Matthäus
Gottfried
Purmann
verdankt
seinen Platz
in der
Geschichte
der Medizin
nicht der
Bearbeitung
neuer
Operationsmethoden,
sondern der
Fortbildung,
Vervollkommnung
und
Beschreibung
der zur Zeit
üblichen
Operationsverfahren.
Er unternahm
mit Erfolg
schwierige
Operationen
wie
Kaiserschnitte,
Trepanationen,
Tracheotomien
und
Resektionen
von
Aneurysmen.
Bei seiner
chirurgischen
Tätigkeit
konnte er
auf
außergewöhnlichen
Anatomiekenntnissen
aufbauen und
die Gefahr
von
Komplikationen
merklich
verringern.
Von Purmann
an datiert
die
Entwicklung
der
Chirurgie in
Deutschland.
Weiteren
Fortschritt
brachte der
Arzt und
Anatom
Lorenz
Heister
(1683–1758).
Heisters
Lehrbuch der
Chirurgie
wurde in
alle
europäische
Sprachen
übersetzt.
Lange Jahre
bildete
dieses Buch
das
Hauptwerk
bei der
Ausbildung
in dieser
medizinischen
Disziplin.
Seine
Beobachtungen
und
Erfahrungen
publizierte
Purmann in
den Spalten
medizinischer
Schriften
und in
Lehrbüchern
der
Chirurgie.
Seine
Publikationen
erreichten
etliche
Auflagen und
wurden noch
nach seinem
Tode
gedruckt,
bis sie von
Lorenz
Heisters
Lehrbüchern
verdrängt
wurden.
Purmanns
Schriften
sind jetzt
eine
Seltenheit
und nur in
wenigen
Büchersammlungen
zu finden.
Theodor
Billroth
(1829–1894),
der sich
besonders
mit der
Chirurgie
des
Magen-Darm-Traktes
befaßte,
klagte, daß
er sie für
sich nicht
beschaffen
könne.
Purmann
führte
Transfusionen
des
Lammblutes
bei Menschen
durch. Die
erste
Transfusion
hatte Jean
Denis,
Leibchirurgus
Ludwigs
XIV., im
Jahre 1667
unternommen
und diesen
Eingriff
noch ein
paar Mal
wiederholt.
Dabei war es
jedoch zu
Todesfällen
gekommen, so
daß das
Pariser
Parlament
dieses
Verfahren
unter die
Strafe
körperlicher
Züchtigung
stellen
mußte.
Weitere
Transfusionen
trafen in
ganz Europa
auf Spott,
Hohn,
Vorwürfe und
Beschuldigungen
seitens der
Geistlichkeit
und der
Ärzte.
Purmann war
der Meinung,
daß die
“Chirurgia
transfusoria”
keine
Aufnahme in
der
Militär-Medizin
fände,
obwohl er
selbst
Transfusionen
nach
vorhergehendem
Aderlaß
durchführte.
Matthäus
Gottfried
Purmann
wurde in die
Familie
Michaels,
des
damaligen
Stadtschreibers,
nachher
fürstlichen
Hofrichters
(1662–1667)
und
Bürgermeisters
von Lüben,
geboren. Der
Großvater
von
Matthäus,
Georg
Purmann, war
Bürgermeister
in Neumarkt
bei Breslau.
Der Vater
des
künftigen
Chirurgen
hatte an der
Universität
zu
Wittenberg
studiert. Im
Gegensatz
zum Vater
unternahm
Matthäus
keine
Studien, er
besaß jedoch
ein tiefes
Allgemeinwissen,
beherrschte
die
lateinische
Sprache gut,
und das
ermöglichte
ihm das
Studieren
medizinischer
Literatur.
1664 wurde
er Lehrling
bei dem
erfahrenen
Wundarzt
Paul Rempelt
in Groß
Glogau und
1667 Geselle
bei
Balthasar
Kauffmann in
Frankfurt am
Main, dem
Alchemisten
und
Chirurgen.
Mit diesem
ging er nach
Küstrin, wo
Kauffmann
Garnisonschirurg
wurde. Im
Jahre 1670
trat
Matthäus
Purmann in
den Dienst
des
brandenburgischen
Heeres als
Kompanie-Feldscher
ein
(Regiment
des Grafen
Christoph
von Dohna).
Mit der
Kurbrandenburgischen
Armee nahm
er am
Holländischen
Kriege
(1672–1679)
im Elsaß und
in Westfalen
gegen die
Franzosen
sowie an den
Kämpfen
gegen die
Schweden in
Pommern
teil. 1675
wurde er zum
Regimentsfeldscher
ernannt.
