Wer erinnert
sich noch
daran, dass
vor 100
Jahren in
Bukarest der
k.u.k.
Forstrat
Johann
Pitschak
verstarb? Er
gehört zu
den
zahlreichen
deutsch-österreichischen
Forstmännern,
deren
Pionierleistungen
im Ost- und
Südosteuropäischen
Raum heute
leider fast
in
Vergessenheit
geraten
sind, wie:
E. L. Koller
– Albanien;
A. Stengel,
F. Bernik,
J. Krenmayer,
O. Baigar,
A.
Hagmüller,
F. Riedl, R.
Cieslar –
Griechenland;
H. Veith –
Türkei; A.
Hohenstein,
G.
Paulensteiner,
A. Cieslar –
Russland,
u.a.m.
Seine
forstwissenschaftlichen
und
praktischen
Fachkenntnisse
erwarb sich
Pitschak in
der k.u.k.
Monarchie,
zu der bis
1919 das in
Nordmähren
gelegene
Kuhländchen
gehörte
(heute
Tschechische
Republik).
Leider
verfügen wir
heute über
sehr
spärliche
biographische
Daten zum
Lebens- und
Berufsgang
des
Modernisierers
der
Forstwirtschaft
des damals
noch jungen
Königreiches
Rumänien in
dem zur
Neige
gehenden 19.
Jahrhundert.
Um diese
Unvollständigkeit
soweit
möglich
auszugleichen,
wird die
Geschichte
des
Forstwesens
dieses
Großraumes –
auch
nachträglich
von Pitschak
geprägt –
etwas
ausführlicher
behandelt.
Geboren
wurde J.
Pitschak in
Neutitschein
(tschech. =
Nový Jičin),
Mittelpunkt
des vom 11.
Jh. bis 1945
deutschen
Sprachgebietes,
gelegen an
der oberen
Oder. Schon
im 13. Jh.
wurde seine
Vaterstadt
nach
deutschem
Recht an der
Handelsstraße
nach Polen
gegründet.
Leider
konnte
bisher sein
Geburtsdatum
nicht
eruiert
werden. Es
ist
anzunehmen,
dass er hier
die Schule
besuchte,
deren
Abschluss
ihn dann
befugte,
1859 bis
1860 an der
1813
gegründeten
Forstlehranstalt
und
Forstakademie
Mariabrunn
bei Wien
(seit 1873
Hochschule
für
Bodenkultur
Wien) zu
studieren.
Pitschak
dürfte im
Alter um die
50 Jahre
gestanden
haben, als
er – dank
seiner
Verdienste
im
österreichischen
Staatsforstwesen
– vom
Griechisch-Orientalischen
Religionsfond
der Bukowina
(Nordteil
heute zur
Ukraine,
Südteil zu
Rumänien
gehörend)
durch den
damaligen
Domänenminister
Rumäniens
P.P Carp
1890
abgeworben
wurde und
die Berufung
nach
Bukarest
annahm. In
Czernowitz
(rum.
Cernăuţi)
war er u.a.
1881
gründendes
Mitglied des
Bukowinaer
Forstvereins
und einer
der drei
Vorsitzenden
des
Exekutivkomitees;
zu erwähnen
wäre, dass
der Deutsche
Forstverein
achtzehn
Jahre
später, also
1899 ins
Leben
gerufen
wurde.
Nach
jahrhundertelanger
türkischer
Oberhoheit
kam
bekanntlich
die Bukowina
(Buchenland)
1775 zu
Österreich
und wurde
1849
Kronland.
Bis zu
diesem
Zeitpunkt
gab es hier
weder
Waldschutz
noch eine
geregelte
Waldbenutzung;
die Bauern
hatten freie
Lignation
(Holzberechtigung).
Die
Urwaldfläche
dieses
Großraumes
gehörte fast
gänzlich
orthodoxen
Klöstern;
1783 wurden
diese
säkularisiert
und der
Griechisch-Orientalische
Religionsfond
mit Sitz in
Czernowitz
gegründet.
Österreichische
Forstleute
wie A. Böhm,
V. Böhm, F.
Charbula, E.
Duchoslav,
E. Guzman,
L. Hauska,
H. Kolck,
Ch. Lippert,
H.
Lorenz-Liburnau,
J. Opletal,
K.
Petraschek,
J. Pitschak,
H.
Pichlmayer
und L.
Vorreiter
bewirtschafteten
diesen
wahren
Naturschatz
vorbildlich,
bis die
Bukowina
1919 an
Rumänien
fiel. Der
rumänische
Forsthistoriker
R. Ichim
würdigte
1988 diese
Erfolge mit
den Worten:
„Diese
Wälder
zählten zu
den am
besten
eingerichteten
und
bewirtschafteten
des Landes
und sogar
Europas.“
Ein Teil
dieses Lobes
gebührt J.
Pitschak.
