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In Straupitz geboren, studierte er in Halle Theologie, ging 1804 als
Hauslehrer nach Petersburg, wurde dort Professor und Ordinarius für
Historik, kehrte 1822 zurück, suchte einen Anschluß an den Goethe-Kreis
in Weimar und ließ sich (ebenso enttäuscht wie Holtei) in Berlin nieder.
Viele seiner Schauspiele erschienen auf der Hofbühne. Berühmt wurden
„Der Nibelungen-Hort“ (1834 gedruckt), den Hebbel und Wagner als
Stoffdarlegung benutzten, und der Zyklus „Die Hohenstaufen“ (16 Teile,
1837 gedruckt, zumeist schon vorher aufgeführt) mit „König Enzio“, für
den Wagner Ouvertüre und Schlußmusik schrieb. Insgesamt waren es 117
Stücke. Eine Ausgabe der frühesten Werke erschien unter dem Titel
„Dramatische Dichtungen“ in einem Liegnitzer Verlag. In mehreren
Lustspielen ließ Raupach als stehende Figur einen Spaßmacher Till
auftreten; im „Sonett“ (endgültige Ausgabe 1833) bezeichnete er ihn als
Schlesier, der sich in der Mundart auskennt. Aber auch dabei unterblieb
eine nähere Charakteristik.
Unter den Stücken, die auf heimatliche Sagenmotive zurückgingen, wurde
das Trauerspiel „Der Müller und sein Kind“ (1835 gedruckt) bekannt,
wobei wohl das Renommee des Autors den Ausschlag gab. Der Versuch,
sagenartig Schauerliches mit sehr realistischen Inhalten zu verflechten,
ein gespenstisches Sujet in ein vordergründiges dörfliches Geschehen
hineinzutragen, schlug fehl, weil die Figuren buchstäblich zerrissen
wurden, ihre ebenso emotionalen wie nüchternen Spielebenen
auseinanderklaffen. Staffagereiche Handlungen mußten die Konturierung
der Charaktere ersetzen; unerwartet neue Entschlüsse und sonderbare
Zufälle treiben die Dramatik voran; und dadurch unterblieb auch
irgendeine Motivation aus regionalen Verhältnissen heraus. Allein die
Nennung von Ortsnamen und einige Regieanweisungen lassen erkennen, daß
sich das Stück „zu Anfang des vorigen Jahrhunderts unweit des
Gröditzberges in Schlesien“ zuträgt. Der Müller Christoph Reinhold ist
einerseits ein ausgemachter, vom Teufel besessener Bösewicht, der seine
Tochter, Marie, drangsaliert, von spiritistischen Anwandlungen befallen
wird und eine gräßliche Angst vor dem Tode hat, andererseits der
fleißige Handwerker, der sich mühsam emporgearbeitet hat, demnach sein
Geld zusammenhält und der Tochter die Liebschaft mit dem mittellosen
Müllersburschen Konrad verbietet. Seine Doppelrolle als Dämon und
Biedermann wird höchstfalls aus seiner Kränklichkeit verständlich,
bleibt aber sonst unmotiviert. Von Schwindsucht geplagt, läßt er sich
mit dem Totengräber John ein, der ihm rät, am Weihnachtsabend auf dem
Friedhof den Zug der Kirchgänger zu beobachten, denn die Toten des
kommenden Jahres seien darunter. Zufällig nächtigt Konrad zwischen den
Gräbern und sieht im Traum Reinhold und Marie. Weshalb Konrad, ein
aufrechter und bedachtsamer Kerl, der die Hand einer Müllerswitwe
ausgeschlagen hat, ins Gespinst der Zaubermacht gerät, wird nicht
erläutert. Jedenfalls sterben Reinhold (im selben Moment, da er sein
Geld im Garten vergräbt und Konrad hinzukommt) und Marie, die nun Konrad
heiraten könnte, aber einfach nicht mehr leben kann. Eine fatalistische
Tragik wird verneint: „Es ist Gottes Wille.“ Gegensätzliche, aber für
die Personen nicht vollends typische Szenen stehen unmittelbar
nebeneinander. Reinhold: „Und wem sollte ich denn auch mein Geld
vermachen? Der Schwester? Die ist immer gegen mich gewesen und hat meine
Dirne in ihrem Ungehorsam bestärkt. - Den Verwandten in der Stadt? Pfui!
garstiges Volk! – Der Kirche? Wem käme es dann zugute? Dem Pfarrer und
dem Schulmeister; nichts! nichts! — Den Armen? Hei! die sind immer meine
Todfeinde gewesen. Ihretwegen bin ich für einen Geizhals ausgeschrien
worden. – Niemand soll mein Geld haben – kein Mensch –.“ In der
folgenden Szene („das schneebedeckte Riesengebirge“, „Holunderstrauch“,
„helle Mondnacht“) Konrad: „Wo bin ich denn? – Im Obergarten des
Müllers. – Wie bin ich denn hierher gekommen? Wohl über den Zaun
gestiegen wie ein Dieb in der Nacht. – Achl Da am Zaune blies ich zum
letzten Male: ,Wer nur den lieben Gott läßt walten‘/ O hätte ich ihn
walten lassen! – Nun habe ich nirgends weder Ruhe noch Rast – nun muß
ich fort – und ich will auch fort – morgen – und weit, weit, übers Meer,
in die neue Welt.“
Aus:
Schlesisches Schrifttum der Romantik und Popularromantik, München 1978,
Wilhelm Fink Verlag.
Lit.:
Kurt Bauer, Raupach als Lustspieldichter, Diss. Leipzig 1913; Kurt
Kohlweyer, Raupach und die Romantik, Diss. Göttingen 1923; Pauline
Raupach, Ernst Raupach, eine biographische Skizze, 1853; Eduard Wolff,
B. S. Raupachs Hohenstaufendichtungen, Diss. Leipzig 1912.
Arno
Lubos
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