„Machen
Sie etwas
aus der
Geographie!“
– diesen
Lebensauftrag
erhielt
Siegfried
Passarge von
seinem
akademischen
Lehrer und
Förderer
Ferdinand
Freiherr von
Richthofen.
Er wurde in
Königsberg
als Sohn des
Richters und
Schriftstellers
Ludwig
Passarge (Aus
baltischen
Landen)
geboren. Der
Großvater
besaß das
Gut
Wolittnick
im Kreis
Heiligenbeil.
Schon als
Schüler des
Friedrichskollegiums
hatte er den
festen
Entschluss
gefasst,
Afrikaforscher
und Arzt zu
werden.
„Eine Zierde
der Schule
war ich
nicht“,
so schrieb
er später.
Passarge
begann 1886
sein
Geografiestudium
in Berlin,
wo der durch
seine
China-Forschungen
weithin
bekannte
Professor
von
Richthofen
wirkte.
Dieser war
nicht nur
der Lehrer
Sven Hedins,
sondern auch
von Erich
von
Drygalski
und Ernst
Tiessen; er
riet seinem
Studenten
Siegfried
Passarge
neben der
Geografie
zum
intensiven
Studium der
Naturwissenschaften.
1888 bis
1892
studierte
Passarge in
Jena
Medizin,
u.a. im
Hinblick auf
spätere
völkerkundliche
Untersuchungen.
Ostern 1892
bestand er
das
medizinische
Staatsexamen,
promovierte
jedoch zum
Dr. phil. in
Geologie.
Danach
genügte er
seiner
militärischen
Dienstpflicht
und wurde
1893 als
Unterarzt
entlassen.
Als Geograf,
Geologe und
Mediziner,
dazu mit
besonderem
Interesse
für Afrika,
war er der
richtige
Mann für das
Deutsche
Kamerun-Commitee.
Im
Hinterland
von Kamerun
war er dann
sowohl als
Arzt wie als
Geograf bei
den
Grenzregulierungsarbeiten
tätig.
Daraus
erwuchs sein
Werk
Adamaua,
das die
besondere
Anerkennung
Richthofens
fand. Nach
einem
Vortrag beim
6.
Internationalen
Geographentag
1895 in
London
machte man
ihm das
Angebot, das
Ngamiland
auf Gold-
und
Diamantenvorkommen
zu prüfen
und
geologisch
zu
untersuchen.
Außer
Kimberley
und
Johannesburg
erforschte
Siegfried
Passarge die
nördliche
Kalahari, wo
er an Typhus
und Malaria
erkrankte.
1904 legte
er die
Ergebnisse
seiner
Forschungen
im Werk
Die Kalahari
nieder.
Vorher
(1901/02)
hatten ihn
kürzere
Reisen nach
Venezuela
geführt. In
seiner
Darstellung
des
Orinoko-Gebiets
finden sich
bereits
Formen der
Schilderung
geografischer
Regionen,
die er
später in
seiner
Landschaftskunde
ausbaute und
damit neue
Wege
geografischer
Darstellung
betrat.
Passarge
habilitierte
sich 1903
mit der
Kalahari-Arbeit
bei
Ferdinand
von
Richthofen
in Berlin.
Er
erweiterte
sie nach der
völkerkundlichen
Seite durch
die
Veröffentlichung
über die
Buschmänner
der Kalahari
1905. Später
ließ er eine
ähnliche
Arbeit über
Palästina
folgen. 1905
folgte er
dem Ruf nach
Breslau als
Nachfolger
von Joseph
Partsch auf
den
Lehrstuhl
für
Geografie.
Als Passarge
1906/07
Algerien
bereiste,
handelte es
sich für ihn
um Fragen
der
allgemeinen
Geografie,
letztlich um
naturwissenschaftliche
Gesetzmäßigkeiten.
Von der
Breslauer
Universität
wurde er
1908 nach
Hamburg
berufen.
Hier lehrte
und forschte
er von 1908
bis 1936. Im
Ersten
Weltkrieg
war er als
Arzt und
Geologe in
Flandern
tätig. In
der Freien
und
Hansestadt
erlebte er
nach dem
Ersten
Weltkrieg
die
Umwandlung
des
damaligen
Kolonialinstitutes
in eine
Universität.
Nun begann
er aus den
auf seinen
Reisen
erworbenen
Kenntnissen
die
theoretischen
Folgerungen
zu ziehen.
Sie
gipfelten
vor allem in
der
Landschaftskunde,
die
versucht,
die
Landschaft
als Einheit
zu erfassen.
Dazu kommt
die
Untersuchung
der
Einwirkungen
der
Landschaft
auf den
Menschen
sowie die
Beobachtung
der
Veränderungen,
die der
Mensch in
der
Landschaft
vornimmt.