Wie hatte
sich das
Forstwesen
Rumäniens
bis zur
Ankunft
Pitschaks
entwickelt?
In den
beiden
Fürstentümern
Moldau und
Walachei
(vereinigt
1861 unter
dem Namen
Rumänien)
unterstand
das
Forstwesen
bis 1842
keiner
Regel; es
herrschte
eine freie
Waldwirtschaft
wie diese in
allen
Nachfolgestaaten
des
ehemaligen
Osmanischen
Reiches
typisch war,
so z.B. in
Albanien,
Griechenland
etc. 1843
wurden in
der Moldau,
bzw. 1847 in
der
Walachei,
die ersten
Verordnungen
zum Schutze
des Waldes
herausgegeben
(das
Regulament
Organic).
Wegen Mangel
an
entsprechendem
Personal
blieb diese
sog.
Parkettordnung
nach
französischem
Muster ohne
sichtbaren
Erfolg. Auch
die drei
französischen
Forstleute
Richmond,
Richhomme
und Patras,
die 1851
berufen
wurden, um
das
Forstwesen
zu
organisieren
und eine
Forstschule
aufzubauen,
erzielten
nicht die
erwünschten
Ergebnisse
und
verließen
schon 1853
das Land.
1881 wurden
Rumänien
Königreich
und Karl von
Hohenzollern-Sigmaringen
vom Fürsten
zum König
(Carol I.)
erhoben. Nun
gab man die
erste
Forstgesetzgebung
Rumäniens
(den sog.
Cod silvic)
heraus, dem
das
österreichische
Reichsforstgesetz
von 1852 als
Vorbild
diente,
dessen
praktische
Ergebnisse
im
benachbarten
Buchenland
und in
Siebenbürgen
(zu Ungarn
gehörend)
sichtbar
waren. Unter
dem
Domänenminister
Petru Carp
(1837-1918)
und mit den
Plänen
Pitschaks zu
einer
Neuordnung
des
rumänischen
Forstwesens
begann ab
1890 ein
bemerkenswerter
Aufschwung
dieses
bedeutsamen
Wirtschaftszweiges
nach
mitteleuropäischem
Maße. Bis zu
diesem
Zeitpunkt
trug die
gesamte
Einrichtung
des
rumänischen
Forstwesens
französischen
Charakter,
wobei der
beträchtliche
Einfluss des
französischen
Forstwesens
darauf
zurück zu
führen war,
dass
zahlreiche
Absolventen
der
rumänischen
Forstschulen
ihr Studium
an
ausländischen
Forstlehranstalten,
bevorzugt in
Nancy
(Frankreich),
vervollkommneten.
Unter dem
Einfluss von
P. Carp – er
hatte in
Heidelberg
studiert –,
J. Pitschak
und P.A.
Grunau
(1860-1936),
Absolvent
der
Forstakademie
Tharandt,
Direktor der
Forstschule
Brăneşti bei
Bukarest,
besuchten
die
rumänischen
Studenten
nun
überwiegend
Lehranstalten
des
deutschen
Sprachraumes,
wie München,
Tharandt und
Wien.
Nach dem
Beispiel der
Bukowina
wurden als
Erstes für
das
Verwaltungspersonal
(Oberförster,
Unterförster
und
Waldhüter)
Dienstwohnungen
gebaut, um
deren
soziale
Stellung zu
stärken.
Bekanntlich
waren
während der
rund
400-jährigen
Herrschaft
der Türken
auf dem
Balkan die
großen
Eichenwälder
sowie
teilweise
auch die
Karpatenfichtenwälder
der
Vasallenstaaten
Moldau und
Walachei
fast
gänzlich
verwüstet
worden,
hatte man
doch das
Holz neben
Schiffbau
auch zum
Pflastern
der Straßen
türkischer
Städte
verwendet.
Pitschaks
Hauptaufgabe
bestand u.a.
darin, die
devastierten
Waldungen zu
meliorieren.
Nach der
damals für
Mitteleuropa
charakteristischen
waldbaulichen
Betriebsform
führte
Pitschak in
den
Gebirgswaldungen
den
Kahlschlagbetrieb
mit
künstlicher
Wiederbestockung
(70%
Nadelholz
und 30%
Laubholz)
ein. Man war
dabei
bestrebt,
die großen
Kahlflächen
in eine
wirtschaftlich
gerechte
Bestockung
zu bringen.
Weitere von
Pitschak
angegangene
Aufgaben
waren:
- Die
durch
Waldweide
und
Holznutzung
verlichteten
Bestände und
ihre Blößen
durch
künstliche
Verjüngung
in
geschlossene
Bestockung
zu bringen.
-
Unverjüngte,
alte Schläge
sowie
sonstige
Ödflächen im
Wald
aufzuforsten.
-
Devastierte
Ausschlagwälder
durch
Aufforstung
umzuwandeln.
