular
Waldemar
Otte
(1879-1940):
Priester,
Politiker
und
Publizist,
in:
Oberschlesisches
Jahrbuch,
Bd. 5,1989
(ebd.
weitere
Lit.).
Hans -Ludwig
Abmeier