Wenzel
Parler war
der
zweitälteste
Sohn von
Peter
Parler, dem
großen
Dombaumeister
aus Prag.
Wenzel wurde
um das Jahr
1357 in Prag
geboren. Wie
schon der
Vater
erlernte
auch Wenzel
zunächst den
Beruf des
Steinmetzen,
den er nach
Abschluss
seiner
Ausbildung
seit der
zweiten
Hälfte der
siebziger
Jahre des
14.
Jahrhunderts
ausübte. So
erscheint
der Name
Wazlaw
bzw.
Wenceslaus
ohne
weiteren
Namenszusatz
bereits im
Jahre 1377
auf den
Rechnungen
der Prager
Dombauhütte,
auf denen er
z.T.
alleine,
teilweise
aber auch im
Zusammenhang
mit seinem
jüngeren
Bruder
Johann
erwähnt und
entlohnt
wird. Zwei
aus den
Jahren 1384
und 1388
stammende
Urkunden
beschreiben
sowohl seine
Tätigkeit
als
Steinmetz,
als
lathomus
und
lapicida,
als auch
seinen
Aufenthalt
in Prag.
Vier Jahre
später wird
Wenzel
urkundlich
letztmalig
in Prag
genannt,
während 1398
an dessen
Stelle sein
Bruder
Johann als
Prager
Dombaumeister
in den
Annalen
geführt
wird.
Spätestens
zu diesem
Zeitpunkt
scheint
Wenzel Prag
den Rücken
gekehrt zu
haben. Man
nimmt seine
Beteiligung
am Bau von
St. Salvator
in
Nördlingen
an. Nicht
sicher ist
die
Identität
Wenzels mit
dem von
Neuwirth
noch Anfang
des 15.
Jahrhunderts
in Prag
nachgewiesenen
Wenzel zu
den Sicheln.
Nach
Schock-Werner
und Kletzl
dürfte er
aber mit dem
gleichnamigen
Erbauer und
Dombaumeister
des Wiener
Stephansdomes
identisch
sein, da es
den
Gewohnheiten
der
Bauhütten
entsprochen
hätte, den
Sohn eines
dergestalt
namhaften
Baumeisters
wie Peter
Parler an
die
freiwerdende
Baumeisterstelle
in Wien zu
berufen.
Tatsächlich
tauchte an
St. Stephan
ab 1400 auch
ein Parlier
Wenzel als
Architekt
auf, der im
Jahre 1403
zum
Dombaumeister
ernannt
wurde.
Ein
vergleichbarer
Vorgang
ereignete
sich wohl
auch an der
Mailänder
Dombauhütte,
denn die
Gesandtschaft
des
Giangaleazzo
Visconti
empfahl
einen
Baumeister
aus Prag in
die
Heimatstadt
Mailand, der
offenbar
ihre
Aufmerksamkeit
erweckt
hatte. So
findet sich
in den
Annalen der
Mailänder
Dombauverwaltung
am 4.
November
1401 der
Hinweis
darauf, dass
ein
Ingegnero de
Praga
danach
gefragt
werden
solle, ob er
bereit sei,
nach Mailand
zu kommen.
Allerdings
war der
entscheidende
Bezugsort
hierfür
offenbar
nicht Prag,
sondern die
Stadt Wien,
da hier ein
Schreiben
ausgestellt
wurde, in
dem notiert
ist, dass
maestro
Wenceslao
einverstanden
sei, von
Wien nach
Mailand zu
kommen. Im
April des
Jahres 1403
erhielt
Ingegnere
Venceslao
in Wien von
der
Mailänder
Dombauverwaltung
ein
Schreiben,
in dem die
genannten
Verhandlungen
erwähnt und
dem Wunsch
Ausdruck
verliehen
wurde, dass
jener in der
nächsten
Zeit in
Mailand
erwartet
würde.
Dieser
Erwartungshaltung
kam der
Ingegnere
aber
offensichtlich
nicht nach,
da lediglich
zwei weitere
Briefe
hinsichtlich
des Dombaues
vorliegen,
nicht jedoch
eine
konkrete
Zusage von
der Seite
des
Dombaumeisters.