Sorgfältig
schrieb
Purmann
seine
Erfahrungen
über die
Versorgung
der
Schußwunden
nieder,
woraus im
Jahre 1680
in
Halberstadt
ein Aufsatz
unter dem
Titel Der
rechte und
wahrhaftige
Feldscher
entstand.
Von der
Wichtigkeit
und dem
praktischen
Wert dieser
Publikation
zeugen ihre
vier
Übersetzungen
in fremde
Sprachen. Im
Jahre 1687
wurde diese
Arbeit von
Johann
Heudorn in
Minden als
Nachdruck
unter dem
Titel:
Der
vollkommene
und
wohlerfahrene
Wundarzt
herausgegeben,
angeblich
aus dem
Holländischen
in das
Deutsche
übersetzt
(ohne Angabe
des
Verfassers).
Nach vielen
Bemühungen
wurde
Purmann 1679
aus dem
Militärdienst
entlassen.
Er ging nach
Halberstadt,
wo er am 8.
Januar 1679
Dorothea
Meier
heiratete.
In
Halberstadt
baute er
sich eine
Existenz als
Barbier und
Wundarzt
auf. Bald
erlangte er
bei den
Bürgern des
kleinen
Städtchens
Anerkennung.
Während der
Pestepidemie
im Jahre
1681, welche
allein in
Halberstadt
über 2000
Bürger
dahinraffte,
wurde er von
der
kurbrandenburgischen
Regierung
für die
Epidemiezeit
als
Ober-Pest-Chirurgus
ernannt.
Dieses Amt
bekleidete
er bis zum
nächsten
Jahr.
Beinahe
wurde er
selbst Opfer
der Seuche.
Seine
Erfahrungen
schrieb er
in zwei
Ausarbeitungen
nieder:
Pestanweisung,
Halberstadt
1682 und
Der
aufrichtige
und
erfahrene
Pest-Barbier,
Halberstadt
1683. Nach
seinem
Wirken als
Pestbarbier
gab er den
früher
beendeten
Aufsatz
Chirurgischer
Lorbeer
Krantz oder
Wund-Artzney
in drei
Theil und 86
Capittel
abgetheilet,
Halberstadt
1684,
heraus.
Purmann
mußte schon
zu dieser
Zeit enge
Kontakte mit
Breslau
haben, denn
diese
Publikation
widmete er
dem
Breslauer
Stadtrat. Im
Frühjahr
1685 kaufte
er in
Breslau die
Werkstatt
des
verstorbenen
Wundarztes
Raphael
Nürnberger
und zog mit
Weib und
Kindern aus
dem
verpesteten
und
menschenleeren
Halberstadt
nach Breslau
um. Der Rat
der Stadt
Breslau
würdigte
seine
Erfahrung,
Gewandtheit
und sein
Können und
betraute ihn
1686 mit der
Stelle des
Garnisonchirurgs.
Nach dem
Tode Samuel
Raspers, des
ersten
Chirurgs,
Barbiers und
Stadtphysikus’,
wurde ihm
vom
Stadtrate
dessen Amt
übertragen.
Diese
Tatsache war
unbestreitbar
eine
Auszeichnung
für den
Wundarzt
Purmann, der
erst
unlängst in
die Stadt
Breslau, die
damals 28000
Einwohner
zählte,
zugezogen
war, wo
schon neun
Wundärzte,
fünf Ärzte,
zahlreiche
Zahnärzte,
Barbiere und
viele
Heiler, die
Leistenbrüche,
Katarakte,
Nieren- und
Gallensteine
behandelten,
ansässig
waren. Als
Wundarzt der
Stadt war er
auch zur
Betreuung
der Kranken
im
Allerheiligen-Hospital,
das seit
1526
bestand,
verpflichtet.
Daneben
stand
Purmanns
publizistische
Arbeit. 1687
publizierte
er seinen
Aufsatz
Fünf und
zwanzig
Sonder- und
wunderbare
Schusswunden
Curen
(Breslau
1678), den
er 1693 um
fünfzig
Curen
erweiterte
und von
neuem
herausgab.
Diese
Publikation
erlebte im
Jahre 1721
eine
Neuauflage.
Den
aufrichtigen
und
erfahrenen
Pest-Barbier
verbesserte
und
erweiterte
er ebenfalls
und gab ihn
1690 heraus.