Diese
waldwirtschaftlichen
Aufgaben
verband
Pitschak mit
ökonomischen
Zielen,
nämlich der
Belieferung
des Marktes
mit den als
Nutzholz
benötigten
Nadelhölzern.
In dieser
Zeit wurden
Forstgärten
in
unmittelbarer
Nähe der
Oberförstereien
angelegt, so
wie es auch
heute noch
praktiziert
wird. Auch
das
forstliche
Schulwesen
erfuhr in
dieser Zeit
einen bis
dahin kaum
gekannten
Aufschwung.
1895 wurde
Minister P.
Carp
abgesetzt
und 12 Jahre
darauf
(1907) starb
J. Pitschak
– ein
Pionier des
Forstwesens
Südosteuropas
– in
Bukarest.
Nach dem
schwungvollen
Aufblühen
des
rumänischen
Forstwesens
in der
kurzen
Zeitspanne
von 1890 bis
1907 trat
ein ebenso
schneller
Rückgang
ein, der bis
nach dem
Ersten
Weltkrieg
andauern
sollte.
Abschließend
sei Dr. E.
Fischer
(1855-1921)
zitiert, ein
in Bukarest
lebender
Zeitgenosse
Pitschaks,
der in
seinem 1911
erschienenen
Buch Die
Kulturarbeit
des
Deutschtums
in Rumänien,
diesen mit
folgenden
Worten
würdigt: „Zur
Reorganisation
des ganzen
Forstdienstes
(unter P. P.
Carp) wurde
von
Österreich
der gewiegte
Fachmann
Forstrat
Pitschak aus
der Bukowina
(trotz des
slawischen
Namens ein
Deutscher)
für eine
Reihe von
Jahren nach
Rumänien
beurlaubt.
Was er
geleistet
hat, wird in
den
eingeweihten
Kreisen
unvergesslich
bleiben.“
Lit.:
(Chr.)
Adolph,
Entstehung
und
Entwicklung
des
Rumänischen
Forstwesens,
in: Allg.
Forst- u.
Jagd-Ztg.,
43. Jg.,
1917,
S.120-136. –
J. Anhauch,
Forstwirtschaft
und
Holzindustrie
in der
Bukowina,
Berlin,
1913, 95 S.
– E.
Fischer, Die
Kulturarbeit
des
Deutschtums
in Rumänien,
Hermannstadt
1911, 398 S.
– C.C.
Giurescu,
Istoria
pădurii
româneşti
(Die
Geschichte
des
rumänischen
Waldes),
Bukarest
1975, 388 S.
–
V. Giurgiu
et al.,
Pădurile
virgine din
România (Die
Urwälder
Rumäniens),
Louvain-la-Neuve,
Belgien,
2002, 204 S.
– D.
Ivănescu,
Din istoria
silviculturii
româneşti (Aus
der
Geschichte
des
rumänischen
Forstwesens),
Bukarest
1972, 324 S.
– H.
Killian,
Mariabrunner
Trilogie.
Mitt.
d. Forstl.
Bundes-Versuchsanstalt
Wien, 80,
1968, 302 S.
– Gh. Nedici
u. C.G.
Zotta,
Tratat de
drept silvic
român
(Handbuch
des
rumänischen
Forstrechts),
Bukarest
1935, 256 S.
– E.G.
Negulescu u.
G.C. Ciumac,
Silvicultură
(Waldbau),
Bukarest
1959, 885 S.
– R. Rösler,
Zur
Geschichte
der
Forstgesetzgebung
in
Siebenbürgen,
in: Zeitschr.
f. Siebenb.
Landeskunde,
82. Jg., 1,
1988,
Köln-Wien,
S. 61-71. –
R. Rösler,
Dem
Vergessen
entreissen:
südostdeutsche
Forstleute.
Für ein
forstbiographisches
Lexikon
Siebenbürgens
und der
angrenzenden
Gebiete, in:
Südostdt.
Viertelj.-Blätter,
45. Jg., 1,
München
1996, S.
49-53. – R.
Rösler, Zur
Forstgeschichte
Rumäniens.
News of
Forest
History 28,
1999, Wien,
S. 37. – R.
Rösler,
Johann
Pitschak.
Erinnerung
an den
Erneuerer
des
rumänischen
Forstwesens,
in:
Kaindl-Archiv
39, 1999, S.
112-114. –
R. Rösler,
History of
Large Scale
Deforestation
in the
Balkan
Region, in:
Forest
History of
the Mountain
Regions of
the World,
Nainital,
Indien,
2001, S.
49-56. – R.
Rösler,
Verdienstvolle
Aschaffenburger
„Forstpolacken“
jenseits der
weiß-blauen
Grenze, in:
Aschaffenburger
Jahrb. f.
Geschichte
25, 2006, S.
123-127. –
E. Zierau,
Aus meiner
Forsteinrichtungspraxis
in Rumänien,
in:
Tharandter
Forstl.
Jahrb.,
1930, S.
466-481.
Rudolf
Rösler