Die
folgenden
Briefe des
Baumeisters
zum Bau des
Domes
scheinen die
Mailänder
Dombauverwaltung
jedoch mit
Skepsis
hinsichtlich
der
beruflichen
Fähigkeiten
des
Architekten
erfüllt zu
haben, denn
sie bat den
aus Florenz
stammenden
Baumeister
Niccolo
de Selli
um ein
Gutachten
über
Wenceslao.
Dieses
scheint
tatsächlich
im März des
Jahres 1404
abgegeben
worden zu
sein, fiel
jedoch
offenbar
nicht sehr
positiv aus.
Ende Juli
des Jahres
1404 ist
Meister
Wenzel dann
in Wien
verstorben.
Wenzel wird
in den
genannten
und
bekannten
Urkunden und
Quellen
nicht mit
dem Namen
Parler
bezeichnet,
auch sind
weder Siegel
noch
Meisterzeichen
von ihm
überliefert.
In diesem
Sinne ist
die
Identität
des Wiener
und Prager
Dombaumeisters
nicht
eindeutig
und restlos
geklärt,
denn der
Name Wenzel
taucht in
der Zeit des
14. und 15.
Jahrhunderts
häufiger im
süddeutschen
und
böhmischen
Raum auf.
Immerhin
spricht
bereits die
Tatsache,
dass der
Kirchenmeister
Wenzel um
1400 in Wien
erscheint,
während
Wenzel, der
Sohn des
Baumeisters
Peter
Parler,
lediglich
bis in die
neunziger
Jahre des
14.
Jahrhunderts
urkundlich
als Prager
Dombaumeister
genannt
wird, dafür,
dass es sich
um die selbe
Person
handelt.
Darüber
hinaus
weisen
sowohl das
übereinstimmende
Formenvokabular
von St.
Stephan in
Wien und
Veitsdom in
Prag als
auch die
bauzeitliche
Abfolge der
beiden
Großprojekte
auf eine
wahrscheinliche
Identität
der beiden
Architekten
hin.
Stilistische
Parallelen
zeigen sich
etwa in der
Katharinenkapelle
in St.
Stephan in
Wien wie
auch dem
südlichen
Hauptturm in
St. Stephan,
dessen
Formenapparat
sich
deutlich an
das des
Prager
Südportals
anlehnt.
In
Anbetracht
dieser
Überlegungen
lässt sich
resümieren,
dass Wenzel
sehr
wahrscheinlich
am Bau des
Prager
Veitsdomes
sowie am Bau
des
Stephansdomes
in Wien
mitgewirkt
hat, während
eine
entsprechende
Tätigkeit in
Mailand
nicht
zustande
kam. Neben
seinem Vater
Peter Parler
repräsentierte
er
gleichwohl
einen der
bedeutendsten
Dombaumeister
und
Bildhauer
aus der
Parler-Dynastie.
Lit.:
Annali
della
Fabrica del
Duomo di
Milano
dall’origine
fino al
Presente,
Milano 1877.
– Walther
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Die Wiener
Dombauhütte
zwischen
1380-1430.
Der Hochturm
von St.
Stephan in
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Alte und
moderne
Kunst
LVI-LVII,
1962, S.
4-9. –
Ingeborg
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und
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in:
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. VI,
1993,
Spalten
1543-1554. –
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Wörterbuch
der Kunst,
1966, S.
519. – O.
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der
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Wenzel
Parler von
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Wiener
Jahrbuch für
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9, 1934. –
Lexikon der
Kunst, Bd.
IX, 1989, S.
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Die
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Dombaumeister
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in: Anton
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der schöne
Stil
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Europäische
Kunst unter
den
Luxemburgern.
Ein Handbuch
zur
Ausstellung
des
Schnütgen-Museums
in der
Kunsthalle
Köln, Köln
1978, S.
7ff. – H.
Siebenhüner,
Deutsche
Künstler am
Dom zu
Mailand,
München
1934. –
Wikipedia,
die freie
Enzyklopädie,
Wenzel
Parler,
2007.
Bild:
Zeichen
der Familie
Parler
auf einem
Ulmer
Grabstein,
Ende 14. Jh.
Ulrike
Gentz-Jonas