Zumindest in
der
Geschichte
der
deutschen
Lyrik nimmt
Karl Wilhelm
Ramler einen
in
mehrfacher
Hinsicht
bemerkenswerten
Platz ein.
So war er
eine
unbestrittene
Autorität in
Fragen der
Metrik, und
er legte mit
seiner 1766
veröffentlichten
Anthologie
Lieder
der
Deutschen
nach Meinung
des
Rokoko-Spezialisten
Alfred Anger
die „beste
zeitgenössische
Sammlung
deutscher
Rokokolyrik“
vor. Schon
der erste
Satz des
Vorberichts läßt an der methodischen Klarheit und dem Qualitätsanspruch
des
Anthologisten
keinen
Zweifel:
„Diese
Sammlung
enthält
zweyhundert
und vierzig
Lieder
derjenigen
Deutschen
Dichter, die
von den
Vergnügungen
des Lebens
gesungen
haben. Diese
Dichter
sind:
Hagedorn,
Weiße,
Gleim, Uz,
Lessing,
Ebert,
Zachariä;
imgleichen
die Frau
Unzerinn.
Kleist,
Beyer,
Müller,
Ewald,
Kronegk,
Gerstenberg.“
Was
anakreontischen
Rang und
Namen hat, ist hier versammelt. Mit dem Hinweis, daß alle diese
Lieder „nach
und nach mit
Melodien“
herausgegeben
werden
sollen,
versuchte
Ramler seine
oftmals
weitreichenden
Eingriffe in
die
Textgestalt
der
ausgewählten
Gedichte zu
rechtfertigen.
Kaum einer
widersprach
diesen
Korrekturen.
Selbst
Lessing ließ
Ramler bei
der
Durchsicht
seiner
kleineren
Texte frei
gewähren,
beriet sich
mit ihm
überdies bei
der Arbeit
an seinen
Dramen und
verteidigte
ihn
lebenslang.
Proteste wie
die
Lichtwers,
der sich
schon 1761
gegen
Ramlers
ungenierte
Bearbeitung
seiner
Fabeln und
Erzählungen
zur Wehr
setzte,
blieben
folgenlos.
Diese
(hauptsächlich
formale)
Kompetenz
hatte Ramler
durch
harte Arbeit
erlangt. Vor
allem seine
ständig
verbesserten
Übersetzungen
der
Horazischen
Oden
(1769-1787)
schärften
und
erweiterten
seine
Formkenntnisse.
Von der
fachlichen
Zuständigkeit
zur
praktischen
Pedanterie
wurde der
Weg bei
Ramler im
Lauf der
Jahre jedoch
immer
kürzer;
nicht
zuletzt
hinsichtlich
seiner
eigenen
Dichtungen.
Beherrschung
der formalen
Mittel und
der
antik-mythologischen
Topik
garantieren
nicht auch
schon die
Poesie
einer
deutschen
Ode, wie das
Gedicht „Auf
die
Wiederkunft
des Königs
vom
Feldzuge“
unschwer
erkennen
läßt, das
der Ode des
Horaz III/14
nachgestaltet
ist. Die elf
Strophen
nehmen den
Abend des
30. März
1763 zum
Anlaß, an
dem
Friedrich
II.
unbemerkt
nach Berlin
zurückgekehrt
war.
Er kömmt,
um den du
bebtest,
wann im
Streite,
Wohin ihn
dein
Verhängnis
trug,
Der ehrne
Donner von
den Bergen
ihm zur
Seite
Die
Feldherrn
niederschlug;
Er, wider den mehr
Feinde sich
gesellten,
Als dir die
Nachwelt
glauben
darf,
Und der mit
unerschrockner
Seele sich
zwei Welten
Allein
entgegenwarf;
Dein
König, o
Berlin!
Durch den du
weiser
Als alle
deine
Schwestern
bist,
Voll Künste
deine Thore,
Felsen deine
Häuser,
Die Flur ein
Garten ist;
Dein
Vater, der
dich in der
Teurung
nährte,
Er kömmt,
mit Staub
und Ruhm
bedeckt,
Und hat die
Zwietracht,
die der
Völker Mark
verzehrte,
Zur Höll’
hinabgeschreckt.
(...)
Ihr edeln
Mütter,
opfert
Spezereien,
Die Sabatha
den Tempeln
zollt,
Da, wo sein
goldner
Wagen durch
gedrängte
Reihen
Entzückter
Augen rollt.
Heil uns,
daß unser
Morgen in
die Tage
Des einzigen
Monarchen
fiel!
So sagt, ihr
Jünglinge.
Du, Chor der
Alten, sage:
Heil uns,
daß wir das
Ziel
So
kronenwerter
Thaten sahn!
wir sterben
von Wonne
trunken:
Friederich
Bleibt
hinter uns;
ihr stolzen
Enkel sollt
ihn erben.
Triumph! so
sag’ auch
ich,
Wenn unter
lauten
jubelvollen
Zungen
Ein süßer
Ton auch mir
geriet;
Triumph! ich
hab’ ein
Lied dem
Göttlichen
gesungen,
Und ihm gefällt mein Lied.