Diese
Wechselwirkungen
zu erkennen,
ist eine
Hauptaufgabe
der
Landschaftskunde.
Später
wandte sich
Passarge der
Anthropologie
zu.
Weiterhin
trat in
seinen
Arbeiten die
Problemländerkunde
in den
Vordergrund,
indem er dem
Vier-Kräfte-Problem
(Raum-Mensch-Kultur-Geschichte)
nachging.
Mit dem an
der
Münchener
Universität
lehrenden
Landsmann
und
Fachkollegen,
dem
gleichfalls
in
Königsberg
geborenen
berühmten
Geografen
und
Antarktisforscher
Erich von
Drygalski
verband ihn
eine enge
Freundschaft.
Kompromisslos,
ohne sich um
die Gunst
der Parteien
und
herrschenden
Meinungen zu
kümmern,
lehrte
Siegfried
Passarge am
Geographischen
Institut der
Universität
Hamburg.
1936 wurde
er
emeritiert,
ein weiterer
Lehrauftrag
wurde ihm
nicht
erteilt.
Seine
Anschauungen
passten
nicht in die
Rassenideologie
des
nationalsozialistischen
Regimes.
Durch
Bombentreffer
verlor
Professor
Passarge
seine
Wohnung,
seine
Bibliothek,
seine
Aufzeichnungen
und
Sammlungen.
1943 starb
seine Frau
Else, die
Tochter
eines
Gutsbesitzers
aus der
Gegend um
Bartenstein.
Einer seiner
Söhne fiel
im Krieg;
ihm blieben
noch eine
Tochter und
zwei Söhne,
die später
beide als
Ärzte in
Hamburg
praktizierten.
Während des
Zweiten
Weltkriegs
kehrte
Professor
Passarge
nach
Ostpreußen
zurück. Er
besuchte den
alten
Schulgefährten
Adolf von
Batocki, den
ehemaligen
Oberpräsidenten
von
Ostpreußen,
auf dessen
Gut Bledau.
„Ich habe
ihn stets
hoch
geschätzt.
Schon als
Junge zeigte
er eine
lautere
Gesinnung.
Als
Präsident
des
Ernährungsamtes
im Ersten
Weltkriege
schuf er
sich eben
durch seine
anständige
Haltung
Feinde. Er
ging nämlich
gegen
Luxushotels
vor, in
denen zu
Überpreisen
für Schieber
alles zu
haben war.
Bewundert
habe ich
auch seine
Tatkraft,
noch mitten
im Kriege
den
Wiederaufbau
der
verwüsteten
Kreise
Ostpreußens
zu beginnen“,
erklärte
Professor
Passarge.
Er verließ
Königsberg
im August
1944 und
fand
Unterkommen
bei
Verwandten
in Grünberg
in
Schlesien.
Da er auch
das
medizinische
Staatsexamen
bestanden
hatte, war
er bereits
im Ersten
Weltkrieg
als
Stabsarzt
tätig
gewesen.
Gegen Ende
des Zweiten
Weltkrieges
herrschte
ein großer
Mangel an
Ärzten für
die
Betreuung
der
Zivilbevölkerung.
Da stellte
sich der
78-Jährige
zur
Verfügung.
Am 26.
Februar 1957
wurde ihm
die
Ehrendoktorwürde
der
Hamburger
Universität
verliehen.
Siegfried
Passarge,
der bis zu
seinem Tode
tätig
gewesen ist,
hat der
Geografie
als
Wissenschaft
neue Wege
gewiesen.
Werke:
Adamaua
(1895). –
Kalahari
(1904). –
Die
Grundlagen
der
Landschaftskunde,
3 Bde.
(1919/20). –
Vergleichende
Landschaftskunde,
5 Hefte
(1921/30). –
Die
Landschaftsgürtel
der Erde
(1923). –
Die Erde und
ihr
Wirtschaftsleben
(1926). –
Beschreibende
Landschaftskunde
(1929). –
Wesen,
Aufgaben und
Grenzen der
Landschaftskunde
(1930). –
Einführung
in die
Landschaftskunde
(1933). –
Geographische
Völkerkunde,
6 Bde.
(1933/36).
Lit.:
Altpreußische
Biographie,
Bd. III
(1975), S.
1036
(Herbert
Kirrinnis).
– H.
Kirrinnis,
In memoriam
Siegfried
Passarge,
in: Das
Ostpreußenblatt,
Folge 8
(1967), S.
10. – E. N.
Wilmsen
(Hrsg.), The
Kalahari
Ethnographies
(1896-1898)
of Siegfried
Passarge
(1997). – G.
Sandner/M.
Rössler,
Schriftenverzeichnis
und Nachlaß
von
Siegfried
Passarge
(1998).
Bild:
Das
Ostpreußenblatt,
Folge 5
(1953), S.
13.
Wolfgang
Freyberg