Das große
Interesse,
das diese
Arbeit
erregte,
machte im
Jahre 1721
eine sechste
Auflage
notwendig.
Nacheinander
erschienen:
Chirurgischer
Lorbeer
Krantz oder
Wund-Artzney
in drei
Theil und
127 Capittel
abgetheilet,
Frankfurt
1692,
Ausführlicher
Unterricht
und
Anweisung
wie die
Salivation-Kur
Nach allen
Umständen
und
Vortheilen
aufs beste
und
sicherste
vorzunehmen,
Liegnitz
1692. Die
zweite
Auflage des
zuletzt
genannten
Werkes
erschien
1728. Reiche
Erfahrungen,
die Purmann
im Breslauer
Krankenhaus
gemacht
hatte,
veranlaßten
ihn zur
Herausgabe
noch einer
wertvollen
Arbeit aus
dem Bereich
der
Chirurgie:
Chirurgia
curiosa,
Liegnitz
1694. Ein
Jahr vor
seinem Tode
erschien die
Schrift
Curiosen
chirurgischer
Observationes,
Liegnitz
1710. Aus
allen seinen
Publikationen
kann man die
Gewandtheit
und
Kunstfertigkeit
des
Chirurgen
ersehen.
Matthäus
Gottfried
Purmann
starb nach
26 Jahren im
Sanitätsdienst
der Stadt
Breslau. Er
hinterließ
zwei Töchter
und einen
Sohn. Der
Sohn
Gottfried
studierte
Medizin.
Matthäus
Gottfried
Purmanns
Erfolge
lagen vor
allem auf
dem Gebiete
der
Wundchirurgie.
Seine
Versuche mit
Transfusionen
des
Lämmerblutes
bei Menschen
gingen fehl.
In der
Kriegszeit
versuchte
er,
ausgebluteten
Soldaten das
Blut der
Tiere zu
transfunsieren.
Aber die
Fehlschläge
überzeugten
ihn
endgültig
davon, daß
der deutsche
Arzt Michael
Ettmüller
(1644–1683)
recht hatte
mit der
Feststellung
(1682), daß
“jede
Transfusion
für das
Leben wegen
spezifischer
Unterschiede
zwischen dem
Blute der
Tiere und
dem der
Menschen
gefährlich
ist”.
Lit.:
A.W.E.T.
Henschel:
Jatrologiae
Silesiae
specimen
primum
exhibens
brevissimam
medicorum
Silesiae
recentiorum
eorumque
celebriorum
adiectus est
prodromus,
Wratislaviae
1847
(Appendix,
Catalogus
mediocorum
Silesiorum
recentiorum
eorumque
prodromus.
Sec.
XVII–XVIII),
S. 48. – H.
Frölich:
Matthias
Gottfried
Purmann, in:
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Bd. 26,
1888, S.
354. – J.
Graetzer:
Lebensbilder
hervorragender
schlesischer
Aerzte aus
den letzten
vier
Jahrhunderten,
Breslau
1889, S.
62–64. – H.
Goerke:
Matthaeus
Gottfried
Purmann
(1649–1711)
und die
erste
Bluttransfusion
in
Deutschland,
in: Dtsch.
Med., J. 2,
1951, S.
134–138. –
B. Seyda:
Dzieje
medycyny w
zarysie
[Geschichte
der Medizin
im
Überblick],
Warschau
1973, S.
299, 300. –
M. Sachs:
Die
Entdeckung
der
intravenösen-
und
Infusionstherapie
durch Johann
Sigismund
Elsholtz
(1623–1688),
in:
Zentralbl.
Chir., Nr.
116, 1991,
S.
1425–1432. –
Ders.,
Matthäus
Gottfried
Purmann
(1649–1711).
Ein
schlesischer
Chirurg auf
dem Weg von
der
mittelalterlichen
Volksmedizin
zur
neuzeitlichen
Chirurgie,
in:
Würzburger
medizinhistorische
Mitteilungen,
Bd. 12, S.
37–64. – M.T.
Breitenecker:
Matthäus
Gottfried
Purmann, in:
Illustrierte
Geschichte
der Medizin,
Bd. IX,
1984, S.
3416. – A.S.
Lyons, R.J.
Petrucelli:
Ilustrowana
historia
medycyny.
Przeklad zj.
angielskiego
M. Stopa.
Oprac.
naukowe wyd.
polskiego M.
Lyskanowski
[Illustrierte
Geschichte
der
Medizin],
Warschau
1996, S.
456.
Włodzimierz
Kaczorowski