Daß wir hier
einen
bedingungslosen
Bewunderer
Friedrichs
II. vor uns
haben, liegt
offen
zutage.
Ramler
stellt
diesbezüglich
keine
Ausnahme dar
unter den
(vornehmlich
anakreontischen)
Dichtern in
der zweiten
Hälfte des
18.
Jahrhunderts.
„Fritzisch“
waren auch
Gleim oder
Ewald
Christian
von Kleist
gesinnt.
Doch Ramler
überbot alle
durch seine
rundum
preußisch-patriotische
Gesinnung,
die sich
nicht nur
auf den
König selbst
bezog,
sondern auf
schlechthin
alles, was
mit dem
preußischen
Staat in
Zusammenhang
gebracht
werden
konnte.
Der Sohn
eines
Akzise-Inspektors
besuchte
zunächst die
Stadtschule
seiner (vom
mächtigen
Mariendom
beherrschten)
ostpommerschen
Heimatstadt,
seit 1736
die
Lateinschulen
im
Schinmeyerschen
Waisenhaus
zu Stettin
und von 1736
bis 1742 im
Waisenhaus
zu Halle a.
S. Hier
begann er
auch ein
Theologiestudium,
das der
überaus
freigeistige
Ramler
jedoch bald
abbrach.
Ansätze zum
Medizin-
bzw.
Jurastudium
gediehen
ebenfalls
nicht weit.
Zu
lebenslangen
literarischen
Studien
führte aber
die
Begegnung
mit dem
sechs Jahre
älteren
Gleim 1745
in Berlin,
der Ramler
in seinen
großen
Bekanntenkreis
einführte
und mit dem
ihn bald
eine enge
Freundschaft
verband. Mit
zeitüblichen
Hofmeisterstellen
hielt sich
Ramler bis
zum Sommer
1748 über
Wasser, als
er
maître de la
philosophie
am
Kadettenkorps
in Berlin
wurde. Diese
Professur
war zwar
miserabel
besoldet,
die
pädagogischen
Erfolge
Ramlers
zudem eher
kläglich,
doch
verharrte er
bis 1790 in
diesem Amt.
Zum einen
lag ihm die
Lehrtätigkeit
in
Philosophie
und den
Schönen
Wissenschaften
(vor allem
in der
zeitweise
gepflegten
Form
öffentlicher
Vorlesungen
in seiner
Wohnung),
andererseits
war ihm das
geistige
Leben im
Berlin
Friedrichs
des Großen
längst
unentbehrlich
geworden.1786
wurde er
Mitglied der
Königlichen
Akademie der
Wissenschaften.
Gleichzeitig
verbesserte
sich seine
materielle
Lage durch
eine für
damalige
Verhältnisse
großzügige
Ehrenpension
durch König
Friedrich
Wilhelm II.
Auf
Vorschlag
von J. J.
Engel wurde
Ramler 1787
zu dessen
Kodirektor
am
Königlichen
Nationaltheater
in Berlin
ernannt; von
1794 bis
1796 hatte
er die
alleinige
Leitung
inne.
Die
persönliche
Lebensführung
Ramlers
blieb auch
in den
letzten, von
einem
gewissen
Wohlstand
geprägten
Jahren
preußisch-genügsam.
Wie die
meisten
seiner
Dichterfreunde
blieb er
unverheiratet.
Die
zahlreichen
Freundschaften
wurden zum
persönlichen,
der Titel
eines
deutschen
Horaz
zum
beruflichen
Sinn seines
Daseins. Im
Umfeld des
Freundschaftskultes
des 18.
Jahrhunderts
kommt Ramler
eine nicht
nur
kulturgeschichtlich
aufschlußreiche
Rolle zu,
deren
detaillierte
Erforschung
noch
aussteht.
Daß gerade
die
sinnstiftende
Freundschaft
im Falle
Ramlers
keineswegs
problemlos
funktionierte,
zeigt
besonders
das
Zerwürfnis
mit seinem
ältesten
Freund Gleim
(1765). Bis
zum Tod
währte
dagegen die
Freundschaft
mit Kleist,
Götz und
Lessing.
Werke:
Poetische
Werke. Hg.
Von L. F. G.
von Göckingk.
2 Bde. 1979
(= Reprint
der
Parallelausgabe
Wien 1801).
–
Anakreontiker
und
preußisch-patriotische
Lyriker.
Zwei Teile
in einem
Bande.
Hagedorn.
Gleim. Uz.
Kleist.
Ramler.
Karschin.
Hrsg. von
Franz
Muncker.
Stuttgart o.
J. (=
Deutsche
National-Literatur.
Historisch
kritische
Ausgabe.
Hrsg. von
Joseph
Kürschner,
45. Band). –
Lieder der
Deutschen.
Faksimiledruck
nach der
Ausgabe von
1766. Hrsg.
von Alfred
Anger.
Stuttgart
1965 (=
Deutsche
Neudrucke.
Reihe: 18.
Jahrhundert).
Lit.:
Alfred
Anger:
Literarisches
Rokoko.
Stuttgart
1962 (=
Sammlung
Metzler 25).
Bild:
Anakreontiker
und
preußisch-patriotische
Lyriker.
Stuttgart o.
J. –
undatiert.
Walter
Dimter