Eine kurze
Mitteilung
in den
Stettiner
Nachrichten
Nr. 10/1969
hat seinen
Landsleuten
den Tod von
Arno Paulsen
angezeigt,
der an
seinem
letzten
Wohnsitz, in
Baden-Baden,
in einem
Krankenhaus
gestorben
war. An
seinem
Geburtsort
hatte er die
Volks- und
die
Mittelschule
besucht. Da
er schon
früh seine
Leidenschaft
für das
Theater
spürte und
eine
klangvolle
Stimme
hatte, nahm
er sogleich
Gesang-Unterricht.
Da während
des Ersten
Weltkrieges
die Auswahl
an
Darstellern
nicht groß
war, kam er
schnell zu
seinem Debüt
als Tenor
und Buffo am
heimatlichen
Stadttheater.
Den grauen
Rock mußte
er zwar
selbst noch
anziehen,
doch nicht
lange
tragen, denn
im November
1918 kam das
Ende.
Paulsen ging
sofort
zurück an
das
Bellevue-Theater
Stettin; die
Uraufführung
der Operette
Ihre
Hoheit, die
Tänzerin
(Musik:
Walter W.
Goetze,
Text:
Richard
Bars/Oscar
Felix) am 8.
Mai 1919
erlebte dort
mit ihm mehr
als 300
Wiederholungen.
Seine Stimme
gefiel,
wurde weiter
gefördert,
und schon
1920
unterschrieb
er seinen
ersten
Vertrag als
Buffo in
Brieg/Schlesien;
Osnabrück,
Oberhausen,
Rudolstadt,
wieder
Stettin (als
Tenor) und
andere
Engagements
folgten bis
zum Zweiten
Weltkrieg,
zuletzt
schon als
Spielleiter.
Wieder wurde
er Soldat
und nahm
1940 am
Frankreich-Feldzug
teil. Nach
kurzer
Lazarettzeit
arbeitete er
dann bis zum
Kriegsende
an
Fronttheatern.
Schon am 8.
Mai 1945
erhielt
Paulsen von
der
russischen
Besatzungsmacht
den Auftrag,
in Berlin
vorhandene
Theater
wieder
spielfähig
zu machen
(Theater des
Volkes und
Theater am
Schiffbauerdamm).
Anfang 1946
stand er in
Lommers
Höllenparade
auf der
Bühne, wurde
dort von dem
Filmregisseur
Wolfgang
Staudte
entdeckt und
für den
unter seiner
Regie
gedrehten
Film Die
Mörder sind
unter uns
der
sowjetzonalen
DEFA, den
ersten
deutschen
Nachkriegsfilm,
als
Hauptdarsteller
verpflichtet.
Das wurde
ein
Welterfolg,
auch in den
Metropolen
London, Rom,
Paris,
Hollywood,
Moskau!
War Paulsen
schon um
1930 so
bekannt
gewesen, daß
er damals
von der
Jugend „als
Zigarettenbild“
gesammelt
und ins
Album
geklebt
wurde
(Firmen-Werbung
jener Zeit),
so gelang
mit diesem
Film gleich
der
Durchbruch
auf der
Leinwand.
Paulsen hat
dann in mehr
als 50
Filmen
mitgewirkt:
Razzia
1947,
Wozzek
1948,
Affaire Blum
1948,
Epilog
1950,
Wenn abends
die Heide
träumt
1952,
Regina
Amstetten
1953, Der
20. Juli
1955,
Hotel Adlon
1955, um nur
einige zu
nennen. Von
1955 bis
1964 finden
wir ihn im
Ensemble des
Berliner
Schiller-Theaters
an der Seite
unserer
bekanntesten
Schauspieler
jener Jahre
wie Hans
Söhnker,
Bernhard
Minetti,
Rudolf
Fernau,
Berta Drews,
Marianne
Hoppe, Käthe
Haack und
anderen.
Berlin war
seine zweite
Heimat
geworden, wo
er sich auch
stets aktiv
als Mitglied
der
Genossenschaft
deutscher
Bühnen-Angehöriger
(GDBA)
einsetzte,
der er schon
seit 1919
angehörte;
nach
40jähriger
Zugehörigkeit
erhielt er
1959 das
goldene
Ehrenzeichen.
Aber auch
das
Fernsehen
hat sich
noch seiner
bedient, er
war der
Apotheker in
der
Fröhlichen
Weinrunde.
Leicht ist
ihm der
Abschied aus
Berlin nicht
gefallen,
als er mit
65 Jahren
nach
Baden-Baden
zog. Das
Deutsche
Bühnen-Jahrbuch
1970 hat
seinen Tod,
sein
50jähriges
Bühnenjubiläum
und auch
seine
50jährige
Verbandszugehörigkeit
für die so
schnellebige
Nachwelt
festgehalten.
Bild:
Arno Paulsen
in „Die
Mörder sind
unter uns“
(DEFA,
1946);
Süddeutscher
Verlag
München,
Bilderdienst.